dürfe man von ihm amtliche Beruhigung erwarten.
(Italien.) In den italienischen Colonien am Rothen Meere geht es wieder recht unruhig her. Abessinische Truppen drohen mit einem all- gemeinen Angriff. Maffauah ist bereits angegriffen worden. Der dortige italienische Befehlshaber forderte 600 Mann Verstärkung. Infolgedessen haben 12 Compagnien verschiedener Jnfanterieregimenter, drei Alpencompagnien, 1 Geniecompagnie und 1 Gebirgsbatterie nach dorthin Ordre erhalten.___
Aus Hesfen-Naffan.
Hersfeld, 28. Jan. Als gefährliche Körperverletzung (§ 223a des Strafgesetzbuches) kann nach einem Urtheil des Reichsgerichts, I. Strafsenats vom 6. December 1886, die Verletzung eines Menschen durch Hetzen eines großen, auf den Mann gehenden Hundes, welcher demAnge'allenen eine, wenn auch thatsächlich nicht lebensgefährliche Bißwunde zugefügt, bestraft werden, auch wenn der Thäter sich nicht derLedensgesährlichkeit seiner Handlung bewußt gewesen.
Hersfeld, 28. Januar. Den Geschworenen darf, nach einem vom I. Strafsenat in Uebereinstimmung mit einem früheren Urtheil des II. Strafsenats ergangenen Urtheil des Reichsgerichts vom 29. November v. I., zu ihrer Bcleyrung auch strafrechtliche Literatur, beispielsweise ein Commentar zum Strafgesetzbuch, indasBeralhungs- zimmer mitgegeben werden.
Hersfeld, 28. Januar. Versetzt: Der Forstmeister Wiese zu Gumbinnen auf die durch Pensionirung des Forstmeisters Freiherrn von Buttlar-Ziegenberg erledigte Forstmeisterstelle Caffel-tzabichlSwald, der Forstmeister Krause zu Posen auf die durch Pensionirung des Forsts Meisters Dehnert erledigte gorstmeistcrslelle Cassel- Marburg, der Förster Kurzleben in Meines aus die Försterstelle Meckbach in der Oberiörsteiei Hersseld-Meckbach, der Oberförster S ch a e f e r zu Neuhof im Regierungsbezirk Cassel auf die durch Pensionirung des Oberförsters Heymach erledigte Oberförsterstelle Wörsdori, mit dem Amtssitz zu Jbstein im Regierungsbezirk Wiesbaden — Ueber- tragen: dem praktischen Arzt Dr. Rother zu Friedewald die commissarische Verwaltung der Kreiswundarztstelle des Kreises Hersfeld.
Hersfeld, 28. Januar. Eine Beleidigung durch Postkarte ist nach einer Entscheidung des Kammergerichts stets als eine öffentliche Beleidigung anzosehen.
./• Friedewald, 27. Januar. Zwischen den Dörfern L. und F. wurde kürzlich während der Nachtzeit von einer bewaffneten Person eine Persönlichkeit angetroffen, welche betrunken und regungslos im Schnee lag. Um nun dieselbe pflichtgemäß vom Tode des Erfrierens zu retten, lief erstere unter Anstrengung aller Kräfte nach dem Dorfe L. zurück, um dortselbst Hülfe zu requiriren. Diese That wurde nun von der inzwischen wieder rege gewordenen Person dadurch belohnt, daßdieselbe unter Hohngelächter aus- rief: „Dem habe ich aber mal Beine gemacht l" — Ist dies wohl der verdiente Lohn?
Gaffel, 26. Januar. Dem Vernehmen nach ist das Bad Wolfsangel, welches die Besitzerin zum Verkauf ausgeboten hatte, durch Tausch in die Hände des Herrn Rittergutsbesitzers Römmer in Frommershausen (ein Gut von ca. 500 Acker) übergegangen.
Schmalkalden, 20. Januar. Der Kreistag hat einstimmig seine Bereitwilligkeit dazu erklärt, der Staatsregierung den Grund und Boden zu staatsseitiger Erbauung der Bahnlinien Schmal- kalden-Steinbach-Hallenberg, MeyUs-Zella einer- seits und Schmalkalden-Kleinschmalkalden andererseits kosten- und lastenfrei zu übergeben.
Abterode, 24. Januar. Hier ist heute ein Selbstmord vorgekommen, die Frau des im Sommerhalbjahr gewöhnlich in Hamburg arbeitenden W. von hier, war schon seit etwa einem halben Jahr irrsinnig, trotz der Mahnung des Herin Amtsphystkus aber geschah nichts, dieselbe in einer Anstalt unterzubringen. Als sie sich nun heute früh aus den Futterboden begeben hatte, ohne wiederzukommen, fand man sie bald darnach in ihrem Blute liegend. Sie hatte sich mit einem Rasirmesser einige Halsadern durchschnitten und starb infolge des Blutverlustes noch an demselben Morgen.
Marburg, 25. Januar. Dem Realschüler Norbert Eberle hierselbst ist für die von ihm am 20. August v. I. bewirkte Rettung des 10jährigen Schülers Joseph Paulus vom Tode des Ertrinkens von Sr. Excellenz dem Herrn Minister des Innern die RettungS-Medaille verliehen worden. Die Aushändigung derselben an den rc. Eberle erfolgte heute bet versammelten Lehrern und Schülern in der Aula der Anstalt durch den Rector Dr. Hempfing.
Hauau, 25. Jan. Vergangenen Sonnabend Nachmittag wurden im Langendiebacher Walde von zwei Jagdaufsehern drei Wilderer dingfest gemacht und dieselben, nachdem ihnen die Gewehre abgenommen worden waren, der Bürgermeisterei Langendiebach vorgeführt. Nach Feststellung der Persönlichkeiten wurden dieselben — Arbeiter von Hanau — wieder entlassen. — In Vilbel ist seit einiger Zeit der Typhus recht bösartig aufgetreten. Es liegen circa 130 Personen krank. In einer Gemeinderathssitzung, zu der auch der katholische Geistliche und der evangelische Pfarrer eingeladen waren, wurde beschlossen, Krankenschwestern zur Pflege zu nehmen.
Frankfurt, 24. Januar. Mehrere Socialisten, darunter der am Sonnabend freigesprochene Günther, sind unter Verdacht, vor drei Jahren das Dynamit-Attentat gegen das Polizeigebäude begangen zu haben, verhaftet worden.
Frankfurt a. M., 25. Januar. Hier ist nunmehr das Handelsmuseum eröffnet worden. Dasselbe soll die für unsere Industrie und unseren Handel verwerthbaren Produkte, namentlich Rohstoffe überseeischer Länder, sammeln. Andererseits weist das Museum gewerbliche Erzeugnisse, welche von fremden Industriestaaten nach überseeischen Ländern geliefert werden, unter Verzeichnung der Preise, der Zahlungsart, der Eingangsabgaben und der Platzspesen auf. Dem Museum ist die Thätigkeit der auswärtigen deutschen Consulale gesichert.
Vermischtes.
— B r e s l a u, 24. Januar. Die Studiren- den der hiesigen Universität erlassen einen Aufruf an die Kommilitonen der übrigen deutschen Hoch- Ichulen, worin diese aufgefordert werben, dem Kaiser zu seinem bevorstehenden 90. Geburtstage „mit deutscher Brüderlichkeit den Dank und Die Glückwünsche der akademischen Jugend Deutschlands, zugleich mit der Versicherung unwandelbarer Treue und Ergebenheit bis in den Tod, vereint auf Die Stuten des Thrones niederzulegen." Treff- lich wird in dem Ausruf weiter gesagt: „An dem Tage, wo die Blicke aller Culturvölker auf uns Deutsche gerichtet sind, da gilt es für uns, die wir die Früchte der herrlichen Thaten Wilhelms des Siegreichen, wie ihn die Geschichte einst nennen wird, genießen, die wir vor Allem mit seiner großen Schöpfung, dem jungen deutschen Reich, ausgewachsen sind, in erster Reihe unsere Huldigung darzubringen. Legen wir, von je her Die Träger der ideellen Güter unserer Nation, an dem Ehrentage unseres Kaisers das feierliche Gelöbniß ab, diese feine Schöpfung, als heiliges Gut uns überkommen, mit unserm besten Können zu hüten und zu pflegen. Zeigen wir, daß in unsern Herzen noch dieselbe Flamme der Begeisterung lodert, die unsere Väter einst in den Stunden der Gefahr mit Gott für König und Vaterland freudig in den Kampf ziehen ließ." Schließlich wird in dem Aufruf der Vorschlag gemacht, dem Kaiser durch Vertreter aller deutschen Universitäten eine Adresse zu überreichen.
— Hamburg, 27. Januar. Nach einer Meldung des „Hamburgischen Correspondenten" ist in Altona wegen des gestern Abend erfolgten Werfens einer Orfinibombe in der Nähe des Rathhauses eine Untersuchung eingeleitet. Das Geschoß ist augenscheinlich zu früh explodirt und hat keinerlei Schaden verursacht. Die aufgefundenen Stücke bekunden eine laienhafte Verfertigung. Ueber den Thäter ist bis jetzt nichts ermittelt.
— Berlin, 25. Januar. Mit abgebissener Nase wurde eine Frau in die königliche Charits eingeliefert. Dieselbe, welche von ihrem Ehemann, einem Sattlergehilsen, getrennt lebt, da er sie nicht zu ernähren vermag, war von ihm in letzter Zeit wiederholt darum angegangen worden, wieder mit ihm zusammen zu ziehen, hatte sich aber dessen stets geweigert. Gestern stellte der Ehemann abermals einen solchen Antrag und als die Frau ab- lehnte, stürzte ihr der Ehemann nach, faßte ihren Kops und biß ihr die Nase total ab. Auf ihre Hilferufe erschien ein Schutzmann, welcher die Uebersührung der Verstümmelten nach der königlichen Charitä bewerkstelligte. Die abgebiffene Nase fand sich auf der Stelle, auf der das Attentat verübt worden war, vor und wurde im Aus- nahwebureau gleichzeitig mit der Patientin abge- lieiert.
— Düsseldorf. In der Sitzung des Schöffengerichts einer Nachbarstadt richtete der Amtsrichter an einen Zeugen, der zur Eidleistung bereits die Hand erhoben hatte, noch die Frage: „Haben Sie sich auch ordentlich geprüft? „Ne, Här Richter," erwiderte der Mann ganz erschrocken und ließ die Hand sinken, „prüft hebbe eck noch nit." „Prüfen" bedeutet am Niederrhein, was man andererwärts „einen auf die Lampe gießen" heißt, und der gute Mann dachte, eine herzhafte
Schnapsstärkung sei eine zur Eidablegung gehörende Ceremonie, die er noch nachzuholen habe. Das über das ernste Gesicht des Richters wetterleuch- tende Lächeln und das schallende Gelächter des Publikums klärten ihm allmählig seinen sonderbaren Irrthum auf.
— L e n g e r i ch i. W. Eine kostbare Jagd wurde am Montag in dem nahegelegenen Jagdbezirk des Dorfes Brochterbeck abgehalten. Gegen 40 Jäger und 50 Treiber zogen aus zum munteren Jagen. Hornisten bliesen zum Vorrücken, Marketenderwagen brachten Erfrischungen zum Stell- dichein, und das ganze Ergebniß war — ein Karnickel !
— F r a n k f u r t a. M. Der 18 Jahre alte Sohn eines hiesigen Einwohners bestahl seine bereits seit Monaten an das Krankenbett gefesselte Großmutter gelegentlich eines Besuches um 4850 Mark. Die Frau lag im Bette, konnte sich nicht erheben und mußte ruhig zusehen, wie ihr Enkel mit einem Brecheisen ihren Schränk erbrach und daraus das Geld entnahm. Nachdem er den Einbruch verübt, trat er an das Lager seiner Großmutter und versicherte sie, daß das Geld jedenfalls zu seinem Glücke Verwendung finden werbe, da er mit demselben eine größere Seereise anzutreten gedenke, um in fernen Landen sich niederzulassen. Hätte er in dem erbrochenen Schränk noch einige Handtücher emporgehoben, so wären ihm für etwa 11,000 Mark Werlhpapiere in die Hände gefallen.
— M ü n st e r, 22. Januar. Auch bei uns hat ein Aufkauf von Brettern durch französische Holzhändler stattgefunden. Es sind nämlich in letzter Zeit von Händlern aus Nancy und Epinal für etwa 70000 Frc. Bretter, welche zum Barackenbau an der französischen Grenze dienen sollen, im Münsterthale angekaust worden. Alle Sägereien des hiesigen Bezirks haben vollauf zu thun, den ihnen gemachten Bestellungen nachzukommen, da dieselben bis Ende März fertig sein sollen. Infolge dieser großen Nachfrage sind die Preise der Bretter um 5 pCt. gestiegen.
— In der Schweiz existiren ca. 1000 Hotels, diese enthalten 58000 Betten und die Anzahl der Bediensteten beträgt 16000 Personen. Die jährliche Einnahme dieser Hotels belauft sich auf 42 400 000 Francs, also auf mehr, als das Budget der ganzen Schweiz ausmacht und die Ausgaben aus 28 880 000 Francs. Folgende Tabelle giebt über den großartigen Consum dieser Hotels Aufschluß. Dieselben verausgabten im letzten Jahre: für Wein 2 800 000 Francs, für Geflügel 1740 000 Francs, für Fische 1000 000 Francs, für Gemüse 2C. 800 000 Francs, für Kaffee 480 000 Francs, für Zucker 400 000 Francs, für Thee 192 000 Francs, für Oel 160 000 Francs. Gleich- zeuig wurden neben diesem Import 18 800 000 Francs für Speisen in heimischen Produkten bezahlt.
— N o v 6 a n t, 24. Januar. Ungefähr 900 Pferde, die mit der Bahn von Norlen kamen, passirten gestern Abend die französische Grenze. Die hiesige Behörde wurde telegraphisch von dem Umstände in Kenntniß gesetzt und gab die Nachricht sofort mittels Drahtes weiter nach Berlin.
— (Nur a u s r e d e n lassen.) Herr: Gnädige Frau, Sie sind doch schon fünfundzwanzig Jahre--Frau: — Sie Schmeichler. — Herr (fortsahrend): ---verheirathet gewesen.
— (Boshaft.) „O, Sie wissen gar nicht, wie ich die Männer hasse!" — „So ? Sollte Ihnen wirklich schon einer zu nahe getreten sein?!"
— (Or a kelh a s t.) Patient (zum Arzt): „Wir sehlt's überall; Katarrh, Husten und reißen lyut's mich in allen Gliedern!" — Arzt: „Da brauchen Sie sich gar nichts daraus zu machen — der Zustand ist ganz normal. Wer jetzt bei der Witterung nicht krank ist, der ist nicht gesund!"
Verfälschte schwarze Seide. Maul verbrenne ein Musterchen des Stoffes, von dem man taufen will und die etwaige Verfälschung tritt sofort zu Tage: «echte rein gefärbte Seide kräuselt sofort zusammen, verlöscht bald und hinterläßt wenig Asche von ganz hellbräunlicher Farbe. — Verfälschte Seite (die leicht speckig wird und bricht) brennt langsam fort, namentlich glimmen die „Schußfäden" weiter (wenn sehr mit Farbstoff erschwert), und hinterläßt eine dunkelbraune Asche, die sich im Gegensatz zur ächten Seide nicht kräuselt sondern krümmt. Zerdrückt man die Asche der ächten Seide, so zerstäubt sie, die der verfälschten nicht. Das Seidenfabrik-Depot von <4. Henneberg Jt u. K. Hoslies.) Zürich versendet gern Muster von seinen ächten Seidenstoffen an Jedermann und liefert einzelne Roben und ganze Stücke zollfrei in's Haus.
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Kirchliche Nachrichten.
Gottesdienst Sonntag den 30. Januar. Vormittags: Herr Juspector Dr. Vial. Nachmittags: Herr Pfarrer Hosbach.