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vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg. excl.

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Die Jnsertionigebührm betragen für den Raum ein« Spaltzeile 10 Pfg., im amtlichen Theile 16 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Pfg. Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.

Nr. 12.

Mit wöchentlicher Kratis-AeitageMustrirtes AnterhaktungsötatL".__________

Donnerstag den 27. Januar 1887.

Aöonnements-Ginladung.

Bestellungen auf das

Hersfelder Kreisdlatt

mit der wöchentlichen Gratis - Beilage

Mustrirtes Unterhaltungsblatt" für die Monate Februar n. März werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtliches.

Hersfeld, den 22. Januar 1887.

Zwecks der in der zweiten Hälfte des Monates Februar er. vorzunehmenden Ermittelung des Ernteertrages der wichtigeren feldmäßig gebauten Fruchtarten im Jahre 1886, werden den Herren Ortsvorständen des Kreises in den nächsten Tagen je 2 Exemplare des zur Erhebung dienenden Formulars B. sowie ein in der Repositur aufzube- wahrendes Notizblatt für etwaigen im taufenden Jahre vorkommenden Hagelschlag zugehen.

Das ersterwähnte Formular B. ist in der oben angegebenen Zeit unter genauer Beachtung der dem­selben aufgedruckten Anleitung auszufüllen, wobei selbstredend auch die auf den Notizblättern für das Jahr 1886 enthaltenen Angaben über den im ab­gelaufenen Jahre vorgekommenen Hagelschlag zu übertragen sind.

Bis zum 1. März d. J. ist mir sodann ein Exemplar des richtig und deutlich auszusüllenden Formulars, mit Unterschrist versehen, emzureichen, während das andere Exemplar in der Repositur

auszubewahren ist.

Ich weise noch besonders daraus hin, daß, ebenso wie im Vorjahre, auch diesmal in den Formularen durch kurze Bemerkungen oder Fragezeichen auf! . , . ---------

zweifelhafte Angaben oder sonstige Unregelmäßig- liegt ein Verfassungsconflict. Er führte aus, daß

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(Unbefugter Nachdruck verboten.) Der Hannhofseröe.

Erzählung von A. von der Elbe. (Fortsetzung.)

Die Brockmann konnte mit Gesa weniger denn je Übereinkommen. Das Mädchen schien still­schweigend eifersüchtig für ihren Vater zu sein, denn es bewies sich stets schnippisch gegen NicolauS Rodis. Wenn Märte vom Tannenhose plauderte, brach sie kurz ab, und ging der Wtttsrau mehr und mehr aus dem Wege. Nun verwahrte Gesa sich freilich hoch und theuer gegen die Möglichkeit, Rainold Tannen gern und Lieber zu haben, als den ihr Anverlobten, Frau Märte traute aber dem Handel nicht. Sie hatte von Anfang an bezweifelt, daß aus Heinrich und Gesa ein Paar werde, und dieser Zweifel ließ sie aller Sicherheit halber, Jost Wildführ noch immer fern halten, denn jetzt noch weniger als zu Anfang mochte sie demnächst mit Gesa zusammen hausen. Vor ein paar Tagen hatte nun der Streit zwischen den Tannen-Brüdern stattgesunden; es fiel nicht schwer zu errathen, daß Gesa die Ursache gewesen. Jetzt wich und wankte diese nicht von Rainolds Lager, pflegte ihn mit ängstlicher Sorgfalt und wollte von nichts Ande­rem wissen, als von ihrem Kranken. Kam Rai- nold nicht durch, so verabscheute Gesa sicherlich seinen Mörder und würde nicht daran denken, Heinrich zu ehelichen, wenn man diesen auch als in der Nothwehr im Rathe sreispräche. Andererseits schien es Frau Märte eben so zweisel-

feiten aufmerksam gemacht worden ist und erwarte, daß die Angaben sorgfältigst und mit der nöthigen Aufmerksamkeit eingetragen werden.

7l 9. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

k Fürst Bismarck im Abge- ordnetenhause.

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Die oppositionelle Wahlmache in Parlament und Presse hat den Reichskanzler Fürsten von Bismarck bewogen, am Montage im Abgeordne- tcnhause zu so wuchtigen Reden das Wort zu er­greifen, wie es die Herren Windthorst und Richter weder erwartet noch bisher erlebt haben dürften. Nur mit Ingrimm und Verachtung mußte es bisher Jeden erfüllen, zu sehen, in welcher fy^_ matischen Weise das Volk in der gegenwärtigen Wahlbewegung von den Führern der Opposition irre zu leiten versucht wird. Auf den großen Staatsmann, welcher von jeher auf der Bresche gestanden und dem als Begründer und Schöpfer das Wohl des Reichs doch noch etwas mehr am Herzen liegen muß, wie jedem Anderen, der die Früchte einfach pflückt oder auch zertritt und der nur dadurch groß zu sein glaubt, daß er der Be­kämpfung der Politik des Kanzlers sein Leben widmet, mußte das Verhalten der Opposition noch einen ganz anderen Eindruck machen, es mußte ihn zu einer That führen, die er in der Montagssitzung vollzogen.

Fürst Bismarck zerriß mit kräftiger Hand die Nebel, mit welchen die Geister der Opposition die Einsicht der Wähler zu umhüllen suchen. Zm nächst wandte er sich gegen den Versuch der Oppo­sitionsparteien, den Unterschied einer Bewilligung der Präsenzstärke für drei oder für sieben Jahre als belanglos hinzustellen. In diesem Gegensatz

hast, ob Heinrich eine Braut behalten möchte, die ihm vermuthlich Anlaß zur Eifersucht gegeben und ihn dadurch zu dem Streit mit seinem Bruder ge­reizt hatte. Der Vorfall mußte das schwache Band zwischen Gesa und Heinrich zerreißen, dafür glaubte die Wittwe das menschliche Herz zu kennen; dann aber freite Gesa nicht, blieb im Hause und für Märte war kein Platz im Regimente übrig. So erwog sie, ob sie jetzt gehen, oder doch noch ab­warten und bleiben solle.

Mitten in diese Bedenken hinein sprach wiederum der Syndikus Rodis bei ihr vor.

Werthe Frau", sagte der Gast, nachdem er sie geziemend begrüßt, morgen in aller Frühe muß ich ausbrechen, Wetter und Wege machen sich jetzo vom Besten; Ihr wisset meine Verhandlungen in dieser Stadt sind zum Abschluß gediehen, die Pflicht ruft mich nach Braunschweig zurück."

Schon so bald!" klagte die Frau.

Blickte ich auch gern noch in Eure schönen Augen, gilt es doch sich loszureißen! So Ihr nicht ein gütig' Einsehen habt und mit mir heim- reiset, muß ich Euch zu dieser Stunde Valet sagen."

Das Märtle fühlte sich vor innerem Kampf er« bleichen und war außer Stande, eine rasche Ent­scheidung zu treffen.

Ehrenwerther und gestrenger Herr," sagte sie mühsam,das wiederholte Antragen Eures Schutzes erfreut mich, ich habe indeß zu lange die Gastfreund­schaft dieses verwandten Hauses genossen, um sonder Ursache plötzlich ausbrechen zu können."

F@o Ihr abzureisen wünscht, wie Ihr mir an«

die verbündeten Regierungen es sind, welche für die Verfassung eintreten, indem sie sich nun und nimmermehr darauf einlassen werden, alle drei Jahre um den Bestand des Heeres zu kämpfen und somit die Verfassung alle drei Jahre von Neuem gefährden zu lassen. Ihr Recht war es, im Jahre 1874 auf Grund des Artikels 60 der Verfassung ein Gesetz über die Friedenspräsenz­stärke zu verlangen, welches die natürliche Dauer eines jeden Gesetzes hat. Nur die Liebe zum Frie­den hat sie schließlich auf Initiative des Kaisers zu der Concession einer siebenjährigen Feststellung veranlaßt. Diese Concession aber dürfe nicht wie­der zum Ausgangspunkt von Forderungen nach neuen Concessionen gemacht werden, am wenigsten auf Grund der völlig falschen Vorstellung, mit der die Verfassung nichts zu thun hat, daß der Reichstag im Wege des Budgetrechts Alles ver­sagen könne. Die Opposition, bei welcher die an« timonarchischen und reichsfeindlichen Elemente der Welsen, Polen, Elsaß-Lothringer und Socialde- mocraten den Ausschlag geben, will so führte der Kanzler aus den Conflict, indem sie sich zu Unrecht auf die Verfassung beruft, die sie wie alles andere, was bisher im Reich erreicht wor­den ist, bekämpft und zu hintertreiben versucht hat. Desgleichen beleuchtete der Kanzler die militärische Nothwendigkeit des Septennats, welches Deutschland den Rüstungen des Auslands gegenüber stärker machen und dem Frieden größere Bürgschaften geben kann.

Der Schwerpunkt seiner Darlegungen beruhte aber in der völligen und entschiedenen Zurück- Weisung der für Wahlzwecke zurecht gemachten Verdächtigungen, Gerüchte und Schlagwörter, wie sie sich in den Wahlaufrufen der Opposition und auch in den Reden finden, mit welchen die Herren Windthorst und Richter die Angriffe des Kanzlers am Montage zu pariren suchten. So erklärte er denn, daß die Schreck-

vertraut habt, wäre die gute Gelegenheit, welche ich Euch biete, Grund und Ursache genug."

Ich muß zuvor mit meinen Freunden Rück­sprache nehmen, will Euch aber diesen Abend Be­scheid senden, ob ich mich Euch anzuschließen ge­denke."

Der Syndikus schien mißgestimmt, daß die hübsche Frau ihre Einwilligung versagte, es glückte ihm aber nicht trotz Zureden und Schmeicheln ein bestimmtes Ja von ihr zu erlangen.

Frau Märte glaubte jetzt seiner Neigung gewiß zu sein, wollte jedoch nicht gleich einer reifen Frucht in seine ausgestreckte Hand fallen. Und dann meinte sie auch, ohne allen Anlaß von Wildführs Seite, nicht plötzlich davon gehen zu können.

Während sie noch mit einander sprachen, sah die Brockmann Heinrich Tannen über den Marktkirch­hof auf das Haus zu kommen. Es wunderte sie, daß der sich hierher traute. Ihr Gast wußte von dem Streite der Brüder, und nun lauschten sie miteinander vor der halb offenen Stubenthür, was sich unten auf der Diele bei Heinrichs Eintritt be- geben werde.

Das Kommen dessen, den man jetzt hier nicht erwartete, war vom Markthelfer gesehen worden, dieser Lief, seinen Herrn zu benachrichtigen.

Als Heinrich im Hause anlangte, trat ihm Jost Wildsühr aus seiner Schreibstube entgegen. Der Kaufmann rieb sich verlegen und mit erschrockenem Gesichte die Hände und schwankte sichtlich, wie er seinen Schwiegersohn empfangen sollte.

Ich komme zu Euch, Vater," sage Heinrich mit