Erzeugnissen mit Preisvertheilung in einem der 12 Gaue, in die das Vereinsgebiet eingetheilt ist. Die 'erste dieser Ausstellungen soll in dem Gau Hessen-Nassau und mitteldeutschen Staaten, und zwar, wie schon früher mitgetheilt, in der Zeit vom 9. bis 13. Juli l. I. in F r a n k f u r t abgehalten werden.
Hanau. Die Zeichen-Academie zu H a n a u, deren Leistungen die Hanauer Bijouterie- und Goldindustrie ihre Haupterfolge verdankt, hatte unter der Directton des Prof. Hausmann einen hohen Aufschwung genommen. Leider war die Anstalt durch den plötzlichen Tod ihres Leiters •’,/4 Jahre verweist, hat aber jetzt in Professor Wiese, seither erster Lehrer der Academie, einen neuen Director erhalten. Diese Ernennung hat bei der ganzen Einwohnerschaft tzanau's den freudigsten Anklang gefunden.
Frankfurt a. M., 17. Januar. Heute begannen vor der hiesigen Strafkammer die Verhandlungen gegen 36 Socialdemokraten, von denen 23 am 10. November v. I. in der Wirthschaft bei Prinz, die übrigen später verhaftet und in Untersuchung gezogen wurden. Staalsanwalt U h l e s vertritt die Anklage, Nechtsanwalt tz o l d h e i m hat die Vertheidigung der Angeklagten übernommen. Ein Antrag auf Ausschluß der Oeffentlichkeit wurde abgelehnt. Der Angeklagte F ü t l g r a b e giebt zu, daß hier eine vollitändige Organisation der socialdemocratischen Partei bestanden habe.
Rintelu, 12. Januar. Vor einigen Tagen halte ein hlenger Jäger das sehr seltene Glück, eine Trappe zu fojießen; ein Zug von 8 Stück stieg in bedeutender Höhe über die Hessendorfer Weiden, und glückte es demselben, eine davon zu erlegen. Der Vogel hatte ein Gewicht von über 14 Pfund, die Flügelspannung 1*/, Meier. Allgemeine Bewunderung val das praanonHe Gefieder erregt.
Fulda, 17. Januar. Am 16. d. M., Morgens 7 Uhr, wurde der Eisenbahnhüllswärter Aloysius Arnold in der Wärterbude Nr. 103 bei Marbach todt ausgefunden. Die Ursache des plötzlichen TodeSialles ist bis jetzt noch unbekannt, ein Verbrechen dürfte jedoch ausgeschlossen sein.
& Alts der Sternenwelt.
Welchem denkenden Wesen ist bei dem Anblick des Ster< nenhimmels nicht schon der Gedanke gekommen: „Aus welchem Stoff bestehen diese leuchtenden Dinge dort oben, wer zündet sie an, wer unterhält sie und welchen Zweck verfolgen sie? Sind sie nur dazu da, unsere Nächte zu erhellen, oder haben sie noch andere Obliegenheiten zu erfüllen und worin bestehen diese? Wie weit sind sie von uns entfernt und wie sind sie dort oben befestigt daß sie nicht herunterfallen?" — Alle diese Fragen sind schon auf- getaucht, so lange es Menschen giebt, und sie sind unbeantwortet geblieben, oder die Menschen haben nie das Richtige getroffen, bis nach Erfindung der Fernrohre unsere
Gelehrten in der glücklichen Lage waren, einen genaueren Blick in die Sternenwelt zu werfen. Da haben sie denn vor Staunen und Verwunderung die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, über das, was sie dort oben sahen. Und die große Zahl der Ungelehrten hielt die Gelehrten einfach für übergeschnappt, als diese die Behauptung auf» stellten: „Alle die glänzenden Lichter dort oben sind große Weltlörper, die in unermeßlichen Fernen frei im Weltraum schweben und die, wie unsere Erde, fruchtbar und von lebenden Wesen bewohnt sein können; ja unsere Erde selbst ist nichts als ein kleiner Körper im Weltall, der von Millionen anderer Weltlörper dort oben an Größe weit über- trosien wird, und unsere Erde muß sich nach bestimmten Gesetzen bewegen und unaufhörlich um die Sonne herumdrehen." — Das war dem beschränkten Menschenverstand zu viel, und gar die Behauptung von der Drehung der Erde um die Sonne ging doch direct in’S Widersinnige.
Sah man denn nicht mit eigenen Augen die Sonne jeden Morgen aus- und jeden Abend untergehen, und hat denn nicht schon Zosua gesagt: „Sonne stehe still?" Wie kann denn da die Erde sich gedreht haben oder noch drehen?
Nein, die Gelehrten sind einfach Narren. — Aber das ist der Triumph der Wissenschaft: ihre Ergebnisse können jahrelang und jahrhundertelang unterdrückt und verlacht werden, endlich muß doch die Wahrheit siegen. Und sie siegte auch hier. Als die Gelehrten anfingen, aus Grund ihrer Beobachtungen und Feststellungen Schlüsse zu ziehen und Sonnen« und Mondfinsternisse Jahre lang vorher zu berechnen, und als diese Finsternisse aus die bestimmte Stunde eintraten, da fingen die Menschen an, gläubiger zu werden, denn fie mußten sich sagen: Etwas muß doch wohl an der Sache sein, — Seitdem ist die Astronomie eine der ersten Wissenschas- ten geworden und unaufhörlich werden von den Ast.onomen neue Entdeckungen gemacht, die die bisherigen Ermittelungen ergänzen und vervollständigen. Le>der ist diese Wissenschaft noch nicht so populär, wie sie sein sollte.
Der Zweck dieses ArtilelS ist, an der Hand gelehrter Abhandlungen einen kurzen, gemeinverständlichen Ueberblick über das zu geben, was bis jetzt auf diesem Gebiete ermittelt worden ist und wie überhaupt die Gelehrten die Entstehung und den Fortbestand des Weltalls zu ertlären suchen. Denn Gott gab uns die Natur wie ein großes ausgeschlageneS Buch, damit wir darin lesen und daraus lernen. Und was die Gelehrten gelesen und gelernt haben, ist ein Gemeingut aller Menschen. (Forts, folgt.)
Vermischtes.
— Cöln, 17. Januar. Die Rheinschifffahrt ist wegen Treibeises seit gestern eingestellt; die hiestge Schiffbrücke wird heute Abend abgefahren werden.
— Berlin, 17. Januar. Ein entsetzlicher Unglücksfall hat sich Sonnabend Mittag in der Central-Markthalle zugetragen. Der Schlächtermeister Kuhl war dort mit dem Zerkleinern von Fleisch beschäftigt, während sein 15jähriger Sohn, der ebenfalls das Schlächterhandwerk erlernt, dabei Handleistungen verrichtete. Bei dieser Arbeit drohte ein Fleischstück vom Klotz zu fallen und der Sohn versuchte es in diesem Augenblicke festzuhalten, als der Vater mit dem Beil zuschlug. Hierbei traf der Vater die Hand seines Kindes so unglücklich, daß dieselbe am Gelenk abgeschlagen wurde. Mit einem gellenden Aufschrei brach der Unglückliche zusammen. Er wurde nach Anlegung eines Verbandes nach dem St. Hedwigs-Krankenhause gebracht.
— Dortmund, Es ist jetzt gelungen, die bei der Koksbereitung bisher werthlos in die Luft entwichenen Gase zu binden und daraus noch Theer und Ammoniak zu ziehen. Letzteres gilt als sehr gutes stickstoffhaltiges Düngemittel. Eine große Anzahl rheinisch-westfälischer und schlefischer Firmen und Gewerkschaften hat darum an den Landwirthschaftsminister eine Eingabe gerichtet, in welcher um Anweisung der vom Staate unterstützten Versuchsstationen gebeten wird, die günstigsten Verwendungsbedingungen des schwefelsauren Ammoniaks zu ermitteln.
— Eisenach, 15. Januar. Eine schreckliche Familienscene hat sich in der Nacht vom 13. zum 14. d. M- in Willmannshausen bei Vacha zugetragen. Der Handarbeiter Johannes Loos daselbst hat seinen Vater Friedrich Loos in Folge häuslicher Zwistigkeilen mit einer Axt erschlagen. Die entsetzliche That geschah, während der ältere Loos im Bette lag. Um ganz sicher zu sein, daß er sein Opfer getödtet, führte der unnatürliche Sohn, der mit dem ersten Axthieb den Kopf des Vaters getroffen hatte, einen zweiten gegen die Brust desselben. Dann machte er mit einem Rafirmesser den Versuch, sich selbst zu entleiben. Der Schnitt in die Kehle, welchen sich der Vatermörder beibrachte, wurde nicht als lebensgefährlich befunden und er selbst, nach Anlegung eines Verbandes, nach dem Amtsgerichtsgefängniß gebracht.
— München, 13. Januar. (Allzu vertrauensselig.) Ein liebendes Paar, eine Wittwe und ein jüngerer Mann, beabsichtigte, da sich ihrer Vereinigung hier familiäre Schwierigkeiten entgegen- setzten, am letzten Sonntag sich in aller Stille aus München zu entfernen und in der neuen Welt das Glück zu suchen, das den Liebenden hier nicht gegönnt war. Die Flucht gedieh aber nur bis auf den Bahnhof, da Beiden das nöthige Kleingeld zum Reisen fehlte. Sie hatten sich vorher darüber nicht verständigt und er glaubte die Wittwe im Besitze der unerläßlichen Mittel, während sie ihren Geliebten gut bei Cassa vermuthete.
— München. Ein Reservist, Schullehrer, nahm trotz wiederholten Befehls seitens des Premierlieutenants bei einer Controllversammlung im Rathhaussaale zu Aichach seinen Zwicker nicht von der Nase. Urtheil: 2*/, Monat Gefängniß.
— Barmen. Vor einigen Monaten hatte der 12jährige Sohn eines Nachtwächters, welcher besondere Vorliebe für Erlernung des Violinspielens an den Tag legt und seine Violine gelegentlich eines Falles zerbrochen hatte, ohne Vorwissen seines Vaters mit einem Bittgesuche an den Kaiser sich gewandt, auf daß ihm eine neue Violine geschenkt werde. Jetzt ist dem Wunsche des kleinen Gesuchstellers entsprochen worden, indem der Vater desselben eine Anweisung erhalten hat, zum Ankauf einer neuen Violine für seinen Sohn bei der Steuer- kasse 25 Mk. zu erheben.
— (Berliner Humor vor fünfzig Jahren.) Eine gemalte Chronik des Berlinerthums der Vormärz- lichen Zeit ist ein Werkchen mit colorirten Abbildungen, welches dieser Tage veröffentlicht wurde und Stichproben des alten Berliner Humors festzuhalten versucht. Da steht er vor uns, der wohlgenährte Schlächtermeister, zu welchem die Dame Mit der Krinoline spricht: „Aber lieber Mann, die große Knochenbeilage," und er antwortet recht treundlich: „Madamken, Beilage muß sind; wenn erst die Ochsen werden uf Bratwürste loofen, denn kriegen Sie lauter Fleesch, so lange aber müssen wir die Knochen ooch bezahlen!" Da sind die Torsweiber, wahre Migären, von denen die eine der anderen zürnst! „Gerieten, mach mir nich tückisch det sich nich meine Fäuste mit Deine Backzähne familiär machen" u. s. w.
— AusSiebenbürgen, 12. Januar. (Hohes Alter.) Gestern wurde in Karlsburg Abraham Wolf, der älteste Mann Siebenbürgens, zu Grabe getragen. Er erreichte das seltene Älter von 112 Jahren und war dabei stets rüstig und bet gutem Appetit, nur das Augenlicht war etwas geschwächt.
— T r i e st, 17. Januar. In Folge einer 'heftigen Bora ist andauernder Schnee eingetreten.
Der Schnee liegt fußhoch. Die Kälte ist auf drei Grad gestiegen und scheint anzuhalten.
— B u k a r e st, 15. Januar. Der neuerbaute Circus Sidoli, welcher demnächst eröffnet werden sollte, ist durch eine Feuersbrunst zerstört worden. Ein Verlust an Menschenleben ist nicht zu beklagen.
— Der Electriker Thomas A. Edison ist, wie aus Philadelphia telegraphisch gemeldet wird, ernstlich erkrankt.
— Beim Brande des Alcazar von Toledo wurden vier Osficiere und siebzehn Soldaten verwundet. Der Schaden wird auf mehr als sieben Millionen Franken geschätzt — dabei ist der Verlust der Bibliothek und der Bildersammlung, der geradezu unersetzlich ist, nicht gerechnet. Es bedurfte der größten Anstrengungen, um das Kapuzinerkloster von Santa Cruz zu retten.
— (Untergang eines japanischen Kriegsschiffes.) Wie aus L o n d o n geschrieben wird, ist man dort sehr besorgt wegen des Schicksals des japanischen Kriegsschiffes „Unopi", welches, in Havre erbaut, vor längerer Zeit mit französischer Besatzung die Reise nach Japan an- trat. Das Schiff hätte längst an seinem Bestimmungsort eintreffen müssen. Dasselbe hatte auch Singapore rechtzeitig passirt, seitdem fehlt aber jede Nachricht über dasselbe, so daß die Befürchtung, daß das Schiff untergegangen ist, leider ziemlich nahe liegt. Das Schiff war mit 7,400,000 Frcs. versichert, und wie gering die Hoffnung ist, daß dasselbe erhalten geblieben, geht daraus hervor, daß die Londoner „Lloyds" (Versicherungsgesellschaften) bereits Rückversicherungen mit 80 pCt. annehmen. Deutsche Gesellschaften find nur mit geringen Beträgen an der Versicherung des Fahrzeuges betheiligt.
— London, 18. Januar. Das englische Kanonenboot „Firm" ist heute früh bet Beadnell, an der Küste von Northumberland, gescheitert. Die Mannschaft ist gerettet.
— (Ein unvorsichtiger Deputirter.) Dem socialistischen Deputirten Clovis Hughes ging am Donnerstag in der Pariser Kammer bei dem Ausziehen des Paletots ein Revolver los; die Kugel ging zwischen zwei Deputirten der Rechten durch, ohne jemand zu verwunden.
— (Eigene Ueberzeugung.) Doctor (zu einem ganz abgemagerten Patienten): „So, jetzt legen Sie sich zwei Senfpflaster auf; eins aus die Brust und eins auf den Rücken." — Patient: „Dürfte das nicht zu viel Senf für für so wenig Fleisch sein, Herr Doctor?"
— (Ein gastliches Haus.) „Ach, wie lange Sie schon nicht bet uns waren — Sie müssen uns bald besuchen, Herr Ruth!" -^ „Ich werde mir das Vergnügen machen, in Gesellschaft meiner Frau demnächst zu kommen ..." — „Ja, das wird schön sein — da kommen Sie nur gleich nach Tisch und bleiben Sie bis — zum Abendessen:"
— (Das falsche Stärkungsmittel.) „Versuchen Ste's einmal, Frau Nachbarin, dem Kleinen die Füße mit Wein einzureiben, das wird sie außerordentlich stärken." — „Meinen Sie? Mein Mann ist doch immer nach dem Weine außer
ordentlich schwach auf den Füßen."
— (Unergründlich.) Lehrer: Warum geht man in die Schule? — Schüler: Diese Frage hab ich mir auch schon oft vorgelegt.
— Ein Meisterwerk der Stylistik ist folgende Annonce: „Für den Vertrieb von Oelsarben und Lacken werden einige Provistonsreisende gesucht. Letztere sind in trockenem Zustande glänzend wie Glas, springen nicht, bekommen keine Risse und gelangen in den Handel in flaschenähnlichen Kruken, auf dem Bauche mit unserer Firma versehen."
— (Ausgesuchte Gastfreundschaft.) Oberst: „Sind Sie Raucher, Herr Lieutenant?" — Lieutenant; „Zu Befehl, Herr Oberst!" — Oberst: „August, bring' dem Herrn Lieutenant die Zündhölzer!"
— Mo dernde Hohlräume an Obstbäumen werden am besten dadurch im Fortschreiten angehalten, das man die Modererde sorgfältig entfernt und den hohlen Baum mit gelöschtem Kalk ausfüllt. Anfänglich wird der Baum zwar trauern, jedoch in nächster Zeit wieder üppig gedeihen und Früchte tragen.
Badische Eisenbahn-Anleihe von 1878 und 1879. Die nächste Ziehung findet im Februar statt. Gegen den Coursverlust von ca. 5 pCt. bei der Ausloosung übernimmt das Bankhaus Carl Neuburger, Berlin, Französische Straße 13, die Versicherung für eine Prämie von 7 Ps. pro 100 Mark.
Fruchtpreise.
Weizen (ä 100 Kilogram) 16 M. 15 Pf. bis 16 M. 40 Pf. Roggen (ä 100 Kilogr.) 13 M. 50 Pf. bis 13 M. 75 Pf. Gerste (ä 100Kilgr.) 14 M. 20 Pf. bis — M. — Pf. Hafer (a 100 Kilogr.) 11 M- - Pf- bis 11 M. 75 Ps.