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Itrsftlitr Kreisbllitt.
Mit wöchentlicher Kratis-Aeikage „Illustrirtes Anterhaltungsktatt".
Nr. 8. Dienstag den 18. Januar 1887.
Bestellungen
auf das „Hersfelder Kreisblatt" pro erstes Quartal 1887 werden noch fortwährend von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Polizei-Verordmmg.
Auf Grund des § 142 des Gesetzes vom 30. Juli 1883 über die allgemeine Landesverwaltung wird unter Zustimmung des Kreisausschusses des Kreises Hersfeld folgende Anordnung für den Kreis Hersfeld getroffen:
§ 1.
Die männliche Jugend darf die Gast- und Schankwirthschaften, sowie andere Verkaufsstellen von geistigen Getränken vor vollendetem 17. Lebensjahre nicht besuchen. Ausgenommen sind diejenigen jungen Leute in dem angegebenen Alter, welche nur auf der Durchreise sich aufhalten.
§ 2.
Uebertretungen werden mit Geldstrafen bis zu 30 Mark beziehungsweise entsprechender Haft bestraft.
Hersfeld, den 17. Januar 1887.
502. Der Königliche Landrath ___Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 12. Januar 1887.
Den Herren Ortsvorständen des Kreises werden heute die in meiner Verfügung vom 4. Oc< tober pr. Nr. 10683 im Kreisblatt Nr. 118 erwähnten, nunmehr festgestellten Verzeichnisse des Pferde- und Rindviehbestandes wieder zugefertigt.
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Der Hannhofseröe.
Erzählung von A. von der Elbe.
(Fortsetzung.)
Erfüllt von dem Gedanken, Gesa beistehen zu müssen, erkannte Rainold sofort die Ursache ihres Verdrusses und gab ihr Recht.
„Du verschleuderst Kleinode und hast für Deine Braut nichts als dies!" schrie er seinen Bruder an und stieß den Schwan mit dem Fuße fort.
„Mische Dich nicht in unseren Handel," befahl Heinrich.
„Was ist's mit dem Kleinode?" rief Gesa.
Rainold griff in seine Tasche, holte die Spange mit den drei Perlen heraus und hielt diese feinem Bruder vor die Augen. „Kennst Du das?" herrschte er ihn an.
Heinrich's Blut kochte bei dem Anblick von Blanka's Schmuck, nichts hätte ihn so außer sich dringen können. „Schleicher 1 — Tückischer Bube! —" knirschte er und fuhr unwillkürlich nach seinem Jagdmesser, wie um einen gefährlichen Angriff abzuwehren. , v
„Schändlich," sprach Rainald unbekümmert und in drohendem Tone: „was hast Du für arge Geheimnisse? Und wie abscheulich von Dir, solches Prachtstück dem Händler und nicht Deiner Braut zu geben; soll ich Dich zwingen, ihr Dein Wort zu halten? Meineidiger, hast Du vergessen, daß Du ihr treu und gerecht sein mußt?"
Gesa hatte die Spange voll Bewunderung an
Nach den letzteren ist die Erhebung der Abgabe alsbald vornehmen zu lassen und hat die Ablieferung des Hauptbetrages nach Abzug von 2°/0 Erhebegebühren, bis zum 15. k. Mts. unter Einsendung des nach dem Verzeichnisse ausznfüllen- den Ablieferungsscheines (unfrankirt) zu geschehen. Das Special-Verzeichniß ist zurückzubehalten.
350. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 14. Januar 1887.
Der Ackermann Ludwig Habn zu tzillarts- hausen ist heute als Bürgermeister der dasigen Gemeinde bestätigt und verpflichtet worden.
401. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 17. Januar 1887.
Diejenigen Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises, welche noch mit der Erledigung meiner Verfügung vom 4. Januar 1882 Nr. 119 im Kreisblatt Nr. 2, die Erfahrung bezüglich der Untersuchung des Schweinefleisches aus Trichinen betreffend, im Rückstand': sind, werden hieran mit Frist bis zum 25. d. Mts. bei M e i- dung von 3 Mk. Strafe erinnert.
Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz.
* Die Auflösung des Reichstags.
Das entscheidende Wort ist gefallen: Kaiser Wilhelm hat auf Grund des Artikels 24 der Verfassung mit Zustimmung des Bundesraths den Reichstag aufgelöst. Die Kaiserliche Verordnung wurde am Freitag von dem Fürsten Bismarck vor versammeltem Reichstage verlesen, nachdem dieser mit 183 gegen 154 Stimmen in zweiter Berathung den § 1 des Militärgesetzes in einer für die verbündeten Regierungen unannehmbaren Form, welche die Präsenzstärke nur
sich genommen; Rainold ballte die Fäuste und trat im hellen Zorn seinem Bruder entgegen.
„Schon wieder bist Du's, der Jüngere, der mir also kommt!' schrie Heinrich empört. „Hinaus, solche Sprache dulde ich nicht!" Er faßte des Bruders Arme, rang mit ihm und drängte ihn zur Thür.
Da machte Rainold mit Aufgebot aller Kraft seine Rechte los und schlug in blinder Wuth seinem Bruder in's Gesicht.
Heinrich stieß einen wilden Schrei aus — sein Messer blitzte — blutüberströmt sank Rainold auf den Estrich, Gesa warf sich mit lautem Jammer über ihn.
Noch ein entsetzter Blick des Thäters auf sein Opfer, dann stürzte Heinrich, von Verzweiflung gejagt, zum Zimmer und zum Hause hinaus.
Er wußte nicht, wie er das Thor erreicht hatte, indeß er war draußen und floh in die Berge. Es geschah noch ohne Ueberlegung, daß er den Weg zum Taunenhose emschtug. Das Schreckliche, dessen er sich vor allem Andern bewußt war, nahm ihm fast die Besinnung. Oben auf dem Rammeis- berge, den er hinaufgestürmt, warf ihn der Mangel an Athem nieder; er lag und rang nach Lust. Sein Blut kochte noch im Zorn über das Erlebte, sein erstes Denken wurde eine Vertheidigung seines Thuns vor sich selbst. Es war etwas Schreckliches, etwas Unerhörtes geschehen, er aber hatte recht gehabt, sich also gegen die schmachvolle Einmischung des Jüngeren zu wehren. Es war ein Unglück über ihn gekommen, etwas, das sein Leben
auf drei (statt auf sieben) Jahre feststellen sollte, angenommen hatte.
Hiermit ist denn endlich dem unwürdigen Spiel ein Ende gemacht, welches die ultramontan-frei- sinnig-welfisch-polnisch socialdemocratische Majorität mit dem wichtigsten Grundpfeiler des Reichs, dem Heere, nur schon zu lange getrieben hat. Es war in der That eine unwürdige Behandlung, welche die Opposition von Anfang an einem so hohen, wichtigen Gegenstände, wie es die Frage der Verstärkung der Wehrkraft ist, zu Theil werden ließ. Statt Europa, zumal bei der gegenwärtigen Weltlage, den Beweis zu liefern, wie in dieser Frage in Deutschland, alle Parteiunterschiede ruhen und von welchem Vertrauen das deutsche Volk zu seinem kaiserlichen Kriegsherrn, zu seinem leitenden Staatsmann und zu den höchsten militärischen Autoritäten erfüllt ist, machte die Majorität die Militärvorlage zu einem Gegenstände des Schacherns und benutzte sie als willkommenen Anlaß zu einem Kampfe für parlamentarische Machterweiterung. Die Fortsetzung der Verhandlungen mit einem solchen Reichstage wäre vollständig zwecklos gewesen: das Kaiserliche Wort der Auflösung protestirt nicht nur gegen die dreijährige Feststellung der Präsenzstärke und somit gegen den Versuch, das auf einem früheren Compromiß beruhende Septennat umstoßen und einseitig ändern zu wollen, sondern gegen die Art und Weise, wie die Militärfrage von diesem Reichstage überhaupt behandelt worden ist.
Die Auflösungsmaßregel wird hierüber volle Klarheit im Volke verbreiten, soweit nicht schon längst der Unwille über diese antinationale Majorität zum Durchbruch gekommen ist. Selbst der „positive" Beschluß, zu welchem die Opposition gelangt ist, wird Niemanden täuschen: denn derselbe ist nichts weiter als ein vollgiltiger Beweis i dafür, daß die Führer der Majorität mit ernsten
verdarb. Wohin nun damit? Nirgend eine Hoffnung, nirgend ein Lichtstrahl!
Heinrich raffte sich empor und schritt sonder Umschau weiter, ihm schien alles in Finsterniß zu liegen, der Vögel Gesang schmerzte ihn, ohne daß er wußte, was seine Pein erhöhte, der Sonnenschein that seinen Augen so wch, dabei vom Wege abbog und unter die hochstämmigen Tannen in den tiefen Wald ging.
Lange war er so dahingewandert, da schlug endlich ein Ton an sein Ohr, der seine Besinnung weckte, es war das Stundenglöcklein des Klausners Lucas. Ja, zu ihm, er wollte dem frommen Manne seine Noth klagen, vielleicht wußte der Rath. Heinrich sah sich um, besann sich, erkannte die Richtung und stand bald daraus in tiefem Ausathmen vor der Capelle.
„Mit stiller Freundlichkeit und einem Segensworte aus den Lippen trat ihm der Siedler entgegen.
„Helft mir, Bruder Lucas," murmelte Heinrich tonlos.
„Was ist Dir geschehen, mein Sohn, wie stehst Du aus?"
„Groß ist mein Elend und schreckliches ist geschehen."
Der Klausner ergriff des Verzweifelnden Hand und führte ihn in sein Häuslein, dann ließ er ihn beichten.
Heinrich that sein belastetes Herz bis zum Grunde aus; er erzählte, wie sein Vater beim „Lärmen Tanz" für ihn geworben, wie ihm Gesa gletchgu.,.g