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Itrsftlfttr Kreisbllltt.

Mit wöchentlicher KraLis-AeilageMustrirtes AnterhaktungsötatL".__________

Nr. 7. Sonnabend den 15. Januar 1887.

Bestellungen

auf dasHersfelder Kreisblatt" pro erstes Quartal 1887 werden noch fortwährend von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriesträgern und von der Expedition angenommen.

Amtliches

Der Herr Oberpräsident hat mittelst Erlasses vom 27ften v. Mts. dem Vorstände der Colonie für Epileptische zu Bethel bei Bielefeld gestattet, auch in den Jahren 1887 und 1888 je eine einmalige Sammlung freiwilliger Gaben zum Besten der ge­nannten Eolonie bei den Einwohnern der Provinz Hessen-Nassau zu veranstalten. Die VerwaltungS- und Polizeibehörden des diesseitigen Bezirks ersuche ich deshalb, gefälligst dafür Sorge zu tragen, baß den zu veranstaltenden Sammlungen keinerlei Hinder- nisie in den Weg gelegt werden. Ich bemerke hier­bei, daß die CoUeelanten mit, seitens des Vor­standes der Anstalt ausgestellten und von der Polizeibehörde beglaubigten, Legittmationspapieren und paginirten Sammellisten bei den Einsamm- lungen versehen sein müssen.

Saffel am 4. Januar 1887.

Der Königliche Regierungs-Präsident.

Im Austrage: A l t h a u s.

Cassel, den 9. Januar 1887.

Der Postsecretair Belling in Tarnowitz ist am 4. d. Mts. nach Unterschlagung von Kassen- geldern im Betrage von 1292 Mark 25 Pf. flüch­tig geworden. Belling ist am 8. Juni 1855 in Prenzlau geboren, evangelisch, von untersetzter Gestalt 1,40 m groß. Sein Haar ist dunkel, etwas grau gemischt, die Nase regelmäßig, das Gesicht voll, der schwache Schnurrbart blond.

(Unbefugter Nachdruck verboten.) Der Tannhofseröe.

Erzählung von A. von der Elbe.

(Fortsetzung.)

»Ich denke," sagte Rainald, indem er eine leichte Verlegenheit bezwäng,es schickt sich, daß ich Wild- führs Tochter, die meinen Bruder freit, zur Hoch­zeit ein Geschenk bescheere. Du hast, wonach der Weiber Sinn steht, laß mich also sehen, was ich kaufen könnte."

Der Meister lobte seines jungen Freundes frei­gebige Absicht, öffnete die Truhe und legte ein Ge­schmeide nach dem anderen auf seinen großen Ar­beitstisch. Das war alles von schwerem, getriebenem Golde.oder Silber, mit dem Grabstichel auSge- arbeitet und meistens mit bunten Steinen verziert.

Des Jünglings Blick fuhr prüfend darüber hin. Er nahm Dies und Jenes zur Hand und fragte nach dem Preise. Endlich griff er nach einer mit drei weißen Perlen besetzten Spange, die Perlen lagen in einem Kränze von Rubinen und Rainold meinte, nichts Schöneres finden zu können.

Es ist seltsam," lächelte der Goldschmied,daß, was der eine Bruder verschmäht, dem anderen am besten gefällt." r

Was meinst Du, Bertold Sinter," fragte Rainold,hat einer meiner Brüder um dies Schmuckstück gehandelt ?

Das nicht. Ich habe dies Kleinod nicht selber gefertigt. Dein Bruder Heinrich hat es mir ver­kauft."

Im vorderen Oberkiefer links fehlen Zähne. Belling hat bei seiner Entweichung Jaguet und Weste von grauer Farbe, dunkles Beinkleid, dunkelblauen Ueberzieher und niederen schwarzen Hut getragen.

Das Königliche Landrathsamt setze ich hiervon mit dem Ersuchen ergebenst in Kenntniß, auf Belling fahnden und denselben im Betretungsfalle verhaften zu lassen, sowie der Kaiserlichen Ober- Postdirection in Oppeln und der Staatsanwalt­schaft am Königlichen Landgerichte in Beuthen (Oberschlesien) Mittheilung zu machen.

Der Kaiserliche Ober-Postdirector: zur Linde.

An das Kgl. Landrathsamt in Hersfeld. Nr. 513.

* * *

Hersfeld, den 12. Januar 1887.

Wird den Ortspolizeiverwaltern und der Königlichen Gendarmerie des Kreises behufs Fahndung nach dem 2c. Belling mitgetheilt.

331. Der Königliche Landrath ___Freiherr von Schleinitz.__

Hersfeld, den 8. Januar 1887.

Für den am 1. Juli 1874 zu Hanau geborenen Conrad Heinrich K i r m s dahier ist um Ent­lassung aus dem diesseitigen Staatsverbande be­hufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden.

201.

Der Königliche Landrath Freiherr v o n S ch l e i n i tz.

Gefunden: ein Paar Handmanschetten. Meldung des Eizenihümers bei dem Ortsvornand zu Gershaufen.

# Fürst Bismarck und die Militärfrage.

Es hat bisher in der Geschichte des deutschen Reichs nur wenige Ereignisse gegeben, welche Don so großer politischer Bedeutung waren, wie das1 selben erfolgen wird.

Heinrich verkauft dergleichen!" rief der Jüng­ling erstaunt.Warum bringt er es nicht seiner Braut ?"

Weil er Weiberkleider brauchte und mit dieser Spange bezahlte," erwiderte der Alte, indem ein listiges und spöttisches Lächeln über sein Gesicht lief.

Weiberkleider?" Rainalds Erstaunen wuchs. Er drang in den Goldschmied, ihm alles zu sagen und wußte bald Genaues über Heinrichs Besuch in Slüters Werkstatt. Das Betragen seines Bruders erschien ihm unbegreiflich.

Und wann ist Heinrich hier gewesen?" forschte er weiter.

Laß sehen vorgestern ist die Absage nach der Harzburg geschickt, das war Montag an einem Sonnabend tst's gewesen. Sonnabend vor acht Tagen."

Es verdroß Rainold, daß Heinrich wieder nicht in'sBrusttuch" gekommen. Bertold Slüter meinte, der Tannenerbe sei sehr eilig gewesen, gar rasch habe er die Kleider seines Weibes von bannen ge­tragen.

Rainold kaufte die Spange mit den drei Perlen und verließ unruhigen Gemüthes den Goldschmied.

Was mochte Heinrich vor haben? Es schien ihm unglaublich, daß Frau Sibylla sich durch ihren Aeltesten die Kleider der Goldschmiedin her­beischaffen ließ, auch hatte Rainold die kostbare Spange nie unter den Schmuckstücken gesehen, die seine Mutter bei festlichen Anlässen zu tragen pflegte; noch kürzlich bei Wildführ's Besuch hatte die Tannenhosswirthin an sich gehängt was ste

Eingreifen des Reichskanzlers in die Militärde­batte am 11. Januar. Bis dahin stand man in Folge der Machinationen der Opposition, welche sich immer übermüthiger geberdete, wie unter einem Alpdruck; man hatte das Gefühl des Un­behagens und der Rathlosigkeit; man empfand schon seit langem und immer mehr die durch die Opposition über das ganze innere Leben des Reichs verbreitete Stagnation, bis endlich der Reichskanzler mit seiner ersten großen Rede wie ein reinigendes Gewitter dazwischenfuhr und hoch das Panier aufpflanzte, um welche sich alle schaaren müssen, welche treu zu Kaiser und Reich halten.

Ueber die Bedeutung dessen, was der Fürst über die Kaiserliche Friedenspolitik und die Be­ziehungen Deutschlands zu den Mächten sagte, wird es in Europa nur eine Stimme der be­wundernden Anerkennung geben; im deutschen Reichstag, mo man in erster Linie Anlaß hätte, den Worten des ersten Staatsmannes Gehör zu schenken und demgemäß zu handeln, erblickt man in solchen Darlegungen nur einen willkommenen Anlaß zu weiteren feindlichen Steifzügen gegen die Vorschläge der verbündeten Regierungen oder zu neuen Vorstößen gegen die Positionen des Reichskanzlers, ja selbst zur Parteinahme für Frankreich! Wir verlieren hierüber kein Wort mehr; die Geister, welche so wenig Verständniß für das haben, worauf die Nation für alle Zei­ten stolz zu sein Ursache hat, können nicht belehrt, wohl aber werden sie von dem Genius der

deutschen Nation, an dem wir fest und zuver- sichtlich glauben, gerichtet und verurtheilt werden.

Die praktische Seite der Rede des Reichskanz- lers lag in der Erklärung, daß die verbündeten Regierungen unbedingt an dem Septennat fest­halten, und daß, wenn der Reichstag ihnen dies nicht bewilligt, unverzüglich die Auflösung des-

besaß, aber ihre bescheidenen Kettlein und Ringe konnten sich mit diesem Kleinode nicht messen.

Und wenn nicht im Aufträge seiner Mutter, für wen handelte dann Heinrich? Ein neuer Anlaß zu Aerger und Mißtrauen gegen den Bruder sammelte sich zu vielem Vorhergehenden in Rainold's Brust. War Heinrich's Benehmen gegen seine Braut je so gewesen, wie es sein sollte? Nein, gewiß nicht! Hoch hätte er den Gewinn eines so trefflichen Mägdeleins, wie Gesa Wildführ war, schätzen und ihr alles nur mögliche an Liebe und Güte beweisen sollen Jener dagegen! Rainold fühlte einen wilden Zorn in sich aufwallen. Er hatte sich Gesa als Bruder zugeschworen, er würde ihr treu sein, und geschehe was da wolle, der Vernachlässigten zu ihrem Rechte helfen.

Schon überlegte er, ob er nach dem Tannenhofe hinaus gehen und Heinrich zur Rede stellen solle, als er, in's Brusttuch zurück kehrend, auf der Diele erfuhr, sein Bruder befinde sich bet Jungfer Gesa drinnen im Wohnzimmer. Zugleich schallte ihm ein lebhafter Wortwechsel aus der Stube ent­gegen.

Heinrich hatte eine schwere Zeit hinter sich. Der Blick, welcher aus Blankas Augen sein Innerstes getroffen, als die Mutter ihn als den Hochzeiter genannt, für den sie Linnen zum Brauthemde weben solle, brannte in seiner Seele fort. Ja, Blanka war zu einer Frage, zum Borwurf berech­tigt! Als er sich mit ihr allein auf der Insel be« fand, hatte ihn die Erinnerung an seine Vergangen­heit, an seine Pflicht, verlassen, so daß er bei ihr