Einzelbild herunterladen
 

Nr. 1.

Sonnabend den 1. Januar

1887.

^^ Dem neuen Jahre! s^^

----oOC^OOO

Des Zeitgeists Fittich rauscht im Sturme, Ein Rauschen ist's von eignet Art, Derweil um Mitternacht vom Thurme Das n e u e I a h r verkündigt ward.

Und ernsten Blicks am neuen Morgen Steh'n wir an des entschwund'nen Grab; Ein neues Jahr mit alten Sorgen Nur löste das vergangne ab.

Wir denken dran, wie voller Hoffen Wir einst das neue Jahr begrüßt, Und wie so wenig eingetroffen Von unsern Herzenswünschen ist.

Du altes Jahr, fahr hin in Frieden, Du hast der Tage Zahl erreicht und viel Enttämchmig uns Geschieden, Drum ist der Abschied von Dir leicht!"

So tönt' es wohl aus manchem Munde, Als unter dumpfem Glockenklang Vom Thurm, in mitternächt'ger Stunde, Des neuen Jahres Pforte sprang.

Und doch, was klopfst du Herz so bange? Des Undanks Vorwurf trifft dich hart! Hat doch das alte Jahr so lange Den Völkerfrieden uns bewahrt.

Bestellungen

auf dasHersfelder Kreisblatt" pro erstes Quartal 1887 werben noch fortwährend von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

(Unbesugter Nachdruck verboten.) Ier Tannhofseröe.

Erzählung von A. von der Elbe.

(Fortsetzung.)

Diese Gewißheit hatte für Alle etwas Befreien­des; vergnügt eilte man zu dem ersehnten Mahle, dessen kräftige Gerüche das Haus durchzogen.

Nahe dem Heerve stand eine wohlbesetzte Tafel mit Bänken an den Seiten entlang, hier versam­melte man sich zu dem Schmause, der Frau ei» byllen Ehre machte und sich mit dem, was Wild- sührs Küche und Keller boten, vollauf messen konnte.

Anderen Tages erschienen die beiden Städte­rinnen im Herrtichen Festputz. FraU Sidylla hatte dergleichen noch nie gesehen, es machte ihr Ein­druck und hob Gesa's Werth, andererseits regte sich etwas wie Eifersucht in ihrer Seele, sie wollte sich von diesem Mädchen in keiner Weise übertreffen lassen und schloß Truhen und Kammern aus, um der Hochmüthtgen einen Begriff vom Besitzstände des Tannenhoses zu geben.

So viel die Hausfrau aber auch an starkem Linnen, ausgenäyten Tüchern, wollenen Decken und reichen Vorräthen der Braut zeigen mochte, und so beflissen Frau Märte Lrockmann auch alles pries, was sie sahen, um Gesas Lippen blieb der nicht- achtende Zug; ja, sie sagte sogar einmal:Kommt nur nach Goslar, Frau Mutter, da zeige ich Euch Besseres."

Das verdroß denn die Tannenwirthin über die

Hat doch das Jahr des Reiches Besten Durch Friedensarbeit uns erneut, Derweil von Osten und von Westen Der Feinde Schaar uns keck bedräut.

Den Kaiser hat es uns erhalten, Des Rechtes Schirm, des Friedens Hort, Mög' Deutschlands Ehren er verwalten Mit weiser Hand noch lange fort!

Dann werden sich die Wolken theilen, Die jetzt gewitterschwanger droh'n, Dann wird auch ferner Friede weilen Um Deutschlands hohen Kaiserthron.

Laß uns den Frieden! Diese Bitte Sei unsre erste, neues Jahr! _MiL-sEft^ anch-wan^-'sN_D-'N« Schritt.» Mach' unsre Friedenshoffnung wahr!

Daß nicht mit ihrem blut'gen Schwerte Des Krieges Furie uns bedroht, Und über unsre deutsche Erde Verderben bringe, Angst und Tod.

Doch ist's im Himmelsrath beschlossen Und fällt der Würfel für den Krieg, Dann laß uns kämpfen unverdrossen Und gieb uns einen schnellen Sieg.

Amtliches.

Hersfeld, den 28. December 1886.

Die Nummerliste der verloosten Schuldver­schreibungen der Staatsanleihe von 1868 A liegt sowohl im Geschäftslocal des hiesigen Landraths-

Maßen, aber sie hatte immer gefürchtet, daß es so kommen werde.

Die alte Hanne verarbeitete jetzt bas feinste Garn aus ihrem Webestuhle, das je im Hause ge­sponnen worden, sie hatte ihre schwachen Augen so viel sie konnte beim Ausschlagen der Fäden an» gestrengt geschah'« doch für Heinrich aber so gleichmäßig wie sonst war es nicht mehr ge­rathen.

Auch in das Webekämmerlein führte Frau Si- bylla die neue Tochter.Sieh," sagte die Hausfrau, das ist Linnen zu Deines Liebsten tzochzetts- Hemden."

Damit kann er bei uns keinen Staat machen," entgegnete die Braut spöttisch und fuhr mit dem Finger über die Leinwand,in meiner Wirthschaft wird auders gewebt; diese Alte versteht das Ge­schäft nicht recht."

Obgleich Gesa, dreist wie sie war, im Einzelnen tadelte, besaß sie doch Verstand genug, einzusehen, daß die Tannensippe nicht zu verachten sei, und daß ihr Wohlstand sich getrost mit dem der Wild« führs messen könne. So sühlte sie sich der Ver­bindung mit dem Erben durchaus nicht abgeneigt und wollte sich auch, wenn es angtng mit der Mutter vertragen, sollte es nicht sein, meinte sie, später schon die Oberhand gewinnen zu können. Es wurde ihr aber doch schwer, sich mit dem Ge­danken abzufinden, daß sie dereinst hier aus dem einsamen Tannenhose werde leben müssen. Mit Heinrichs verschlossenem Wesen wußte sie nichts anzusangen. Ein Gespräch unter den Zweien war

amtes, als auch in denjenigen der Königlichen Steuerkassen des Kreises zur Einsicht während der Dienststunden offen.

Zugleich mache ich auf die diese Nummerliste betreffende Bekanntmachung der Hauptverwaltung der Staatsschulden, abgedruckt im Regierungs­Amtsblatt Seite 279, aufmerksam.

13602. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

* Zum neuen Jahre.

Zu ernsten Gedanken stimmt diesmal mehr wie je der Jahreswechsel. Das scheidende Jahr war so reich an gefahrdrohenden Erscheinungen und an Beunruhigungen aller Art, daß es nicht Wunder nehmen kann, wenn man sich der Be- sorgniß hingiebt, das neue Jahr werde zur Aus­führung bringen und vollenden, was sich in dem^-"^ alten zu entwickeln begonnen oder in die Erschei-

nevetm ist, Esist,___ schaften Europas in ihren Leidenschaften neu erwacht wären und die Harmonie der Interessen nicht finden können, in welcher allein die fried­liche Arbeit gedeiht. Neben der Eifersucht der Nationalitäten, welche blindlings aus einen Zu­sammenstoß hinarbeitet, lastet mit immer größerer Schwere der Druck der wirthschaftlichen Krisis auf dem Völkerleben Europas. Hiermit gehen Hand in Hand die revolutionären Zuckungen des Socialismus, welche in diesem Jahre England, Holland, Belgien, Frankreich und selbst das in wirthschaftlicher Hinsicht ungleich günstiger ge­legene Nordamerika heimgesucht haben, und welche vielleicht nur die drohenden Vorboten weit ernsteren Unheils waren.

Die hierin liegenden Gefahren sollen nicht un­terschätzt werden; ja es ist gut, an der Schwelle des neuen Jahres sich hiervon Rechenschaft zu geben und den Ernst der Zeiten zu begreifen.

-.!-' SKI ^«>, »» nimm >-»»-!»»> ......._,

bald zu Ende, und Jedes sah erstaunt über daS eigene leere Gefühl, das keinen Stoff zur Unter­haltung hergab, den Andern an.

Vom Thun und Treiben in Goslar, von dem Gesa's Sinn erfüllt war, wußte Heinrich nichts, und seine Freude am Walde, am Betriebe des Hofs, theilte Gesa in keiner Weise. Es gehörte des Mädchens starker Wille dazu, hier fest zu halten denn Gehorsam für ihres Vaters Wunsch war es nicht. Sie meinte jedoch, nichts könne ihr so passen, wie das Regiment über Viele, und daß sie hier weit umher auf eigenem Grunde stehen werde. In dem Zwiespalt ihres Begehrens gab sie sich indeß härter als je und reizte beson­ders die Mutter mit jedem Worte.

Frau Sibylla dachte ihrerseits, dereinst, wenn die Tochter unter ihrer Botmäßigkeit stehe, sich jür jetzige Unbill schadlos zu halten.

Heinrich war erfüllt von redlichem Willen für Gesa. Er hatte gelobt, treu und gerecht gegen seine Braut zu fein und versuchte jetzt, sich mit ihr einzurichten. Er erzählte ihr von seinen Nei­gungen und seinem Thun und schilderte ihr das Leben im Walde, welches so sehr nach seinem Sinne war.

Meine Geschäfte werden mich immer viel hinaus führen," sagte er,und das ist gut, ich bin ver­traut mit den Waldleuten; die Leerengänger, die Holzhauer, die Köhler und Hirten sind meine Freunde. Aber auch mit den Thieren, mit Vögeln und Vierfüßlern bin ich wohlbekannt. Bom Fink und Zeisig bis zum Auerhahn und wilden SLwan^