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Ittsftliicr IrnsMott
Wit wöchentlicher Kratis-Aeilage „Issustrirtes AnterhatLungsölatt".
Nr. 153. Donnerstag den 30. December 1886.
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Hersfelder Kreisvlntt
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2MP" Einer der nächsten Nummern wird ein Wand- und Notiz-Kalender für das Jahr 1887 beigelegt.
Die Expedition.
Amtliches.
Der Herr Ober-Präsident der Provinz Hessen- Nassau hat genehmigt, daß der Verloosungster- min für die durch Erlaß vom 1. September d. J. der Inhaberin der Merkel'schen Kunsthand
lung, Witwe Carl Merkel in Wiesbaden, gestattete Lotterie vom 30. December dieses auf den 30. Januar künftigen Jahres verlegt und bis dahin der Vertrieb der betreffenden Loose in der Provinz Hessen-Nassau fortgesetzt werden darf. Cassel, den 18. December 1886.
Der Regierungspräsident. I. A.: A l t h a u s. Der Herr Ober-Präsident der Provinz Hessen- Nassau hat genehmigt, daß zum Besten des Rettungshauses Johannisstifl bei Metz und des Baues einer evangelischen Kirche für die Gemeinde Montigny-Sablon, Landkreises Metz, bei den evangelischen Einwohnern der Provinz Hessen- Nassau bis zum Ablauf des nächsten Jahres eine einmalige gemeinsame Sammlung freiwilliger Beiträge unter Leitung des Vorsitzenden des Cu- ratoriums des Johannisstifts, Divisionspfarrers Dr. Tube zu Metz, durch polizeilich zu legttimi« rende Collectanten veranstaltet werden darf.
Cassel den 17. December 1886.
Der Regierungs-Präsident. I. A.: Alt Haus.
Hersfeld, den 31. December 1886.
Wie die seitens oes Königrtchen Kretsthterarztes in den Monaten November und December d. I. abgehaltenen Revisionen der Schafbestände im Kreise ergeben haben, herrscht die Räude unter den Schafen z. Z. noch in den Ortschaften:
Asbach, Allmershaufen, Beiershausen, Eitra, Gittersdorf, Goßmannsrode, Hattenbach, Heenes, Kerspenhausen, Kirchheim, Meckbach, Mecklar, Mengshausen, Niederaula, Nieder- jossa, Rohrbach, Rotensee, Stärklos, Tann, Untergeis, Wippershain, Conrode, Friedewald, Gethsemane, Harnrode, Hilmes, Landershausen, Lengers, Motzfeld, Philippsthal und Widdershausen.
Unter Hinweis aus §. 120 ff. der Jnstruction vom 24. Februar 1881 (Extrabeilage zu Nr. 17 des Amtsblatts pro 1881) weise ich die Herren Ortsvorstände der genannten Gemeinden an, die
daselbst erwähnten Sicherheitsmaßregeln behufs Verhinderung der Weiterverbreitung der Krankheit alsbald anzuordnen, insbesondere aber, worauf auch die Königliche Gendarmerie des Kreises zu achten hat, darüber zu wachen, daß räudige, bezw. räudeverdächtige Schafe ohne eingeholte diesseitige Genehmigung weder verkauft, noch anderen Heerden zugefuhrt, oder überhaupt ausgeführt werden.
Im kommenden Jahre ist sodann unmittelbar nach der Wollschur wiederholt das Heilverfahren vorzunehmen, bezw. sind die betreffenden Schafhalter hierzu anzuhalten.
Bis spätestens zum 1. Juni 1887 erwarte ich Bericht, was zur Sache geschehen ist. Sollte in der einen oder anderen Heerde bis zur Woll- schur die Räudekrankheit erloschen sein, so kann von der Vornahme der Badekur Abstand genommen werden, wenn durch ein Attest des Königlichen Kreisthierarztes von dem betreffenden Schafeigenthümer der Nachweis geliefert wird, daß die Räude thatsächlich erloschen ist. Diesen Nachweis zu führen, bleibt iebsi^jsbw?- lich Sache der betreffenden Schafhalter.
13430. Der Königliche Landrath ________________Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 28. December 1886.
An Stelle des verstorbenen Bürgermeisters Karpenstein zu Biedebach ist der Wilhelm W i e - g a n d daselbst heute als solcher für die dasige Gemeinde verpflichtet worden.
13610. Der Königliche Landrath __Freiherr von Schleinitz.
Um für den Kreis Hersfeld die Nachweisung der in den Gemeinden vom Jahre 1880 an bedungenen Miethspreise für Wohnungsräume rc. aufstellen zu können, bedarf ich der Einsichtnahme in die den Gemeindevorständen im Laufe des Monats October d. J. übersandten Special-Nach- Weisungen.
(Unbefugter Nachdruck verboten.) Der Hannhofseröe.
Erzählung von A. von der Elbe.
(Fortsetzung.)
»Nicht wahr, lieb Gesalein, erwiderte Rainald zuversichtlich, »und nun erst unser TannenhosI Gieb Acht, wie der weiß beschneite Brockenkopf immer gewaltiger empor steigt, wie die Felsen höher, die Tannen dunkler werden, je weiter wir kommen. Ja, Du sollst es dereinst gut haben inmitten all' der Herrlichkeit."
Dem Mädchen schwoll das Herz vor Erwartung. Sie reichte ein paarmal ihrem Begleiter vom Pferde herab die Hand und drückte die seine, als müsse sie ihm für alles Schöne, was sie sah, danken; fragte, wie dieser Berg und jener Wald heiße und ließ die hellen Augen voll Lust und Erwartung lebhaft ringsum schweifen.
Gegen Mittag kam man bei der Klause des Bruders Lucas an; man wollte hier ein Gebet verrichten, um Segen für das Vorhaben zu erflehen und eine kurze Rast zu halten.
Der Klausner war an solchen Zuspruch gewöhnt und empfing die Gäste bereitwillig. Er ließ sich das Ziel der Reisenden nennen und sprach mit Lob von Heinrich, als er hörte, daß dieser derFreters- mann sei.
»Der Große vom Tannenhole ist ein frommer und ehrbarer Gesell," sagte der Waldbruder ernsten Tons. »Er wird sein Weib in Zucht und Ord- nung halten und nach Gottes Willen still und ar
beitsam leber. An solch' rechtschaffenen Mannes Seite ist diese Maid wohlbewahrt."
Gesa, zu der hingewandt er gesprochen, lachte hell auf, „just so viel Zucht als wie ich mir gefallen lasse, Bruder Lucas," sagte sie keck, »ich hab's allewege gut gehabt und wär eine Närrin, so ich mein Leben nicht genießen wollte."
„Stellest Du Eigenwillen und Begehren voran," erwiderte der alle Siedler streng, wird Demuth und Liebe dahinten bleiben und Deine Ehe keine gottgefällige sein."
Mag sie nur mir gefallen!" warf das Mädchen leicht hin.
Der Klausner wandte sich ab und zog sich in seine Felsengrotte zurück. Gesa aber rief: „Kommt, laßt uns aufbrechen, daß wir endlich an's Ziel gelangen!"
Rainold half ihr aufs Pferd. „Hör," sagte sie mit aufgeworfener Lippe, „mags noch so herrlich draußen sein, ich hoffe, Euer Heinrich hält mich nicht als Gefangene. Möchte diesen hübschen Ritt oft machen und aller guten Dinge in Goslar wie bisher froh werden."
„Heinrich muß Dich halten wie eine Königin," sagte er und blickte mit bewunderndem Auge zu ihr empor.
Endlich waren sie auf der letzten Höhe vor dem Tannenhose angelangt, es galt noch einen Ritt in's Thal hinab, wo die Felder lagen, und dann wieder hinaus zum Ziele.
„Da also ist's!" rief Gesa und versank in Schauen. »Wie niedrig und grau die Häuslein
sind. Schier mein' ich, die Felsblöcke dahinter auf dem Berghange verstreut, könnten in's Rollen kommen und den ganzen Hof zusammen reißen. Und wie gewaltig der Brocken darüber in die Wolken steigt! Gut, daß ich nicht furchtsam bin — würd' einer Herrin auch schlecht ziemen, — also Muth und vorwärts!"
An der Grabenbrücke kam Heinrich den Gästen entgegen, auch Peter und Gerd waren zur Stelle. Das Thor prangte im Tannenschmuck, der Weg über den Hof zum Hause war mit grünen Zweigen bestreut. Heinrich begrüßte Jost Wildführ und Märte, reichte Gesa mit ernstem Blick seine Rechte hinaus und nahm dann aus Rainalds Hand den Zügel ihres Rosses. Darauf führte er sie, begleitet von allen Uebrigen, vor das Haus.
In der weit offenen Thür standen die Eltern, Peters Liebste mit ihrem Vater und ein paar Nachbarn, dahinter die Bediensteten.
Frau Sibylla hatte alles so angeordnet; sie trug auf ihren grauen Flechten eine viel höhere Haube als sonst, ihre Wangen brannten vor Ungeduld, und ihre scharfen Augen richteten sich neugierig auf die Ankommenden. Heinrich hob Gesa vom Pferde und führte sie seinen Eltern zu.
Gerhard Tannen begrüßte die erwählte Tochter mit freundlichen Worten; die Mutter wartete Gesas Entgegenkommen ab. Sie hatte gehört, daß ein Handkuß oder gar ein Kniefall bet solchem Anlaß in der Stadt Sitte sei, ihr wäre dies alles nicht zu viel gewesen, wußte sie doch, welche Mühe sie sich seit langem für die verwöhnte Schwieger«