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Hclsseldcr Brtislilatt

__________Wit wöchentlicher Kratis-AeikageMufkrirtes Interhattungsölatt".

Nr. 152. Dienstag den 28. December 1886.

Abonnement-Einladung.

Mit dem 1. Januar beginnt ein neues Abonne­ment auf das wöchentlich 3 Mal erscheinende Hersfelder Kreisdiatt mit der wöchentlichen Gratis-Beilage Jllustrirtes Unterhaltungs - Blatt."

Wir bitten das Abonnement rechtzeitig erneuern zu wollen, damit bei Beginn des Quartals keine Unterbrechung in der Zustellung eintritt.

Der vierteljährliche Abonnementspreis für das Kreisblatt" mit der wöchentlichen Gra­tis-Beilage »Jllustrirtes Unterhaltungs- Blatt" beträgt 1 Mark 40 Pf.

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Mb° Einer der nächsten Nummern wird ein Wand- und Notiz-Kalender für das Jahr 1887 beigelegt.

Die Expedition.

Amtliches.

Hersfeld, den 27. December 1886.

Diejenigen Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises, welche noch mit der Erledigung meiner Verfügung vom 16. März 1878 Nr. 904 im

Kreisblatt Nr. 23, die Einreichung der Proto­kolle über die Revision der Maaße und Gewichte betreffend, im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 3. Januar 1887 bei Meidung von je 3 Mk. Strafe erinnert. 13593. Der Königliche Landrath

Freiherr von S ch l e i n i tz.

Politische Nachrichten.

(Deutschland.) In der Kaiserlichen Fami­lie fand der Weihnachtsaufbau in der gewohnten Weise statt. Ihre Majestät die Kaiserin Augusta wohnte schon vor den Feiertagen mehreren öffentlichen Bescheerungen bei, so der im Augusta-Hospital zu Berlin.

Das Gerücht von der Verwundung des deutschen Militärbevollmächtigten in Petersburg, Oberst Villaume, wird von derNordd. Allg.Ztg." als sensationelles Märchen" bezeichnet.

D e Anwesenheit deutscher Kriegsschiffe vor Sansibar hat nicht den Kb-irafter einer De­mo» tration. Der Sultan hat die von der inter­nationalen Grenzcommission gefaßten Beschlüsse gut geheißen und die Kriegsschiffe sollen nun formell die vertragsmäßige Besetzung der Deutsch­land zugesprochenen Küste von Wituland vor­nehmen.

Der Bundesrath wird bereits am 4. Januar, also am gleichen Termine mit dem Reichstage, seine Arbeiten wieder aufnehmen.

Die bulgarische Deputation ist in Cöln mit dem Ex-Fürsten Alexander, der mit seinem Vater von London kam und nach Darmstadt reiste, zusammengetroffen. Zwei der Deputationsmit­glieder begleiteten ihren früheren Fürsten bis Frankfurt.

Der Rechenschaftsbericht über die Verhängung des kleinen Belagerungszustandes in Frank­furt a/M. ist dem Reichstage zugegangen.

Der preußische Landtag wird dem Vernehmen nach am 13. oder 14. Januar berufen werden.

(O e st e r r e i ch - Un g a r n.) Sämmtliche deutsche Abgeordnete des böhmischen Landtages sind aus dem Landtage ausgetreten, da sie sich in der Sprachenfrage von der tschechischen Majorität ver­gewaltigt sehen.

(Frankreich.) Auf Beschluß des Minister­raths sind die Mitglieder der bulgarischen Depu­tation in Paris nur als Privatpersonen empfangen worden. Der Heeresausschuß hat beschlossen, in den Colonien mit weißer Bevölkerung (Alge­rien, Cayenne 2c.) die allgemeine Wehrpflicht mit einjähriger Dienstdauer einzuführen. Die letzten aus Tonkin eingegangenen amtlichen Nach­richten lauten nicht günstig. Die Militärbehörde beklagt sich, daß sie, da man die Militärstreit­kräfte über das ganze Land zerstreut habe, nicht genug Truppen besitzt, um dem aus chinesischen unregelmäßigen Truppen und Leuten von der Schwarzen Flagge zusammengesetzten Rebellen- Corps Bestrafung zu Theil werden M_JaKm- Bis jetzt treten die Rebellen nur an der MLq^' auf, aber man befürchtet, daß, wenn man sienicht schnell vernichtet, die Bevölkerungen im Innern von Tonkin sich ebenfalls erheben werden.

(England.) Lord Churchill ist plötzlich aus dem Ministerium Salisbury ausgetreten, dessen hervorragendstes Mitglied neben dem Premier er war. Als Grund wird angegeben, daß er sich mit der Politik bezüglich Irlands nicht befreun­den könne.

(Schweiz.) Der Ständerath ermächtigte am Donnerstag den Bundesrath, den für 1888 und 1889 vorgesehenen Kredit zur Beschaffung von Kriegsmaterial schon im nächsten Jahre zu ver­wenden. Am Freitag wurde die Bundesver­sammlung bis zum April vertagt.

(Rußland). Dem deutschen Theater in Petersburg wird mit Beginn des neuen

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Der Hannhofseröe.

Erzählung von A. von ber Elb e.

(Fortsetzung.)

Als Heinrichs Auge im Verschwinden hinter der Mauer zuletzt das Gärtlein überflog, sah er, daß durch die kleine Thür nach dem Hose etliche Leute hereinstürmten und sonder Umschau nach dem Thurme rannten. Also auf falscher Fährte; eine kurze Frist, ehe man seiner gewahren mochte, ist gewonnen.

^Vorsichtig läßt er mit der einen Hand den Zackeneinschnitt der Crenelirung fahren und tastet mit Hand und Fuß nach neuem Halt. Es gelingt, er hat von oben richtig gemessen. Nun hängt er frei an knisterndem Gestrüpp und auf gleitendem Schnee an der moosigen Wand, der er seinen großen, biegsamen Körper anschmiegt, als wolle er in jegliche Ausbucht hineinwachsen. Neues Ab­wärtsschieben der Glieder, Anklammern mit allen Sehnen, Niederfahren Fassen Rasten.

Plötzlich über seinem Haupte wildes Geschrei, Köpfe neigen sich von der Brustwehr herab. Dann die Stimme des Ritters, der mit drohendem Tone ruft:Da hängt er! Meine Armbrust einen Speer, ich schieße ihn herunter!"

Heinrich glaubt sich verloren; welch' ein sicheres Ziel bietet sein Körper an der freien Wandfläche, wo er jetzt schwebt. Ist nur ein Glied verletzt, kann er sich nicht mehr halten. Und doch, in diesem bangen Augenblicke kommt es mit voller

Zuversicht über ihn, er hat wohlgelhan, für das Rechte und für die wehrlose Maid einzutretenl Ihr flehend Angesicht erscheint ihm, neuer Muth, neues Vertrauen durchströmen sein Herz.

Unter sich kann er nicht mehr blicken, die dunk­len Umrisse des Gesteins sind von der Dämmerung verwischt; aber da, etwas zur Linken, schimmert ein größeres Stück Schnee, das muß ein Absatz sein!

Oben legt der Burgherr die Armbrust an Heinrich befiehlt seine Seele Gott und läßt sich jenem weißen Fleckchen zu hinab gleiten. Es ge­lingt ihm, mit den Fützen Loden zu fassen, er steht in einer «Nische, des Regensteiners Bolzen saust über ihn dahin, ein Speer folgt, man hat ihn oben aus den Augen verloren, und die Flüche und Fragen des Grafen tönen, kaum verständlich wie aus weiter Ferne an Heinrichs Ohr.

Er kann jetzt rasten und vorsichtig prüfen, wie er weiter kommt. Noch immer liegt die waldige Ebene am Fuße der Felsenhöhe wett unter ihm, aber doch fühlt er sich halb gerettet und findet auch bet sorglichem Spähen Klippen und Vorsprünge, an denen er sich halten und mittels deren er hinab gelangen kann.

Endlich steht er unten, besinnt sich auf die Rich­tung und stürmt in den dunklen Wald, der ihn heimathlich umfängt und für die Nacht seinen Verfolgern entzieht.

So lange noch ein Dämmerschein ihn vor dem Anstößen bewahrt, setzt er seinen Weg mit dem sicheren Jnstincte des Waldkundigen fort, dann

ruht er, um beim ersten Morgengrauen nach Gos­lar weiter zu wandern, und gleich nach Mittag bringt er die Absage des Grafen von Heimburg an den Rath.

VI.

In Goslar begann man jetzt zu dem Zuge wider die Swicheldes zu rüsten; der Handelsweg über den Harz wurde schneefrei, so war die Mög­lichkeit vorhanden, bald auf demselben mit den schweren Donnerbüchsen durchzukommen. Die Herren vom Rathe wußten nun, wie sie mit Freund und Feind daran waren und sprachen davon, in Kürze ihre Absage auf die Harzburg senden zu wollen.

Heinrich Tannen hielt sich jetzt ebenso wenig in Goslar auf, wie damals, als er sich angeschickt hatte, nach dem Regenstein zu gehen. Für ihn gab es keine Aussicht, den Zug gegen die Swichel­des mitzumachen; im Gegentheil, die Zeit war für etwas ganz anderes bestimmt; der Verspruch mit Gesa sollte in Bälde, und bevor herzuztehen- des Kriegsvolk die Bergpfade unsicher machte, im Tannenhofe stattfinden; was nützte es ihm, die Braut noch in Goslar zu begrüßen, er würde sie ja nächstens draußen sehen.

Während Heinrich auf dem wohlbekannten Pfade zur Hetmalh fürbaß schritt, kehrte sein Geist auf den Regenstein zurück. Immer wieder stand das flehende, thränenüberströmte Angesicht der Gräfin Blanka von Heimburg vor seinem inneren Auge, und wiederholt fragte er sich, wie es möglich sei,