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ftrsftlütr Kreisblitt.
Mit wöchentlicher Kratis-Aeikage „Illustrirtes InterhakLungsbkatt".__________
Nr. 149, Dienstag den 21. December 1886.
Amtliches.
Hersfeld, den 17. December 1886.
Diejenigen Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises, welche noch mit Einreichung der Gemeinderechnungen pro 1885^86 im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 20. Januar 1887 erinnert.
7438. Der Königliche Landrath ___________________Freiherr v onSch I e i n i tz.__
Hersfeld, den 17. December 1886.
Dem Bürgermeister Bieder zu Niederaula ist die nachgesuchte Dienstentlassung heute von mir bewilligt worden.
13318. Der Königliche Landrath ______ Freiherr von Schleini tz.
I. Bedingungen
zur Aufnahme von Kranken in das Hessische Diakonissenhaus.
1) Kranke ohne Unterschied der Religion und Konfession werden ausgenommen, ärztlich behandelt und treu verpflegt.
2) Von der Ausnahme sind ausgeschlossen: Krätz-, Geschlechts-, Pocken-, Cholera-, Flecktyphus- und Geisteskranke, sowie Sieche. Etwaige Ausnahmen bestimmt der Vorstand. ^3j Die "Pflegerin der Anstalt soll in der Regel die Dauer von 3 Monaten nicht übersteigen.
4) Der Aufnahme muß, dringende Fälle ausgenommen, eine schriftliche oder mündliche Anmeldung vorausgehen, widrigenfalls der Kranke wegen Mangels an Raum oder au« anderen Gründen zurückgewiesen werden könnte,
5) Die Aufnahmegesuche sind an die Frau Oberin des Diakonissenhauses zu richten und sind zu begleiten:
a. von einem Zeugnisse des bisherigen Arztes des Kranken;
b, von einem Garantieschein über die Zahlung der Pflegekosten.
6) für ärztliche Behandlung durch den Anstaltsarzt, Arznei und Verpflegung werden für jeden angefangenen Tag berechnet:
III. 61. Pflege in den Krankensälen
pro Tag ..... 1,25 Mark,
II. Cl. 2 Kranke in einem Zimmer
pro Tag ..... 2,50 „
1.6 1. Einzelzimmer pro Tag . 4 „
Wein und natürliche Brunnen sind bei den Kranken I.
(Unbefugter Nachdruck verboten.) Der Tannhofseröe.
Erzählung von A. von der Elbe.
(Fortsetzung.)
Es Will mir der Botengang auch für Heinrich nicht gefallen, er aber ist noch ein junger Gesell, schier unbekannt, sein Thun und Treiben ist unwichtig und Du kannst nun den Swicheldes Deine Unschuld beschwören."
„Ich meinte auch, die Sicherung müsse ich mir wahren," erwiderte er mit schlauem Lächeln.
„Alle Heiligen wollen uns Haus und Habe in dem schweren Handel dieser nahen Fehde behüten!" rief die Frau und bekreuzigte sich.
Heinrich hatte mit Udo — umsprungen von den Hunden — in jeder Käthe und in allen Ecken des Anwesens umher gestöbert. m ,
„Nun muß ich noch zur Hanne, zur alten Webe- hanne!" sagte er endlich, „wie konnte ich die so lange vergessen! Das Weiblein ist doch gesund und wie immer bei der Arbeit?"
„Dafür sorgt unsere Mutter," lachte Udo, „Hanne wagt es weder krank zu werden noch zu feiern; es ist ihr zugemessen was sie schaffen muß und das thut sie"
Die Brüder gingen um das Wohnhaus herum, an der warmen Rückwand, da wo innen das Herd- feuer glühte, stand der Anbau für den Webestuhl, der Tag aus Tag ein im Gange war, um Leinen und Wollzeuge für den großen Hausbedarf zu schaffen. Hanne, die Weberin, war allezeit eine
und II. Classe in obige Pflegesätze nicht einbegriffen. Für größere Operationen hoben die Kranken dieser beiden ersten Classen den Hausarzt besonders zu honoriren.
Die Ausnahmen von obigen Pflegesätzen bestimmt der Vorstand.
7) Kinder unter 10 Jahren zahlen für den angefangenen Tag 50 Ps., resp, die Hälfte der Sätze der I. u. II. Cl.
8) Für die Mitglieder der Krankenkasse des Diakonissen- Hauses und des Dienstboten.Abonnement treten die in dem Reglement angegebenen Ermäßigungen der Pflegesätze ein.
II. Bedingungen
für das Dienftboten-Abonnement in dem Hessischen
Diakonissenhaus bei Cassel.
Das Hessische Diakonissenhaus eröffnet zur Pflege er- krankter Dienstboten ein Abonnement unter folgenden Bedingungen :
1) Das Abonnement lautet auf den Namen der versicherten Dienstboten und geht bei Dienstwechsel aus die nachfolgenden Dienstboten über.
2) Der Preis beträgt 3 Mark jährlich für eine Person, für jeden weiteren Dienstboten derselben Herrschaft 2 Mark mehr.
3) Dafür wird im Erkrankungsfalle der Versicherte in das Diakonissenhaus ausgenommen und bekommt alles, was er während der Dauer der Krankheit bedarf.
4) Dock darf die freie Pflege nicht länger als 10 Wochen beansprucht werden. Nach dieser Zeit ist das gewöhnl'che Wegegeld von 1,20 Mark pro Tag zu entrichten.
5) Die Ausnahme erfolgt nur auf Grund eines ärztlichen Zeugnisses, sei es des Hausarztes der betreffenden Familie oder des Arztes deS Diakonissenhauses.
6) Von der Aufnahme sind ausgeschlossen: Krätz-, Geschlechts-, Pocken-, Cholera-, Flecktyphus- und Geisteskranke sowie Sieche.
7) Das Abonnement nimmt seinen Anfang am 1. April. Im März wird die Bezahlung, die praenumerando ge- schieht, mit Quittungen eingeholt.
8) Es kann auch außer der Zeit abonnirt werden, doch so, daß für das laufende Quartal voll bezahlt wird.
9) Ein neu gemachtes Abonnement tritt erst einen halben Monat, nachdem es gemacht ist, in Krast. Also wer am 1. Juli das Abonnement abgeschlossen hat, kann erst vom 15. Juli an einen Patienten in die Anstalt bringen. Kommt vor der Zeit ein Krankheitssall vor, so muß das gewöhnliche Kostgeld bezahlt werden.
Freundin der Knaben gewesen. Diese hockten an langen Winterabenden, wenn des Kiehnspahns düsteres Licht durch den kleinen Raum lohte, in der warmen Ecke am Webestuhl und hörten neben dem leisen Sausen des Schiffleins und dem Anschlagen des Brustbaums, die Sagen, welche auf dem Harz im Schwange waren. Mit eintöniger aber eindringlicher Stimme wußte die Alte von den Erdmännlein zu erzählen, die der Berge Schätze bewachen, um sie.für Gutthaten reichlich auszu- geben, von den Nixen der Wildbäche, welche den Fischer mit süßem Rauschen und Singen in ihre schäumenden Strudel locken, vom Zetergeist auf dem Scharzfels und der Erznase des diebischen Bergmanns.
Ließ dann, im Eifer des Redens, Hanne für kurze Zeit den Webstuhl ruhen, so schaute mit hartem Mahnen Frau Sibylla durch die kleine Thür am Herd in die Kammer, worauf dir Alte erschrocken um so eifriger ihre Arbeit förderte.
Im Sommer war die Luke zu Häupten des Webstuhls offen und hier schaute bald das eine bald das andere sreundliche Gesicht herein.
Heinrich war immer der Webehanne Liebling gewesen, auch heute empfing sie ihn, als die Brüder eintraten, mit sichtlicher Freude.
„Gut, daß Du heim bist, Kind," sagte sie, während ihr Schiffchen durch die gespannten Fäden flog, „kann einem allerlei Böses in der Fremde zu- stoßen."
Obwohl der Webstuhl nicht geruht hatte, trat doch jetzt die Hausfrau herein.
Aus dem Reichstage.
Berlin, 17. December, Die Sitzung des Reichstages wurde heute mit Rücksicht auf die Arbeiten der Militair- tommiffion erst nach 2 Uhr eröffnet. Auf der Tagesordnung stand der Theil des Etats des Reichsamts des Innern, welcher der Budgetkommission zur Vorberathung über« wiesen war. Zu einiger Debatte führte zunächst die vorgeschlagene Erhöhung des Unterstützungssonds für den Deutschen Fischereiverein von 20,000 auf 30,000 Mark, indeß wurde diese Mehrforderung schließlich fast einstimmig bewilligt. In der Hauptsache bewegte sich die heutige Diskussion um die Position, welche zur Förderung der Hochseefischerei statt der bisherigen 100,000 Mk. den Betrag von 200,000 Mk. in der Regierungsvorlage auswirst. Die Budgetkommission hatte vorgeschlagen, die Mehrsorde- rung namentlich wegen der nicht klaren Erkennung der bisherigen Verwendungszwecke abzulehnen. Der Beschluß der Kommission fand indeß aus dem Hause nur einen Vertreter in dem Abg. Schröder (deutschsreis.), während außer dem Staatssecretär des Innern, Staatsminister v. Boetticher, die Abgg. Gamp (Reichspartei), Gebhard, Dr. Kruse, Dr. Sattler (nat.-lib.) für die Mehrbewilligung eintraten. Bei der Abstimmung erhoben sich sür die Regierungsforderung die beiden rechten Fraktionen, die Nationalliberalen, die Socialdemokraten, sowie auch ein kleiner Theil des Centrums. Da indeß die Abstimmung zweifelhaft erschien, wurde zur Auszählung geschritten, wobei 98 für, 77 Mitglieder gegen die Mehrforderung stimmten. Das Haus erwies sich also als nicht beschlußfähig. Der Präsident beräumte die nächste Sitzung auf morgen Nachmittag 1 Uhr an. (Fortsetzung der Berathung des Etats des ReichsamtS des Innern.)
Berlin, 18, December. Der Reichstag füllte die heutige Sitzung in der Hauptsache mit einer Geschästsordnungs- Debatte aus, in welcher es sich um die Festsetzung deS Termins für die nächste Plenarsitzung handelte. Von der rechten Seite war beantragt, noch am nächsten Montag zur Förderung der Militairvorlage eine Plenarsitzung abzuhal» ten; im Uebrigen gingen auch die Vorschläge über den Zeitpunkt der ersten Sitzung nach Neujahr auseinander, Im Wesentlichen aber drehte sich die Debatte um die Beurtheilung des gestern von der Militairkommission gefaßten Beschlusses in die zweite Lesung der Vorlage erst nach Neujahr einzutreten. Dieser Beschluß wurde nämlich auf der einen Seite ebenso lebhaft vertheidigt, wie er auf der anderen Seite gemißbilligt wurde; auch der Staatssekretär
„Ist dies Stück fertig," sagte sie in ihrer barschen Art, „so soll das feinste Garn aufgezogen werden, welches wir gesponnen haben, Du mußt zum Hochzeitshemde für Heinrich etwas absonderlich Gutes weben, denn er freit Eine, die selber des Besten in Hülle und Fülle besitzt, und er soll mir nicht zurückstehen."
„Du?" rief Udo mit leuchtendem Auge. Heinrich senkte das Haupt.
„O jemine, das Kind freit!" rief die Alte, „ist das ein Glück! Wie gern web' ich ihm das Brauthemde von feinster Art, aber meine Augen, meine alten Augen, die können dünne Fäden nicht mehr sehen."
„Damit hast Du Dich lange geziert," herrschte die Hausfrau sie an, „was sein muß, geschieht, nur keine Ausrede!"
Die Mutter fragte nicht, wie Heinrich seine Braut gefalle, denn sie dachte nicht daran, ihm ein Recht des Urtheils oder gar des Widerspruchs einzu- räumen. Es verstand sich für sie von selbst, daß er dankbar annahm, was ihm die Eltern boten. Wählte er selber, wie Peter, und den Eltern behagte die Braut, so mochte auch auf diese Weise eine Ehe zu Stande kommen, da Heinrich aber von keinem Mädchen wissen wollte, mußte man ihm helfen und verbat sich nun das Dareinreden. Sibylla würde ja die Braut sehen und dann unter ihre Zucht nehmen, damit konnte der Sohn zufrieden sein.
Und Heinrich war's zufrieden; ja, es freute ihn,
daß er seine Meinung über Gesa nicht zu sagen