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Herssel-cr Krcislillltt

Mit wöchentlicher Kratis-Ueitage „Illustrirtes AnterhatLungsölatt".

Nr. 148. Sonnabend den 18. December 1886.

Amtliches.

Der Herr Oberpräsident der Provinz Hessen- Nassau hat genehmigt, daß der Vorstand des Hessischen Diakonissenhauses bei Cassel für die Anstaltszwecke auch während der Jahre 1887, 1888 und 1889 alljährlich eine einmalige Samm­lung freiwilliger Beiträge bei den evangelischen Einwohnern des Regierungsbezirks Cassel durch polizeilich zu legitimirende Collektanten oder un­mittelbar durch die Ortsgeistlichen veranstalten darf.

Cassel, den 10. December 1886.

Der Regierungs-Präsident.

I. V.: S ch w a r z e n b e r g.

Hersfeld, den 11. December 1886.

In der heutigen Sitzung der Kreisstandschaft des hiesigen Kreises kamen die einzelnen Positionen, wie solche sich auf der von dem Kreisausschusse festgestellten und in dem Kreisblatt Nr. 139l.Js. veröffentlichten Tagesordnung befanden, zur Be­rathung bezwse. Beschlußfassung.

Das Ergebniß derselben ist Folgendes:

ad 1 der Tagesordnung.

Der Landwegebau-Etat pro 1887 wurde be­gutachtet und für die mit Landwegebaulasten über­bürdeten Gemeinden rc. entsprechende Unter- stützungsanträge gestellt.

ad 2 der Tagesordnung.

Hier wurde mit 13 gegen 7 Stimmen beschlossen, den früheren Beschluß vom 28. Mai 1884, aus­weislich dessen die Aufnahme des Weges hinter dem sog. Hain in Hersfeld in den Landwegebau- verband bezwse. Ausbau desselben als noth­wendig erachtet worden ist, aufrecht zu erhalten, obgleich die Vertreter der Stadt Hersfeld die Verwirklichung dieses Projektes deshalb für über­flüssig hielten, weil die Stadt Hersfeld zum Bau einer anderweit projektirten Straße — von der Breitenstraße aus nach dem Bahnhöfe hin —,

(Unbefugter Nachdruck verboten.) Der Hannhofseröe.

Erzählung von A. von der Elbe.

(Fortsetzung.)

Heinrich aber begann Gesas Wesen nach dem zu prüfen, was sein alter Freund als die Haupt­gaben eines Mägdeleins forderte, und siehe da, er konnte zu keinem der drei Stücke aus voller Brust: ja! sagen. Von der Frömmigkeit seiner Verlobten wußte er nichts; für demüthig konnte er sie nicht halten und wenn er sie sich vergegen­wärtigte, wie sie.im Hoppaldei gesprungen, so flanbte er, Bruder Lucas würde das nicht fitt- am nennen. Nun hätte ihn das billig verdrießen ollen, oder gar mit Zorn gegen den Klausner erfüllen, der Anderes verlangte, als ihm beschieden wurde, dem war aber nicht so; machte es die Ge­wißheit, sein Empfinden gerechtfertigt zu sehen, daß Heinrichs Brust sich zufrieden schwellte? Niemals hatte er inniger des Klausners Hand zum Abschiede geküßt, als heute. Ja, der Alte wußte, wonach sein Herz verlangte, und Heinrich begriff jetzt, weshalb diese Braut ihn nicht be­glückte.

IV.

Der Tannenhof lag auf halber Bergeshöhe, dahinter erhoben sich die Vorberge des Brockens,

welche übrigens dem Interesse des Publikums ebensoviel Rechnung trage als das hier in Rede stehende Projekt, bereits Grundeigenthum er­worben habe.

ad 3 der Tagesordnung.

An Stelle des Oekonomen und Gastwirths Balthasar Knauff dahier wurde der Siebmacher George Steinweg dahier als Sachverständiger zur Abschätzung der Kriegsleistungen im Falle einer Mobilmachung bis Ende 1888 gewählt.

ad 4 der Tagesordnung.

Die Kreiskassenrechnung pro 1885/86, welche in Gemäsheit des §. 87 der Kreisordnung vom 7. Juni 1885 hier zur Vorlage gelangte, wurde, nachdem die von den Revisoren gemachten Be­merkungen auf vorherige Erläuterung als erle­digt angesehen worden waren, auf eine Einnahme von 6187,80 M. und eine Ausgabe von 6165,35 M., mithin einen Kassenvorrath von 22,45 M. festgestellt

Rechnungsführer Decharge ertheilt. — cfr. außerdem den am Schlüsse dieses abgedruckten, nach §. 87 der Kreisordnung vorgeschriebenen, Rechnungsauszug. —

ad 5 der Tagesordnung.

Es wurden gewählt:

I. zu Mitgliedern der Einkommensteuer-Ein- schätzungs-Commission pro 1887/88:

a. aus der Zahl der Kreisstände:

1. Apotheker Dr. H. Müller dahier,

2. Bürgermeister Reinhard zu Landers­hausen.

b. aus der Zahl der Einkommensteuerpflich- tigen des Kreises:

1. Bürgermeister Braun hier,

2. Fabrikant Adam Rechberg hier,

3. Mühlenbesitzer L. Roll von Bingartes- mühle, jetzt dahier,

4. Oekonom Gliemeroth zu Wölfershausen.

II. zu Stellvertretern derselben und zwar:

a. der unter l.a 1 und 2 Genannten: Kaufmann Hermann Gesing dahier.

die Lerchenköpfe, der Quitschenberg und der Bruch­berg; man blickte in der Ferne auf die öden Flächen des Brockenfeldes und den kahl auf­ragenden alles beherrschenden unheimlichen Kopf des Blocksberges. Ein Bergwasser sprang über bemooste Steine neben dem Gehöft vorüber und im Thale davor bereiteten sich etliche verschneite Ackerfelder, jetzt kenntlich an der Einfassung von abgesammelten Steinen.

Die plumpen Häuser des Anwesens, aus Fels­stücken und Stämmen fest und dicht gefügt, wur­den von einem Graben umhegt, dem der Wald­bach Zu- und Abfluß schaffte, dahinter erhob sich ein Dornzaum mit spitzigem Pfahlwerk, so daß eine Ueberrumpelung nicht zu befürchten stand. Auf den braunen Schindeldächern lagen große Steine zum Festhalten der Bretter gegen den Sturm, und aus der Kaminesse des mittleren Gebäudes drang der Herdrauch in grauen Wolken durch beschneite Tannenwipfel, die das Haus überragten, zum klaren, blassen Februar­himmel empor.

Vater und Sohn schritten um Mittag rüstig ihrem Heimwesen zu. Heinrich fühlte sich wie entronnen, und seine innere Freudigkeit stieg um so mehr, je näher sie der Heimath kamen. Nach­dem sie die Zugbrücke des Grabens überschritten, wurden sie auf dem Jnnenhofe vom Freudenge- bell der großen Wolfshunde empfangen, die das Anwesen bewachten. Etliche Dienstleute find der

b. der unter I.b 1 bis 4 Genannten:

1. Kaufmann Hermann Altenburg hier,

2. Gutsbesitzer Heinrich Schwarz zu Unter- haun.

ad 6 der Tagesordnung.

Sodann wurden gewählt:

a. zu Mitgliedern der Commission behufs Be­gutachtung der Klassensteuer-Reklamationen pro 1887/88:

1. Posthalter Friedrich Heil hier,

2. Bürgermeister Reinhard zu Landers­hausen,

3. Bürgermeister Ruhn zu Asbach,

4. „ Schmidt zu Frielingen.

b. zu Stellvertretern derselben:

1. Oekonom und Gastwirth B. Knauff hier,

2. „ Gliemeroth zu Wölfershausen,

3. Bürgermeister Groscurth zu HMenbach^

...... * * *

Auszug aus der Rechnung der Kreiskasse des Kreises Hersfeld pro 1885/86.

A. Einnahme.

I. Kassenbestand aus voriger Rechnung — M. — Pf.

11. Rückstände aus voriger Rechnung — „ — „ III. Zinsen von ausgeliehenen Kapitalien 108 „ 30 „

IV. Eingegangene Kapitalien 1958 „ — „

V. Erborgte Kapitalien — „ — „

VI. Besondere und außerordent­liche Erhebungen 2880 „ — „

VII. Strafgelder von Reser­visten und Landwehrleuten — „ r- „

VIII. Für ausgestellte Duplicat- Loosungs- rc. und Impf­scheine 4 „ — „

IX. Sonstige Einnahmen 1237 „ 50 „

Summa der Einnahme 6187 „ 80 „

jüngste Bruder Udo liefen herzu und begrüßten die Heimkehrenden. Die Männer traten in das Haus; es hatte eine starke, durchgetheilte Thür, deren obere Hälfte nur geöffnet wurde, wenn Großvieh aus und einging, oder die Erntewagen herein fuhren, denn das beste Vieh und Korn hielt man mit unter demselben Dache. Drinnen war's dämmerig; zu beiden Seiten sahen die Köpfe von Rindern und Pferden über ihren Futtertrog heraus; aus der Tenne ging's gradeaus zum Herde.

Der Platz daran wurde von mächtig lodernden Scheiten hell beleuchtet, starke Tische, Bänke und zwei hochlehnige Stühle standen an den Seiten des Feuers. Geschäftig gingen Mägde ab und zu. Eine große, starke Frau hob eben einen Topf vom Kesselhaken herunter.

Als diese des Hausherrn Stimme vernahm, der ihr ein Willkommen zurief, wandle sie sich rasch und kam freudig auf ihren Eheherrn zu.

„Sei gegrüßt, Gerhard," sagte ste mit harter Stimme, „Ihr habt's lange gemacht in der Stadt, derweil lag die ganze Last auf mir."

„Das Fest ist nie kürzer," antwortete er, „und ernste Erwägungen mit dem Rath füllten uns da­zwischen die Zeit."

Sie begaben sich selbander zum Feuer und der Hausherr nahm mit ersichtlichem Behagen in einem der hohen Stühle Platz. Frau Sibylla brächte ihm eigenhändig den Bierkrug und fand