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Mit wöchentlicher Kratis-WeitageIssustrirtes Anterssaktungsölatt".

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Nr. 146. Dienstag den 14. December 1886.

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Amtliches.

Bekanntmachung.

Der Königliche Rentmeister Schenk zu Frie­dewald hat unter seiner vollen persönlichen Ver­antwortlichkeit mit unserer Genehmigung seinen Privatgehülfen Wilhelm Auspurg zur Erthei- lung von Quittungen über Zahlungen an die Steuer- und Forstkasse dortselbst bevollmächtigt. Die Vollmacht für den Gehülfen Felmeden ist zurückgezogen.

Casfel, den 7. December 1886.

Königliche Regierung, UUU yvi, I-114U

C. I. 9585. S ch ö n i a n.__

Hersfeld, den 10. December 1886.

Es ist mehrfach darüber Klage geführt wor­den, daß die mit Koth überhäufleu Landwegezüge innerhalb der Ortschaften des Kreises gar nicht, oder doch nur ungenügend, gereinigt werden.

Unter Hinweis auf das Straßenreinigungs- Regulativ vom 14. November 1828 und die dies­seitige Verfügung vorn ^December 1681 Nr. 13751 (Kreisblatt Nr. 98) fordere ich die Herren Ortsvorstände auf, für die alsbaldige Beseiti­gung des belegten Mißstandes Sorge zu tragen, auch fortan ein besseres Augenmerk hierauf zu richten, als dies bis dahin geschehen zu sein scheint.

Auch erwarte ich von der Königlichen Gen­darmerie des Kreises, daß solche, wie derselben bereits in der vorstehend erwähnten Verfügung speciell zur Pflicht gemacht ist, auf diesen Gegen­stand ebenfalls achtet und nöthigenfalls mir Be­richt erstattet.

12881. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Der Hannhofseröc.

Erzählung von A. von der Elbe.

(Fortsetzung.)

Nein; verlangt mich auch nicht danach, sprach Heinrich zu Rainold. Hätten die Väter sie Dir verlobt, sollt's mir gleich fein,*

Mird o nein! ich wäre nicht gut genug für sie;* sagte Rainold fast erschrocken,stäub ich aber an Deiner Statt, sollte mich's baß vergnügen, mit ihr zu kosen."

Frau Märtte richtete ihr wachsames Auge auf alles, was vorgtng; es lag ihr daran, Gesas Heirathsangelegenheil sonder tzemmniß und Irrung zum Abschluß kommen zu sehen, aber mußte nicht, wenn es also weiter ging, sich ein Knoten schlagen, wo keiner hingehörle, und der, den die Väter ge­knüpft, sich lockernd Und was sollte dann werden? Wildführ hatte ihr zugeschworen, daß er nicht da­ran denke, sein Kind geringer zu begeben, als an den Waldhofserben. Sie mußte heraus locken, wie Gesina über die Brüder dachte und das Mädchen warnen.

Auf den Nachmittag war beim Bürgermeister eine Schmauserei mit Abendtanz angesetzt, in der Frühe hatte Gesa die Wirthschaft besorgt, so blieben dazwischen ^iu paar ruhige Stunden, welche beide Frauen mit Spinnrad und Stickarbeit in der Fensternische des Erkers über der Hausthür zu- brachten.

«Du hast gestern wieder den langen Heinrich

Zugelaufen: ein Hund. Meldung des Eigen- thümers bei dem Ortsvorstand zu Frielingen.

# Erfahrungen mit zweijähriger Dienstzeit.

Bei der Berathung der Wilitärvorlage im Reichstag ist sowohl von den Freisinnigen wie vom Centrum die Ein­führung der zweijährigen Dienstzeit gefordert und damit begründet worden, daß die persönliche Last, welche für den Einzelnen mit einer dreijährigen Dienstzeit verbunden ist, bei den heutigen Erwerbsverhältnissen zu groß sei und daß eine zweijährige Ausbildung wenigstens bei der Infanterie vollkommen genüge. Diese Forderungen und Ansichten wurden von der Fortschrittspartei schon bei der Frage der Militär-Reorganisation im Abgeordnetenhause in den Jahren 18621865, wie auch seitdem wiederholt von der Fort- ftW?"jl^Nt^ der «e- nicht richtiger.

Die persönliche Last einer dreijährigen Dienstzeit für den Einzelnen soll nicht geleugnet werden; aber bei der Frage der Dauer der Dienstzeit muß das Interesse der Allge­meinheit dasjenige des Einzelnen überwiegen. Was im Interesse der Allgemeinheit ist, läßt sich in dieser Sache nicht nach theoretischen, auch noch so wohlmeinenden Ueber­zeugungen feststellen, sondern allein auf Grund praktischer Erfahrungen.

In Preußen stand man früher der Frage, ob zwei- oder dreijährige Dienstzeit, ganz unparteiisch und vorurtheilsloS geg -.über, Das Gesetz über die Verpflichtung zum Kriegs­dienst vom 3. September 1814 stellte für alle Waffengat­tungen eine dreijährige Ausbildung fest mit dem Zweck, die Zahl der in dieser Weise Auszubildenden auf eine solche Höhe zu bringen, daß die für die Kriegssormationen erforderlichen Mannschaften vorhanden waren. Hierdurch wurden starke Bataillone mit jährlicher Ergänzung eines Drittels bedingt. Da indeß die Staatsmittel nicht aus« reichten, ging man bei der Linie mit der Kopfzahl der Ba­taillone zurück und führte im Jahre 1820 ein System von Beurlaubungen ein, welches zwar formell die dreijährige Dienstzeit und die dreijährige Ergänzung der Truppen aufrecht erhielt, aber den Mann in der Regel nur 1 Jahr 10 Monate bei der Fahne behielt. Zehn Jahre später zeigten sich die Früchte dieses Experiments: als im Jahre 1830 die politischen Ereignisse Verstärkungen des Heeres und Einberufungen der Landwehr nöthig machten, ergab

durch ein gar sprödes Gebühren gekränkt, mein Lämmlein," sagte die Wittfrau und ließ die Näh- terei aus den Händen gleiten, indem sie Gesa scharf ansah.

Gekränkt, meint Ihr das wirklich, Based* fragte die Dirne schnippisch und hielt ihr Rad an.

Nun, so man den Liebsten kaum anschaut, denk' ich an Kränkung."

Wir wissen Beide nicht, was wir zu einander reden sollen!" rief Gesa bitter, er starrt weil über mich weg in die leere Luft, oder spricht mit Be­kannten von Waldrecht, Jagd und Geschäften, wenn ich auch daneben stehe, wobei er mich schier zu vergessen scheint."

Sei hold, und bring' Dich ihm in Erinnerung, man läßt den Freier nicht locker."

Fast könnt' ich mich vor ihm fürchten," fuhr Gesa ärgerlich fort.Käme er mir mit einer ausgerissenen jungen Tanne in der Hand mitten im düstern Walde entgegen, nähm ich ihn für den Wildenmann, wie er abgemalt wird."

Mit Rainold plauderl'S sich leichter d"

Ja gewiß I" rief Gesa freudig,der erzählt mir vom Waldhofe, von Mutter und Brüdern; von dem weiß ich, wie's draußen zugeht, ja durch ihn kenne ich die ganze Verwandtschaft."

Und fürchtest Du nicht, daß er sich Dir in's Herz schleicht, daß er Dir einst besser gefällt als Dein Hochzeiterd" fraßte Frau Märte halblaut, neigte sich weit vor und suchte durch das offene Auge des Mädchens in ihrem Herzen zu lesen. Das wäre ein sündhastig Gefühl, Kind, solltest

sich, daß sowohl die Zahl der auSgebildenden Mannschaften als vor allem auch die Güte ihrer Ausbildung unzu­reichend war.

Obwohl man damals an zuständiger Stelle von der Nothwendigkeit einer Erhöhung der thatsächlichen Dienstzeit auf volle drei Jahre und einer Verstärkung der Kopfzahl der Bataillone überzeugt war, glaubte man doch den Wider­streit der finanziellen Nothlage des Staats und der An­forderungen an unsere militärische Machtentfaltung dadurch lösen zu müssen, daß man im Jahre 1833 die dreijährige Ergänzung und das System von Beurlaubungen fallen ließ und für die Infanterie (ausschließlich der Garde-Regimenter und der Besatzungen von Mainz und Luxemburg) eine zweijährige Dienstzeit unter Verringerung der Kopsstärke der Bataillone einführte. Nur durch diese Verkürzung der Dienstzeit war es möglich, das bisherige Jahrescontingent an Rekruten festzuhalten und dadurch im Beurlaubtenstande aWWWtÄ

wer noch bisher an die Brauchbarkeit der

Dienstzeit geglaubt hatte, wurde durch die Erfahrungen der Jahre 1848 und 1849 vollständig bekehrt. Es wurde da­mals auf Grund der praktischen Erfahrungen ohne Wider­spruch alsunbezweifelte Thatsache" conftatirt,daß im Allgemeinen eine dreijährige Dienstzeit dazu gehört, um den Soldaten neben der erforderlichen Ausbildung für den Krieg zugleich denjenigen Grad von Disziplin und Haltung anzueignen, durch welchen allein die volle Brauchbarkeit für den Krieg bedingt ist." 1852 wurde in Folge dessen die dreijährige Dienstzeitvorläufig" wieder eingeführt, wenn sie auch durch Berlegung des Rekruteneinstellungstermins in das Frühjahr thatsüchtich-zumichLnur zu einer 21/,. jährigen wurde. Die Ereignisse deSJahwsKelche Preußen in politische Verwickelungen zu bringen drMÄY- führten schließlich zur vollständigen Durchführung der drei­jährigen Dienstzeit, d. h. zur Rekruteneinstellung im Herbst. Seitdem ist diese Dauer der Dienstzeit beibehalten und verfaffungsmäßig festgesetzt.

Wie hieraus hervorgeht, ist der ehrliche Versuch ge­macht worden, mit einer zweijährigen Dienstzeit auszu- kommen. Dieses System hat aber gerade in wichtigen Momenten versagt, dasjenige der dreijährigen sich aber in den letzten drei Kriegen aus das glänzendste bewährt; in Rücksicht auf die Höhe der persönlichen Lasten ist übrigens die Dienstzeit thatsächlich im Durchschnitt aus 2 Jahr 4/, Monat vermindert. Mit dem gegenwärtigen System, es zur rechten Zeit erkennen und ausrotten."

Gesa erröthete, dann richtete sie sich stolz auf, ihre vollen Lippen zogen sich verächtlich herunter, und sie sagte mit hartem Ton:wie mag die Frau Base solches denkend Was mir zukommt, weiß ich. Rainold ist ein Fant, ein Brüderlein, aber kein Freier für des Rathmanns Wildführ Einzige. Stadt und Gau müßten sich verwundern, so ich's billiger thäte als mit dem Tannenerben l Nein, seid getrost, tändle ich hier mit dem Zweien, steht mein Sinn doch nur nach dem Ersten. Mich lüftet nach dem Regimente auf seinem reichen Hofe; keine Burggräfin hat mehr unter sich, als ich haben werde. Was gewönn' ich bei Rainold in der Berggasse? Kleineren Kram als hier im Brusttuche", nein, seid ruhig, den wähl ich nie, bei Leibe nicht!"

Gut, gut," beschwichtigte die Wittib, und nahm ihr Linnen wieder znr Hand,wollt es Dir ver­denken, so Du Dich zum Geringeren hieltest; aber den Anschein hat's und es könnte doch einmal Dein Heinrich stutzig werden."

Unter den Vätern sind Verspruch und Hand­schlag gegeben, und also ist's fest für uns Beide!" rief Gesa mit einem sieghaften Blick ihrer lichten, blauen Augen und setzte das Spinnrad in hastige Bewegung.

Die festfrohe Stadt wurde, noch ehe die Zeit deslangen Tanzes" ganz zu Ende ging, unsanft aufgestört. Boten kamen voll übler Kunde gelaufen, und der Rath trat mit dem Bergamt der Sechs­männer, sowie mit den sechs Wetsen-Waldleuten