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Nr. 145, Sonnabend den 11. December 1886.

Amtliches.

Hersfeld, den 9. December 1886.

Unter Bezugnahme auf mein Ersuchen vom 17. November v. I. ad Nr. 12024 — Kreisblatt Nr. 138 — betreffend diejenigen Volksschullehrer des Kreises, welche seit länger als fünf Jahren pro­visorisch angestellt sind, ohne die zweite Prüfung abgelegt zu haben rc. muß ich diejenigen König­lichen Localschulinspectoren, welche die bezügliche Mittheilung nach dem abgedruckten Schema pro 1886 mir noch nicht gemacht haben, hierdurch an baldgefällige Erledigung ergebenst erinnern.

12995, Der Königliche Landrath _____________Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 9. December 1886.

Diejenigen Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises, welche noch mit der Erledigung meiner Verfügung vom 4. October cr. Nr. 10683, im Kreisblatt Nr. 118, die Aufnahme des Pferde- und Rindviehbestandes betreffend, im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 20, d. Mts. bei Meidung von je 3 Mark Strafe erinnert.

10683. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Der Recrut Wilhelm Schmidt, geb. am 6. December 1864 zu Halberstadt, Kreis Halberstadt, in Hersfeld und zuletzt in Berlin, von Profession Kürschner, hat in dem Gestellungstermin am 5. November 1886 Nachmittags 2 Uhr gefehlt, auch der an ihn unterm 6. November cr. ergangenen öffentlichen Aufforderung zur sofortigen Meldung zwecks nachträglicher Einstellung in den Mili- tairdienst keine Folge geleistet.

Alle Militairbehörden werden daher ersucht, den Genannten im Betretungsfalle verhaften und hierher abliefern lassen zu wollen. Das gleiche

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Der Hannhofseröe.

Erzählung von A. von der Elbe.

(Fortsetzung.)

„Du verlangst närrische Dinge Heinrich," lachte der Alte. „Dein Herz wird ein frohes Pochen lernen."

„Das thut's nur, so ich auf einen Wolf, Geier oder Sechzehnender anlege, ein Weib hat mir nie­mals Unruhe gemacht."

„Es ist Deine Zeit und Du freist!"

Mit Verlaub, Vater," nahm Heinrich noch ein­mal das Wort: „Wollt' ich die Gerste schneiden, bevor sie reif ist, würdet Ihr mich thöricht schelten und etwas viel Größeres nennt Ihr fertig und wollt's vor der Zeit einheimsen; bitt' Euch bei allem Gehorsam, lastet mir Frieden."

„Freude und Frieden zugleich soll Dein werden, mein Sohn l" rief der Alte feierlich und entschieden, „ich habe Dich einer wackeren Jungfrau verlobt, und den Handschlag an Deiner Statt mit dem Vater gewechselt."

„Also doch —" murmelte Heinrich, schlug die Arme unter und lehnte sich zurück, während ein Schmerzenszug das schöne bräunliche Gesicht überflog.

„Gesa Wildführ wird Dein Weib -" fuhr Tannen fort, „ich habe gut und klug für Dich gewählt, und gleich morgen sollst Du selber Deinen Berspruch thun." rr ir „

„Ohne daß Mutter sie kennt? Schafft Euch

Ersuchen ergeht auch an alle Civil-Behörden je­doch mit der Maßgabe, den genannten Recruten im Betretungsfalle der n ä ch st e n M i l i t a i r - behörde zuzuführen.

Signalement. Sprache: deutsch; Statur: mittet; Haare: dunkel; Augenbraunen: dunkel; Augen: blau; Stirn: flach; Nase: gewöhnlich; Mund: gewöhnlich; Zähne: ein Vorderzahn fehlt; Kinn: rund ; Gesicht: oval; Bart: keinen; Ge­sichtsfarbe : gesund. Besondere Kennzeichen: keine.

Hersfeld, den 6. December 1886.

Königliches Landwehr-Bezirks-Commando.

Zur Vornahme der Frühjahrs - Prüfung der Aspiranten für den einjährig freiwilligen Mili- tairdienst des Jahres 1887 ist als Anfangstermin der 24ste Februar 1887 festgesetzt worden.

Diejenigen jungen Leute, welche sich dieser Prü­fung unterziehen wollen, haben ihr bezügliches Gesuch spätestens bis zum 1. Februar 1887 bei der unterzeichneten Commission einzureichen und in demselben anzugeben, in welchen zwei fremden Sprachen sie geprüft K sei: wünschen.

Dem Gesuche sind beizufügen:

1) ein Geburtszeugniß;

2) ein Einwilligungs-Attest des Vaters oder Vormundes mit der Erklärung über die Be­reitwilligkeit und Fähigkeit, den Freiwilligen während einer einjährigen activen Dienstzeit zu bekleiden, auszurüsten und zu verpflegen;

3) ein Unbescholtenheits - Zeugniß, welches für Zöglinge von höheren Schulen (Gymnasien, Realgymnasien, Progymnasien, Realschulen und höheren Bürgerschulen) durch den Di- rector der Lehranstalt, für alle übrigen jungen Leute durch die Polizei-Obrigkeit des Wohnortes, oder ihre Vorgesetzte Dienstbe­hörde auszustellen ist, und

4) ein von dem Aspiranten selbst geschriebener Lebenslauf.

keinen Unfrieden in's Haus, Vater," mahnte der Sohn.

Zum ersten Male während ihrer Unterredung wurde der alte Tannen bedenklich, „Mutter wollte ja nicht mit her," murmelte er. „Zu ändern ist nichts; sie aber soll mit der Gesina leben. Zanken sich die Weiber ist's eine Hölle im Hause. Wer weiß, was Mutter nicht ansteht? Jetzt freilich muß ihr alles anstehen, denn der Handel ist abge­macht. Sie kennt mich, fest wie vor dem Altar beschworen! Aber vielleicht, wenn man ihr den Willen thäte und Gesa zur Schau mitnähme —" diese plötzliche Unsicherheit ließ dem alten, baum­starken Gesellen wunderlich.

Eine warme Herzensgüte, fast wie Mitleid, leuchtete aus den Augen des Sohnes. „Ein Mann, ein Wort," sagte er, „fern sei es von mir, meines Vaters Entscheidung zu verwerfen. Ich stehe zu Dir, wohin Du mich führst, aber mit Mutter im Guten auszukommen, wäre für uns Beide das Beste."

Sie überlegten nun, was man thun könne, die herrische Tannenwirthin für ihre Schwieger einzu- nehmen. Es unterlag keinem Zweifel, daß sie sich dem Beschluß des Eheherrn werde unterwerfen wüsten, aber man wollte ihr und sich selbst Ver­druß sparen und für die Zukunft vorbeugen.

So kam man überein, daß Jost Wildführ ein- geladen werden solle, sich der Tochter zukünftig' Heimwesen mit Gesa anzusehen, sobald ein Paar frühlingsmäßige Tage in's Land kommen würden, und daß alsdann vor der Mutter der feierliche

Die Atteste müssen im Original eingereicht werden.

Caffel, den 6. December 1886.

Königliche Prüfungs-Commission für Einjährig- ______________Freiwillige.____________________

Die Interessenten der Hessischen Brandverstche- rungs-Anstalt setze ich andurch in Kenntniß, daß die Brandsteuer pro 1887 durch Beschluß des Landes - Ausschusses vom 17ten l. Mts. auf 15 Pfennig pro 100 Mark des Umlagekapitals fest­gesetzt worden ist.

Caffel, den 30. November 1886.

Der Landes-Director. I. V.: Dr. Knorz.

Politische Nachrichten.

(Deutschland.) Se. Majestät der Kais er erledigte im Laufe des Donnerstag Vormittags Regierungsangelegenheiten, nahm die regelmäßigen Vorträge entgegen und arbeitete Mittags mit dem Chef des Civil-Cabinets v. Wilmowski. Nachmittags 1 Uhr stattete Allerhöchstderselbe dem Prinz-Regent von Bayern, Prinzen Luitpold, im Schlosse einen längeren Besuch ab.

Von besonderer Bedeutung ist derTrinkspruch, durch welchen unser Kaiser am Mittwoch bei Tafel den Prinz-Regenten von Bayern ehrte. Gegen Ende der Tafel erhob sich Se. Majestät der Kaiser und trank auf das Wohlsein Seines er­lauchten Gastes. Er dankte für den Besuch des­selben und sprach dann mit besonderer Wärme die Schlußworte: daß wir auf immer und ewig yuteFreunde bleiben wollen. Der Prinz-Regent war sehr gerührt, dankte so­fort mit einigen dieser Rührung Ausdruck leihen­den Worten und mit einem herzlichen Händedruck.

Der „Reichsanzeiger" publicirt die Ernennung des Regierungspräsidenten Magdeburg in Caffel zum Unterstaatssecretär im Handelsmi­nisterium.

Berspruch geschehen und der Brautkuß gewechselt werden solle. Jetzt konnte man, solange die Ist­zeit in Goslar dauerte, obwohl man allerseits Be­scheid über der'Väter Abkommen wissen sollte, noch in alter Weise verkehren, dann schaffte man Frau Tannen die .Genugthuung, ihr Wörtlein in den Berspruch darein zu reden. Die Wtlbführs würden sicherlich das Waldgut gern kennen lernen und für schicklich Geleit würde man sorgen.

Frau Märte Brockmann erfuhr noch selbigen Abends, als man vom Fest in „das Brusttuch" am Markte zurückgekehrt war, daß ihr Bewerber sich den Weg zu ihr geebnet habe.

Jost Wildsühr stand in dem zierlichen Erker- stüblein über der Hausthür, das einst .seine Ehe- liebste bewohnte, vor der Braunschweigerin. Sie nahm sich eben die große Flügelhaube ab und nestelte die aufgerollten Flechten los; so erschien ihm das Märtle wie eine junge Maid, und er schaute sie verliebt an.

„Wir können nun auch zum Berspruch schreiten, Bieltheure," flüsterte Wildführ, „meine Gesina ist begeben, ich habe mit dem Tannenwirth Wort und Handschlag gewechselt."

„Und welchen von den Brüdern kriegt sie?" fragte Märte neugierig, indem sie vor seinem aus- gestreckten Arm etwas zurück wich.

„Wie könnt Ihr zweifeln? Schwör' Euch, keinem andern hätt' ich sie verlobt als dem Erben! Sie wird des großen Heinrich Weib und Wirthin auf dem Tannenhose. Wollt' ich einen so geringen Freier für Gesa wie Rainold, der eben den Händel