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Hrrsseliltl Armblatt.
Mit wöchentlicher Kratis-Aeitage „Illustrirtes Anterhaktungsölatt".
Nr. 144. Donnerstag den 9. December 1886.
^mtltrftPrt sonen ihrer Gemeinden bezw. Ortsverwaltungs-
& J bezirke, welche im Jahre 1886 ohne Ent -
lassung aus dem Unterthanen-Verbande in Hersfeld, den 4. December 1886. das Ausland ausgewandert sind, nach dem hier- Die Herren Bürgermeister und Ortsverwalter unter abgedruckten Schema aufzustellen und spä- des Kreises haben ein Verzeichniß derjenigen Per- testens bis zum 31. d. M. anher einzusenden, Nachweis
der Auswanderungen, welche im Jahre 1886 aus der Gemeinde ......... sta Personen Entlassungsurkunden ertheilt Word
oder sofern solche Auswanderungen im laufenden Jahre nicht vorgekommen sind, dieses binnen gleicher Frist berichtlich anzuzeigen.
12852. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
ttgefunden haben, ohne daß den betreffenden en sind.
Gemeinde.
Zahl der ausgewanderten Personen.
Familienzu- sammengehörig- keit.
Religionsbekenntniß
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überhaupt
männlich .
weiblich
Zahl der Familien.
Einzelne Personen.
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männlich
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männlich
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weiblich
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männlich
tisch
weiblich
sonstiger kannter
männlich
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weiblich
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Bekanntmachung.
Die Gemeindevorstände des diesseitigen Kreises ersuche ich wiederholt in ortsüblicher Weise bekannt zu machen, daß die Sprech- und Anmelde- tage des hiesigen Königlichen Kataster-Amts nur an zwei Tagen in der Woche und zwar Mittwochs und Sonnabends, Vormittags von 8 bis 12 Uhr, stattfinden.
Bei den unendlich vielen Arbeiten, welche zur Zeit dem Kataster-Amt zur Erledigung vorliegen, bitte ich dringend jede Störung an den übrigen Wochentagen zu vermeiden.
Hersfeld, den 6. December 1886.
Der Königliche Katasterkontroleur: Schweißer.
(Unbefugter Nachdruck verboten.) Der Hannhofseröe.
Erzählung von A. von der Elbe.
(Fortsetzung.)
Jetzt glühten Gesas Wangen vom raschen Tanze, und ihr runder Hals wandte sich von einer Seite zur anderen, da die beiden Söhne des Alten vom Tannenhofe ihr zur Rechten und Linken standen.
Auch die jungen Männer beschauten sich das Märtle mit prüfenden Blicken. Der große Heinrich war sicherlich ein prächtiger Gesell. Wie das braune Haar ihm üppig um den stolz getragenen Kops wallte. Aber zu den dunklen in sich gekehrten Augen hätte Märte kein Vertrauen fassen können, es war, als sähe er nichts recht, oder über alles hinweg. Das gebräunte Gesicht, der ernste Mund waren schön, dagegen wagte selbst die Tadelsuchtige nichts einzuwenden. Nur lächelte er gar zu selten.
Ganz den gegentheiligen Ausdruck wies Rainolds frisches Gesicht. War's auch nicht so edel gebildet wie das Heinrichs, es gefiel der Muhme besser, und auch Gesa wandte sich ihm mehr zu, er blieb ihr keine Antwort schuldig, und das Scherzen zwischen ihnen wollte kein Ende nehmen.
„Ich sollte leicht fein!" rief sie, „Ihr seit der Erste, der das meint, manch Anderer schilt mich derb und stark."
„Wenn ich Euch im Hoppaldei schwinge, scheint Ihr mir leicht wie eine Feder," sprach er, schüttelte seinen krästigen Arm und lachte das Mädchen vergnügt an.
Aus dem Reichstage.
Berlin, 6. December. Der Reichstag überwies nach kurzer Debatte den Gesetzentwurf, betreffend den Servis- taris rc., der Budgetkommission, und genehmigte debatte- los den Gesetzentwurf, betreffend die Kontrolle des Reichs- Haushalts rc. für 1886/87 in erster und zweiter Lesung, während die Denkschrift über die Ausführung der seit 1870 erlassenen Anleihegesetze durch Kenntnißnahme für erledigt erklärt wurde. — Daraus wurde in die zweite Berathung des Etats eingetreten. Zunächst wurde der Etat des Reichskanzlers und der Reichskanzlei ohne jede Debatte genehmigt; den Hauptantheil der Sitzung beanspruchte die Berathung des Etats des Reichsamts des Innern, soweit eben derselbe nicht der Kommission überwiesen ist. Im Grunde waren es allein die Berichte der Fabrikinspectoren beziehungsweise der in diesem Jahre aus Grund derselben erstattete Generalbericht, welche den Mittelpunkt der De
„Ja," nickte Heinrich, den sie auch fragte, „Ihr springt tüchtig mit, das geschieht, weil Ihr gern tanzt."
Jost Wildsühr kam eben aus dem Trinkstüblein und sah die, welche er im Sinne trug, also vergnügt beisammen stehen. Seine Gesa nahm sich gut an des Walderben Seite aus. Ließen die Städter auch ungern den Bauer gelten, diesen würden sie ihm und seinem Kinde neiden; die Tannen standen in großem und wohlverdientem Ansehen.
Was nutzte ihm auch das Buchenstück, welches der Waldmann begehrte; ob ihm ein Knabe be» scheert werde war ungewiß, und lange dauerte es, bis der heran wuchs, bis dahin würde er im Handel mehr verdienen als jener Grund ihm ver- schlug und konnte seinen Sohn reich nachlassen. Vielleicht würde er nie zu einer zweiten Heirath schreiten können, wenn Gesa nicht jetzt und vorweg Platz machte. Warf Tannen sein Auge auf ein anderes Mägdelein, das reichlicher Geld und Gut einbrachte, dann war alle Aussicht für ihn und Gesa vorbei, Märtle würde Heimreisen, und er mußte gewiß später mit einem viel geringeren Freier sür sein Kind fürlieb nehmen. Dies alles ging ihm just beängstigend durch den Kopf, als er wieder in den Saal trat.
Die hübsche Wittfrau wurde sein alsbald gewahr, nickte und winkte ihm zu, aber statt darauf wieder zu grüßen und hin zu eilen, wandte er, plötzlich entschlossen Tannen nachzugeben, sich um und stieg wieder in die Weinstube hinunter.
batte bildeten. Auf die Ausstellungen und Wünsche des Abg. Lingens (Centrum) bemerkte der Staatssekretair des Innern von Boetticher, daß der Generalbericht, wie er jetzt vorgelegt, ja dem Wunsche des Hauses selbst entspreche, daß er aber bereit sei, aus gegebene Direktive des Reichstages hin, zu dem früheren Verfahren zurückzukehren. Betr. der Enquete über die Sonntagsruhe werden binnen kurzer Zeit Mittheilungen gemacht werden können. Konferenzen von Fabrikinspectoren in Berlin seien an sich wohl zweckmäßig, aber letztere seien Reichs-, nicht Staatsbeamte. Dem Abg. Baumbach tdeutschsreis) gegenüber, der die Objectivität des Generalberichts bemängelte, betonte der Herr Staatssekretair des Innern weiter, daß der Verfasser des Generalberichts gar kein ReichSbeamter sei und ferner» daß die in demselben mitgetheilten Urtheile den Berichten der Fabrikinspectoren entnommen seien. Im Nebligen an, erkenne er, daß die Fabrikinspectoren sich füglich auf die Mittheilungen von Thatsachen zu beschränken hätten. Abg.
Als er rasch eintrat, hörte er, wie zwischen dem Bürgermeister und Tannen der Name Silburg Dörnten genannt wurde; so war der Alte schon auf einer andern Fährte; was sollte er nun thun? Er konnte jetzt nicht selber den abgebrochenen Handel anknüpfen.
Ueber das kluge alte Gesicht des Waldherrn flog ein Zug der Befriedigung, als er seinen un- wirrschen Partner von vorhin ganz zahm herbei schleichen sah. Gut, dachte er, lassen wir Silburg und kehren zu Gesa zurück, wenn sie uns die Buchen mitbringt. Er hielt dem Kaufmanne, der sich wieder an seinen Tisch gesetzt, den Krug zum Anstößen hinüber.
Aha, athmete Wildführ innerlich auf, er sängt wieder an; und bald rückten sich die Beiden zu emsiger Berathung näher. Die Buchen wurden zugestanden, über Hausrath und künftige Erbthei- lung manches bündig gemacht, und dann lagen die beiden, braunen Fäuste der Väter zum Handschlage und Verspruch auf dem Tische fest ineinander.
Als sie nun einig und guter Dinge waren, sagte Tannen:
„Was meinen Zweiten, den Rainold angeht, so hätte ich ihn gern in einer kaufmännischen Schreibstube, auf daß er Handel und Wandel mit eigenen Augen sieht. Buchung, Brauch und Absatzkunde wollen erlernt sein, und eine sichere Hand, die uns den Werth des Erzeugten richtig herausschlägt, thut dem Waldgute noth. Nun dachte ich, Gevatter, so das Mägdelein Euer Haus räumt, wäre Platz für meinen Jungen darin, und Ihr — als«