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Wit wöchentlicher Kratis-Aeitage „Issustrirtes Interhattungsölatt".
Nr. 143,
Dienstag den 7. December
1886.
Amtliches.
Hersfeld, den 27. November 1886.
Den Herren Ortsvorständen des Kreises werden in diesen Tagen die nach den festgestellten Originalen berichtigten Duplikate der Klassensteuer-Zu- und Abgangslisten pro I. Semester zugehen. Die darin enthaltenen Abgänge sind alsbald in den Duplikat-Klassensteuer-Rollen nach Zeit und Betrag zu notiren, und hiernach die qu. giften auf« zubewahren.
12596. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 3. December 1886.
Der Apotheker George Stamm zu Niederaula ist heute als Stellvertreter des Standesbeamten daselbst verpflichtet worden.
12798. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 3. December 1886.
Der Ackermann Matthäus Heinz zu Rotensee hat für seine Söhne Johann Valentin Ernst Heinz und Heinrich Jacob Heinz, ersterer 17, letzterer 14 Jahre alt, um Entlassung aus dem diesseitigen Staatsverbande behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht.
12821. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 3. December 1886.
Der Buchbinder Peter Both zuKerspenhausen ist als Sachverständiger zur Untersuchung des Schweinefleisches auf Trichinen für den die Hausnummern 1 bis einschließlich 30 umfassenden Schaubezirk, und ebenso der Landwirth Valentin Grebe daselbst für den die Hausnummern 31 bis einschließlich 64 umfassenden Schaubezirk widerruflich bestellt und eidlich verpflichtet worden.
(Unbefugter Nachdruck verboten.) Der Tannhofseröe.
Erzählung von A. von der Elbe.
(Fortsetzung.)
«Das nenne ich einen echten Hoppaldei, wie Goslar lange nicht gesehen!" hieß es in Wildsührs Nähe.
„Ja, ja, das Gesaletn kann springen, wenn's den rechten Gesellen trifft.*
Und den hatte sie getroffen, er faßte ste unter die Arme, hob ste hoch empor, wirbelte sich mit ihr rundum, setzte sie mit einem Jauchzer nieder und schwenkte sich mit ihr, die er an der Hand hielt, weit im Kreise herum.
„Das ist dem Alten vom Tannenhofe sein Zweiter," hieß es, der muntere Rainold, der kommt gern zur Stadt, ist lustig und aller Leute Freund."
Gesa lachte hell auf als Rainold sie jetzo zuletzt hoch empor schnellte.
„3a, ja, sie lacht," sagte Frau Märte schlau, „aber sie lacht dem Andern zu, nicht dem finstern Heinrich."
Der Rathmann hatte sie verlassen und schob sich bedächtig durch die Menge, er wollte sich in des alten Tannen Nähe bezeben, vielleicht daß dieser auf seine gestern hingeworfene Andeutung zurück kam. Man mußte nicht zeigen, was einem an der Waare lag, dann kaufte man billiger. Wildsühr wußte, wo er den Alten stcherlich antreffen werde, der saß im Trinkstüblein der Rathsherren und nirgends anders. Gerhard Tannen war gut Freund mit dem Bürgermeister Heinz von Uslar und ge
In Verhinderungsfällen haben dieselben sich gegenseitig zu vertreten.
12820. Der Königliche Landrath __Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 4. December 1886.
Diejenigen Herren Ortsvorstände des Kreises, welche mit Einreichung des K l a s s e n st e u e r - Veranlagungs - Materials pro 1 887/88 noch im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 12. d. Mts. bei Meldung von 3 Mk. Strafe erinnert.
11386. Der Königliche Landrath __Freiherr von Schleinitz.
Gefunden: eine Mütze, ein Schlüssel und ein Taschentuch. Meldung der Eigenthümer bei dem Ortsvorstand zu Mengshausen.
S te ck b r i e f.
Gegen die unten beschriebene unter verschiedenen Namen landstreichende Mathilde Leitsch, geboren zu Schwarzbach, Kreis Hünseld, am 9. October 1853, welche flüchtig ist, ist die Untersuchungshaft wegen zweier am 9. November 1886 zu Unterhaun bezw. Roßbach begangener Diebstähle vom Kgl. Amtsgericht Hersfeld verhängt. Es wird ersucht, dieselbe zu verhaften und an das nächste Amtsgericht abzuliefern bei Nachricht hierher zu den Akten J. II. 2035/86.
Cassel, den 2. December 1886.
Der Königl. Erste Staatsanwalt.
I. A.: Chuchul.
Beschreibung: Alter 33 Jahre. Größe: 1,56 m. Haare: röthlich. Stirn: hoch. Augenbrauen: bräunlich. Nase: spitz. Zähne: gut. Gesicht: rund. Augen: bräunlich. Mund: proportionirt. Kinn: rund. Gesichtsfarbe: gesund. Sprache: hessischer Dialect. Kleidung: gut bäuerlich; brauner Rock mit Jacke, zweimal mit lila Band besetzt; schwarzes gesticktes Brusttuch; braunes
hörte auch als der älteste von den Weisen-Wald- teuten zu dem Stadtregimente.
„Ihr haltet sie also für eine sittsame und ar- beitsfrohe Jungfer?" fragte der alte Tannen zum Ohre des Bürgermeisters geneigt.
„Der Besten Eine in der Stadt!" erwiderte Heinz Uslar. „Hätt' ich einen heirathslustigen Sohn, ich nähme die Gesa Wildlühr zur Tochter. Der Vater ist ein vermöglicher Mann, und wenn er auch wiederum auf Freiers Füßen geht, so ist bisher doch die Gesa seine Einzige. Sie hat in dem großen Hauswesen seit der Mutter Tod wacker Ordnung gehalten und weiß ein paar arbeitsame Hände wohl zu regen."
Vater Tannen wiegte in behaglichem Sinnen sein grauumwalltes Haupt. Er dachte, daß es Zeit werde einen seiner fünf Söhne zu beweiben, dachte, wie seine Frau altere, und daß aus dem Tannenhofe eine Tochter besser aufpasse und zu- greife als faule Mägde, denen man immer nacharbeiten muffe, wie sein Weib klagte. War Heinrich fast scheu jedem hingeworsenen Worte der Eltern, daß er an die Ehe denken solle, ausgewichen, so konnten darum die Anderen nicht warten. Peter, der dritte Sohn, hatte des Obersteigers Life gern, dagegen war nichts einzuwenden, Peter war auch Bergmann und sollte einst des Vaters Grubenan- thetl erben, aber er durste dem Aeltesten, dem das Waldgut zukam, in nichts vorgehen.
Der Alte wußte, daß er seine Söhne stets in guter Zucht und Ordnung gehalten. Seinem Befehle hatte noch keiner zu widersprechen gewagt;
Kopftuch mit Rosen. Besondere Kennzeichen: Sommersprossen.
Aus dem Reichstage.
Berlin, 3. December. Der Reichstag trat in die Berathung der Militairvorlage ein. Die Debatte wurde vom Kriegsminister Bronsart von Schellendorff mit einem lichtvollen Lortrage eingeleitet, in welchem derselbe die zwin- gende Nothwendigkeit der Vorlage darlegte, sowohl in Bezug aus den gewählten Zeitpunkt ihrer Einbringung, alS auch in Bezug auf den Eintritt ihrer gesetzlichen Giltig- keit, so wie auch aus das Maß der gesorderten Erhöhung und die Dauer des Gesetzes. Nach den bekannten auswärtigen Verhältnissen könne das Deutsche Reich trotz seiner friedlichen Politik ganz gegen seinen eigenen Willen in einen Krieg verwickelt werden. Allerdings bestehe keine augenblickliche Kriegsgesahr; einer solchen gegenüber würde naturgemäß auch die Erhöhung der FriedenSpräsenzstärke nicht genügen. Aber in einer Zeitepoche, welche Gewähr für Erhaltung des Friedens nicht gebe, sei eS Pflicht zu prüfen, ob unsere Wehrkraft genüge, um unter allen Um- ständen die Unabhängigkeit und Sicherheit des Deutschen Reiches aufrecht zu erhalten. Die Vorlage selbst zeige in ihrem Zahlenmaterial, daß die möglichst baldige Erledigung dringend wünschenswerth sei, und zwar hielten die verbündeten Regierungen es für nothwendig, daß die Vorlage noch vor den Weihnachtsferien erledigt werde, zumal noch eine dreimonatliche Vorbereitung des GesetzeS nöthig sei. Die Vorlage gehe aus finanziellen Rücksichten über daS unbedingt Nothwendige nicht hinaus. Im Uebrigen sollte füglich die Genehmigung der Vorlage nicht von vorheriger Verständigung in Zoll- und Steuersragen abhängig gemacht werden. Wenn hier und da geäußert werde, die Regierung meine eS mit der Forderung des SeptennatS nicht ernst, so beruhe dies« Annahme auf vollständigem Irrthum. Durch die jüngste Etatsdebatte habe trotz aller widerstrei- tenden Anschauungen doch die bereitwillige Zusage hin- durchgeklungen, zu bewilligen, waS zur Stärkung der Wehrkraft des Landes nothwendig sei. „Lösen Sie dieses Wort ein und bewilligen Sie möglichst einstimmig diese Vorlage * (Lebhafter Beisall.) Abg. Richter fdeutsch-freis.) meinte, wenn die Regierung mit der Vorlage solche Eile habe, wie der Kriegsminister dargelegt, hätten sie auch den Reichstag früher einberufen können, welcher auch seine I Pflicht der Mitwirkung üben und dazu sich die nöthige ' Zeit nehmen müsse. Er erörterte dann die Kadresver»
war's also eine abgemachte Sache, so fiel jegliche Möglichkeit einer Weigerung fort. Und warum sollte er nicht sorgen, wie sein Vater für ihn gesorgt hatte? War denn in seiner Ehe nicht alles gut gegangen, obwohl er des Waldschmieds Tochter, um die sein Vater für ihn gefreit, kaum gesehen, bevor der Verspruch stattgesunden. In Heinrichs Wesen lag etwas Eigenes, das selbst dem Vater Achtung abzwang. Nichts von Rainolds offener Fröhlichkeit oder von Peters beschränkter Geschwätzig- kiit; bet den anderen Buben hatte der Alte stets gewußt was sie wollten und wie es auf ihres Herzensgrund aussah, aber der stille, ernste Heinrich, der am liebsten für sich ging, erschien ihm fast wie ein Fremder. Und doch war Heinrich, der Erstgeborene, mit seiner gewaltigen Kraft, seiner Einsicht, und seinem Gehorsam ihm der Liebste. Daß er ihm den Waldhof geben konnte, freute den Vater in's Herz hinein, ihm einen jüngeren Bruder in irgend einem Dinge und nun gar als Hochzeiter voran gehen lassen, nein, das sollte nicht fein! Er aber wollte Enkel sehen, wollte der Seinen Geschick dereinst wohlgeordnet nachlassen so mußte denn ein Ende gemacht und für den sechsundzwanzigjährigen Heinz geworben werden.
Mit einem ermunterndem Lächeln um den breiten Mund setzte sich eben Jost Wildsühr an des alten Tannen Seite.
Gut daß der Rathmann ihm entgegen kam, dachte der vom Tannenhofe, da würden sie um so eher Handels einig. Man konnte die Festtage in Goslar ja nicht besser nutzen, als mit Abschluß