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Uklsftliicl Kreislillitt.

_________Mit wöchentlicher Kratis-JeilageMustrirtes Jlnterfiattungsblatt".___________

Nr. 142. Sonnabend den 4. December 1886.

Aöonnements-Kinladung.

Bestellungen auf das

Hersfelder Kreisdlatt mit der wöchentlichen Gratis - Beilage

Jllustrirtes Unterhaltungsblatt" für den Monat December werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtliches.

Des Kaisers und Königs Majestät haben Mittelst Allerhöchster Ordre vom 8. d. Mts. für das Jahr 1887 die Erlaubniß zu ertheilen ge­ruht, daß zu der in Verbindung mit der stän­digen Ausstellung für Kunst und Kunstgewerbe zu Weimar beabsichtigten, von dem Großherzog- lich Sächsischen Staatsministerium genehrmgten Ausspielung von Gegenständen der Kunst und des Kunstgewerbes auch im diesseitigen Staats­gebiete und zwar im ganzen Bereiche desselben Loose vertrieben werden dürfen.

Die Lotterie besteht aus 300 000 Loosen und 15000 in drei Classen vertheilten Gewinnen.

Die Gewinne bestehen ausschließlich aus Gegen­ständen der Kunst und des Kunstgewerbes. ,

Der Antrag des Vorstandes der ständigen Ausstellung für Kunst und Kunstgewerbe zu Wei­mar, die gleiche Erlaubniß auch für die Jahre 1888-1802 zu ertheilen, ist durch die vorerwähnte Allerhöchste Ordre abgelehnt worden.

Indem ich den unterstellten Verwaltungs- und Polizeibehörden von Vorstehendem Kenntniß gebe, ersuche ich dieselben gleichzeitig, dafür gefälligst Sorge zu tragen, daß der Vertrieb der Loose zu der im Jahre 1887 stattfindenden Ausspielung

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Der Hannhofseröe.

Erzählung von A. von der Elbe.

In der alten Reichsstadt Goslar ging eS zur Fastnacht des Jahres 1412 hoch her.

Handel und Wandel gediehen, die Bergwerke des Rommelsberger brachten reichlichen Ertrag; kräftige Bündnisse mit den umliegenden Städten der Hansa schützten Waarenzüge und Herden gegen die Räube­reien der umwohnenden Harzritter, und so waren Gut und Muth vorhanden, um der festlichen Zeit froh zu werden.

Eine besondere Ursache getrost zu sein, gab auch noch der im Herbste abgeschlossene Frieden mit den gesährlichen Rittern von der nahegelegenen Harz- bürg, den Herren Brand und Kord von Swichelde.

Run galt es sorglos und sröhlich sein; der lange Tanz" brächte Jung und Alt aus die Beine. Das Volk setzte in den weichen Straßen Tannen- bäume, faßte sich zu luftigem Rundtanz an den Händen und stampfte mit Springen und Jauchzen im Kreise um den bunt gezierten Waldbaum. Kinder zogen mit althergebrachtem Singsang durch die Straßen.

.Kaiser Karolus hochgeboren, Hatte Goslar einst verloren, Wir wollen darauf denken, Und es ihm wieder schenken!-

So hieß es als Andeutung der einstigen Ver­pfändung Goslars von Seiten Karls ly.

In den Krämer-, Gewandschneider- und anderen

Gildehäusern wurden die Tage deslangen Tanzes" gleichfalls hoch gefeiert. Am üppigsten ging es in­deß auf dem Rathhause her, wo alle Rathsange- hörigen, die Sechsmänner, welche die Verwaltung des Stadtguts besorgten, und die ihnen betgeordne- ten sechs Weisen-Waldleute, allesammt mit Kind und Kegel, tanzen, zechen und jubiliren durften. Oben im Saal vergnügten sich Bürgermeister, Rathsherren, Bergrichter, Obersteigerund Schreiber, unten auf der Diele tollten die Frohnboten, Feuer- Hüter, Untersteiger und Viertelsmeister mit den Ihrigen, während der Marktplatz vor dem Rath­hause dem Volke gehörte.

Blaswerk und Geigen, Trommeln und Pfeifen spielten vom hohen Geländergang aus kräftiglich im oberen Saale auf, und wieder traten die Uner­müdlichen zum Ringelreihen an, sie sangen:

Der Rammelsberg trägt silbern Gut, Drum halten wir auf frischen Muth. Wir wollen lustig leben, Und unsre Füße heben!"

Werthe Muhme, Ihr schnappt mühsam nach Lust," sagte ein stämmiger Mann in mittleren Jahren zu einem dicken, hübschen Frauchen, mit dem er in die Runde gesprungen. Kommt Märtle, setzt Euch mit mir hier auf die Plapperbank und laßt uns verschnaufen."

Frau Märtle wars zufrieden, wenngleich sie's nicht gern zugab, daß die Fülle ihr Last machte. Das Zusehen kostet kein Geld," stammelte sie, mälig zu Athem kommend.

Die Bank, aus der das Paar saß, lief auf

in ihrem Amtsbereiche nicht beanstandet wird, auf die bezeichnete Ausspielung aber beschränkt bleibt.

Cassel, den 27. November 1886.

Der Regierungs-Präsident. J.V.: Schwarzenberg.

Zur Zeit wird die Collecte für die Arbeiter- Colonie Wilhelmsdorf eingesammelt. Ich kann den Gemeinden und Kreiseingesessenen nicht dringend genug empfehlen, sich durch Beiträge an derselben zu betheiligen.

Seit dem Bestehen der Colonie sind 3400 hilf­lose Wanderer von der Colonie auf ihren 5 Ackerhöfen beherbergt, eingekleidet und in tüchtige geregelte Arbeit gebracht. Von diesen sind 2061 in auswärtigen Arbeitsstellen untergebracht, die übrigen bis auf wenige Ausnahmen sich selbst dauernde Arbeit gesucht. Die Colonie kann bis­lang aus eigenen Mitteln nicht bestehen und ist noch auf fremde Hülfe angewiesen, wenn ftefatf- bestehen soll. Bei der a^ü---W^y^yar, welche durch die Verminderung der Wanderbettelei Ge­meinden und ©Meinen erwiesen ist, kann to) nur nochmals auffordern, biefen Bestrebungen eine kräftige Unterstützung zu Theil werden zu lassen, und namentlich auch gänzlich das Geben von Bettelpfennigen an unbekannte Wanderer zu un­terlassen, letztere vielmehr auf die bestehenden Verpflegungsstationen und die Colonie Wilhelms­dorf zu verweisen.

Hersfeld, den 2. December 1886.

Der Königliche Landrath Freiherr von S ch l e i n i tz.

Aus dem Reichstage.

Berlin, 1. December. Der Reichstag beendigte die erste

Berathung des Etats, nachdem heute noch eine große Reihe von Rednern zu Wort gekommen. Zuerst sprach der Abg. Hasenclever (Socialdem.), um die Beschwerden seiner Par­tei zu begründen und zu erklären, daß seine Freunde, wie früher, gegen den Etat stimmen würden. Abg. Frhr. von Maltzahn (deutschkons.) betonte dem Vorredner gegenüber besonders, daß die Gründe für die Vermehrung der Trup­pen nicht in den inneren, sondern allein in den auswär­

tigen Verhältnissen lägen. Den gestrigen Ausführungen des Abg. Rickert gegenüber legte der konservative Abge­ordnete dar, daß die heutige Finanzlage keine wesentlich andere sein würde, selbst wenn die Regierung sich in den letzten Jahren in den Händen der Opposition befunden hätte. Er glaube, daß nothwendig eine Vermehrung der Einnahmen eintreten müsse, da die Ausgaben eben nicht beschränkt werden könnten, und daß diese Mehreinnahmen nur aus den Konsumsteuern zu erzielen seien. Abg. Frhr. von Huene (Centrum) wies die Anschauung d-L Finanz­ministers, daß der Reichstag die Schuld daran trage, daß wir einem Defizit gegenüberstehen, als materiell durchaus ungerechtfertigt zurück. ES sei daS Seltsame dieses EtatS, daß dem Fehlbeträge gegenüber keine Deckungsvorschläge gemacht werden. Abg. Graf von Behr-Behrenhoff (Reichs- parteis hält Mehreinnahmen des ReichS durch weitere Ausbildung des indirekten Steuersystems für unerläßlich. Der Abg. von Koscielski (Pole) beklagt )ich namentlich über die Versetzung polnischer Rekruten in entfery'-^Njnsart Provinzen, welche Maßreg^^pAstischen Gründen lie- von^ M^ketztsertigte. In der weiteren Debatte nahm, abgesehen vom Herrn Kriegsminister, der zu derselben Frage noch einmal das Wort zu nehmen veranlaßt wurde, von Seiten des Bundesraths (wiederholt) der Finanzmi­nister Dr. von Scholz das Wort, welcher der Opposition entgegnete, daß, wenn sie einmal zur Regierung gelangen sollte, sie die Pläne der gegenwärtigen Regierung, deren Durchführung sie jetzt verhindere, werde durchführen müssen, wenn sie kein Fiasko machen wolle; und ferner trat der Herr Minister besonders der Behauptung entgegen, daß er in seiner gestrigen Rede das Tabaksmonopol habe ankündigen wollen. Die Debatte drehte sich mit geringer Ausnahme überhaupt um Fortspinnen, resp. Widerlegen der Gedanken, die in der gestrigen Debatte hervorgetreten waren. Es sprachen heute noch die Abgeordneten Grad sElsasser), Richter sdeutsch-sreis ), Rickert (deutsch-sreis.), so­wie wiederholt die Abgeordneten v. Helldors (deutschkons.) und Dr. Windthorst Zentrum). Einem von den großen Parteien gemeinsam gestellten Anträge auf Ueberweisung einer großen Reihe von Etatsabschnitten in die Budgkt- kommiffion wurde natürlich entsprochen. Nächste Sitzung Freitag 1 Uhr. (Erste Lesung der Militairvorlage.)

Politische Nachrichten.

(Deutschland.) Se. Majestät der Kaiser ließ sich am Donnerstag Vormittag vom Grafen

mäßiger Erhöhung an der einen Langseite des Saales her, hier und da stand ein wohlgefestigter schmaler Tisch vor den Hochsitzen, derselbe diente bequem dem B erkruge, welchem man allerseits eifrig zusprach. Die Goslarsche Gose war ein weitberühmt Getränk, das den Durstigen heute leichtflüssig einging.

Der Rathmann Jost Wildführ reichte seiner Partnerin den hochschäumenden Krug und meinte:

Letzt Eure rothen Lippen, auf daß sie Euch wieder gut zu Dienste stehen."

Das Märtle ließ sich nicht zweimal nöthigen, ein langer Zug erlabte die Erhitzte; nach dem Trank aber schüttelte sie sich mit Schauder und sagte:Brr, wie sauer! Ihr solltet dagegen unsere Braunschweiger Mumme proben, die läuft einem so dick herunter wie ein Aal, kitzelt einem süß Hals und Magen und thut wohl wie Arznei."

Na, unsere Gose kann sich doch mit dem Süß­zeug messen!" rief er.

Ne, nel Dies hier ist kribbelig, leichtfertig Getränk!" .

Euch will nichts in Goslar recht gefallen, Lieb- werthe, und ich möchte doch, Ihr hieltet irohltch und in Ehren immerdar hier bei uns aus, sprach er mit einem Seufzer. _

Hat man mich schon gefragt, ob ich dableiben will ?" sagte sie verschämt und doch mit zärtlichem

Ausblinzeln. , _ ..

Frau Märte Brockmann war eine Verwandte von des Rathmannes Wildführ verstorbenen Ehe­weibe. Neben den Rathsangelegenheiten betrieb