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Nr. 140. Dienstag den 30. November 1886.

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Hersfelder Kreisdlatt

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Jllustrirtes Unterhaltungsblatt" für den Monat Deeember werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträger. und von der Expedition angenommen. \

Amtliches.

Bei der am heutigen Tage stattgefundenen Ausloosung von Rentenbriefen der Provinz Hessen-Nassau für das Halbjahr vom 1. October 1886 bis 81. März 1887 sind folgende Apoints gezogen worden:

1) Litt. A. ä 3000 Mark:

Nr. 254, 291, 418, 638, 774;

2) Litt. B. ä 1500 Mark:

Nr. 25C^ 330;

3) Litt. C. ä 300 Mark:

Nr. 216, 217, 221, 414, 530, 577, 750, 977, 1159, 1264, 1536, 2136, 2417;

4) Litt. D. ä 75 Mark :

Nr. 80, 106, 427, 740, 827, 970, 1036, 1082, 1199, 1876, 2225.

Die ausgelooften Rentenbriefe, deren Ver­zinsung vom 1. April 1887 ab aufhört, werden den Inhabern derselben mit der Aufforderung gekündigt, den Kapitalbetrag gegen Quittung und Rückgabe der Rentenbriefe im coursfähigen Zu­stande mit den dazu gehörigen nicht mehr zahl­baren Zinscoupons Serie 11. Nr. 5 bis 16 nebst Talons vom 1. April 1887 ab bei der Renten- bankkafse hierselbst in den Vormittagsstunden von 9 bis 12 Uhr in Empfang zu nehmen.

(Nachdruck verboten.)

Aus den Wogcu des Lebens.

Novelle von E. Schlegel. (Fortsetzung).

Ein unerwartetes Ereigniß trat plötzlich dazwischen; der alte Rath war vom Schlage getroffen und nach kurzem Kampfe verschieden. Sein Tod erregte tiefe Trauer, denn er war allgemein beliebt. Die Bestattung der Leiche erfolgte unter großer Theil­nahme. Der Schmerz seiner Kinder war gewaltig, doch Asta's Kummer war zügellos, weil ihr Ge­wissen sie anklagle, dem alten Vater oft wissentlich wehe gethan zu haben jetzt war's zu spät zu dieser Einsicht. Die Welt aber bewunderte den unsäglichen Gram der Tochter und pries die Liebe des Kindes. Emmy und die Gebeugte tauschten in diesen Stunden vor den Augen der Menschen die liebenswürdigsten Heucheleien, und kein Fremder ahnte, wie viel Trug sich hinter dem guten Ton verbarg.

Für die Hinterbliebenen begann nun eine schwere Zeit; der Mutter blieb nur die kleine Pension und die Tochter setzte jeder äußeren Einschränkung pe- remtorische Weigerung entgegen. Die Räthtn war verzweifelt über diesen Eigensinn, aber es hals ihr nichts sie war verzogen in der Furcht der Tochter l

Das vornehme Relief wurde treulich gewahrt aber die große Beisteuer des Kostenpunktes verur­sachte Asta sehr vielen Kummer; kein Tag, keine Stunde verging, wo sie nicht haderte und sümpfte

Auswärts wohnenden Inhabern der gekündig­ten Rentenbriefe ist es gestattet, dieselben mit der Post, aber frankirt und unter Beifügung einer nach folgendem Formulare:

.......Mark, buchstäblich.....Mark Valuta für d . . zum 1......18. . gekün­

digten Hesseu-Naffauischen Rentenbrief. . Litt. . . Nr. . . habe ich aus der Königlichen Ren- tenbank-Kasse in Münster erhalten, worüber diese Quittung. (Ort, Datum und Unterschrift.) ausgestellten Quittung über den Empfang der Valuta, der gedachten Kasse einzusenden und die Uebersendung des Geldbetrages auf gleichem Wege, jedoch auf Gefahr und Kosten des Empfängers, zu beantragen.

Schließlich machen wir darauf aufmerksam, daß die Nummern aller gekündigten resp, noch rück­ständigen Rentenbriefe durch die Seitens der Redaction des Deutschen Reichs- und Königlich Preußischen Staats - Anzeigers herausgegebene Allgemeine Verloosungs-Tabelle sowohl im Mo­nat Mai, als auch im Monat November jeden Jahres veröffentlicht werden und daß das be­treffende Itück dieser Tabelle bei der gedachten Redacti^ zum Preise von 25 Pfennigen bezogen werden sahn. Münster den 17. November 1886.

Königliche Direction der Rentenbank für die Provinz Westfalen, die Rheinprovinz und die Provinz Hessen-Nassau.

»Die Verstärkung der Wehrkraft.

Die in der Eröffnungsrede angekündigte Vor­lage wegen Erhöhung der Friedenspräsenzstärke ist dem Reichstage sofort bei seiner Eröffnung zugegangen: sie fordert eine Verstärkung der Friedenspräsenzstärke um rund 41000 Mann und zwar schon vom 1. April 1887 ab für die nächsten sieben Jahre. Die Kosten hierfür werden auf jährlich 23 Millionen Mark und außerdem die

zwischen Geiz und dem «scheine vor den Leuten. Hubert verlachte seine Schwester ob diesem Re- spectes vor der Welt, sie sah ihm empört in's Ge­sicht und rief zornig:Du erlaubst Dir ein Ur­theil, wozu Dir jede Berechtigung fehlt; Du hast dafür kein Verständniß denn Ihr lebt nicht in der Welt l"

Ihre Tyrannei erreichte einen solchen Höhepunkt, daß selbst die Mutter schließlich erklärte, wenn es nicht anders würde, müßten sie sich trennen. Der kleine Dämpser wirkte eine kurze Zeit, dann aber spann der Zwist sich unbehindert weiter.

Siebenzehntes Kapitel.

Es ist später Abend, ringsum Stille der be­ginnenden Nacht. In dem dürftigen Stäbchen Eltsa- beth's aber herrscht eine unheimliche Stimmung. Zwischen ihr und dem Gatten war nach vorange­gangenem Streit das furchtbare Wort gefallen, welches Mann und Weib trennt. Jetzt kniete die junge Frau vor dem Knaben und schnürte dessen Schuhe. Händeringend trat Hedwig herzu, bleich, verstört.Und wo soll ich hin, wenn Du gehst fragte sie bebend.

Hinaus in die Nacht wie ich! gehe zu Deinem Vormund, er muß Dich aufnehmen."

Hubert legte seine Hand aus die Knieende.

Elisabeth," sagte er weich,halt ein; barm­herziger Gott, ich hatte mich ganz vergessen. Was soll aus mir werden, wenn Du mich verläßt?"

Was Du bist!" erwiderte sie herb,ein Müßig­gänger 1"

einmaligen Ausgaben für die hierfür erforder­lichen Neueinrichtungen und Neubeschaffungen auf 24 200 000 Mark berechnet.

Wenn der oberste Kriegsherrsolche Forderungen für unabweislich erklärt, so wird jeder gute Preuße und jeder gute Deutsche fest davon über­zeugt sein, daß dieselben es auch in der That sind. Niemand kann das, was zum äußeren Schutze des Vaterlandes nothwendig ist, so gut beurtheilen, wie der Kaiser, dem die höchsten Sachverständigen zur Seite stehen. Kein Preuße, kein Deutscher kann hier Mißtrauen hegen. Die Nothwendigkeit der Forderungen wird aber auch für diejenigen, welche einen Einblick in die Verhältnisse haben wollen, in der Begründung des Entwurfs in un- widerleglicher und unanfechtbarer Weise bewiesen. Ob unsere Wehrkraft stark genug ist, läßt sich nur nach der Wehrkraft der beiden großen mili­tärischen Nachbarstaaten bemessen: Frankreich hat, obwohl es eine viel geringere Bevölkerungs­zahl hat, gegenwärtig eine Friedenspräsenzstärke von 471811 Mann, die nach neueren Projecten noch um 40 000 Mann vermehrt werden sollen; Rußland hat 547 450, Deutschland nur 427 274 Mann. Frankreich verfügt über 446 Batterien mit 1856 Geschützen, Rußland über 395 Batte­rien mit 1736 Geschützen, Deutschland über 340 Batterien mit 1404 Geschützen.

Schon diese Zahlen zeigen, wie sehr Deutsch- land im Hintertreffen ist. Der nächstliegende Gedanke ist für Jeden, der einen Vergleich an- stellt, doch wohl der: ob denn die 41 000 Platin und die 24 Batterien, um welche Deutschland sein Heer vermehren will, nicht eher zu wenig als zu viel sind. Wenn sich trotzdem die Mili­tärverwaltung mit dieser Forderung begnügt, so ist das ein Beweis, welche große Rücksicht auf die Steuerkraft des Volkes genommen wird. Aber wir dürfen auch vertrauen, daß, wenn auch Deutschland nach wie vor in Bezug auf die

Halt ein und sprich nicht so schwere Worte.

Meinst Du, es sei ein Vergnügen, an den Straßenecken zu stehen und nicht zu wissen, wo Brot hernehmen? Gott weiß, wie ich mich quäle Tag für Tag."

Es ist keine Quälerei, die ein Kommissionär vollbringt. Warum arbeitest Du nicht, wie ein ehrlicher Mensch? nimm die Axt, wenn eS sein muß aber arbeite!"

Du verlangst doch nicht, daß ich Knechtesdienste verrichten soll? vergißt Du, wer ich bin?"

Glaubst Du, Verblendeter, die Menschen würden Deine Knechtesarbeit mehr verachten, als Deinen vornehmen Müßiggang? wir vergehen im Elend, und Du weigerst Dich, für uns zu sorgen!"

Ich habe bis jetzt noch immer gesorgt!"

Nein!" rief Lisbeth, das nenne ich nicht sorgen! Durch Deine Schlauheit entlockst Du Anderen das Geld aus der Tasche davon leben wir! Du hast die Deinen in letzter Zeit von ehrlichem Ver» dienst nicht ernährt, die Gesellschaft, in welcher Du Dich bewegst, verdirbt Dich; ich aber denke zu redlich und kann Dein Weib nicht bleiben."

In furchtbarer Erregung griff die Sprechende nach Tuch und Hut; der Gatte trat verzweifelt vor die Gehende und ein erschreckender Ausdruck Lag in seinem Gesicht.

Nur noch einmal höre mich, nur diese Nacht noch ich beschwöre Dich! gehst Du aber so nimm auch meinen Tod auf Dein Gewissen."

Tiefe Blässe bedeckte Elisabeth's Antlitz; mit dumpfem Laute entließ sie das Kind vom Arme,