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^rsftlhtr fiKishlitt.

Wit wöchentlicher Kratis-Weilage „Illustrirtes Unterkaltungsölatt".

Rr. 137.

Dienstag den 23. November

1886.

Amtliches.

Caffel, den 15. November 1886.

Unter Bezugnahme auf die Circularverfügung vom 9. September er. J. A. II. 12810 theile ich Ew. Hochwohlgeboren 20. zur gefälligen wei­teren Veranlassung ergebenst mit, daß der Herr Ober-Präsident die Frist zum Vertriebe vonLoosen zu der von dem Herrn Oberpräsidenten der Pro­vinz Pommern dem Comitä zur Erbauung einer Lutherkirche in Stettin gestatteten Ausspielung von Gold- und Silbersachen bezüglich der Pro­vinz Hessen-Nassau bis zum 23. März 1887 — als dem anderweit festgesetzten Ziehungstermine — verlängert hat.

Der Regierungs-Präsident.

I. V.: Schwarzenberg.

An die Kgl. Landräthe des Bezirks 2C.J. AII. 15895.

* * *

Hersfeld, den 19. November 1886.

Wird mit Bezug auf meine Verfügung vom 15. September d. J. Nr. 10061, Kreisblatt Nr. 110, zur Kenntniß der Polizeibehörden rc. gebracht. 12348. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 19. November 1886.

Nach den von dem hiesigen ständischen Bau­amte anher mitgetheilten Pestantenlisten sind die Gemeinden rc.

Allmershausen, Aua, Gittersdorf, Goß- mannsrode, Heenes, Kirchheim, Kohlhausen, Meckbach, Mecklar, Meisebach, Obergeis, Oberhaun, Oberrode, Reilos, Rohrbach, Roß­bach, Rotterterode, Sorga, Tann, Unterhaun, Untergeis, Ausbach, Bengendorf, Conrode, Gethsemane, Harurode, Herfa, Heringen, Hilmes, Lampertsfeld, Leimbach, Lengers, Malkomes, Oberlengsfeld, Ransbach, Röh-

(Nachdruck verboten.)

Aus den Wogen des Lebens.

Novelle von E. Schlegel. (Fortsetzung).

Vierzehntes Kapitel.

In der Familie Oppcns hatte dieser Todesfall Bestürzung und Erleichterung hervorgerufen. Oppen als Mensch, war noch nicht schlecht genug, um nicht momentan einer schmerzlichen Regung zu unterliegen. Bald aber trug der Kaufmann den Sieg davon, welcher kalt berechnete, daß ein Gläubiger i weniger sei. Ueber seine moralische Verpflichtung gegen dessen Wittwe war er sich noch nicht recht klar; „vielleicht!* dachte er; „vielleicht auch nicht!*

Nach mehreren Tagen schon vermochte er zu lächeln über seine gefühlvolle Anwandlung und zu lächeln über den „günstigen Zufall*, da ihm ge- rade jetzt die Gelder so überaus knapp waren. Die Gelder aber schienen knapp zu bleiben und der Bauer Hansen lauerte wie ein Fuchs auf seine Beute: er war Hauptgläubiger auf Oppen'S Grundstück und sah mit stoischer Ruhe den Ver- schlechterungen der pekuniären Verhältnisse entgegen. Ganz genau wußte er, wie es kommen mußte, die kleinen Zwischenfälle konnten ihn nicht irre führen.

Seit einem halben Jahre war von Georg Oppen keine Nachricht mehr eingetroffen; damals war er gekommen, um dem Vater zu gestehen, daß er liebe. Es folgte ein wilder Tag nach dieser Er­örterung und der Vater erklärte, daß er lieber in

rigshof, Schenklengsfeld, Schenksolz, Unter­neurode, Widdershausen und Wölfershausen, noch mit Erledigung von Landwegebau-Arbeiten im Rückstände.

Die Herren Ortsvorstände der genannten Ort­schaften haben dafür Sorge zu tragen, daß die rückständigen Arbeiten nunmehr bis spätestens zum 8. Dezember d. I. vollständig erledigt sind, bei Vermeidung desäConto- Verfahrens.

12375. Der Königliche Landrath

Freiherr von S ch l e i n i tz.

Zeitungsstimmen.

Der „Reichsbote" tritt in einem längeren Artikel, in welchem er nachweist, daß die deutsche Schristform durch ihr geschichtliches Werden eine nationale geworden sei und als solche unermüdlicher Pflege bedürfe, mit Entschieden« heit gegen die Bestrebungen ein, die lateinische Schrift an ihre Stelle zu setzen. In dem Artikel heißt es u. A.:

. ... Es ist zunächst besremdend, daß Diejenigen, welche noch eben die deutsche Fraktur wegen ihres ausländischen Ursprungs als antinational verdächtigten, sich aus einmal selb)t aus den Standpunkt des Auslandes stellen.

Jeder Deutsche sollte doch so viel Stolz und Einsicht haben, daß er seine geistigen Eigenthümlichkeiten einem Angriffe des Auslandes gegenüber nicht ohne Weiteres Preisgabe und mittadelte. Hat er nicht statt zu sagen: es ist von den Deutschen unverantwortlich, daß sie dem Aus­lande zu Gefallen nicht ihre Schrift abstellen, — vielmehr die Pflicht, frei zu erklären: wenn das Ausland wirkliches Verständniß für deutsches Wesen gewinnen will, so ist es eine kleine Mühe, auch die zwei Schriftalphabele zu lernen, und wenn dazu die Energie desselben nicht reicht, so kann Deutschland an der Theilnahme, die jenes seinen geistigen Leistungen widmet, blutwenig gelegen sein?

Die Schwierigkeit, die ein Romane oder Engländer, von Amerikanern, bei denen zahlreiche deutsche Zeitungen in deutschem Druck erscheinen, ganz abgesehen, in der Erler­nung der deutschen Schrist haben soll, werden außerdem stark übertrieben. Gerade die Aehnlichkeit mit dem lateinischen Alphabet erleichtert diese sehr und außerdem sind die Frakturtypen z. B. in Frankreich als zu Vignetten,

Tileikupfern rc. verwandt, sehr wohl bekannt. Wer z. B.

den Tod ginge, als zu dieser Verbindung seine Einwilligung zugewähren. — Ueber diesen Punkt dachte er heul' noch ebenso, trotzdem er fühlte, daß das Leid um den verlorenen Sohn wirklich sein Leben kürze. Er liebte diesen leichtsinnigen Feuer- kops mit einer Schwäche, welche dem jungen Manne nur verderblich war.

Frau Jba forschte vergeblich nach dem Namen der Geliebten — Oppen blieb unerbittlich. In­zwischen lief von einem Freunde die Kunde ein, oaß Georg sich aus Rache dem lüderlichsten Leben ergeben, sogar falsch gespielt habe und sich im Gewahrsam befinde.

Der Vater zahlte sofort eine colossale Abfindungs­summe und der Sohn erhielt die Freiheit. Alle Hoffnungen der Eltern, den Gefallenen durch diese Großmuth zur Besserung zu bekehren, blieben er­folglos; er sank tiefer — immer tiefer. Das Laster hatte ihn vollständig gefesselt und er durch- kostete es in vollen Zügen. —

Frau Oppen schritt quer durch den Garten und trug ein Blatt Papier in der zitternden Hand; der Briesbote hatte es über das Gitter gereicht. Der Gatte ergriff es und Leichenblässe bedeckte sein Angesicht.

„Wieder? o mein Gott?* sagte er dumpf.

„Gieb doch nach, Otto! bedenke sein Ende.*

„Nein, nimmermehr! lieber gehe ich zu Grunde. Wäre es doch nicht so schwer, den Einzigen — zu verstoßen!*

»Verstoßen willst Du ihn?* kreischte Jda aus.

den „TempS" liest, kann dessen gutfranzösischen Namen in deutscher Schriftform groß und mächtig am Kopfe lesen. Endlich ist es eine bekannte pädagogische Thatsache, daß Solche, die ein Alphabet gründlich gelernt haben, sich spie­lend andere anzueignen pflegen.

Wenn daher irgend ein Ausländer über unseren Sonder­druck klagt, so ist das ein Ausfluß einer so hoch gesteiger­ten Bequemlichkeit, daß man für diese nur ein Lächeln übrig haben sollte; auf alle Fälle bietet ein solcher wenig Aussichten, daß er die anderen Berge, die eine wirkliche Kenntniß unseres Geisteslebens umgeben, übersteigen wird.

... Die ganze Bewegung für den lateinischen Schrift­satz ist zum großen Theil der Geschäftspraxis der Ver­leger zu danken.

Sie, deren Herz bei einem neuen Werke vor Allem an der Ausstattung hängt, leben, seit einzelne wissenschaftliche Kreise aus theoretischer Verwersung der Fraktur sich mit Vor­liebe für lateinische Schristform entschlossen haben, unter dem Banne der Anschauung, daß zur Wissenschaftlichkeit eines Werkes in erster Linie lateinischer Druck gehört» So werden sicher zahllose Werke, welche ihre Verfasser deutsch niedergeschrieben haben, lateinisch gedruckt und viele unter den lateinischgedruckten sehen zweifellos nicht einen Fuß Erde vom Ausland.

Zuweilen mögen sie auch dadurch einen besseren Absatz im Auslande erzielen, aber Niemand wird behaupten sönnen, daß es ein idealer Zug ist, seine nationale Schrift­form zu unterdrücken, um in fremden Nationen mehr Ab­satz zu schaffen, im Gegentheil dürfte der Meinung, daß diesem Unwesen von Idealgesinnten entgegenzutreten sei, eher ein gutes Recht einzuräumen sein. Wir kommen da­mit zu dem letzten, wichtigsten Punkte der Erörterung. Hat eine Sonderschriftform in der That für eine Nation so gar keine Bedeutung, als die äußerliche des Schreibens und Drückens? Ist sie nicht vielmehr ein unersetzliches geistiges Band, das eine Art von schützender Grenze und begrenzender Beschützung um die Geisteserzeugniffe eines Volkes schlingt?

Ruft sie nicht in demselben Augenblick, wo der Deutsche sich ihrer zum Ausdruck seiner Gedanken bedienen muß, ein gewisses Gefühl eigenartiger Zugehörigkeit zu einer national abgeschlossenen Geisteswelt hervor? Wir sind überzeugt, daß wenn heute die griechische oder russische Nation ihre Sonderschrift durch ein Edict aufheben würde, Deutschland sich in spöttischen Schulmeistere«» über diesen unüberlegten Akt der Entnationalisirung ergehen würde daß große Abhandlungen erscheinen würden, um de, -—»■■■»*■»'-——»»■———»—»»—»™———»———■-» ^

„Ich verstoße ihn nicht — habe es nicht mehr

nöthig."

„Wie Du sprichst, Otto! kannst Du denn diese Summe noch decken? o, unser Name wäre für immer geschändet.*

„Ich kann, ich kann!*

„Ich bitte Dich nochmals flehendlich, mir den Namen des Mädchens zu nennen, welches so

grenzenloses Elend in unser Haus geführt; habe doch Mitleid Otto, erhöre mich."

„Nun denn, es sei! in dieser Stunde kann ich es sagen. Es ist die Tochter eines Schurken, es ist — Ursula Wohringer!"

Entsetzt wich die Gattin zurück und Oppen ging schweigend an ihr vorüber.

Nach kurzer Frist durchhallte ein Schuß das weite Gehöft. Aufschreiend schlug Jda die schwere Portiere des Nebengemaches zurück — ihr Gatte lag mit zerschmettertem Schädel auf dem Boden. —

Als sie aus ihrer Betäubung erwachte, übergab ihr Meta die letzten Zeilen des verzweifelten Vaters. Sie lauteten:

„„Seid gegrüßt. Will Georg jetzt Ursula Heim- führen, so mag er's thun — Ursula ist ihm un­treu und eine käufliche Dirne. Euren und seinen Namen habe ich gerettet durch Olrich's Geld, es war mein Letztes — ich bin ruinirt.**

Fünfzehntes Kapitel.

„Heut' giebt Frau Amtmann'Griese wieder einen Kaffee und Du hast keine Einladung?* sragte Scherler seine Frau,