zu erzielen ist, will Frankreich zunächst Deutschlands Vermittelung nachsuchen.
- (B al k a n st aa t e n.) Durch Mas der Regentschaft werden die an dem Umstürze vom 21. August bethelligten Soldaten des Strumsky- Jnfanterie- und des 1. Artillerie-Regiments „in Anbetracht ihrer besonderen Verdienste während der Schlachten bei Slivnitza undPirot" begnadigt. — Nachdem der Dadian von Mingrelien sich jetzt dem Zaren gegenüber bereit erklärt hat, eventuell den Thron Bulgariens zu besteigen, wird dieser Fürst nunmehr den Mächten als der offic.ielle Candidat Rußlands vorgeschlagen werden. — General Kaul- bars hat schon wieder einmal mit seiner Abreise gedroht, weil sich die Regentschaft weigert, einen Polizeicommissar zu bestrafen, der einen betrunkenen Diener des russischen Lonsulats verhaftet hatte. Die Stellung der Regentschaft ist eine schwierige, erstens weil in der Staatskasse kein Geld ist und weil zweitens ostrumelische Bauern wegen des Steuerdruckes rebelliren.
(Amerika.) In den New-Iorker Arbeitervereinen circuliren Petitionen zu Gunsten der Einleitung eines neuen Processes der in Chicago ver- urtheilten Anarchisten. Die Petittonen finden zahlreiche Unterschriften.
Aus Hessen-Nassau.
Hersfell-, 19. November. Jetzt bei dem frühen Dunkelwerden müssen bekanntlich alle auf öffentlichen Straßen fahrenden Wagen mit brennender Laterne versehen sein, sobald eben die Dunkelheit eintritt. Diese Bestimmung wird, wie in allen Jahren vorher, auch diesmal wieder vielfach unbeachtet gelassen. Weil nun aber dieses Nichtbeachlen der gesetzlichen Bestimmungen nicht allein den Passanten der Straßen gefährlich werden, sondern sich auch an den Besitzern der Geschirre schwer rächen kann, so wollen wir diese Beobachtung hiermit warm empfohlen haben. Der Geschirrinhaber, durch dessen nicht beleuchtetes Fuhrwerk irgend ein Unfall herbetgesührt wird, hat nämlich nicht nur Bestrafung zu erwarten, sondern ist auch zur völligen Schadloshaltung der Geschädigten verpflichtet.
Hersfeld, 19. November. (Erledigte Stellen für Miklläranwärter im Bezirk des 11. Armee- Corps.) Arolsen, Postamt, Landbriesträger, aus Kündigung, 540 Mk. Gehalt und 108 Mk. Woh- nungsgeldzuschuß. Auf Den größeren Stationen der Strecke Casfel-Frankfurt^ Eisenbahn-Betriebs- amt (Main-Weferbahn), 6 Stellen im Fahrdienst, zunächst auf Widerruf, später auf Kündigung, Mk. 57,50 Monatsbesoldung, daneben die reglements- mäßigen Kilometer- und UebernachtungSgelder. Cassel, Garnisonlazareth, Maschinist, bei einer größeren elektrischen Beleuchtungsanlage, 840 Mk. Gehalt nebst freier Wohnung, Den Feuerungs- und Erleuchtungsmaterialien. Elm, Postamt, Landbriefträger, auf Kündigung, 480 Mk. Gehalt und 60 Mk. Wohnungsgeldzuschuß.
Hersfeld, 19. November. (Das Decken d e r R o s e n im Herbst.) Im Gartenbauverein zu Darmstadt machte Oberst Coulmann Mit- theilungen über das Decken der Rolen im Herbst. Vorzugsweise seien drei Einwinterungsmelhoden üblich: Das Einhüllen des Stammes und der Krone mit Stroh, das Umbiegen des Stammes
unvermutheter Kraft schleuderte er den Arm des Doctors zurück und schrie mit heiserer Stimme: „Dort in jener Höhle, seht, liegt mein Reichthum! zwei Ungeheuer bewachen ihn, sie haben mich gemordet — langsam, entsetzlich und mein Leichnam hat im Grabe keine Ruhe. Fluch Euch!" tönte es schauerlich aus der wunden Brust. „Fluch Euch, Ihr Elenden — ich modere unversöhnt!" schrie der Kranke mit entsetzlicher Stimme und bäumte sich auf gegen die Kraft des Arztes.
„Schaffen Sie Hilfe, schnell!" sagte dieser zur Gattin. Im nächsten Augenblick traten zwei Männer ein und hielten den Tobenden.
Die Mutter wandte sich schaudernd an den Doctor. „Welch ein furchtbarer Rückfall!" sprach sie bebend.
„Es ist kein Rückfall," unterbrach sie der Angeredete mit möglichster Schonung. „Fassen Sie Straft — Ihr Gatte ist wahnsinnig."
Johanna glaubte, diese Worte müßten sie tödlen; aber man kann mehr ertragen, als man glaubt. Solche Stunden lassen keine Zeit zur Besinnung, und das ist eine sehr weise Einrichtung. — Der Doctor besorgte ohne Aufschub die Ueberfüh- rung des Kranken in eine Anstalt, und dort lebte der Arme seinen schrecklichen Phantasien. Kein lichter Augenblick erhellte seine Nacht, und nach acht Tagen erlöste ihn .Der Tod von einem Leben voll des rechtschaffensten Strebens und voll der bittersten Enttäuschung.
Am Begräbnißtage geleiteten die Kinder den Todten zur Ruhe, nur die Mutter und die Kinder.
und Eingraben der Krone in die Erde und das Auflegen der Krone auf die Erde und Bedecken derselben mit Fichtenreisern. Die erstgenannte Methode sei umständlich und schütze in sehr kalten Wintern empfindlichere Rosenarten nicht gegen das Erfrieren, auch dringe bei anhaltendem Regen das Wasser ein, das dann bei eintretendem Frost eine Grusle bilde. Die zweite Methode habe den Nachtheil, daß es schwer halte, den richtigen Zeitpunkt zu treffen; entweder erfolge das Einlegen zu früh, wenn das Holz noch im Safte sei und dann faule dasselbe im Boden, oder man werde durch Fröste überrascht und der gefrorene Boden mache das Einlegen unmöglich. Lasse man im Frühjahr die eingegrabenen Kronen zu lange im Boden, so treiben die Augen im Boden aus, dann müsse man stark zurückschneiden und bekomme einen späten und geringen Flor. Die letztgenannte Methode sei deshalb die beste, da sie noch bei eingetretenem Frost ausgeführt werden könne, auch könnten bei den nur auf dem Boden aufgelegten Stämmen im Nachwinter bei wärmerer Witterung die Fichten- reiser bequem und schnell weggenommen und bei nochmals eintretender Kälte wieder aufgelegt werden. Junge Oculationen mit noch nicht genügend ausgereiftem Holze und schlafenden Augen bedecke man am besten mit Steinkohlenasche. Wurzelechte oder wieder veredelte Rosen seien etwas mit Erde anzuhäufeln und ebenfalls mit Fichtenreisern zu decken.
Hersfeld, 19. November. Die Erneuerung der Loose zur 3, Classe der Königl. Preußischen Klaffenlotterie muß bis zum 10. Dez. Abends 6 Uhr erfolgen. Die Ziehung beginnt am 14. Dez.
Hersfeld, 19. November. Der Postverwalter Renke von Naumburg (Bezirk Cassel) ist als Postassistent nach Hersseld versetzt. — Der praktische Arzt Dr. med. Carl Rother hat sich in Fried ewald niedergelassen.
* Hersfeld, 19. November. In der am 17. d. Mls. stattgefundenen Sitzung der Strafkammer Königlichen Landgerichts zu Casfel wurde der Schäfer Hassenpflug zuHeenes wegen des in der Nacht vom 22. auf den 23. August d. J. zu Neckerode begangenen Schasdiebstahls in eine Zuchthausstrafe von 2 Jahren und 3 Jahren Ehrverlust veruriheilt.
* Hersfeld, 19. November. Gestern wurde uns ein lebender Maikäfer überbracht. Es ist dies schon das zweite Exemplar, welches uns im Laufe dieses Monats vorgezeigt wurde.
* Der Oberförster von Reichenau zu Nentershausen bei Bebra ist zum Forstmeister mit Dem Range der Regierungsräthe ernannt und demselben die erledigte Forstmeisterstelle Hildesheim- Klausthal verliehen worden. Der Forstassessor von tz a r l i n g ist zum Oberförster ernannt und demselben die Oberförsterstelle zu Nentershausen im Regierungsbezirk Cassel übertragen worden.
Sontra, 16. November. Am vorigen Sonntage Halteten zwei junge Fischottern dem Hofe der hiesigen Bahnmeisterei einen Besuch ab. Der Hund des Bewohners stellte die Eindringlinge und gelang es dem Herrn Bahnmeister Jlkenhans und einem seiner Arbeiter, eins der Thiere todt zu schlagen und das andere zu erschießen. Einige Tage vorher hatte der Aumüller Herr Schade im hiesigen Flüßchen eine alle, sehr starke Fischotter
Von allen Freunden im Leben verlassen, hielt man es nicht für geeignet, eine Schaar Neugieriger Hin- zuzuladen. Die Erde deckte mit ihrem Hügel auch dieses arme Herz und eine Cypreffe senkte ihr Gezweig tief über ein schwarzes Kreuz, —
(Fortsetzung solgt.)
— C ö l n, 17. November. Heute Nachmittag stürzte in der Neustadt ein vierstöckiger Rohbau ein. In demselben befanden sich, soweit bekannt, sieben Personen, welche unter den Trümmern begraben wurden. Hiervon sind bis jetzt eine Person todt, zwei schwer und eine leicht verletzt zu Tage gefördert. Das Schicksal der anderen ist noch ungewiß. Die Feuerwehr und Deutzer Kürassiere sind mit der Ausräumung beschäftigt. Der Einsturz soll durch schlechtes Baumaterial herbei- geführt sein. — Einer Mittheilung der „Cöln. Volksztg." zufolge ist die Zahl der bei dem tzaus- einsturz Verunglückten eine größere, als man vermuthete; bisher sind drei Todte, drei schwer und fünf leicht Verwundete hervorgezogen.
— Sonneberg. Eine hiesige Obsthändlerin hatte die Gewohnheit, ihre Ersparnisse unter einem Mauersteine neben ihrem Gemüseslande zu verbergen. Dort lagen nun in den letzten Jahren ca. 3000 Mark in Gold in einem Säckchen. Man nimmt an, daß ein junger Mensch, welcher seit einigen Tagen spurlos verschwunden, Kenntniß von dem Schatz der Gemüsehändlerin erhalten und sich nächtlicher Weile die Summe angeeignet hat.
— E i s e n b e r g, 13. November. Durch eine
gefangen und läßt sich vermuthen, daß diese die Mutter der jungen Wanderer gewesen ist.
Frankerrberg, 15 November. Wieder einmal hat das Messer seine traurige Rolle gespielt. Zwei Knechte von hier hatten als die besten Freunde im Walde Holz geholt. Wie es nun gekommen fein mag, ist noch nicht aufgeklärt, kurz, als der eine mit dem beladenen Wagen einige Zeit vor dem anderen weggefahren war, holte Letzterer ihn ein, zog, vielleicht erbost über das Vorausfahren, fein Messer und brächte ihm mehrere schwere Verletzungen bei. Der Thäter ist verhaftet.
Aus Oberheffen. Welch' großes Unheil durch das Mitlühren der Taschenmesser von Schülern herbeigeführt werden kann, bezeugt folgender Vorfall. In einem Dorfe in der Nähe von Marburg, nimmt ein Schüler, eben aus der Frei- Viertelstunde in das Schulzimmer zurückkehrend, fein Messer aus der Tasche, um sich ein Loch in den Hosenträger zu schneiden. Da das Zeug nicht gleich nachgiebt, so sticht er mit Gewalt von unten nach oben, trifft aber dadurch, daß der Stoß zu heftig wird, sein linkes Auge derartig, daß der Augapfel durchschnitten wird und die ganze Flüssigkeit ausfließt. Sofort angestellte Versuche ergaben, daß der betreffende Knabe mit dem verletzten Auge nicht mehr das Mindeste sehen kann und nun für sein ganzes Leben unglücklich ist. Es kann den Eltern nicht oft genug gerathen werden, darauf zu sehen, daß ihre Jungens die Unsitte unterlassen, stets ein Messer in der Tasche zu tragen.
Vermischtes.
— Berlin. Die Vermehrung der hiesigen Schutzmannschaft, welche für das nächste Etatjahr 1887/88 beabsichtigt ist und dem Landtage vorgeschlagen werben soll, belauft sich auf 253 Köpfe, nämlich 20 Wachtmeister, 200 Schutzmänner, 4 Wachtmeister der Kriminalschutzmannschaft und 28 Kriminalschutzmänner. Die Gesammtzahl der Schutzmänner besteht dann aus 306 Wachtmeistern zu Fuß, 3118 Schutzmännern zu Fuß, 18 Wachtmeistern zu Pferde und 220 Schutzmännern zu Pferde, im ganzen 3652 Mann.
— Göt ringen, 15. November. Vor einiger Zeit wurde durch die „Ostsriesische Zeitung gemeldet, baß von einem Norderneiyer Fischer ein großer Fisch gefangen worden, von dem man nicht wisse, was für ein Fisch es sei. Man habe ihn deshalb nach Göttingen an das zoologische Museum gesendet. Hier ist der Gefangene denn auch richtig, wenngleich todt, angekommen und hat sich als ein gegen drei Meter langer und 270 Pfund wiegender Hat erwiesen. Das Thier ist zweifellos in die Nordsee verschlagen, denn Hai sind dort nicht zu Hause, ist dann auf eine der Norderneyer Sandbänke gerathen und dort gefangen worden. Beim Fange selbst konnte er schwerlich mehr großen Schaden anrichten, er war wohl völlig kraftlos, denn im Magen wurde bei der Section auch nicht die leiseste Spur von Nahrung vorgefunden. Nur dadurch ist es auch wohl zu erklären, daß der Hai sich nicht wieder hat frei machen können. Das Thier ist hier nun kunstgerecht zerlegt, der Kopf macerirt worden.
— DerStaatssecretärDr.von Stephan, der seiner Abneigung gegen alle fremden Worte in unserer deutschen Sprache schon wiederholt Aus-
Blutvergiftung eigenthümlicher Art ist hier ein Schneider ums Leben gekommen. Beim Zertrennen eines Rockes, den der Besitzer stets am Schreibtische trug, ritzte sich der Schneider in die Hand. Die Wunde, der man anfänglich gar keine Beachtung geschenkt, sollte aber sehr gefährlich werden; der ganze Arm schwoll an und trotz der ärztlichen Hilfe war es nicht möglich, den Mann zu retten. Man nimmt an, daß Der in dem Rocke sitzende Tintenstaub die Veranlassung von Blutvergiftung gewesen.
— Madrid, 13. November. Ein heftiger Wirbelsturm hat schwere Unglückssälle in Carta- gena verursacht. Mehrere Personen sind verletzt, Die Schiffe im Hafen haben viel gelitten, mehrere sind untergegangen, der Leuchtthurm ist fast zerstört.
— Einer der s ch w e r st e n C y c l o n e, welche in den letzten Jahren die indischen Küsten heimgesucht haben, ist am vorigen Dienstag über die Stadt Madras hinweg passirt. In allen Theilen der Stadt wurden Bäume entwurzelt, viele Straßen waren blockirt, verschiedene Gebäude wurden umgeweht, die Wege unpassirbar gemacht, die öffentlichen Anlagen verheert. Menschen scheinen glücklicherweise nicht ums Leben gekommen zu sein. Die im Hafen liegenden Schiffe mußten in See flüchten. Der Postdampfer „Ballazat," der während des Orkans ankam, konnte den Hasen nicht erreichen und mußte wieder umkehren. Die Eisenbahn nach Bombay ist an zwei Stellen unterbrochen, und ebenso ist auch die Telegraphenverbindung gestört,