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Httchider Kmsisiett.

Mit wöchentlicher Kratis-AeikageIssustrirtes Unterhattungsblatt".__________

Nr. 136. Sonnabend den 20. November 1886.

Amtliches.

Hersfeld, den 18. November 1886.

Zur Fertigstellung der im Bau begriffenen neuen Brücke über die Werra bei Widdershausen wird der Abbruch der daselbst angebrachten Interims- Brücke nothwendig und deshalb der Verkehr vom 19. d. M. ab bis auf Weiteres gesperrt, was hier­mit zur öffentlichen Kenntniß gebracht wird.

12318. Der Königliche Landrath

__Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 18. November 1886.

DieKöniglichen Localschulinspectoren des Kreises ersuche ich wiederholt, unter Bezugnahme auf die von meinem Herrn Amtsvorgänger unter'm 29. October 1883 Nr. 13621, im Kreisblatt Nr. 117, veröffentlichte Verfügung Königlicher Regierung vom 25. ejusd. B. 12227, ergebenst, mir hiernach von jeder vorkommenden Verheirathung der Ihnen unterstellten Lehrer gefälligst alsbald Mittheilung zu machen.

12301. Der Königliche Landrath _______________ Freiherr von Schleinitz.__

Bekanntmachung.

Die Herren Ortsvorstände der Gemeinden des hiesigen Steuerkasse-Bezirks werden hiermit er­sucht in ihren respectiven Gemeinden gefällig be­kannt machen zu lassen, daß das Lokal der Steuerkasse dahier

Freitag den 3. Dezember d. J. wegen auswärtiger Dienstgeschäfte des Beamten derselben und dessen Gehülfen geschloffen ist. Friedewald, den 16. November 1866.

Der Königliche Rentmeister: Schenk.

Politische Nachrichten.

(Deutschland.) Se. Majestät der Kaiser e ""'........ -ils11"11"" "., "!,'"" ........

l Nachdruck verboten.)

Auf tat Wogen des Lebens.

Novelle von E. Schlegel. (Fortsetzung).

Meinst Du, sprach die Mutter zu Hedwig, durch diese Verbindung ein sorgenloses Dasein zu be­gründen, und glaubst Du, daß hieraus auch das erwartete Glück erwachse, so reiche Deine Hand. Fühlst Du indeß vorher, baß Du dem Manne mit Widerwillen entgegengehst, so überlege wohl es gilt sür's Leben, und ein düstres Leben währt so endlos lang."

Die Mutter hatte mit großer Bewegung gesprochen. In ihrem Innern tobte ein Kampf, welchen sie aber standhaft unterdrückte, um ihre Tochter da­durch nicht zur tzeirath zu bestimmen. Gern hätte sie es wohl gehört, wenn Hedwig sich zu dieser Verbindung entschlossen hätte, denn das Wohl der ganzen Familie kettete sich daran. Das junge Mädchen stand abseits und rang mit sich selbst; endlich trat sie zur Mutter und sagte:Mit Widerwillen gehe ich dem Manne nicht entgegen. Glaubst Du, Mutter, daß ich diesem rechtschaffe­nen Charakter auch eine rechte Frau werde.?"

Wenn Du Kraft genug hast, Herr Deiner selbst zu sein ja!"

Dann hat er meine Zusage, ich werde sein Weib." Nach diesen Worten aber seufzte sie auf und barg schluchzend ihr Angesicht. Die Mutter trat herzu, sie aber wehrte:Laß mich, die Thränen thuen gut."

hörte am Donnerstag Vormittag den Vortrag des Grasen Perponcher, empfing darauf den Be­uch des Prinzen Ludwig von Bayern, welcher ich vor seiner Abreise verabschiedete, sowie den- enigen des Kronprinzen nach dessen Rückkehr von den Vermählungsfeierlichkeiten in Schwerin und arbeitete Mittags längere Zeit mit dem Chef des Militär-Cabinets v. Albedyll. Im Laufe des Nachmittages conferirte der erlauchte Monarch mit dem Vice-Präsidenten des Staatsministeriums von Puttkamer und dem Staatssecretär des Aeußeren Grafen Herbert Bismarck.

Die kirchliche Einsegnung der Ehe der Herzogin Charlotte von Mecklenburg mit dem Prinzen Hein­rich dem Achtzehnten vonReuß hat am Mittwoch Nachmittag in Schwerin t. M. stattgefunden.

Die Rückkehr des Reichskanzlers nach Berlin ist kurz vor Weihnachten zu erwarten.

Dem Bundesrath ist der bereits in der vorigen Session zur Vorlage gelangte Gesetzentwurf betr. die Errichtung eines Orientalisten Seminars in Berlin wieder zugegangen.

Die Reichstags-Eröffnung soll im Weißen Saale des Königl. Schlosses entweder durch den Kaiser in Person oder den Staatssecretär v. Bötticher erfolgen.

In dem Altonaer Socialistenproceß wurden 6 Angeklagte wegen Vergehens gegen § 129 des Strafgesetzbuchs und wegen Verbreitung socia­listischer L>chriften zu je einem Jahre, ein ande­rer zu 1 Jahr 1 Monat und ein anderer Ange­klagter wegen Verbreitung socialistischer Schriften zu 2 Monat Gefängniß verurtheilt.

Zur besseren Organisation des Feldtele­graphenwesens, insbesondere um eine ver­mehrte Verbindung zwischen den einzelnen höheren Commandostellen zu ermöglichen, sind in dem neuen Militäretat als einmalige Ausgabe 614,000 Mark eingestellt worden.

Die neue überseeische Reichsbank soll,

Mit bewegten Zügen betrachtete Frau Johanna ihr Kind in demselben Moment erschütterte eine furchtbare Detonation das ganze Gebäude und rollendes Getöse durchdrang die Luft. Sämmt­liche Scheiben fielen klirrend aus den Rahmen, ein undurchsichtiger Rauch entstieg dem Hofe, kreischende herzzerreißende Hilferufe wurden laut und bren­nende Menschen rasten über die Steinfließen der Straße zu.

Bleich wie der Tod stand die Mutter und Hed­wig am Fenster, der Schrecken lähmte ihre Glieder.

Der Vater, der Vater!" schrieen sie plötzlich auf und stürzten zur Thür. Keuchend stürmte der Gatte herein, mit lodernden Kleidern und sengen­den Haaren. In der entsetzlichen Verwirrung er­griff man Decken, Kleidungsstücke, um die Flammen zu ersticken. Der alte Mann ächzte vor Schmerz, doch trieb ihn die grenzenlose Aufregung an's Fenster, er erzwäng sich gewaltsam den Zutritt dorthin, um die grauenhafte Zerstörung zu über­blicken. Von draußen trug man die Verbrannten herein, welche vor Qual wie rasend um sich schlugen. Die Fabrik stand in hellen Flammen. Der Dampf­kessel war explodirt und hatte Reservoire voll che­mischer Flüssigkeiten in die Lust gesprengt. Der lange Schornstein lag in Brocken zertrümmert über den ganzen Hof und sämmtliche Nachbars­häuser zeigten bedeutende Schäden. Olrich tobte; er wollte hinaus in diese Verzweiflung, er taumelte vorwärts und brach mit dumpfem Schrei zu­sammen.

Ein Arzt, zu Hilfe!" rief die Gattin Hände-

wie demHannoverschen Courier" geschrieben wird, schon vom 1. Januar 1888 ab ihre Filialen er­öffnen.

S te in p e l f r e i e P r i v a t l o t t e r i e n zu mildthätigen Zwecken sind nach Entscheidung der Bundesrathsausschüsse lediglich diejenigen, welche die Unterstützung hilfsbedürftiger Personen bezwecken, gleichviel, ob der Erlös der Lotterie oder Ausspielung unmittelbar an hilfsbedürftige Personen vertheilt wird, oder Anstalten zufließt, welche sich die Unterstützung Hilfsbedürftiger zur Aufgabe stellen. Auf Verloosungen zu ge­meinnützigen oder zu religiösen Zwecken, z. B. zu Kirchenbauten oder Missionszwecken, erstreckt sich die Befreiung nicht.

Delegirte der Vorstände sämmtlicher deutschen Anwaltskammern werden demnächst zusammen­treten, um über den Entwurf, betreffend die Er­mäßigung der Rechtsanwaltsgebühren, zu berathen.

Der für die Schule in Kamerun vomAus­wärtigen Amte angenommene württembergische Lehrer Christeller ist am Montag aus einem Woermann-Dampfer dahin abgereist.

(Frankreich.) Die Friedensrede Boulangers beschäftigt noch fortgesetzt die französische Presse. Präsident Grevy schickte seinen Generaladjutanten zu Boulanger, um denselben zu jener Rede zu be­glückwünschen. Für den Residentenposten in Anam-Tonkin läßt sich schwer eine passende Persönlichkeit finden. Neben Rouvier hatte man auch General Warnet dafür in Aussicht genommen, aber auch dieser hat endgültig abgelehnt. In der ägyptischen Frage stellt Frankreich folgende For­derungen.: Festsetzung von bestimmten Zeitpunkten für die allmählige Räumung Aegyptens von den englischen Truppen, Ersetzung der englischen Ver­waltung durch die frühere europäische Controlle und Ersetzung der englischen Besatzungsarmee durch ägyptische, theils auch türkische Truppen. Hoffend, daß diesbezüglich ein Einvernehmen der Mächte

ringend.Barmherziger Gott, der Vater stirbt!"

Hedwig eilte fort und vom Flur her drängten sich jetzt die Angehörigen Ider Verunglückten. Ein Klagen, ein Weinen, ein Jammern begann und die Herrin vermochte nichts, als mit stummer Ge- berde aus den zu ihren Füßen liegenden Gatten zu weisen. Einige Mitleidige betteten den Bewußt­losen auf sein Lager und die Anvern wurden still. Der Arzt erschien und fand ein hitziges Nerven­fieber im Anzüge.

Auf dem Hofe begann die Arbeit der helfenden Menschheit. Das Gewühl dauerte bis spät in die Nacht hinein und der Meister hatte Mühe, die oberflächlichste Ruhe herzustellen.

Vier Männer waren getödtet und sieben verwundet. Die gerichtliche Untersuchung wurde eingeleitet; aber durch den bedenklichen Zustand Olrichs konnte keine endgültige Einsicht erzielt werden.

Nach vielen Wochen war das Nervenfieber über­wunden, man gab sich neuen Hoffnungen hin. Seltsam ruhig war der Kranke, so lange er Nie­mand um sich sah. Die Gegenwart eines Menschen aber versetzte ihn in die furchtbarste Aufregung er wollte keinen sehen, nicht einmal seine Frau. Dem Arzte wollte diese Stimmung nicht behagen. Herr Olrich ist noch schwer krank!' lautete sein Ausspruch, wenn ein Fragender in ihn drang.

Auch jetzt saß er vor dem Bette und verfolgte mit außergewöhnlicher Spannung die Bewegungen des Patienten, welcher sich plötzlich lauten Betrach­tungen hingab.

Mit hastigem Ansatz richtete er sich empor, mit