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ersscliitl Krtisblitt.
Mit wöchentkicher Kratis-Aeilage „Issustrirtes Anterhallungsökatt".
Nr. 133.
Somiabcnd den 13. November
1886.
Amtliches.
Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden Deutscher Kaiser, König von Preußen 2c. verordnen auf Grund des Artikels 12 der Verfassung, im Namen des Reichs, was folgt:
Der Reichstag wird berufen, am 25. November dieses Jahres in Berlin zusammenzutreten, und beauftragen Wir den Reichskanzler mit den zu diesem Zweck nöthigen Vorbereitungen.
Urkundlich unter Unserer Höchsteigenhändigen Unterschrift und beigedrucktem Kaiserlichen Jnsiegel. Gegeben Berlin, den 8. November 1886.
(L. 8.) Wilhelm.
v on Bo ettich er.
Politische Nachrichten.
(Deutschland.) Se. Majestät der Kaiser empfing am Mittwoch Moraen den Besuch des Prinzen Ludwig von Bayern, welcher kurz zuvor in Berlin eingetroffen war und später den Prinzen Heinrich iX.Reuß, welcher die Orden seines verstorbenen Vaters überbrachte. Demnächst ließ der Kaiser vom Grafen Perponcher sich Vortrag halten, und arbeitete Mittags längere Zeit mit dem Minister des Innern, v. Puttkamer, sowie mit dem Kriegsminister, Bronsart v.Schellendorff und dem Chef des Militär-Cabinets, v. Albedyll.
Die Kaiserin wird am 20. d. M. von Koblenz abreisen und am 21. in Berlin zum bleibenden Aufenthalt eintreffen, die Kronprinzessin reist in diesen Tagen aus Italien ab und gedenkt auf der Rückreise einen kurzen Aufenthalt in Lozen und München zu nehmen. Die Ankunft in Berlin soll spätestens am 18. d. M. erfolgen.
Der Reichskanzler ist am Mittwoch Abend von Varzin zu mehrtägigem Aufenthalt in Berlin eingetroffen.
(Nachdruck verboten.)
Aus tat Wogcu des Lebens.
Novelle von E. Schlegel.
(Fortsetzung.)
Das neuerbaute Wohnhaus Oppens war vollendet, der Umzug begann. Olrichs erhielten eine neue, durch Oppen gekaufte Einrichtung und athmeten auf in den hohen Zimmern der geräumigen Wohnung.
Elisabeth war fast menschenscheu geworden und verlebte die düsteren Herbsttage allein auf der Haide oder in ihrem Gemach; sie beschäftigte sich viel mit dem Niederschreiben ihrer Gedanken und den Erinnerungen ihrer Beobachtung. Dieses Leben aber blieb nicht ohne Spur, sie hatte auch die Menschen hassen und die Natur lieben gelernt. Zu mancher Stunde schien es ihr, als könne sie auch den wunderlichen Vater begreifen, verstehen; welcher Kampf mußte getobt haben, um diese Gerechtigkeit, dieses biedere Herz, diesen festen Charakter zu vernichten!
Gar oft trafen Briefe aus B. von Hubert ein. Diese Blätter hütete Lisbeth wie ein Kleinod; sie redete, sie lebte mit ihnen und die Botschaften erzählten ihr vom Schaffen des Gatten, von geschäftlichen Unterhandlungen und so erfuhr die Leserin auch, daß Scherler zur letzten Zeugenvernehmung gegen Wohringer vorgeladen und sich zu diesem Zwecke bereits mit Wimmer und Tornow in Verbindung gesetzt habe. Inzwischen nahte abermals Weihnacht und neben der Freude galt
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kanhalbinsel, so
nähert sich anscheinend der äußersten Grenze, über welche hinaus, nach Lord Salisburys Dafürhalten, das Wiener Cabinet, und in solchem Falle dann auch das Londoner, die bisher beobachtete Zurückhaltung nicht ferner zu beobachten in der Lage sein würden!
Zur Feier des achtzigjährigen Dienstjubiläums des Kaisers am 1. Januar 1887 soll zu Sammlungen aufgefordert werden, um dem Kaiser da- durch, ein indireetes Geschenk zu machen, daß möglichst viele Soldaten der Armee in den Besitz eines Andenkens an diesen Tag gesetzt werden, welches gleichzeitig Bezug auf die militärische Dienstkarriere des Kaisers hat. Der Kaiser soll die Bildung eines derartigen Comitees genehmigt haben.
Die Geschütze für den Sultan von Sansibar, welche der Kaiser demselben zum Geschenk machen wollte, sind noch nicht abgesandt. Die Verzöge- zwischen eingetretenen Spannung MsMkTMWW' land und dem Sultan zusammenhängen.
Der Etat für das Auswärtige Amt ist zur Vertheilung gelangt. Die Veränderungen gegen den vorjährigen sollen nicht von Belang sein. Unter den einmaligen Ausgaben befinden sich auch wiederum als Subvention für Förderung der auf Erschließung Central-Afrikas und anderer Ländergebiete gerichteten wissenschaftlichen Bestrebungen die summe von 150 000 Mk. und 30 000 Mk> für die Zoologische Station des Prof.Dohrn in Neapel.
Im Spremberger Socialistenprocesse wurde einer der Angeklagten freigesprochen, sechs wegen einfachen Aufruhrs und Auslauts zu je 3 Monaten, einer zu 2 Monaten, zwei zu je 1 Jahr 2 Monaten
und die übrigen zu je 1 Jahr Gefängniß verurtheilt. von Bulgarien erwiesen habe, er dürfe jedoch keine Die polnischen Recruten sind bei den dies- Entscheidung treffen, dieselbe stehe bei seinem Vater,
es auch die Entsagung zu üben. —
Nach Neujahr traf ein sensationelles Schreiben von Hubert ein; es brächte eine kurze Auszeichnung des letzten Termines und gleichzeitig die Verur- theilung Wohringers — sie lautete auf zehn Jahre Zuchthaus.
Wie vom Donner gerührt, sprang der alte Olrich bei dieser Nachricht empor und riß seiner Tochter das Blatt aus der Hand, um sich selbst zu überzeugen.
„Wahrhaftig 1* rief er, „da steht es schwarz auf weiß. Sicher hat doch Oppen auch solchen Wisch, da er mit unter den Anklägern ist. Blitzelement, das kommt unvermuthet!"
„Also doch!* sprach die Mutter dazwischen und schlug vor Erstaunen die Hände ineinander. „Ob er schon in Sicherheit ist
„Natürlich, Johanna. Denkst Du etwa, sie werden dem Spitzbuben Zeit zum Davonlaufen lassen? Doch hört, schnell meinen Rock, ich werde 'mal nachsehen, aus seiner Verschanzung wird schon irgend etwas zu bemerken sein.*
„Franz, sei nicht tollkühn! wenn der Mensch in seiner Wuth Dich erblickte —*
„Nur keine Gespenster — ich gehe, damit basta.*
Die Frauen sahen dem Brausekopf mit besorgter Miene nach. Schon auf halbem Wege entdeckte er mehrere Leute, welche das Gehöft umgingen, und näher kommend, gewahrte er den Schulzen und Pfarrer des Dorfes darunter. Sie traten sogleich an Olrich heran und erzählten, heftig ge- stikulirend, alles was ihm neu. nämlich, daß Woh-
Regimentern zugetheilt. Der Kriegsminister Bronsart v. Schellendorf hatte eine derartige Vertheilung schon bei den Verhandlungen über die Polengesetze in Aussicht gestellt.
(Frankreich.) Wie theuer das republikanische Regiment in Frankreich ist, geht daraus hervor, daß in den Jahren 1874—1885 im Ganzen 4,841 Millionen Frcs. mehr ausgegeben als eingenommen wurden; mit Hinzurechnung der vermuthlichen Fehlbeträge von 1886 und 1887 werden die Ausgaben während der zehn Jahre 1878-1887 die Einnahmen um 6 Milliarden, also um 600 Millionen Frcs. jährlich über steigen.
(England.) In England geht man mit dem Plane der Reorganisation der Heranbildung des Seeofficiers-Corps um und zu diesem Behufe wurde eine Commission berufen, von welcher, wie das „D.T." von unterrichteter Seile aus London er- iäNrr. NnMMn Kaue. der eutivreckende Studien in
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als Attachee geweilt hat, um seine Ansicht befragt, sich dahin aussprach, daß er das deutsche Seeoffi- cier-Corps für das am besten vorgebildete Halte wobei namentlich die Frische und wirkliche Selbst ständigkeit der jüngeren Officiere von ihm rühmend hervorgehoben wurde. Ein solches Urtheil von competenter und unparteiischer Seite wird leben
Deutschen herzlich erfreuen.
(B a l k a n st a a t e n.) Die große Sobranie hat am Mittwoch denPrinzen Waldemar von Dänemark zum Fürsten gewählt. — In der Antwort auf die an ihn gerichtete Depesche der bulgarischen Regentschaft dankte Prinz Waldemar von Dänemark für die Ehre, welche ihm die Sobranje durch seine Wahl zum Fürsten von Bulgarien erwiesen habe, er dürfe jedoch keine
ringer seit ungefähr acht Tagen spurlos verschwunden, und seine Familie der größten Noth überlassen habe; jedoch sei im Hause nur Rotte zu entdecken.
Ziemlich enttäuscht, kehrte der alte Herr zurück.
„Sollte der Vogel wirklich entwischt fein dachte er, „ach, unmöglich, wer kann auf das Gerede der Leute hören, sie reden Diel.* Und doch üben die Aeußerungen wider Willen ihren Eindruck; Olrich zog bestimmtere Erkundigungen ein, welche diese Aussagen leider bestätigten. Lisbeth benach- richtigte sofort Scherler von diesen Vorgängen, er setzte ungesäumt Alles in Bewegung, um den entwischten Betrüger zu entdecken — doch umsonst.
Bei Olrichs gab's wieder ausregende Scenen. Mit diesem Streich war auch jede Hoffnung auf Wiedererlangung des eingezahlten Kapitals geschwunden und diese Gewißheit schlug tiefe Wunden. Der Betrogene wüthete Tag und Nacht, bis sein Körper diesen Anstrengungen unterlag und er wieder wochenlang das Bett hüten mußte. Die wildesten Fieberphantasien ängstigten ihn auf seinem Lager und grauenhafte Bilder entrollte er im Halbschlafe von der Zukunft. Auch Frau Elisabeth mußte viel leiden unter den Einbildungen des Kranken, es waren schmerzliche Empfindungen für sie, und neben diesen zehrte ein unsagbares Mitleid an ihrer Gesundheit. _ r,
Nach langem Sehnen rief der Gatte sie nach B. und setzte sie von einer Stellung in Kenntniß, welche er bet einem Bauunternehmer gesunden.
Die Tochter rüstete sich zum Abzüge und die
Zrennungsstunde versammelte alle Mitglieder der