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Httchlisir firtisblitt.

Mit wöchentlicher Hratis-MeitageIllustrirtes Anterhaltungsblatt".

Nr. 130. Sonnabend dm 6. November 1886.

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Amtliches.

In Gemäßheit des §. 6 des Reichsgesetzes gegen die gemeinge'ährlichen Bestrebungen der Socialde­mokratie vom 21. October 1878 (R. G. Bl. S. 351) wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß ge­bracht, daß:

1) der in Eschwege errichtete Zweigverein des Unterstützungsvereins deutscher Schuhmacher in Nürnberg und

2) der in Eschwege errichtete Zweigverein des Reiseunterstützungsvereins deutscher Tabakar­beiter in Bremen auf Grund des §. 1 des gedachten Gesetzes durch die unterzeichnete Landespotizetbehöroe verboten worden sind.

Eassel, den 29. October 1886.

Der Königl. Negierungs-Präsident. Magdeburg.

# Das EinigungsprograntM.

Der Gedanke einer ehrlichen Bundesgenossen­schaft zwischen den drei ationalen Parteien hat sich in den Erörterungen der Presse schnell den ersten Platz erworben und beschäftigt die Zei­tungen aller Parteien in hervorragendem Maße. Die freisinnigen und ultramontanen Blätter wer-

den nicht müde, ihre Pfeile des Spottes gegen den Plan zu richten und ihn durch allerhand Verdrehungen und Uebertreibungen lächerlich zu machen. Unter dieser Maske verbirgt sich schlecht das Bewußtsein, daß es mit ihrer Herrlichkeit bald vorüber wäre, wenn dieehrliche Bundesge­nossenschaft" zur That würde. Dagegen haben die nationalliberalen und conservativen Blätter mit wenigen Ausnahmen im Großen und Ganzen ihre Uebereinstimmung mit dem beregten Gedan­ken bekundet, wenn auch allenthalben die großen Schwierigkeiten hervorgehoben werden, welche es haben würde, die Macht der Trägheit unseres Parteiwesens zu überwinden und für die drei Parteien eine gemeinsame Parole zu finden.

Daß die drei Parteien alle verschiedene Son- derwünsche und Ziele haben, daß es viele Fragen giebt, in denen eine Einigung nicht zu erzielen sein würde, bedarf kaum der Versicherung: denn auf diesen Verschiedenheiten beruht eben die Viel­heit der Parteien, der ein Ende machen zu wol­len sich vorläufig noch Niemand angemaßt hat, wenn dies auch im Stillen der Wunsch weitester Kreise sein möchte. Ebenso zweifellos ist es aber, daß die drei Parteien in vielen für die Fortent­wicklung und Festigung des Reichs hochwichtigen Fragen auf einer gemeinsamen Grundlage stehen und dies schon wiederholt von Fall zu Fall in der Praxis bewährt haben. In diesen Fragen würde also der Kitt zu suchen sein, welcher einen Zusammenschluß der drei Parteien ermöglichen könnte. DieConservative Correspondenz" macht sich das Verdienst, dieselben näher zu bezeichnen und als Aufgaben gemeinschaftlicher Action fol­gende Punkte hinzustellen:

Sicherstellung unseres Heerwesens,Sicherstellung von Staat und Gesellschaft gegen die socialdemo­kratischen Umsturzbestrebungen, Förderung der socialreformatorischen Bestrebungen und endliche Durchführung der Steuerreform, um Reich,

Staat und Gemeinden die Befriedigung ihrer Bedürfnisse zu ermöglichen.

Diese Aufgaben sind in der That nicht nur für den Bestand des Reichs die wichtigsten, sondern zugleich diejenigen, in denen ein gemeinsames Handeln der drei nationalen Parteien am ersten denkbar ist. Auf diese Punkte müßten sich daher auch die Bestrebungen richten, eine Bundesge­nossenschaft zwischen den drei Parteien zu Stande zu bringen.

Ob dies gelingen wird, hängt allein davon ab, wie kräftig in den Parteien und ihren Führern das Bewußtsein von der Nothwendigkeit, die In­teressen des Vaterlandes über diejenigen der Partei zu stellen, ausgebildet ist. Wenn statt dessen von derCons. Corresp." als Vorbedin­gung der Einigung gefordert wird, daß vor Allemdie Regierung zu diesen Fragen in ganz bestimmter Weise Stellung nehme" und wenn die Nationalzeitung" ihre Uebereinstimmung mit dieser Forderung dadurch bekundet, daß sie die Besserung der parlamentarischen Verhältnisse in erster Linie von der Regierung für abhängig er­klärt, so vermögen wir in der That nicht einzu- sehen, daß die darin liegenden Vorwürfe gegen die Regierung, als ob sie es in dieser Beziehung an irgend etwas habe fehlen lassen und als ob ihre Stellung zu jenen Fragen unklar sei, berech­tigt sind. Unseres Wissens hat die Regierung seit Jahren dieselben Ziele verfolgt. Niemand kann auch darüber im Zweifel sein, daß sie es war, die in Verfolgung jener Ziele sogar die Initiative ergriffen und Alles gethan hat, um das Parlament zum Nachfolge zu bewegen. Wenn wir heute noch nicht weiter gekommen sind, als wir sind, so wird man, wenn man unbefan- ! gen und gerecht urtheilen will, ihr keine Schuld beimessen dürfen. Schuld war darüber läßt sich doch kaum streiten das Parteiwesen und die Taktik der Parteien, die sich gelegentlich auch

(Nachdruck verboten.)

Aus den Wogen des Lebens.

Novelle von E. Schlegel.

(Fortsetzung.)

Gegenüber dem Häuschen reihte sich eine Hügel­kette an einander, bewachsen vom üppigsten Tannen- grün. Abseits ragte die KirRje mit ihrem golde­nen Kreuz hervor und ließ sonntags ihr Geläut erschallen weit über Hügel und Feld.

Unter den rauschenden Bäumen saß Lisbeth täg­lich und blickte hinüber in die grüne Einsamkeit, oder hinauf in die Kronen ihrer Bäume wenn deren Laub sich färbte, dann, o dann kehrte bald das Glück zurück, und wer freute sich dessen nicht? Hinter dem Haus thürmte sich eine Anhöhe, von dessen Plateau man die Sonne sinken sah, wenn die Abenddämmerung sich wie ein Schleier über die Haide legte, welche sich stundenlang hier oben hinzog. Auch an diesem Orte weilte die Verlassene gern und schaute sinnend nieder, wenn der Wind über Blüthen und Gräser daherfuhr und eines küßte und das andere brach! Hatte er wohl sein Treiben dem Schicksal abgelauscht?

Inzwischen entfaltete der Sommer seine ganze Pracht und die heißen Strahlen halsen dem Bau­werk menschlicher Hände. Auf der neuen Ziegelei präsentirten sich verschiedene Fabriksgebäude und auch das stattliche Wohnhaus war bereits in An­griff genommen.

Rings um dieses dehnte sich eine weite Garten­anlage, je nach ihrem Zweck in verschiedene Bar­

gellen getheilt. Der mächtige Langofen war vollendet; auf den Streichplätzen arbeiteten viele Leute und formten emsig die eckigen Steine aus dem grauen Ton; an den Schneiden zogen kräftige Pferde und alles zusammen bot ein Bild des erfreulichsten Schaffens. Oft ritt und fuhr jetzt Sebulon Woh- ringer an dieser Stätte vorüber, und überhäuste Elisabeth, wo er sie erblickte, mit groben Schmä­hungen. Erst schwieg, dann aber antwortete sie, aber bei alledem bliebt, wie es gewesen, so oft sich die Beiden sahen.

Was meinst Du, wie der Schurke sich ärgern mag," sagte Olrich zu seiner Frau, als sie von einer Besichtigung des Baues heimkehrlen.Weißt Du noch seine höhnische Bemerkung, als die ersten Erdarbeiter begannen?"

O ja; das Böse vergißt man nicht so leicht."

Ich wundere mich aber selbst, wie Alles so schnell entstanden; nur gut, daß mir so wenig Zeit zum Nachdenken geblieben sonst" er hielt plötzlich inne.

Ist Dic's schon wieder leid, was Du unter­nommen ?"

Ach, mir ist eigentlich Alles leid. Die ver­dammte Proceßgeschichte mit dem Woh Wuche­rer, verbittert mir jede ötunbe. Morgen ist wieder Termin, ich versäume hier an allen Ecken schließ­lich befahlt man Kosten über Kosten und erreicht doch nichts."

IWeshalb zweifelst Du jetzt an einem Gelingen j Eures Vorgehens fragte Johanna, den Mürri­schen scharf anblickend.

Weil der Hauptkläger selbst hinter'm Riegel sitzt und obenein mich Oppen dringend warnt, mit Scherler nicht wieder zu tiefe verwandtschaft­liche Rücksichten einzugehen. Er meint, auf Hubert's Zeugniß könne man nicht bauen, Scherler sei ein Sanguiniker und übertriebe jede Aussage. Wo bleibt da aller Halt?"

Sonderbar!" meinte die Frau.Auf der einen Seite möchte Oppen die Angelegenheit mit Windeseile treiben, und auf der anderen hält er sie sichtlich auf. Mir scheint, als möchte er zwei Gegner vernichten, Wohringer und Scherler."

Johanna! kennst Du Oppen so wenig? der ist viel zu stolz, um sich eines Gegners zu entledigen, der ihm ohnehin.nicht schaden kann. Scherler ist so tief gesunken, daß kein Hund mehr ein Stück Brot von ihln annimmt, und der sollte noch ge­fürchtet sein?"

Aber Franz! Du selbst Hattest schon andere Meinungen über ihn ja, Du hast Lisbeth so­gar gestattet, ihren Gatten so lange bei uns zu stationiren, bis er ein anderweitiges Unterkommen gefunden."

Alles vorbei! das war eine verkehrte Regung, ich beherberge keine Sträflinge."

Johanna antwortete hierauf gar nicht, sondern sagte ziemlich unwirsch:Hat Oppen Dir Deinen Contract mitgebracht?-

Nein, braucht auch nicht; wenn er mich betrogen hat, dann ist's doch zu spät, und wenn er mich be­trügen will, hat's noch gute Zeit."