Erscheint wöchentlich drei Mal am Dienstag, Donnerstag und Sonnabend BbonnementspreiS: vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg. exel.
Postausschlag.
Die Jnsertionigebahre« betragen für den Raum einer Spalt,eil«
10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Psg. Reklamen die Zeile 20 Pfg.
Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.
Hersstliier Krkisblgtt.
Mit wöchentlicher Kratis-ZLeikage „Mustrirtes Anterhattungsölatt".
Nr. 129. Donnerstag den 4 November 1886.
Aöonnements-Kintadung.
Bestellungen auf das
Hersfelder Kreisvlatt
mit der wöchentlichen Gratis - Beilage „Mustrirtes Unterst altungsblatt" für die Monate November und December werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches
12. November entsprechende Formulare zur ordnungsmäßigen Ausfüllung und Rückgabe ausge- händigt werden. Die Herren Ortsvorstände sind speciell verantwortlich dafür, daß die Personen- standsaufnayme richtig und vollständig erfolgt.
Sodann haben die Herren Ortsvorstände:
1) auf Grund des bei der Personenstandsaufnahme oder auf sonstige Weise gewonnenen Materials die Einträge in den Spalten 1 bis incl. 20 der Einkommens - Nachweisung bezw. 1 bis incl. 6 der beiden Klassensteuer- Rollen pro 1887/88 genau und sauber zu bewirken.
2)
^.
Hersfeld, den 26. October 1886.
Den Herren Ortsvorständen des Kreises werde ich in den nächsten Tagen das nöthige Formularpapier für die
Klassensteuer-Veranlagung pro 1887/88 (Klassensteuer - Rollen und Einkommens - Nack- wetfuugca), sowie ~unjin.viui—vn ämipuvH ou^' mulare zu den Klaffensteuer-Zu- und Abgangslisten rc. für das Rechnungsjahr 1887/88 mMheilen und zugleich zwecks Benutzung bei Aufstellung der neuen Einkommens-Nachweisung, die Emkom- mens-Nachweisung pro 1886/87 beifügen.
In Betreff der Vorarbeiten für die Klassensteuer-Veranlagung pro 1887/88 verweise ich auf i das Ausschreiben vom 17. October 1877 Nr. i 10576, (Kreisblatt Nr. 84 pro 1877).
Die Personenstands-Aufnahme erfolgt, wie alljährlich, am 12. Nove in b e r. Es bleibt den Herren Ortsvorständen überlassen, diese Personenstands-Aufnahme aus die Ihnen am geeignetsten dünkende Weise zu bewirken; für größere Gemeinden wird es sich empfehlen, daß seitens des Ortsvorstandes an die Haushaltungs- vorstände und Einzelnsteuernden schon vor dem
(Nachdruck verboten.)
Aus dm Wogen des Lebens.
Novelle von E. Schlegel. (Fortsetzung.)
„Es ist lächerlich, was die meisten grauen unter „Glücklichsetn" meinen, sagte Oppen. IDM dem Inbegriff eines luxuriösen, materiellen Lebens kann man dieses Ideal vollenden und beenden.
Unter beleidigter Geberde wandte sich die Gattin ab und trat an's Fenster. „Bei Dir durfte ich kein Verständniß erwarten; Du hast keine Idee von dem Sehnen einer Frau, welche leves zustehende Recht ihres Herkommens, jede berechtigte Forderung ihres Standes unterdrückte, um unter den Verhältnissen des Mannes zu dulden. Es wühlt und bohrt und siedet, wenn man steht, wie geringere Leute einen Stand behaupten, der ihnen ^Genug^gemrg meine Dulderinl" rief der Kaufmann ein wenig sarkastisch. „Bis jetzt war es mir nicht bewußt, daß der äußere Schein anderer Weiber Dir den Kopf verdrehen könnte. Dieses „Sehnen," wie Du es nennst, ist nichts, wie eine Sucht nach Befriedigung Eurer Eitelkeit.
„Alte Tiradenl wir Frauen taugen alle miteinander nichts. Wer aber hebt Eure Schwachen an's Tageslicht? ich zithe nur einen engen Kreis, ein passiontrter Pferdeliebhaber, ein leidenschaft- kicher Raucher, ein Spieler und daneben eine Frau mit ihrer so berüchtigten Eitelkeit — welcher Ab- stand!"
3)
Die Schulden-Nachweisung in vorgeschriebe- ner Weise aufzustellen und deren Resultate in Spalte 17 a und 17 b der Einkommens- Nachweisung anzumerken, inzwischen auch die Mitglieder der Einschätzungs-Eommission wählen zu lassen (wegen deren Zahl cfi. Ausschreiben vom 17. October 1877 —
Kreisblatt Nr. 84 pro 1877 —) und hierauf
4) noch vor dem 1. December d. .% dieEin-- lajugniig am -jrrcisiiaikiut umu ^tu^Uauug der Spalten 7 bis 27 der Klassensteuer-Rollen ,ezw. 21 und 22 der Einkommens-Nachwei- ung bewirken und die vorgeschriebenen Be- cheinigungen auf dem Titelblatte vollziehen zu lassen resp, solche selbst zu vollziehen,.
Bei der Einschätzung sind die den Ortsvorstän-
die ordnungsmäßig summirten beiden Klaffen- teuer-Rollen und die Einkommens-Nachweisung pro 1887/88, welche sämmtlich mit den vorge- chriebenen starken Pappumschlägen und entsprechen- >er Aufschrift versehen sein müssen, nebst der Schulden-Nachweisung, einem amtlich als richtig zu bescheinigenden Verzeichniß der Mitglieder der Klassensteuer-Einschätzungs-Commission und den vorgeschriebenen „Bemerkungen zur Klassensteuer- Rolle" zur Prüfung und Vorrevision unter Wiederbeifügung der Einkommens-Nachweisung pro 1886/87 an mich einzureichen.
In Betreff der Schulden-Nachweisung und der von den Ortsvorständen auf besonderem Bogen aufzustellenden Bemerkungen zur Klassensteuer- Rolle verweise ich auf die §§. 33 und 44 der Anweisung zur Aufstellung der Klassensteuer- Rollen und Einkommens-Nachweisungen vom 19. Juli 1875, abgedruckt in Nr. 34 des Amtsblattes
pro 1875. 11386.
Der Königliche LandraW
stattgefundenen General-Versammlung der Orts- krankenkasse für die ländlichen Gemeinden des Kreises Hersfeld wird der Inhalt der W. 27 und 28 der Statuten aufgehoben und erhalt fol-
den mitgetheilten Revisionsbemerkungen der Königlichen Regierung zur 1886/87er Klassensteuer- Veranlagung gehörig zu beachten; insbesondere aber muß ich erwarten, daß in den Einkommens- Nachweisungen die Grund-, Gebäude- und Gewerbesteuer-Angaben richtig sind, daß die Größe des vorhandenen Grundbesitzes nach Hectaren gewissenhaft eingetragen, und daß dieser Grundbesitz wieder nach Ackerland und Wiesen 2c. getrennt angegeben wird.
Bis zum 1. December d. I. sind sodann1
gende Fassung: „
IV. Beiträge.
A. Eintrittsgeld.
§• 27.
Diejenigen, welche Mitglieder der Kasse wer- den, haben ein mit dem ersten Monatsbeltrage fälliges Eintrittsgeld zu zahlen, und zwar:
1) erwachsene männliche Mitglieder von 1,08 Mk.
2) erwachsene weibliche Mitglieder von 72 Pf.
3) männliche Mitglieder unter 16
Jahren und Lehrlinge von 54 Pf.
4) weibliche Mitglieder unter 16
1 Jahren von 54 Pf.
„Wende Deine Vergleiche demjenigen zu, der sich dadurch getroffen fühlt! ich bin nur Besitzer meiner Frau, und das ist gerade genug — doch zur Sache, Wie denkst Du im Ganzen über meinen Plan? wäre es nicht herrlich, dieses Landleben? Ruhe, Stille, einen frischen Garten, aus dem Hofe Enten, »Hühner, Tauben, im Stalle Pferde und Schweine
„Otto!" kreischte Frau Jda auf und sah dem Phantasten bestürzt in's Gesicht. „Welch' eine Zukunft! um's Himmels willen, was soll aus Meta werden? keine Abwechselung, keine Anregung, das ist ja zum Sterben. Und Schweine? warum nicht gar auch Kühe, damit ich melken und buttern müßte! Nein, nein, wenn Du je diese Idee zur Ausführung bringst, dann überlasse nur Olrich's das ländliche Paradies. Der Sommer enthält Zeit genug, um auf einige Wochen die Stabtwoh- nung mit der Landluft einzutauschen; aber nur nicht länger müssen, als der Reiz der Neuheit seine Wirkung übt."
.Auch diesen Willen sollst Du haben — wohne Du in B. — ich aber werde Euch dann wenig Gesellschaft leisten."
„Viel Amüsement! einen geistreichen Umgang findest Du sicherlich."
„Mache mich nicht unwirsch, Jda. Vorläufig ist'S ein Lustschloß — nur nicht ganz so hohl, wie sie unser Herr Sohn auffahrt. Er spielt den reichen Cavalier, sein Beruf ist ihm Nebensache, und ich bezahle Schulden. Er muß wohl denken, mein Geschäft sei eine Geldmünze." —
Am Abend kehrte Georg Oppen heim, verstimmt, wie immer, wenn er nicht unter seinen Freunden war. Diese Burschen aber waren hohle, eitle Gecken, denen das Geld ihres .Lehrlings", wie sie Georg nannten, lieber war als seine ganze Freundschaft. Sie hänselten den jungen Mann trotz seines Leichtsinns stets mit der Aeußerung, er pfuschte durch seine Manieren den Spießbürgern in'S Handwerk, und dieser Vergleich raubte hm jede Besonnenheit; dann wurde gewettet, gespielt — wie ein Gentleman, und die Collegen frohlockten bei freier Zeche. ., l r „
Georg erhielt gute Schule und sollte nach Bestimmung das Gut seines Vaters übernehmen, um sich vollständig der Landwirthschaft zu widmen. Während der ländlichen Umgebung ging auch alles prächtig — so weit der Eltern Auge reichte.
Seit der Vater aber ruinirt zur Stadt gezogen und seine Verhältnisse neuen Aufschwung erhalten, war dem Sohne die Lust zur Arbeit vergangen. Jetzt plötzlich trat noch die Liebe an ihn heran und nahm die letzte ruhige Ueberlegung. Verdrießlich wühlte der Angekommene unter den einpassir- ten Briesen, meist Angebote von Stellungen. Er öffnete einige, legte sie geringschatzend bei Seite und übergab sie nach kurzem Bedenken den Flammen. Wie erleichtert athmete er auf und begann an einer angesangenen„Ode" zu schreiben. Nach einigen Minuten trat Oppen ein.
„Sind Nachrichten eingelaufen?" fragte er mit gerunzelter Stirne. , c „
„Nein! ich wenigstens habe nichts vorgesunden!'