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Hersseldtr KttisMt.

__________Mit wöchentlicher Kratis-AeitageMustrirtes Nnterhattungsökatt".

Nr. 119. Sonnabend den 9. October 1886.

Bestellungen

auf dasHersfelder Kreisblatt" pro viertes Quartal 1886 werden noch fortwährend von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtliches.

Hersfeld, den 6. October 1886.

Die Nummer'liste der verloosten Schuldver­schreibungen der iprocentigen Staatsanleihen von 1850, 1852 und 1853 liegt im Geschäftslokale des hiesigen Landrathsamles, sowie auch in den­jenigen der Königlichen Steuerkassen des Kreises zur Einsicht während der Dienststunden offen.

Zugleich mache ich auf die diese Nummerliste betreffende Bekanntmachung der Hauptverwaltung her Staatsschulden, abgedruckt im RegierungS- Amtsblatt Nr. 43 (Seite 214) aufmerksam.

10678. Der Königliche Landrath ___Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 4. October 1886.

Der seitherige Bürgermeister Heinrich G ö r k zu Eitra ist als solcher auf weitere 8 Jahre ge­wählt und von mir bestätigt worden.

10701. Der Königliche Landrath ____ Freiherr von Schlein i tz.

Hersfeld, den 4. October 1886.

Der seitherige Bürgermeister Johannes Mohr zu Eonrode ist als solcher auf weitere 8 Jahre gewählt und von mir bestätigt worden.

10703. Der Königliche Landrath

4 Freiherr von Schleinitz.

Der hinter dem Schäfer Johannes Hassen- Pflug aus Heenes am 16. September 1886

(Nachdruck verboten.)

Aus den Woge» des Lebens.

Novelle von E. Schlegel.

(Fortsetzung.)

Woher hast Du plötzlich diese Gedanken? fragte die Mutter Elisabeth, Du sprachst nie von diesen Dingen."

O doch! aber Du mochtest mich nie hören!"

Frau Olrich versolgte diese Aeußerungen der Sprechenden mit großer Spannung; ihre eigene innere Stimme hatte gar manchmal dieselben Be­fürchtungen gelispelt aber das Phantastebild wurde verworfen.

Jetzt drang die Warnung auch von anderer Seite daher, und der Zweifel ward zur Ueberzeugung.

Du hast doch Wohringer aber gar nicht gesehen, seit Du hier bist; Elisabeth! bedenke, wessen Du ihn anklagst."

Sebulon habe ich nicht gesehen, aber jener Wlmmer war ein Abgesandter, ein ehrloser Wicht, welchem man jedenfalls den Sündensold gezahlt, damit er erlausche, ob die Schlinge nicht den eigenen Hals gefährde. Ich habe ihn sicher ge­macht, er hält mich für ungefährlich.'

Barmherziger Gott, was soll aus dem alten Vater werden, wenn er auch dieses Geld verliert? es ist ja kaum denkbar, wir sind dem Manne doch nichts schuldig."

Rein, Mutter, vor Recht und Gewissen schuldet Ihr ihm nichts," sagte Lisbeth erbleichend und faßte krampfhaft den Arm ihrer Mutter.Aber

jener Schurke stahl uns Wechsel in Höhe von drei­tausend Thalern, worauf auch Euer Name ge> schrieben stand, und vor diesen Papieren," flüsterte die Tochter athemlos,vor diesen Papieren hütet Euch. Die alte Dame erbebte und war keines Wortes fähig.Fasse Dich, Mutter, man kann fast übermenschlich tragen; es ist entsetzlich, aber eine Frau vermag es zu bewältigen, wenn sie den ernsten Willen dazu hat."

Ich werde stark sein, meine Tochter; ich will und muß es, um des Vaters willen. Alles, was Du mir gesagt, muß auch ihm mitgetheilt werden, aber schonend. Nach und nach werde ich ihm Auf­klärung geben ein Schreck könnte böse Folgen haben; das Uebrtge mag er selbst von Dir ein- fordern." --

Bet nächster Gelegenheit," sagte Frau Olrich am Abend zu ihrem Galten;wünscht Elisabeth mit nach der Stadt zu fahren."

Das kann sie; wo will sie hin?"

Von dort nach B. zu Scherler's; ste beabsichtigt ihren Mann zu besuchen."

Immer noch das alte Lied?" fragle Olrich.

Dieser Wille wird nie zn beugen sein!" ant­wortete die Mutter fest.

Ach Unsinn! Ihr Weibervolk mit Eurem vor­eiligen Urtheil; laß nur erst einige Zeit darüber hingehen, laß nur erst der Leute Meinung über scheeler hierher dringen, dann erst haben wir ein Resultat zu erwarten."

Die Gelegenheit, nach der Stadt zu fahren, bot sich in wenigen Tagen. Die Pferde brauchten

! diesseits erlassene Steckbrief ist durch Ergreifung erledigt und wird zurückgezogen.

Kassel, den 6. October 1886.

Der Erste Staatsanwalt.

I. A.: A p p e l i u s.

Politische Nachrichten.

(Deutschland.) Dem Vernehmen nach steht die Rückkehr Sr. Majestät des Kaisers von Baden-Baden nach Berlin nicht vor dem 20. October zu erwarten. Das Befinden des Kaisers ist andauernd vortrefflich.

Zum Landesdirector der Fürstenthümer Waldeck und Pyrmont an Stelle des vor Kurzem verstorbenen Herrn v. Saldern ist ein Verwandter desselben, der Landrath v. Saldern zu Laubau, ernannt.

König Albert von Sachsen ist am Mittwoch früh in Wien eingetroffen und auf dem Bahnhof von dem Kaiser von Oesterreich empfangen worden. Beide Monarchen begaben sich am Donnerstag zur Jagd auf Hochwild.

Lord Churchill, der englische Schatzkanzler, dessen Bankettrede über Bulgarien vor einigen Tagen ein gewisses Aufsehen machte, ist in Berlin eingetroffen. Anscheinend will sich derselbe durch persönlichen Meinungsaustausch mit den leitenden Persönlichkeiten der deutschen Politik informiren. Es heißt, daß Graf Herbert Bismarck mit ihm nach Varzin zum Reichskanzler fahren werde.

Der neuernannte Gouverneur von Berlin, General der Infanterie v. Werder, bisher Militärbevollmächtigter in Rußland, sollte zur Uebernahme seines neuen Postens am Freitag früh aus Petersburg in Berlin eintreffen. Der Zar hat ihm eine mit seinem und seines Vaters Bildnisse geschmückte und mit Brillanten besetzte Dose zum Geschenk gemacht.

Mehrere mitteldeutsche Handelscorporationen

beschlossen, um die Herabsetzung der Worttare für inländische Telegramme auf 5 Pfennig (Mindestbetrag auf 50 Pfennig) zu Petitioniren.

Die Militärvorlagen werden den nächsten Reichs­tag in hervorragender Weise beschäftigen und nicht blos den Militäretat und einige neue Heeres­einrichtungen, sondern auch Fragen der inneren Truppenorganisation von großer Tragweite be­treffen.

Vor dem Reichsgericht beginnen am 11. d. M. die Verhandlungen gegen die im Freiberger Pro­ceß bereits verurteilten Socialisten.

(O e st e r r e i ch - U n g a r n.) Die Polizei der österreichischen Hauptstadt verhaftete 12 Anarchisten, welche seit längerer Zeit geheime Zusammenkünfte hatten. Dre darauf tn den Wohnungen der Verhafteten vorgenommenen Haussuchungen ergaben bedenkliche Funde: Flug­schriften, Sprengmittel, Bomben und Dolche, letz­tere in einem Heerde in Sechshaus versteckt.

(Frankreich.) Dem Herzoge von Se- Villa, der von der französischen Grenze her einen republikanischen Aufstand gegen die Königm- Regentin in Scene setzen wollte, hat die franzö­sische Regierung das Handwerk gelegt. Sie hat ihm den Aufenthalt in Frankreich nur nördlich von der Loire gestattet.

(Belgien.) Die Behörden in dem Kohlen­becken von C h a r l e r o i haben das Ministerium um schleunigste Truppensendung ersucht, da die Lage daselbst abermals bedrohlich erscheine. In­fanterie und Kavallerie wurden aus Brüssel, Namour und Tournai dahin entsandt.

(Spante n.) Einem Telegramm aus Madrid zufolge sind die an dem letzten Aufstand betheiligt ! gewesenen und bekanntlich zum Tode verurtheilten , Ofsiciere nun doch begnadigt worden. Für die­selben hatten sich ein Theil der Deputirtenkammer, , mehrere Bischöfe, wie es heißt auch der Papst, I und verschiedene Maffenpetitionen aus dem Volke

neuen Futtervorrath, und da konnte, wer Lust hatte, den Bretterwagen mit benutzen. Olrich's gehörten zu den Leuten, welche durch mehr denn ungenirtes Auftreten selbst die Richtschnur für Höherstehende und Untergebene angaben. Auf dem Lande, hieß es, brauche man keine Form zu be­obachten; so bearbeitete Frau Olrich selbst ihr Stück Kartoffelland, und Hedwig ging in poltern­den Holzschuhen zur Schule und im Hause herum. Auf diese Weise beeinträchtigte sich die Familie ihre Stellung, und namentlich Notte's älteste Tochter Mine erlaubte sich ein Betragen, welches an Frechheit grenzte.

Elisabeth sah diese Einrichtungen mit leisem Grauen und gedachte unwillkürlich der Zeit, da man im eleganten Saale die Abendtoiletten der Gäste gemustert. Wie hatte sich doch so Alles ver­ändert, selbst die Menschen schritten rückwärts und verleugneten der Verhältnisse wegen so rücksichtslos den früheren Stand.

Der Winter war in's Land gezogen und hatte durch Eis und tiefen Schnee sein Dasein verkündet. Die Kinder im Dorfe jubelten, schien ihnen jetzt das Weihnachtsfest doch ein beträchtlich Stück näher gerückt.

Auch Frau Elisabeth erzählte während der Fahrt zur Stadt dem kleinen Konrad von der Schnee­königin, von den Zwergen mit den langen Bärten. Sie erzählte von den schneebeladenen Tannen, deren Gezweig beim Mondenschein so funkelnden Glanz verbreitet, daß es sei, als habe sie Gott mit seinen hellen Sternen besäet. Diese Pracht aber gehöre