Plätzchen, in derselben Stellung und schaut ohne Furcht dem Tod ins Angesicht. «Zur unrechten Zeit gespart", denkt der stutzig gewordene Waidmann, „ist oft sogar verschwendet" und schickt die zweite Ladung hin. Doch sieh! Der Hase wankt und weicht nicht. Dann muß wohl der erste Schuß den Aermsten so plötzlich getödtet haben, daß er nicht einmal Zeit hatte die Glieder zu strecken. Ueberglücklich eilt der Herr nach der Hecke und ergreift seine Beute. Doch, wer vermag Schrecken und Zorn zu beschreiben, als er einen ausge- stopsten Hasenbalg in seiner Hand erblickt.
Bermbach, 27. September. Am Sonntag wurde unsere Einwohnerschaft durch eine Mordthat in Aufregung und Bestürzung versetzt. Wie sich bald herausstellte, war der Schlosser Kehr, —_ ein jähzorniger Mensch, mit seinem Bruder in Wortwechsel gerathen, in dessen Verlauf der Erstere ein auf dem Tisch liegendes Messer ergriff und seinem Bruder einen Stich in die Brust versetzte, so daß nach wenigen Stunden der Tod eintrat. Der Brudermörder, ein Wittwer und Vater von 6 unerzogenen Kindern wurde anderen Tags zur Haft gebracht.
Frankfurt a. M., 27. September. Gestern Abend kurz nach 10 Uhr stürzte sich ein junges, fein gekleidetes 'Mädchen, eine Putzmacherin aus Bieder bei Gelnhausen, in den Main um ihrem Leben ein Ende zu machen. Dem Schiffer Scheu- rer aus Rothensels gelang es, das Mädchen zu retten.
Münden, 27. September. Schon mancher Unglücksfall ereignete sich durch unvorsichtiges Umgehen mit der Schußwaffe. Gestern Abend gegen 7^/2 Uhr ging ein Bursche von 16 Jahren, der aus der Münder'schen Mühle kam, über dieCasseler Schlagd. Plötzlich dröhnte ein Schuß und der Bursche fiel getroffen zur Erde. Zwei muthwillige Jungen im gleichen Alter halten eine Pistole abgeschossen und traf ein Schrotkorn den Unglücklichen in den Kopf. In ihrer Angst warten die Attentäter die Waffe in die Fulda und trugen den Bewußtlosen zu seinen Eltern unter der Angabe, denselben so gefunden zu haben. Bis jetzt hat der Arzt das Schrotkorn noch nicht herausnehmen können und soll das Leben des Getroffenen sehr gefährdet sein. Die beiden Schützen sind heute früh verhaftet worden.
, Vermischtes.
— Berlin. (Ein Spiel des Zufalls.)
\ Die Triftstrabe wird jetzt caualisirt, und das ausgepumpte Wasser fließt jetzt die Straße entlang. Als vor einigen Tagen ein Officier die Straße passirte, scheute sein Pferd vor dem schnell dahin- fließenden Wasser. Einer der Canaltsationsarbeiter nahm zuvorkommend das Pferd beim Zügel und führte es hinüber. Der Officier ließ sich mit dem Arbeiter in ein Gespräch ein und fragte ihn, ob er auch Soldat gewesen sei. „Freilich, bei dem und dem Regiment, mit dem ich 1870 den Feldzug mitgemacht habe." „Bei welcher Compagnie?" fragte der Officier. „Bei der und der." „Dann haben Sie den Premierlieutenant X. gekannt?" „Gewiß, ich habe ihn ja, als er schwer verwundet war, aus der Schlacht getragen." „Mein Gott, das ist ja mein Bruder. Er hat vergeblich nach seinem Retter geforscht. Ein Bein ist ihm ampn- tirt worden, er lebt jetzt als Gutsbesitzer in & Wenn Sie einmal etwas brauchen, hier ist meine Adresse." Und damit überreichte der Officier dem Arbeiter seine Karte und dreißig Mark.
— DiedreiSchwarzen ausKamerun, welche während beinahe 2 Jahren behufs ihrer militärischen Ausbildung in Deutschland gewesen (längere Zeit befanden sie sich aus S. M. S. „Hansa") haben Berlin nun wieder verlassen und sind am Sonntag Abend in Wilhelmshaven eingetroffen, um in den nächsten Tagen mit der „Luise* die Reife in ihre tzeimath anzutreten. Die Schwarzen haben ziemlich gut deutsch sprechen gelernt und auch im Uebrigen die deutschen Maniren sich gut angeeignet. Sie sind sämmtlich des Lobes voll über den Kaiser und den Kronprinzen, denen sie durch den Chef der Admiralität, Generallieutenant von Caprivi, vorgestellt worden sind, und deren sein eingerahmte Bildnisse sie bei sich führen. Wie man hört, sollen diese Schwarzen in Kamerun zu Polizei- und Dolmetscherdiensten herangezogen werden.
— H 0 ya , 25. Septbr. Am Dienstag wurde hier eine Schaar wilder Gänse beobachtet, welche in der Richtung von Nordost nach Südwest über die Weser zog. Die Thiere flogen .in bedeutender Höhe und ließen das bekannte eigenartige Geschrei hören, durch welches sich ihr Nahen noch außer Sehweite bemerkbar macht. Alte Jäger sehen solche Wanderzüge für das Merkzeichen eines frühen und strengen Winters an.
— Schwalbach, 13. Sept. Am vergangenen Sonnabend fand ein geistlicher Herr bei einem Spa- ziergange einen kleinen Säugling in einem Tuche
eingewickelt schlafend am Wege liegen und ringsum war kein 9Jlenfdj zu sehen. Der erste Gedanke war natürlich, daß es sich hier um ein 'ausgesetztes Kind handle; der Geistliche erbarmte sich des armen Kindchens und trug es in die Stadt. Nach einiger Zeit stellten sich die erschreckten Eltern ein, welche beim Kleeholen das Kind auf den Wagen gelegt und verloren (!) hatten.
— Berlin, 27. September. Das Befinden der auf dem Potsdamer Bahnhof verunglückten Reservisten ist im Allgemeinen ein befriedigendes, und man hofft, sie sämmtlich am Leben erhalten zu können. Verhältnißmäßig am schwersten verletzt sind die beiden im Elisabeth-Krankenhaus untergebrachten Reservisten Friedrich Haupt und Johann Rhode. Beiden ist noch am vorgestrigen Tage je ein Unterschenkel abgenommen worden.
— Ein D i e n st m ä d ch e n, das 20 Jahre in ein und demselben Frankfurter Hause diente und sich ca. 4000 M. erspart hatte, fing an zu kränkeln und starb in seiner tzeimath mit Hinterlassung eines Testaments, in welchem sie dem Sohne ihres Dienstherrn 2000 M. und der Tochter 1000 M. vermachte, weil sie immer so gut und liebevoll gegen sie gewesen seien; so berichtet das „Fr. Jnt.-Bl."
— Cöln, 24. September. Auf dem hiesigen Centralbahnhof trafen gestern die Letzten jener Russen, welche von tollwuthverdächtigen Wölfen gebissen, bei Pasteur in Paris Hülfe gesucht hatten, auf der Heimreise von dort wieder ein und benutzten zur Weiteriahrt die Route über Berlin. Die Leute waren nicht sehr von der Pasteur'schen Cur erbaut, namentlich zogen sie deren Wirksamkeit in Zweifel, da mehrere ihrer Unglücksgenossen in PariS gestorben. Sie sprachen die Vermuthung aus, daß die Bisse, welche sie — die als geheilt entlassenen — erhalten, nicht von tollwuthkranken Thieren herrührten. Die Leute sahen recht elend aus.
— Leipzig. Ein in einer Buchhandlung in Stellung befindlicher Lehrling hatte sich wiederholt Bücher mit nach Hause genommen und wie er versicherte, nur in der Absicht, dieselben zu lesen. Dem anwesenden Chef wurde von dem unerlaubten Verhalten des Lehrlings Mittheilung gemacht, worauf derselbe fünfundzwanzig Stockprügel de- krettrte! Der Markthelser übernahm die Execution und prügelte mittels eines dicken Rohrstockes den Jungen dermaßen durch, daß derselbe am folgenden Morgen starb. Die gerichtliche Section wird das Weitere ergeben.
— M a r i e n b a d. Der hier zur Cur weilende Bankier Z. aus Berlin hatte dieser Tage das ganz unverhoffte Glück, in einem Herrn, der neben ihm am Wirthshaustische saß, seinen Caffirer zu erkennen, der ihm vor zwei Jahren durchgegangen war. Er sah von der Verhaftung des Wieder- gefundenen ab, da dieser ihm fast drei Viertel der feiner Zeit unterschlagenen Summe zurückzuer- statten in der Lage war. Er hatte auch, um das Ansehen seines Hauses nicht zu schädigen, schon seiner Zeit den ungetreuen Caffirer nicht zur Anzeige gebracht.
— Pillau. Ein schrecklicher Unglücksfall ereignete sich vor einigen Tagen beim Hafenbau bei Brandenburg am Haff. Em großes, mit 14 Arbeitern besetztes Boot kenterte infolge des heftigen Sturmes und vier Arbeiter ertranken, während es den übrigen gelang, sich zu retten. Besonders schwer wurde eine Familie betroffen, von welcher Vater, Sohn und Schwager in den Wellen den Tod fanden.
— Dessau. Der vor drei Wochen mit 78 000 Mark von hier durchgebrannte Caffirer der herzoglichen Landrentenbank, Naundorf, ist in Malmö in Schweden abgefaßt worden. Im Besitze Naun- dorfs soll sich fast noch die ganze veruntreute Summe befunden haben.
— T s ch i ch e r z t g a. O., 24. Septbr. (Entsetzliche That.) In einer Wirthschaft aus der Schanze (Oberweinberge bei Tschicherzig) gerieten zwei junge Mädchen beim Pflaumenrühren mit einander in Streit, wobei die eine der anderen einen Stoß versetzte, so daß diese rücklings in den mit kochenden Pflaumen gefüllten großen Kessel stürzte. Ohne die Unglückliche aus dieser gefährlichen Lage zu befreien oder um Hülfe zu rufen, lief die Thäterin davon. Ein zufällig des Weges kommender Mann zog das 19jährige Mädchen zwar noch lebend heraus, es verstarb aber bereits unter heftigen Qualen am folgenden Tage. Die Thäterin ist bis heute noch nicht gefunden worden.
— 72 Jahre lang trug der Kaufmann Ambros Biber in Krems das Andenken an die Schlacht bet Leipzig mit sich herum; denn eine schwere Wunde, die er in der Schlacht erhalten hatte, brach immer wieder auf, in seinem 95. Jahre das letzte Mal und er starb au der Wunde, nicht am Alter, wie die Aerzte jagen.
— Aus Thüringen, 22.September. Ein großes Unglück ist jüngst durch die Geistesgegenwart des Beamtenpersonals auf dem Mittagszuge
zwischen Coburg und Sonneberg verhütet worden. In Folge eines Federbruchs legte sich plötzlich die Maschine auf die Seite. Da man im nächsten Augenblick eine starke Curve erreichen mußte, schien ein großes Unglück unvermeidlich zu sein. Dem Zugpersonal gelang es jedoch mit Anwendung aller Kraft, den Zug durch Bremsen noch vor der gefährlichen Stelle zum Stehen zu bringen. Der Zug traf mit einer halben Stunde Verspätung ein, nachdem der Schaden nothdürftig beseitigt worden war.
— E i n e h e i t e r e E p i s 0 d e, die sich anläßlich der großen Herbstmanöver in Galizien in der Nähe von Grodel zugetragen hat, und welche verursachte, daß sich ein Eisenbahnzug verspätete, berichten polnische Blätter. Das geschah folgendermaßen: Ein Bahnwärter erblickte an dem Kopse einer Eisenbahnbrücke einen Zettel mit der Aufschrift: „Diese Brücke ist mittels Dynamit gesprengt worden." Der Wächter erschrak so sehr über diese Mittheilung, daß er sofort hiervon die Station, woher der nächste Zug kommen sollte, verständigte. Sogleich wurde ein Ingenieur auf die vermeintliche Unglöcksstelle entsendet. Natürlich war derselbe sehr erstaunt, als er statt der versprengten Bestandtheile der vernichteten Brücke alles in der besten Ordnung fand. Bald klärte sich auch das Mißverständntß. Der erwähnte Zettel war von einer Truppenabtheilung angeschlagen worden, damit der „Feind" die Brücke nicht mehr passirte. Diese komische Episode hatte zur Folge, daß der Zug eine Verspätung von 12 Minuten erlitt, und daß der einfältige Bahnwächter für seinen schlecht angebrachten Diensteifer einen Verweis erhielt.
— Wien, 27. Sept. Auf der Strecke Saal- felden-Voergl ist am Sonnabend Abend ein Lastzug entgleist; 15 Waggons stürzten von dem Damm herab; ein Packer wurde getödtet; bisher fand man von demselben nur einen Arm; ein anderer Bediensteter ist schwer verwundet.
— (Eisenbahnunglück.) Der von Warschau kommende Courierzug ist gestern Abend kurz vor Thorn in Folge unrichtiger Weichenstellung entgleist. Der Zugführer und der Packmeister erlitten schwere Verletzungen. Sonst wurde Niemand beschädigt.
— In Constantinopel wurde am 26. d. früh 41/* Uhr eine ziemlich starke Erderschütterung wahrgenommen. Schaden hat dieselbe nicht angerichtet. Auch in Smyrna wurde das Erdbeben um etwa 4'/^ Uhr verspürt. Dasselbe äußerte sich dort in zwei ziemlich heftigen Stößen, die aber wenig Schaden verursachten.
— Glasgow, 25. Sept. Mehrere Porsonen, welche den heute in den Steinbrüchen von Crarac staltgefundenen Sprengungen von einem Dampfer aus beigewohnt hatten, begaben sich darnach an die Sprengungsstelle, um die Zellen zu besichtigen, in welchen der Sprengstoff angebracht war. Von den den Zellen entströmenden Gasen wurden mehrere Personen so betäubt, daß 6 davon sofort starben.
— (Auch eine C r i t i k.) Gelegentlich des vor wenigen Tagen in Wien enthüllten Denkmals des Helden vonLissa, Admiral v. Tegetthof, wird folgendes Geschichtchen erzählt: Das betreffende Denkmal war lange Zeit vor seiner Enthüllung durch einen kolossalen Ueberbau den Blicken der Neugierigen entzogen. Einem biederen Ungarn wurde nun der Bretterthurm als das fertige Denkmal des Helden gezeigt, und bewegt rief derselbe aus: „Schön, aber zu einfach!"
— (Ei ne vorsi ch tigeWirth i n.) (Zwei Tage vor Pfingsten.) „Jesses, es kommt schon wieder ganz trüb am Himmel — Lotte, thu' nur a' bisset mehr Butter 'nein in den Kuchen!" — „Warum denn Mutter?" — „Weil's leicht möglich wär', daß wir ihn selber essen müssen!"
— (K i n d e r w e t s h e i t.) Tante: Hans, jetzt ist aber schon Zeit, schlafen zu gehen, geh' also in's Bett, Du weißt, daß auch die Küchleins schon schlafen gehen. Hans: Ja, Tante, dann geht aber die Alte auch mit in's Nest.
— (A u ch e i n P r 0 b e p f e t l.) „Sie Kathi, das ist aber doch unerhört! Da sehen Sie einmal her: findet mein Mann in einem Knödel eine ganze Haarnadel stecken!" — Die böhmische Köchin: „O, bitt' ich um Verzeihung, gnädige Frau; hab' ich Knödel probirt, ob ist zu hart und hab' ich in Vergessenheit Nadel stecken lassen."
— (Zarte Umschreibung.) „Also Ihr Dienstmädchen haben Sie schon wieder entlassen?" — „Ja wohl." — „Aber weshalb denn?" — „Sie war sonst ja ganz gut, nur hatte sie das nachthet- lige Talent, immer das zu finden, was wir noch gar nicht einmal verloren hatten."
Fruchtpreise.
Weizen 100 Kilogr. 15 M. — M- bis 15 M. 75 Ps. Roggen 100 Kilogr. 13 M. 30 Pf. bis 14 M. - Pf. Gerste 12 M. - Pfg. bis 13 M. 21 Pf. Hafer 100 Kilogr. 9 M. 50 Ps. bis 11 M. 20 Pf.