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Der König und die Königin von Württemberg werden nach Mitte November die auch in diesem Winter seitens der Aerzte für nothwendig erach­tete Reise nach dem Süden antreten.

Die Königin-Mutter von Bayern machte dieser Tage ihrem geistesumnachteten Sohne König Otto in Fürstenried einen Besuch und begab sich dann nach der Unglücksstätte bei Schloß Berg.

Der Großherzog von Hessen ist am Freitag, einer Einladung der Königin Victoria folgend, mit der Prinzessin Irene zu mehrwöchigem Be­suche auf Schloß Balmoral nach Schottland abgereist.

Die Arbeiter-Alters- undJuvaliden-Versorgung wird einer Meldung zufolge den Reichstag in der nächsten Session noch nicht beschäftigen.

Dem Vernehmen nach wird noch im Laufe dieses Jahres die Generalinspection der Feld- und der Festungs-Artillerie von einander getrennt werden. — Das Seebataillon soll, entsprechend dem Wachsthum unserer Kriegsmarine verstärkt werden.

Die Ersatzreservisten erster Klasse aus dem Jahrgang 1881, welche im Jahre 1881 der letz- tern nicht übungspflichtig überwiesen worden waren, treten am 1. k.M. zur Ersatzreserve zwei­ter Klasse über, doch muß dieser Uebertritt auf dem betreffenden Schein ausdrücklich vermerkt werden, weil ohne diesen Vermerk der Inhaber in dem jetzigen Verhältnisse und zwar bis zum vollendeten 31. Lebensjahre verbleibt.

Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht die Ver­fügung wegen Verlängerung des kleinen Belage­rungszustandes über Berlin und Altona bis zum 30. September nächsten Jahres.

Der Generalsynodalvorstand wird Mitte October unter dem Vorsitz des Grafen von Arnim-Boitzen- burg zu einer Sitzung zusammentreten.

(Frankreich.) Der Kriegsminister General Boulanger hat kürzlich Versuchen mit neuen W u r s g e s ch o s s e n zur Zerstörung von Festungs­werken in La Fere beigewohnt. Der „Figaro" rühmt die Ergebnisse dieser Zerstörungswerkzeuge als furchtbar; die Dynamitkrast übersteige in er­schrecklichen Verhältnissen alles bisherige; die neue Kriegsmaschine stehe zum Dynamit wie dieses zum Schießpulver der Kanone; es wurden neue Ver­suche vor den Mitgliedern des Budgetausschusses gemacht werden.

(England.) MinisterpräsidentSalisburyhielt im Londoner Stadthaus eine Rede über die irische Frage, wobei er sagte, das einzige Mittel zur Herstellung der socialen Ordnung in Irland sei Vermehrung der kleinen Freibauerngüter. Das Cabiuetscomitä für irische Angelegenheiten berath­schlagte am Donnerstag über Maßnahmen für den Fall, daß bedeutende Agrar-Unruhen in Irland ausbrechen. Es wurde darauf aufmerksam gemacht, daß nach den bestehenden Gesetzen die National - l iga sür ungesetzlich erklärt werden könne, woraus die irische Regierung dieselbe unterdrücken könnte.

(Spanien.) Erst hieß es, an dem letzten Madrider Putsch hätten sich keine höheren Officiere bethetligt; nachdem indessen der General Villa campa gefangen worden war, wurde zu­gegeben, daß er sich an dem Ausstande betheiligt hatte. — Die Minister beschlossen, den Belagerungs­zustand erst nach der Ausführung der Urtheile der .......................... " '■ """"1 —--"^- ■

„Großer Gott," flüsterte Josepha. „Sie ist am Ende gemordet!"

wMon Dieu, Künstlerin, wie können Sie nur — oh 1* rief Generalin Merenecken und goß ein Glas Wasser über ihr Batisttuch.

Endlich drang eine Resolute vor, man wagte einen Angriff auf die Küche und fand Asta bebend nach der Lampe suchend.

„Um Gotteswillen, was ist geschehen? was hat sich zugetragen ? was ist Ihnen zugestoßen ? klang

„Das weiß'ich selbst noch nicht," rief die Um» ringle und stürzte voraus nach dem erleuchteten Zimmer. „Ein wenig Platz;" sagte sie athemlos und hob dabei ihr Kleid. Sie stand in tief gebück- ter Haltung unmittelbar hinter der Thür und be­trachtete ihren Fuß. Alle Damen ahmten sofort diese Haltung nach und krümmten das Rückgrat — Asta's Schuh des rechten Fußes zeigte bis oben herauf einen Ueberzug von flockiger Schlagsahne.

„O, Mutter — unsere Torte I" schrie sie plötz­lich händeringend und beugte ihr Antlitz noch tiefer über die schneeige Masse. In diesem Augenblick rannte das nichtsahnende Mädchen den Gang ent­lang und trug einen zierlichen, mit Weißbrot be­deckten Porcellanteller. Mit voller Kraft, nach Domestikenart, öffnete sie die Thür und stieß die­selbe mit solcher Vehemenz gegen den Körper der mit dem Rücken davorstehenden Tiefgebückten, daß diese wie ein Ball unter die Beschauer flog. Die heftig zurückprallende Thür aber schlug Weißbröt- chen und Teller in Trümmer zu Boden.

Kriegsgerichte wieder aufzuheben, aber die liberale Politik beizubehalten. In Bezug auf die Presse sowie auf das Vereins- und Versammlungsrecht sollen jedoch die bisherige Duldsamkeit aufgegeben und die bestehenden Gesetze auf's strengste gehand- habt Erden. — Die Untersuchung soll übrigens ergeben haben, daß der Aufstand erst am 22. aus­brechen sollte und nur durch einen Fehler, der von dem meuterischen Regiment Gavelland begangen wurde, sich um einige Tage verfrühte.

(Rußland.) Aus Warschau wird berichtet, daß der General-Gouverneur Gurko an sämmt­liche Brigadiers den Befehl erlassen hat, je hier Geschütze feldkriegsmäßig auszurüsten, und sich zum Abmarsch nach dem Süden bereit zu halten, wo eine Armee zur Besetzung Bulgariens in der Bildung begriffen sei. — Klingt nicht sehr wahr­scheinlich. So schnell schießen die Russen nicht. (Türkei.) Der Sultan empfing den Herzog von Edinburg und einen Sohn des Prinzen von Wales, und verlieh beiden hohe Auszeichnungen. In Rußland zeigt man sich über diese Höflich­keitsbezeigung gegen die englischen Prinzen sehr verschnupft.

Aus Hessen-Nassau.

Hersfeld, 27. September. Eine die Jagdkreise inleressirende Entscheidung erging vom Strafsenat des Kammergerichts. Auf einer Feldmark jagten einige Herrn auf Hasen, als der für Lebenszeit vereidete Privatförster einer benachbarten Feldmark zu den Herren hintrat und von denselben die Vor­zeigung des Jagdscheins verlangte. Diese verweiger­ten es. Darauf wurde gerichtliches Verfahren gegen sie eingeleitet, und schließlich der ganze Jn- stanzenzug beschritten; aber alle Gerichte erkannten auf Verurtheilung der Jäger. Das Kammergericht führte aus, daß einem für Lebenszeit veretdeten Privatförster auch auf fremden Terrain die Ueber» wachung von Jagd-Contraventionen zustehe.

Hersfeld, 27. September. Mit dem Eintritt der Fälligkeit einer vertragsmäßig verzinslichen Kapitalsforderung treten beim Verzüge des Schuld­ners nach einem Urtheil des Reichsgerichts, V. Ci- Vilsenats, vom 30. Juni 1886, an die Stelle der vorbedungenen Zinsen die gesetzlichen Verzugszinsen, deren Rückstände nicht der für vorbedungene Zinsen in Preußen bestimmten (Gesetz vom 31. März 1838) vierjährigen Verjährung unterliegen.

Hersfeld, 27. Septbr. Vom 1. Hauptge­winner der Casseler St. Martinslolterie wird aus Staßfurt geschrieben: Um den Hauptgewinn der Casseler St. Martinslotterie dürfte es leicht noch ein Nachspiel vor Gericht geben. Die In­haber der Nummern 30,029 und 30,030 (Haupt­treffer) hatten sich nämlich vor Zeugen dahin ge­einigt, im Falle des Gewinnes jedes Mal Halb­part zu machen. Nun soll aber der glückliche Ge­winner die ganze Abmachung für Scherz erklärt haben, während der Besttzer von 30,029 seinen Anspruch voll und ganz aufrecht erhält. Da die goldene Säule einen Werth von 100,000 Mark hat, so wird wahrscheinlich die Frage zur gericht­lichen Entscheidung gelangen, ob dergleichen pri­vate Abmachungen überhaupt rechtlich gültig sind. Für die Säule soll sich übrigens schon ein Käufer gemeldet haben.

Hersfeld, 27. September. Ueber den Versandt

Vernichtende Blicke streiften die vor Schreck Er­starrte. „Wo hast Du gesteckt?' flüsterte die Herrin.

_ „Frau Rath," stammelte sie; „ich hatte die Semmel vergessen!"

Fräulein von Gleichen entfernte sich zuerst vom Kampfplätze und setzte ihren herabgefallenen Klemmer wieder auf. Sie betrachtete die Scene mit sichtbarem Wohlgefallen und schien Studien eines Genrebildes zu machen. Die Räthin war bleich und athmete auf, als von allen Seiten ein schallendes Gelächter losbrach.

„Mutter," begann die Tochter gleich darauf mit lächelnder Miene und preßte die Hand der alten Dame so heftig, daß dieselbe mühsam den Schmerz verbiß; „wie kann man aber eine Torte auf die Erde stellen?"

„Liebstes Kind, ich hatte den flachen Zinnbe­hälter, welcher zur Aufnahme der Torte diente, zuvor auf dem Fußboden mit Eis füllen lassen und vermochte denselben hernach nicht mehr zu heben." —

Die späterhin folgende musikalische Aufführung eines Streichquartetts mißlang beinahe, weil Nie­mand seine Lachmuskeln in der Gewalt hatte. Man scherzte noch viel über den tragi-komischen Vorfall, selbst Asta und die Räthin mußten ein­stimmen, obgleich ihnen nicht derartig zu Muthe war. Erstere fürchtete die Spottlust böser Zungen und Letztere die scharfe Predigt ihrer Tochter.--

Der nächstfolgende Tag war ebenso still, als der vorhergehende geräuschvoll. Zank und Hader

geschossener Rebhühner schreibt das „Saals. Krsbl.": Es empfiehlt sich, geschossene Rebhühner vor ihrer Beförderung an die resp. Adresse auszuweiden, in­wendig mit Kochsalz auszustreuen und, wenn mög­lich, mit frischen Nesseln zu füllen: ist man aber mit solchen Hühnern beschenkt, bei denen dieses Verfuhren unterblieb, so benimmt man den während des Transports etwa entstandenen zweifelhaften Geruch am besten dadurch, daß man sie sofort nach Erhalt ausweiden läßt und alsdann heiße, viel­leicht noch etwas glühende Kohlen in das Innere legt.

* Hersfeld, 27. Sept. (Pferde-Verka us.) Donnerstag den 30. September Morgens 9 Uhr kommen auf dem Hofe der Artillerie-Kaserne zu Caffel 10 Stück Reit- und Zugpferde und Vor­mittags 101/2 Uhr auf dem Reitplatz der Garde du Corps-Kaserne daselbst 42 Reitpferde zum Ver- Verkauk.

* Hersfeld, 27. Septbr. Aus unserem Nach­bardorfe Friedlos klingt die Kunde von einer gräßlichen B l u t t h a t zu uns herüber. Gestern Abend gegen 9 Uhr fand man den übel beleu­mundeten Tagelöhner Georg Sauerwein dortselbst in anscheinend leblosem Zustande vor seiner Hausthüre. Der Mann war schrecklich zugerichtet, eine klaffende Wunde am Schädel und verschiedene Knochenbrüche waren ihm beigebracht. In seine Behausung geschafft, verschied er als­bald, ohne zum Bewußtsein zurückgekehrt zu sein. Die alsbald eingeleitete Untersuchung wird Näheres über den Thatbestand ergeben. Ob die des Mordes verdächtigen und deshalb alsbald gesänglich eingezogenen Angehörigen des rc. Sauerwein (dessen Frau und Stiefsohn Andreas Schneider) die That begangen haben, oder ob dem 2c. Sauerwein auf einer Diebsfahrt so übel mitgespielt worden ist, ist noch nicht festge­stellt.

* Der Amtsrichter Freiherr zu Iu n - und Kn yp - Hausen in Karlshafen ist als Landrichter an das Landgericht zu Neuwied versetzt.

t Unterhalt«, 27. September. Am 25. d. M. hatte sich die 9jährige Tochter des Taglöhners Georg Schäfer dahier in ihrer elterlichen Wohnung während der kurzen Abwesenheit einer älteren Person dem Feuer- Heerd genähert, um daselbst Kartoffeln zu kochen; bei dieser Gelegenheit wurden jedoch die Kleider des Kindes von dem Feuer ergriffen, wodurch dasselbe derartige Brandwunden erlitt, daß seine Ueberführung ins Landkrankenhaus nach Hersfeld angeordnet werden mußte. An dem Wiederaüs- kommen des Kindes wird gezweifelt.

Caffel, 25. September. Vorgestern wurde auf der Effenbahnstrecke tzofgeismar-Grebenstein ein aus Grebenstein gebürtiger Straßenarbeiter von der Locomotive erfaßt und überfahren.

Caffel, 23. Septbr. (Strafkammer.) Friedrich Wilhelm Müller, Cigarrenmacher aus Weißenfels, vielfach bestraft, wegen Betrug ange­klagt, lag im Jahr 1881 mit dem Dienstknecht Konrad Schneider aus Rengshausen, 65 Jahre alt, zusammen im Krankenhaus zu Hersfeld. Beide wurden zusammen entlassen. Angeklagter hatte herausbekommen, daß Schneider im Besitz von 60 Mark war, die sich derselbe für sein Alter müh­sam erspart halte, und schwindelte Schneider vor, er brauche die 60 Mark, um ein Cigarrengeschäft

zwischen Asta und ihrer Mutter hatten die gestrige Feier beschlossen. Nach fünf Uhr klingelte es — Elisabeth, welche zufällig im Zimmer war, sah hinaus. Ein junger Mensch fragte nach ihrem Namen und bestellte, es sei unten im Hausflur eine Dame, welche sie zu sprechen wünsche. Sofort folgte die Frau und blickte verwundert dem schnell davoneilenden Burschen nach; als sie unten ange­langt, war er fort. Von der entgegengesetzten Seite aber schritt eine Dame auf sie zu. Beide blieben plötzlich in kurzer Entfernung von einander stehen. Die Fremde!' streckte die beiden Arme ent­gegen und sagte in vibrirendem Tone:

„Elisabeth, mein Kind!"

„Mutter? 0 Gott meine Mutter!* rief die An- geredete und sank fast zusammen unter der Schwere des Augenblicks. „O meine Mutter!" schluchzte Lisbeth und schlang ihre Arme um den Hals der Weinenden. „Wie lange konnte ich doch diese lieben Worte nicht aussprechen — es ist viel Böses zwischen uns aufgewachsen, doch dieser ein­zige Augenblick tilgt wohl zwischen uns beide alle Schuld; willst Du mir verzeihen?"

„Mein armes Kind, Dir gebe ich Verzeihung aus tiefstem Herzen;" sie betonte das Dir merk­würdig scharf und fügte hinzu: „sei Alles vergessen, was geschehen."

„Habe Dank, Mutter!" sagte die Tochter bewegt und küßte die Hand derselben.

„Wie lange bist Du hier? wie bleich und ab­gehärmt Du aussiehst! bist Du krank?"

„Seit vier Monaten bin ich hier. (F. f.)