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Beilage zur Nr. 113 des Kreisblatts.

Hersfeld, den 25. September 1886.

Vermischtes.

Frankfurt. Ein Commis war von seinem Principal zu armen Leuten geschickt wor­den, um eine kleine Schuld von M. 4,50 einzu- cassiren und mit der Pfändung zu drohen. Der junge Mann überzeugte sich von der großen Dürf­tigkeit der Leute und bezahlte die Summe aus seiner Tasche, ohne feinem Principal ein Wort da- von zu sagen. Als der Letztere durch Zufall von derfalschen Weichherzigkeit" seines Angestellten erfuhr, überhäuste er den jungen Menschenfreund mit hartem Tadel und entließ ihn, als er seine Handlungsweise zu begründen wagte.

Dortmund, 18. Septbr. Ein bedeuten­der Industrieller wollte sich vor einiger Zeit an einer Submission in Frankreich betheiligen und hatte sich deshalb brieflich um Auskunft an den Maire der betreffenden Stadt gewendet. Der Maire, offenbar ein Mitglied der Patriotenliga, antwortete auf die Anfrage folgendermaßen:Ich bin gern bereit, Ihnen die gewünschten Bedingungen zu übersenden, aber nur gegen Eintausch eines kleinen Stückes von Elsaß oder Lothringen nach Ihrer Wahl. Ich grüße Sie mit der Hochachtung, welche Ihnen gebührt. Der Maire L." Das Pariser Patriotenblättchen, welches diesen Brief­wechsel abdruckt, thut dies unter der Spitzmarke: Nachahmenswerthes Beispiel" und meint zum Schluß, man könne den Bürgermeister von B. vegen seiner patriotischen Antwort nicht genug be­glückwünschen. Dieses kleine absolut wahre Ge- schichtchen zeigt recht deutlich, bis zu welchen Albern- »en sich selbst französische Behörden in ihrem anchetaumel hinreiben lassen.

Nicht nur in Berlin und anderen großen Städten, sondern auch in kleineren, so in Heidel­berg, sindP r i v a t - B e s ö r d e r u n g s - A n - st alten" tn's Leben gerufen worden. In Heidel­berg steht ein Kaufmann Arnold an der Spitze der X^M'te^^

allen Stadttheilen find Markenverkaufsstellen und Briefkasten angebracht. Der Sohn des Arnold wird in Mannheim, ein dritter Herr in Frank­furt a. M. eine solche Anstalt^ errichten.

Mühlhausen, 19. Septbr. Ein grau­siges Berbrechen ist am Mittwoch in Hirz- felden bei Ensisheim verübt worden, indem der Schleusenwärter Biehler seine Frau, die Mutter von fünf unmündigen Kindern war, erschossen hat. Biehler soll schon mehrere Male geisteskrank und im Irrenhause gewesen sein; es ist also anzuneh- men, daß er die That in einem Anfälle von Wahn­sinn ausgeübt habe. Biehler suchte sich durch einen Revolverschuß selbst das Leben zu nehmen, doch brächte er sich nur eine Wunde am Arme bei. Er wurde gebunden und in das Gefängniß nach Ensisheim gebracht. Bon den Kindern ist das jüngste erst l*/2 Jahre alt.

Gießen, 20. Sept. Gestern Vormittag er­schoß sich der Unterofficier Ernst Wiegand von dem hier einquartirten Infanterie-Regiment Nr. 81 in seinem Quartier mittelst seines Dienstgewehrs und einer scharfen Patrone. Die Kugel ging dem Lebensmüden durch den Mund und der Schädel­decke hinaus und war der Tod sofort eingetreten. Motive zur That sind nicht bekannt.

Aus Westfalen, 20. Septbr. In Voerde bei Hagen hat sich gestern ein schreckliches Unglück ereignet. Die zweijährige Tochter eines dortigen Specereihändlers riß eine Petroleumlampe um und das brennende Oel ergoß sich über das Kind, dessen Kleider sofort in lichten Flammen standen. Bei dem Versuch, die Flammen zu löschen, geriethen auch die Kleider der zwanzigjährigen Schwester des Mädchens in Brand, die in ihrer Angst über die Straße in ein Nachbarhaus stürzte, dadurch das Unglück selbstredend noch verschlimmernd. Beide erlitten so furchtbare Brandwunden, daß sie noch im Laufe der Nacht nach entsetzlichen Qualen ihren Geist aufgaben.

Tölz, 15. Septbr. Gestern Nachts wurde der seit kurzer Zeit dahier stationirte Gendarm Neuner im nahen Stallau von einem Wilderer erschossen. Neuner war mit einem Eollegen auf der Patrouille, als sich ihnen im Walde hart an der Straße zwei Wilderer entgegenstellten, von denen der eine sofort auf den Begleiter Neuners schoß, ohne jedoch zu treffen. Nach wenigen Schritten Verfolgung kehrte sich ein Wilderer um und schoß den pflichttreuen Gendarm in den Unter­leib. Als der Bezirksarzt erschien, war Neuner

bereits todt. Von den Thätern ist leider bis jetzt keine Spur vorhanden.

Ä Lübeck. Der Oberarzt am hiesigen Kranken­hause Dr. Hinkeldeyn, als tüchtiger Chirurg be­kannt, ist, ein Opfer seines schweren Berufs, an Blutvergiftung gestorben.

Der vor kurzer Zeit aus seiner Festungs­haft in Rastatt entwichene Lieutenant H e l l w i g wohnt gegenwärtig, lautZüricher Post", in Bendlikon bei Zürich, wo er sich um das Bürger­recht bewarb, eine Villa miethete und sich in nächster Zeit mit der Wittwe des von ihm erschossenen Kameraden zu verehelichen beabsichtigt.

London, 23. September. DemReuter- schen Bureau" wird aus Mandalay vom 22. d. gemeldet: Als heute früh die Thüren der öffent­lichen Wohlthätigkeitsanstalt geöffnet wurden, um Lebensmittel an die von der jüngsten Ueberschwem- mung Betroffenen zu vertheilen, stürzte sich ein Haufe Nothleidender gewaltsam gegen die Thüren, wobei 12 Personen zertreten und 8 verwundet wurden. Fast 6000 Personen empfingen im Laufe des gestrigen Tages Lebensmittel.

(Schießversuche auf einenBallon.) Aus London wird geschrieben: In Lyd wurden in der letzten Zeit von den Officieren des Chatamer Ballonkorps zahlreiche Versuche mit Luftballons für Kriegszwecke angestellt. Besonders wurde auch die Gefahr, welche den Ballons von der feindlichen Artillerie droht, untersucht und zu diesem Zwecke ein aus sehr widerstandsfähigem Material yerge- stellter Ballon als Zielscheibe benutzt. Man ließ ihn etwa 2000 Fuß hoch steigen und feuerte dann Schrapnells aus einem 12 Pfänder auf ihn. Die Schrapnells kamen bis dicht an den Ballon heran, ohne ihn jedoch zu beschädigen.

Die mit Electrizität getriebene NachtV o l t a" hat am Montag die Fahrt über den Canal von Dover nach Calais in 3 Stunden 51 Min. zurückgelegt.

^n>ii.EU m h p r n wird vom Mittwoch 22. September gemeldet: In der Bezirksstadt Kalusz brannten in vergangener Nacht 300 Häuser ab.

(E r d b e b e n a n d e r W e st k ü st e der Vereinigten Staaten.) Das Kabel berichtet aus New-Aork vom 21. September: Nach hier ein« gegangenen Nachrichten haben in den letzten Tagen in Summerville und Charleston abermals mehrere von Detonationen begleitete Erderschütterungen stattgesunden, in Charleston geriethen in vergange­ner Nacht die Häuser in eine so schwankende Be­wegung, daß die Einwohner ins Freie eilten.

Ueber eint ge Stre ik-Excesse wird aus New-Nork gemeldetFreitag Nacht wurde der Versuch gemacht, einen Signalthurm an der Lake Shore-Eisenbahn bei Town Lake, nicht weit von Chicago in die Lust zu sprengen. Nach der Ex­plosion fand man eine 20 Zoll lange Gasröhren- bombe und einige Packete Schießbaumwolle. Der angerichtete Schaden beträgt mehrere tausend Dol­lars. Man glaubt, daß streikende Weichensteller die That verübt haben. Es war ein Schnellzug fällig, und jedenfalls die Entgleisung desselben be­absichtigt. An Demselben Tage fuhren 28 Wagen der Illinois Central- über die Lake Shore-Bahn. Als der Zug über die Kreuzung fuhr, drehte ein Unbekannter die Weiche um, wodurch 15 Wagen entgleisten. Glücklicherweise kam Niemand ums Leben. Um Mitternacht wurde John Fagin, ein früherer Weichensteller, vei haftet, weil er versucht hatte, eine Weiche im Bahnhöfe von Chicago in der Absicht, einen Zug zur Entgleisung zu bringen, zu verstellen. Sein Genosse, ein gewisser Murphy, entkam.

Durch die Blätter läuft zur Zeit eine Mitthei­lung desNorth China tzerald" über eine selt­same Choleracur bei den Chinesen.Eines Morgens", heißt es in dieser Notiz,erkrankte einer der auf einem Dampfer beschäftigten Chinesen, anscheinend an der Cholera. Seine Freunde ließen sofort einen chinesischen Arzt rufen. Dieser brächte eine Schachtel mit, welche lange Nadeln enthielt, mit denen er den Patienten behandelte. Eine Nadel wurde dem Kranken unter die Kopfhaut in der Nähe der Schläfen eingeführt, eine zweite hinter die Ohren. Es floß sogleich Blut. Ebenso wurden Nadeln in seine Lippen, in beide Brust­seiten, zu beiden Seiten des Magens und an der Spitze desselben unter die Haut gestoßen. Dann schabte der Arzt dem Manne die Haut um den Hals ab, daß er roth wie ein Trutgahn aussah. Die Behandlung hatte den gewünschten Erfolg;

denn in wenigen Stunden war der Kranke wieder völlig gesund und verzehrte sein Mittagsmahl mit Appetit. Wir haben diese Behandlungsart außer­dem zweimal gesehen. In dem einen Falle floß schwarzes Blut, worauf der Arzt gleich sagte, daß der Patient wieder genesen werde, in dem anderen Falle starb der Kranke."

(Wirkung d e s E r d b e b e n s.) Mamie Markus, die Tochter eines pensionirten Osficiers der Bundesarmee in Savannah (Nordamerika), hatte als kleines Kind infolge einer Gehirn-Ent­zündung im Jahre 1864 die Sprache verloren und war seither stumm. Während des Erbebens, welches am 31. August stattsand, gerieth die Stumme in hochgradige Aufregung und fand plötzlich die Sprache wieder. Der Fall hat in medicinischen Kreisen großes Aufsehen gemacht.

(Der galante Pfälzer.) Mann (zu seiner Ehefrau): Was schielschte denn alsfort do nüwer uff de Seuftöpche zu? Nu, ich weeß scho, Du ischt'n halt gar so gern. (Heimlich.) Hör' mal! do huwe in Bahre loscht der Senf in keen Wärtshaus was das heeßt, wenn mer sich was dazu aus der Küche gewe läßt. (Laut) tze Kellne­rin!" Kellnerin:Was schaff'» S'!" Mann: Bring Se daher zwee Paar Wärscht." Kellne­rin (durch's Küchensenster rufend):Zwoa Paar G'selchti, wärmt, auf's Teller!" Frau:Awer lieber Mann, was machscht Du denn? so unner der Zeit e solchi Ausgad! * Mann:Wäschde, Dir zu lieb thu ich Alles! Jetzt mach nur kee Umstand nit un laß Dir's schmecken; D u ischt dm Senf und I ch' die Wärscht'."

(Ein merkwürdiger Schwindler.) Folgender Fall ereignete sich auf der Tanya eines Arader Einwohners. Ein durch seine Trägheit bekannter Beres wollte während der großen Hitze die Arbeit los haben und entschloß sich, ein wenig zu sterben. Gedacht, gethan: Er begann große Schmerzen zu simuliren und unter fortwährendem Jammern legte er sich auf sein Lager, wo ihn die Hausleute todt auffanden; er athmete nicht mehr und gab auch sonst kein Lebenszeichen von sich, so daß sein Herr bereits den Wagen zur Stadt sandte, um den Leichenbeschauer zu holen. Wäh­rend aber das übrige Gesinde auf den Arbeits­plätzen war, erhob sich der Todte leise von seinem Platze und, getrieben von seinem lebendig geblie­benen Magen, begab er sich in die Vorrathskammer, wo er sämmtliche vorräthige Sauermilch austrank. Gerade mit dem letzten Kruge beschäftigt, hörte er den Herrn in sein Zimmer zurückkehren und flugs machte er sich wieder auf seinen Platz, um abermals todt zu sein. Der Herr, durch das Ge­räusch aufmerksam gemacht, trat an das Todlen- bett heran und war nicht wenig überrascht, auf dem Schnurrbarte des Verstorbenen eine dicke Schicht frischer Schmette zu finden. Anfangs glaubte er, daß jemand freventlicher Weise die Leiche geschändet habe und ein kräftiger Fluch ent­fuhr seinen Lippen. Das brächte jedoch den Todten aus seiner Rolle und unwillkürlich verzog er den Mund, als wolle er den Rahm vom Schnurrbart saugen. Das genügte, der Herr wußte nun, wo­ran er war. Einen im Handbereich befindlichen stock ergreifend, versetzte er dem Todten einen solchen Hieb, daß dieser sofort aus dem Jenseits zurückkehrte und Hurtig aufspringend durch eilige Flucht seine Haut in Sicherheit brächte. Der stirbt gewiß nicht mehr, bevor er muß.

Eine seltsame Logik liegt in folgender Warnung eines süddeutschen Kunstbutterfabrikanten, der bekannt macht:Meine Dosen, Kübel und übrigen Gefäße enthalten an deutlich sichtbarer Stelle das obige Fabrikzeichen eingebrannt, wenn dieses Zeichen fehlt, so ist die Kunstbutter gefälscht."

(Vor d e m P o l i z e i g e r i ch t.)Ange­klagter, zum Drittenmale stehen Sie in diesem Jahre vor Gericht, was hat Sie dieses Mal hier- her geführt?"tzerr Präsident, ein Gendarm."

Rheinische Eisenbahn4 pCt.Prior i- täten von 1869 und 1871/72. Die nächste Ziehung findet im October statt. Gegen den Coursverlustwon ca 3$/4 pCt. bei der Auslassung übernimmt das Bankhaus Carl Neuburger, Berlin, Französische Straße 13, die Versicherung für eine Prämie von 7 Pf. pro 100 Mark.

Fruchtpreise.

Weizen 100 Kilogr. 15 M- Pf. bis 15 M. 50Pf. Roggen 100 Kilogr. 13 M. 33 Pf. bis 14 M. - Pf. Gerste 12 M. - Pfg. bis 13 M. 21 Pf. Hafer 100 Kilogr. 10 M.- Pf.bis 11 M. - Pf.