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^ RAM von sich, die Lampe lag umgestürzt | auToem Tische fund hatte sich das in Brand ge­rathene Petroleum über das Sopha ergossen. Die Kinder lagen in ihren Betten mit gerötheten Ge­sichtern, aber ohne ein Lebenszeichen von sich zu geben, der Qualm hatte sie erstickt. Der sofort herbeigerufene Arzt Dr. Emil Schantz konnte nur constaltren, daß bei allen Dreien der Tod bereits eingetreten war. Die gleichzeitig alarmirte Feuer­wehr löschte den Brand in wenigen Minuten. Man giebt einer Katze, welche die Lampe umge- stoßen haben soll, an dem Unglücke Schuld.

— (Eine frevelhafte Wette.) Von der allen Eisenbahnbrücke in Frankfurt sprang am Freitag Abend ein junger Ausländer im Alter von etwa 19 Jahren in den Main. Es handelte sich um eine Wette. Seine Freunde hatten ihm nicht den Muth zuerkannt, daß er den Riesensprung wage. Der junge Mann gewann die Weite und brach dabei den linken Fuß. Vermittels bereitste- Haltener Nachen wurde der kühne Springer, der eine Frankfurter Lehranstalt besucht, an's Land gebracht, wo er in eine bereitstehende Droschke ge­hoben wurde.

— (Gegen die Schwindsucht.) Aus Berka a. d. Jkm wird der „Leipz. 3tg* gemeldet: In den letzten Tagen wurde hier aus der Harth der Versuch gemacht, Brustleidende auch Nachts im Walde schlafen zu lassen. Auf Anrathen des hiesigen Badearztes fand sich eine kleine Gesell­schaft von Curgästen (zwei Damen und drei Herren) aus Schloß Rodberg bereit, im Walde zu nächtigen. Hängematten, welche sonst nur des Tages über im Walde gebraucht werden, brächte man nun mit einigen Kissen und Decken ausgestattet zur nächt­lichen Ruhe zwischen den Baumstämmen an und die kleine Gesellschaft bezog voll Erwartung und Vertrauen diese neuen Nachtquartiere. Ein Wächter mußte den Ruheplatz beobachten und vor Störungen beschützen. Dieser Versuch ist nun vollständig ge­lungen, denn die Kranken haben besser als sonst in ihren Zimmern geschlafen und sich nachher äußerst wohl befunden, ein Ereigniß, dem von Seiten unserer Curgäste die gerechte Ausmerksam- keit geschenkt wird. Man denkt daran, diesen nächt­lichen Waldausenthalt für Brustleidende in curge- mäßer Weise einzurichten, und unser Badearzt wird zu geeigneter Zeit der ärztlichen Welt die erforderliche Mittheilung über diese Neueinrichtung machen, welche die Beachtung der betheiliglen Kreise in hohem Maße zu verdienen scheint.

— Nordhaujen, 15. September. D i e egyptische Augenkrankheit grassirt in­folge der lang andauernden Dürre und Hitze in mehreren Ortschaften unserer Gegend, hauptsächlich in der anliegenden goldenen Aue. Im Nachbar­orte Roßka kann wegen dieser ansteckenden Augen- krankheit bereits der dritte Theil der Schulkinder die Schule nicht besuchen.

— Mannheim. Hierselbst wurde eine inter­nationale Bande von Taschendieben festgenommen, bestehend aus 4 Personen: einem Spanier, einem Belgier, einem Schweizer und einem Italiener.

— München. Der im Jahre 1871 wegen Feigheit zum Tode verurtheilte und dann zur Zuchthausstrafe begnadigte Oberleutnant Oskar Freiherr von Waldenfels ist in Waldmünchen gestor­ben. Waldenfels war Oberleutnant im 7. Infan­terie-Regiment. Um den Kugeln auszuweichen, nahm Waldenfels die Stelle eines Mühljungen an und in dieser Tracht wurde er auch verhaftet.

— W e t n s b e r g. Am Sonnabend wurde hier das dem Dichter Justinus Kerner gesetzte

Denkmal feierlich enthüllt. Der Tag war der 100jährige Geburtstag des Dichters.

— Beuthen, Oberschlesien, 18. September. Hier ist die städtische Verwaltung in der günstigen Lage, die Communal-Einkommensteuer von 260 auf 250 Procent herunterzusetzen, weil die massen­haft erfolgte Bewerbung um eine erledigte Lotterte- collectur, bei welcher der Nachweis eines Vermögens von 60000 Mark erforderlich ist, mit einem Schlage den Nachweis geliefert hat, daß die Zahl der Kapitalisten, welche zur Einkommensteuer heran- zuziehen sind, erheblich größer ist, als man bisher angenommen hatte.

— Temesvar. Großes Aussehen erregt hier seit einigen Tagen ein mondsüchtiger Schuh­macherlehrling, namens Jeseph Hellberger in der Vorstadt Fabrik. Bei herrschendem Vollmond ver­läßt dieser 15jährige Bursche kurz vor Mitternacht sein Lager und klettert mit geschlossenen Augen auf die Dächer mit einer fast verblüffenden Sicher­heit. Sein nächtliches Treiben zur Zeit des Voll­mondes wurde vor drei Monaten zum erstenmale beobachtet. Erst vor mehreren Wochen wurde der Bursche einer electrischen Cur, jedoch ohne Erfolg unterzogen.

— Wien. Im nahen Hütteldorf wurde ein junger Mann von einer Fliege in die Lippe ge­stochen. Letztere schwoll heftig an und es wurde binnen wenigen Stunden eine Operation noth­wendig. Doch auch diese war nicht im Stande, die üblen Folgen abzuwenden; der Patient starb am folgenden Tage an Blutvergiftung.

— (Die Cholera in Ungarn.) Aus Pest liegen über den Stand der Cholera günstigere Nachrichten vor. Das Sterblichkeitsverhältniß hat sich gebessert und die Stimmung des Publikums ist beruhigter. Die Sanitätscommission waltet ihres Amtes und ist es erschreckend, welche Miß­stände jetzt aufgedeckt werden. Das „Schubhaus" und das Polizeigefängniß sind wahre Seuchenheerde, in ersterem brach die Krankheit aus.

— Troppau. Der Wirthschafter Schäfer in Heinzendorf erschoß seine siebzigjährige Mutter, die Ausgedingerin Karoline Schäfer, weil er ihr eine Schuld von 500 Gulden abgeschworen hatte und sie gegen ihn in der für den 29. September anberaumt gewesenen Schwurgerichtsverhandlung als Hauptzeugin austreten wollte. Schäfer ver­wundete auch seinen Schwager durch einen Schuß. Ein entsetzliches Familienbilbl

— (Eisenbahnunglück.) Gestern Vor­mittag entgleiste bet der Station Liuban (Peters­burg-Moskaubahn) der letzte Wagen III. Klasse des von Bologoje nach Petersburg gehenden Per- sonenzuges und stürzte den 4 Faden hohen Bahn­damm herab. Nach den bisherigen Ermittelungen sollen dabei 31 Personen theils leicht, theils schwer verletzt sein.

— (Von einem Wohlthätigkeits- Lazar.) Aus London wird geschrieben: „Vor Kurzem fand hier ein Bazar zum Besten der Ar­men statt, und da die Bouqaets und Cigarren zu horrenden Preisen nicht recht ziehen wollten, wag­ten einige Damen ein äußerstes Mittel und lieb tirten Küsse um den Preis von je 2 Pfd. St. Das Geschäft begann sich zu heben; plötzlich sah die junge Herzogin von Marlborough ihren Gatten des Weges kommen und rief ihm zu: „Geschwind, zahle Deine 2 Pfund und nimm Dir den Kuß." Der Herzog blieb stehen und sagte unter allge­meinem Gelächter: „So werfe ich das Geld nicht zum Fenster hinaus; ich zahle nicht 2 Pfund für etwas, das ich jede Secunde gratis haben kann."

— (Eine Reise nach Amerika in zehn Stunden.) In einem englischen Familtenblatte wird die Frage besprochen, in welcher Zeit der schnellste Vogel der Erde die Reise von England nach Amerika zurückzukegen im Stande sei. Der Fregaitenvogek gilt als schnellster Flieger; doch ist es bisher nicht möglich gewesen, seine Flugge­schwindigkeit genau zu messen, da man eben beim Fregattenvogel nicht wie z. B. bei Tauben, Schwal­ben 2C„ im Stande war, denselben eine abgegrenzte Strecke durchstiegen zu lassen, um hieraus dessen Fluggeschwindigkeit berechnen zu können. Von der Thurmschwalbe hingegen wird bestimmt ange­nommen, daß dieselbe im Stande sei, mit einer Schnelligkeit von ungesähr 512 Kilometern in der Stunde durch die Luft zu gleiten; und da der Fregattenvogel ein bedeutend schnellerer Flieger ist als die Thurmschwalbe, so dürfte dessen Flügge» schwindigkett mit 580 Kilometern nicht überschätzt sein. Setzt man nun den Fall, daß der Fregatten­vogel diesen schnellen Flug für mehrere Stunden beibehalten kann, was zu bezweifeln man keinen Grund hat, so könnte er, selbst wenn seine Flug­geschwindigkeit sich nach den ersten fünf Stunden auf 570 Kilometer verringern würde, die Reise von England nach Amerika (ungefähr 5500 Kilometer) in 10 Stunden zurücklegen, also 16 mal schneller als der schnellste Amerika-Dampfer._____________

Cöln-Mindener Eisenbahn 4 p C t. Prioritäten Serie VI. B. Die nächste Ziehung findet im October statt. Gegen den Coursverlust von ca. 33/4 pCt. bei der Auskoo- sung übernimmt das Bankhaus Carl Neubur- g e r, Berlin, Französische Straße 13, die Ver- stcherung für eine Prämie von 6 Pf. pro 100 Mark.

Standesamtsbezirk Hersfeld.

Vom 1. bis incl. 15. September 1886.

Eheschließung« n.

Am 4. Christoph Schmidt, Fabrikarbeiter mit der Fa­brikarbeiterin Maria Wolss dahier. — 6. Friedrich Schulz, Tagelöhner mit der Wittwe des Tagelöhners Franz Hetz dahier. — ll. Christian Pfaff, Schneider mit ver Cigar» renmacherin Eoa Otterbein dayier. — 14. Wilhelm Hein­rich Langbartels, Büreaubeamter mit Catharina Elisabeth Göbel dahier.

Geburtsanzeigen.

Am 2. Heinrich August, S. des Schneiders Conrad Gömpel. — 3. Anna Catharina, T. des Fabrikarbeiters George Jckler zn Kalkobes. Elisabeth, T. des Küfers und Bierbrauers Johann Friedrich Eduard Kahl. — 5. Jo­hannes, S. des Rohrflechters Philipp Quentel. Anna, T. des Dienstknechts Adam Nudolph zu Allmershausen. Marlha Bertha, T. des Landbriesträgers Friedrich Nöding. Johannes Carl, S. des Metzgers Avam Rechberg. — 7. Johannes, S. des Schlossers Otto Umfahrer. Emilie Elise, T. des Oeconomen Friedrich Friedrich. — 8. Jo­seph, S. des Tagelöhners Balthasar Klug. — 9. Michael, S. des Fabrikarbeiters Jacob Brandau. — 11. Eine T. des Kausmanns Georg Waldeck. — 15, Anna Catharina, T. des Maurers Heinrich Hildebrand zu Kalkobes.

S t e r b e f ä l l e.

Am 2. Carl Wenige, Kausmann aus Gotha, 61 Jahre alt. — 6. Peter Heinrich, S. des Sattlers Carl Müller, 1 Jahr 3 Monate alt. — 7. Wilhelmine Catharina, T. des Kaufmanns Bernhard Carl Friedrich Ludwig Otto. 2 Monate alt. Mina, T. der unverheiratheten Dienstmagd Catharina Kneißel, 3 Monate alt. — 10. Marie Hebwig, T. des Kaufmanns Peter Möller, 9 Jahre alt. — 12. Ein Sohn des Tuchsabrilarbeiters Wilhelm Busch, todtge­boren. — 13. Johannes, S. des Schuhmachers Conrad Henning, 11 Monate alt. — 15. Christiane Johanne, T. des Fabrikarbeiters Carl Friedrich Wilhelm Graf, 2 Mo­nate alt.

Weizen 100 Kikogr. 15 M. — Pf. bis 15 M. 70Pf. Roggen 100 Kikogr. 13 M. - Pf. bis 14 M. 16 Pf. Gerste 12 M. - Pfg. bis 13 M. 21 Pf. Hafer 100 Kikogr. 10 M — Pf. bis 12 M. — Pf.

König! Gymnasium und Real-1 progymuasium zu Hersfeld.

Das Wintersemester beginnt Montag den 11. Oktober, an welchem Tage morgens von 8 Mr ab die Aufnahmeprüfung im Schulgebäude stattfindet. Den Anmeldungen sind beizufügen:

1) der Geburtsschein,

2) der Impfschein und bei zurück­gelegtem 12. Lebensjahr außer­dem der Wiederimpfschein,

3) das Abgangszeugnis der zuletzt besuchten Schule, bezw. die Zeugnisse der Privatlehrer.

Die Wahl der Wohnung bezw. Pension für auswärtige Schüler unterliegt der Genehmigung des Unterzeichneten.

Der Direktor:

Dr. Duden,

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