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Kc Neider Krcisdllitt.
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Nr. 112. Donnerstag den 23. September 1886.
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Die Expedition.
Aus dem Reichstage.
Berlin 20. September. Der Reichstag hielt heute eine kurze Sitzung, in welcher der deutsch-spanische Handelsvertrag ohne weitere Diskussion in dritter Lesung definitiv genehmigt wurde. Nach den üblichen Dankesworten an den Präsidenten für die unparteiische Geschäftsleitung, verlas Staatssecretair des Reichsamts von Boetticher die kaiserliche Ordre, d. d. Straßburg i/@lf., 18, September, durch welche derselbe ermächtigt wird, die gegenwärtige außerordentliche Session des Reichstages am 20. September im Namen der verbündeten Regierungen zu schließen. -Mit einem vom Präsidenten ausgebrachten Hoch aus Se.
(Nachdruck verboten.)
Auf den Wogen des Lebens.
Novelle von E. Schlegel.
(Fortsetzung.)
„Wohringer ist entweder ein abgefeimter Schurke, oder der Erste, der es gut mit uns meint, sagte Olrich. Man wird confus, sobald er spricht; es hat mir auch heut' vielerlei nicht gefallen, und doch wie nimmt er sich meiner an!"
„Hat man unseres Contractes erwähnt, lieber Franz?"
„Wo war denn Zeit dazu? ich werde doch den Mann nicht an solche Lappalien mahnen, wo er meine Proceßsache gegen Oppen in der Weise be- denkt — ungefähr zwanzig Thaler hat er wieder ausgelegt; er weiß freilich, das Geld ist ihm sicher, aber es ist doch hübsch, daß er es jetzt aus seiner Tasche bezahlt."
„Mag sein! und wie denkst Du über Elisabeth?" forschte die Mutter.
„Thue, wie Du willst, Johanna; ich überlasse es Dir vollständig. Folge Deinem Herzen und bestimme Deinen Plan. Nur vergiß nicht die Bedingung, welche sich an Lisbeth's Kommen knüpft."
„Wenn sie aber nun nicht darauf eingeht?"
„Dann bleibt sie, wo sie ist! doch sei versichert, Noth lehrt beten."
Seine Frau schien diese Meinung nicht ganz zu theilen und sagte leise und langsam:
„Sie hat Deinen Eisenkopf und Deinen unbeugsamen Willen."
Majestät den Kaiser, in welches die Mitglieder des Hauses stehend dreimal begeistert einstimmten, schloß um 12 Uhr 20 Minuten die Sitzung'
Politische Nachrichten.
(Deutschland.) Die Kaisertage im Elsaß sind zu Ende; Se. Majestät der K a i s e r hat bereits am Sonntag Straßburg verlassen und ist nach Baden-Baden übergesiedelt; der Kronprinz ist am Montag in Stellvertretung seines kaiserlichen Vaters nach Metz gereist, wo er aufs glänzendste empfangen wurde und von wo aus er sich am Dienstag zum Besuche seiner Familie nach Genua begab.
Prinz Ludwig von Bayern ist am Freitag zum Chef des preußischen L.niederschlesischenJn- fanterie-Regiments Nr. 47 ernannt und wohnte schon am Abend desselben Tages in der Uniform des ihm verliehenen Regiments einem Theezirkel bei Sr. Majestät dem Kaiser bei.
Se. Majestät der Kaiser hat nach Abschluß der Manöver an den mit der Führung des 15. Armeecorps beauftragten Generallieutenant v. Heu- duck eine Cabinetsordre gerichtet, in welcher er demselben seine „volle und ganze Zufriedenheit" mit den Leistungen der ihm unterstellten Truppen ausspricht und ihn zugleich beauftragt, auch den Generalen, Officieren und Mannschaften der an den Herbstübungen betheiligten Truppentheile seinen Dank für die tüchtige Art, wie sie sich bewährt haben, zu übermitteln. General von Heuduck hat den Rothen Adler-Orden 1. Klasse mit Eichenlaub und Schwertern am Ringe und mit dem Emaillebande des Königlichen Kronen- Ordens erhalten.
Nachdem am Montag der Reichstag der Verlängerung des deutsch-spanischen Handelsvertrages in dritter Berathung zugestimmt, hat am selben Tage auch der Bundesrath darüber beschlossen
„Schon gut; ohne Scheidung — nimmermehr! ich begrüße diese Gelegenheit mit Freuden, vielleicht gelingt es jetzt, sie von diesem Manne loszu- ketten. So kommt's aber, wenn die jungen Dinger hoch hinaus wollen — eine standesgemäße Heirath ist zu prosaisch, das muß aus höheren Kreisen ein solch' vornehmer Taugenichts sein — später hat man die Bescheerung und ist Großvater dazu!"
Die Mutter fügte sich. Wie allabendlich, so begann auch heut' ein Jeder seine Beschäftigung für sich, Hedwig arbeitete das Pensum der Schulaufgaben, welches bald absorbirt war; sie besuchte nur die Dorfschule, welche den Ansprüchen ihres Vaters ziemlich genügte. Ein Mädchen meinte er, brauche nicht viel mehr zu verstehen, als Wirthschaft und Küche, um eine gute Hausfrau zu werden. — Nach stundenlangem Schweigen brächte Frau Johanna die Angelegenheit mit Elisabeth zum festen Beschluß, und man beabsichtigte dieselbe in kommender Woche aufzusuchen.
Drittes Kapitel.
Elisabeth Scherler hatte, um die Forderung jenes Mannes zu tilgen, ihre silbernen Eßlöffel hervorgesucht, um dieselben bei einer Tante als Pfand niederzulegen und Geld dafür in Empfang zu nehmen.
Lange betrachtete sie den Gegenstand, der vor ihr auf dem Tische lag. „Mein Letztes," flüsterte sie; doch plötzlich zog sie hastig vom Finger der rechten Hand zwei Ringe, darunter der Trauring,
und ist der Vertrag sogleich dem Kaiser zur Unterschrift zugesandt worden.
Nach den mit dem Staatssekretär v. Bötticher gepflogenen Verhandlungen werden die Arbeiten für den Nord-Ostsee-Kanal im Wege derVerdin- gung ausgegeben und in Theile von 3 bis 5 Millionen Mark zerfallen.
Der „Reichs-Anzeiger" veröffentlicht eine kaiserliche Verfügung, welche das Gesetz über die Con- sular-Gerichtsbarkeit für das Schutzgebiet der Marshall-, Braun- und Providenz-Jnseln in Kraft setzt.
Der Staatssecretair des Reichsschatzamts, Herr v. Burchardt, welcher im Frühjahr nicht unbedenklich erkrankte, ist jetzt so weit wiederhergestellt, daß er seine Amtsgeschäfte in vollem Umfange wieder aufnehmen konnte.
(Oesterreich-Ungarn.) Kaiser Franz Joseph wird Ende des Monats zur Hochzeit des Erzherzogs Otto mit der Prinzessin Maria Joseph« nach Dresden reisen.
(Frankreich.) Da die Finanzlage nicht die beste ist, so war davon die Rede, der Finanzminister C a r n o t werde zurücktreten und sein Rücktritt noch den mehrerer seiner Ministercollegen nach sich ziehen. Das jetzige Ministerium Freycinet ist zu gleichen Theilen aus Radikalen und ehemaligen Gambettisten zusammengesetzt und bietet mithin ein treues Abbild der gegenwärtigen Kammermehrheit. Die Blätter beider Gruppen sprechen denn auch dafür, an dieser Zusammensetzung nicht zu rütteln.
(England.) Wie Tonktn die wunde Stelle der französischen, so ist B t r m a der Wundfleck der englischen Colonialpolitik. Zur endlichen Bewältigung der Aufständischen ist nun General Macpherson nach Birma als Oberkommandirender entsandt worden. Auf 17 Dampfern und 24 Flachbooten führt.er Verstärkungen dorthin. — Die irische Fabrikstadt Belfast ist am Sonntag
sie küßte denselben und sagte: „Auf baldig Wiedersehen."
Zurückgekehrt legte sie der Räthin fünf Thaler auf den Tisch. Verwundert schaute die alte Dame auf und fragte: „Was soll damit?"
„Es soll Dein sein, liebe Mutter," antwortete die junge Frau. „Ich wollt', ich könnte Alles gut machen, was Ihr für uns geopfert."
„Wo hast Du das viele Geld her, Elisabeth?"
„Von meiner Tante erhalten! ich trug ihr meine Löffel und Ringe hin," beichtete die Gefragte und zeigte die rechte Hand vor. „Man gab mir dort die verlangte Summe von fünfzehn Thalern; zehn erhielt jener Mann und guittirte unsere Schuld. Den mir bleibenden Rest gebe ich Dir, Mütterchen, nimm es an, bis ich einmal mehr habe — Weißt, Du sagtest, Deine Gardinen wären bereits schadhaft, ich habe noch fast neue von meiner Ausstattung — ich möchte sie Dir schenken, wenn Du dieselben annehmen würdest."
„Kind, Kind! Du bist mit Deinem Geben wieder leichtsinnig, und deshalb werdet Ihr nie etwas besitzen; man muß zusammenhalten und nicht zersplittern. Das Geld und die Gardinen nehme ich aber an und danke Dir, jedoch lab Dir meine Warnung gesagt sein. Wie stehen Deine Aussichten?"
„Mir ist halb und halb Stellung zugesichert in dem Geschäft, für welches ich arbeite."
„Aber Du willst doch nicht hier wohnen bleiben?"
„Nein, Mutter; laß mich nur erst definitiven Bescheid erhalten, dann finde ich auch Wohnung. Hiesr