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nsftlhtr Kreislillitt

Mit wöchentlicher Kratis-AeitageIssustrirtes Anterhaltungsölatt".

Nr. 110.

Sonnabend den 18. September

1886.

Abonnement-Einladung.

Mit dem 1. October beginnt ein neues Abonne­ment auf das wöchentlich 3 Mal erscheinende Hersfelder Kretsdlatt mit der wöchentlichen Gratis-Beilage Jllustrirtes Unterhaltungs-Blatt."

Wir bitten das Abonnement rechtzeitig erneuern zu wollen, damit bei Beginn des Quartals keine Unterbrechung in der Zustellung eintritt.

Der vierteljährliche Abonnementspreis für das »Kreisblatt" mit der wöchentlichen Gra­tis-Beilage »Jllustrirtes Unterhaltungs­Blatt" beträgt 1 Mark 40 Pf.

Neu hinzutretende Abonnenten erhalten das Kreisblatt" vom Tage der Bestellung an bis 1. October c. gratis und franco zugesandt.

ZMs° Inserate finden d i e weiteste Verbreitung und kostet die viergespaltene Garmond-Zeile oder deren Raum 10 Pf.

Die Expedition.

Amtliches.

Cassel, den 4. September 1886.

Ew. Hochwohlgeboren setze ich zur weiteren ge­fälligen Veranlassung ergebenst davon in Kennt­niß, ;daß ich den Vertrieb der Loose zu der von dem Herrn Oberpräsidenlen der Provinz Pom­mern dem Comits zur Erbauung einer Lutherkirche in Stettin zunächst für das Jahr 1886 gestatteten Ausspielung von Gold- und Silbergeräthen für

(Nachdruck verboten.)

Auf den Wogen des Lebens.

Novelle von E. Schlegel.

(Fortsetzung.)

Aber um Gottes Willen, was soll es mit uns für ein Ende nehmen, wenn's so fortgeht, Franz!"

Fortgehen kann es nun nicht mehr lange, das Ende findet sich von selbst!" entgegnete Olrich lakonisch.Geht dieses Geld hier auch verloren, so bleibtDir" noch eine Hypothek von fünftausend Thalern und ich schieße mir eine Kugel durch den Kopf."

Seine Frau zeigte ob der letzten Aeußerung nicht die geringste Erregung es war eine Redeweise, welche fast täglich als Punktum eines Gespräches benutzt wurde. Die krankhafte Reizbarkeit ihres Mannes überschritt oft die Grenze der Besonnen, heil; sie war an dergleichen Ausschreitungen ge­wöhnt und ertrug sie mit stiller Resignation.

Noch in derselben Nacht stellte sich bei Olrich das befürchtete Unwohlsein ein, welches ihn Tage­lang an das Bett fesselte. Es gab viel Unruhe, die Launen des Kranken beanspruchten viel Mühe und Geduld.

So vergingen fünf volle Tage, trotz der großen Unruhe, einförmig und langsam.

Die Reise der Frau Olrich mußte verschoben werden, und man hoffte nach Verlauf der Woche die Absicht vollführen zu können. Das Wetter hatte sich gebessert, der folgende Morgen, ein Sonntag, brächte Frost und Sonnenschein. Olrich

den Rest dieses Jahres auch innerhalb der Pro­vinz Hessen-Nassau gestattet habe. Die Zahl der auszugebenden Loose beträgt 150,000 und der Preis jedes Looses 1 Mark.

Der Ober-Präsident. I. V.: gez. Poten. An den Königlichen Regierungs-Präsidenten, Herrn Magdeburg, Hochwohlgeboren hier.

* *

*

Cassel, den 9. September 1886.

Abschrift zur gefälligen Kenntnißnahme und mit dem ergebensten Ersuchen, dahin Anordnung zu treffen, daß dem Vertrieb der betreffenden Loose ein Hinderniß nicht entgegen gesetzt wird. Der Regierungs-Präsident. J. V.: Althaus. An die Königlichen Landräthe rc. A. II. 12810.

* *

Hersfeld, den* 15. September 1886.

Wird veröffentlicht. Der Vertrieb der betref­fenden Loose ist seitens der Polizeibehörden 2c. nicht zu beanstanden.

10061. Der Königliche Landrath.

. _ . I. V.:

Heeg, Kreissecretair.

Hersfeld, den 15. September 1886.

Diejenigen Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises, welche noch mit Erledigung meiner Ver­fügung vom 15. April d. J. Nr. 4578 Kreisblatt Nr. 46, die Körung der Zuchtbullen betreffend im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 22. d. Mt s. bei Meldung von 3 Mark Strafe erinnert.

4578. Der Königliche Landrath.

J. V.:

Heeg, Kreissecretair.

Die Herbsteonferenz wird Mittwoch den 22. d. Mts. Morgens

10 Uhr in dem Engelh ard'schen Gasthaus

saß eingehüllt in der Ecke des warmen Ofens und schaute von dort durch .die Fenster in die schöne Landschaft. Die Lust heut' war rein und klar, sie gestaltete eine herrliche Fernsicht. Der Kranke be­gehrte sein Fernrohr, um sogleich dessen Schärfe zu konstatiren; man brächte es und er amüsirte sich während des ganzen Vormittags. Am jensei­tigen Ufer lag ein Dörfchen zwischen Berg und Wald mit alterthümlicher Kirche. Die Sonnen­strahlen beleuchteten die Hütten, das Tannengrün und das tiefgefärbte, rothgelbe Laub der Obst­bäume ein leiser Wind bewegte die Wipfel und viel Blätter wehten herab. Sogar in die Zimmer der Bewohner durfte der Späherblick dringen, die Leute beobachten und nicht selten eine Mahlzeit überschauen.

Gegen zwölf Uhr rollte ein Wagen in den Hof; es war ein Miethssuhrwerk aus der Stadt. Herr Sam Sebulon Wohringer nebst Gemahlin betraten gleich daraus das Wohngemach Oirich's und be­grüßten lebhaft die Anwesenden.

Oh," begann Frau Eulalia Wohringer sogleich, schon wieder unwohl, Herr Olrich?"

Ja, es ist das Alter, welches sich Zutritt ver. schafft; ich habe mich erkältet während des schreck­lichen Sturmes."

Sie sind aber auch zu treu in ihrem Dienst­eifer! Sie müssen sich schonen wer soll's Ihnen danken?" redete sie schmeichelnd weiter.

Ach, ich will gar keinen Dank, aber es freut mich, daß Sie es anerkennen. Ich thue meine Pflicht gern, und hier kann ich tüchtig arbeiten

abgehalten werden, wozu die Herrn Localschulin- spectoren und Herrn Lehrer ergebenst einladet

Philippsthal, den 16. Septbr. 1886,

Die Oberschulinspection Hersfeld II.

# Der Kaiser in den Reichslanden.

Wenn Mirabeau bereits vor 100 Jahren an den Nachfolger Friedrichs des Großen schrieb: Die Menschen, die unter dem Königsmantel nur ihres Gleichen sehen, und welche Tugend (im weiteren Sinne) von den Fürsten fordern, sind heut zahlreicher wie je" so hat dies Wort seitdem gewiß nichts von seiner prägnanten Wahr­heit eingebüßt, sondern ist mehr wie je gültig in einer Zeit, die den Anarchismuswissenschaft­lich" lehrt. Und darum ist es eine besondere Gnade von Gott für unser Vaterland, daß wir in den Hohenzollern ein Herrschergeschlecht besitzen, welches seine hohe Stellung lediglich als hohe Pflicht auffaßt.

Die Fürstentugend, die in diesem Geschlechte seit Jahrhunderten zum Ausdruck kam und gegen­wärtig in der Person unseres theuren Kaisers erneut in hellstem Glänze erstrahlt, gehört zu den Lichtpunkten der Geschichte, auf denen das Auge des Forschers einst mit Freuden weilen wird und die auch für die Gegenwart wohl geeignet sind, uns in den mancherlei Miseren, welche die Gäh- rung des Jahrhunderts erzeugt, zu Trost und Hoffnung zu gereichen.

Aus diesem Pflichtgefühl heraus haben die Hohenzollern es von jeher verstanden, neu erwor­benes Land sehr rasch auch innerlich und geistig mit den Stammlanden der Monarchie zu ver­schmelzen und der Eroberung durch das Schwert die der Gemüther folgen zu lassen. Wer sich in dieser Beziehung orientiren oder seine geschicht­lichen Erinnerungen auffrischen will, lese Car- lyle's Schilderungen der Thätigkeit Friedrich

mit Kopf und Hand. Sie glauben gar nicht, was zu thun ist doch ich halte Sie auf, abzulegen. Herr Wohringer haben Sie die Güte sich mit Ci­garren zu bedienen, und ein Gläschen Portwein wird Ihnen nach der Fahrt wohl gut thun."

Die Hausfrau brächte das Angedeutete und die Gäste machten sich's bequem.

Man sollte gar nicht glauben, wie ermüdend das langsame Fahren ist, man erstarrt förmlich aber die Miethspferde sind auch erbärmliche Thiere," sagte Sebulon und reckte seine riesige Gestalt.

Dabei fällt mir eben ein, Herr Wohringer, wie steht es mit dem braunen Pferde? Alle bis auf dieses, sind verkauft, soll es überwintert werden?"

Natürlich, Olrich, wo denken Sie hin! wie wollen Sie zur Stadt gelangen? Sie können die zwei Meilen im Winter doch unmöglich zu Fuß zurücklegen, um Lebensmittel anzuschaffen. Nein! Notte kann das Thier besorgen; einen andern Wagen, als den grünen Bretterwagen, kann ich Ihnen leider nicht zur Verfügung stellen, da die Chaise verkauft ist."

Während der eingetretenen Pause hörte man das Gespräch der beiden Damen, sie meißelten an Scherlers Missethat; die Männer horchten und be« theiligten sich daran.

Oh, und doch fühle ich Mitleid mit Scherler's," säuselte Eulalia;ja, ich fühle etwas!" wieder­holte sie und legte die Hand aus's Herz,Ihre arme Tochter, die armen jungen Leute! Hören Sie, Frau Olrich, wenn ich sünszigtausend Thaler