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mAder Kreisdlitt.
Mit wöchentlicher Kratis-ZLeitage „Illustrirtes Anterhattungsölatt".
Nr. 104
Sonnabend den 4 September
1886.
Amtliches.
Hersfeld, den 2. September 1886.
Am Mittwoch den 22. d. Mts. Vormittags 9 Uhr findet in dem Saale des hiesigen Rathhauses eine Sitzung des Kreistages statt.
Tagesordnung:
1) Prüfung der Legitimation des für das verzogene Kreistagsmitglied Gutsbesitzer Friedrich S a n d r o ck jun. zu Lautenhausen, als solches gewählten Assistenten H. Claus zu Philippsthal und Einführung desselben in sein Amt. (§ 71 der Kreisordnung.)
2) Begutachtung des Landwegebau-Etats pro 1887.
3) Begutachtung des Projektes über die Herstellung des Landweges von Mannsbach nach Wehrshausen, zugleich hinsichtlich der Höhe der Unterstützung, welche der baupflichtigen Gemeinde Heringen aus CommunalsMds zu gewähren ist.
4) Begutachtung des Projektes über den Ausbau des Landweges von Hönebach nach Ben- gendorf, zugleich hinsichtlich der Höhe der Unterstützung, welche der baupflichtigen Gemeinde Bengendorf aus Communalfonds zu gewähren ist.
5) Beschlußfassung über ein den Ausban des Hainweges hiesiger Stadt und die Durchführung desselben bis zum Güterschoppen am hiesigen Bahnhöfe betreffendes Schreiben des Herrn Landesdirektors zu Cassel.
6) Beschlußfassung über die Verwendung des dem hiesigen Kreise auschen-landwirthschaft- lichen Zöllen überwiesenen Betrages.
7) Ergänzungswahl der Sachverständigen zur Abschätzung der Kriegsleistungen im Falle einer Mobilmachung gemäß § 33 des Reichs-
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(Nachdruck verboten.)
Aus den Wogen des Lebens.
Novelle von E. Schlegel.
(Fortsetzung.)
Nein, Mutter," brach die Schwiegertochter leidenschaftlich hervor; .das thue ich nicht - und wenn ,ich mit dem herbsten Elend sümpfen soll; Du weißt, wie weit die Bande zerrissen. Es gäbe nur eine Möglichkeit zu diesem Schritte, und diese wäre eine directe Aufforderung von .Seiten der Eltern. Eine gegenseitige Aussprache wäre dann unvermeidlich, und diese sollte entscheiden, ob ich dem Vorschläge Folge leiste oder nicht."
.Also auch Bedingungen hast Du zu stellen? wunderbar — daß Du Dich dazu berechtigt suhlst."
»Wenn ich aus freiem Antriebe zurückginge, so würden die Eltern mich nur unter dem Versprechen einer Scheidung zu sich nehmen."
Du Närrin! und weshalb willst Du Dich denn nicht scheiden lassen? ich kann Dir nur dazu rathen!" erwiderte die Räthin kalt.
.Aber Mutter!" rief Elisabeth erregt. .Ueber dergleichen Angelegenheiten gestatte ich Niemandem eine Beislimmung, und zu einem Versprechen lasse ich mich weder locken, noch zwingen!"
.Bitte, vergiß nicht, mit wem Du redestwarf die alte Dame streng ein. „Du hast in diesen Dingen weder die nöthige Einsicht, noch Erfahrung, um einen solchen Ton anzuschlagen."
,O, ich habe Einsicht genug, um zu suhlen, daß ich hier zu viel bin und daß man das Heiligste
8)
9)
10)
gesetzes vom 13. Juni 1873 (für die Kalenderjahre 1886 bis incl. 1888.)
Ersatzwahl eines Vertrauensmannes für den Ausschuß bei dem Amtsgerichte Friedewald zur Auswahl der Schöffen und Geschworenen an Stelle des verzogenen Gutsbesitzers Friedrich Sandrock jun. zu Lautenhausen. (Gerichtsverfassungsgesetz § 40 R.-G.-S. S. 49 de 1877 und Ausführungsgesetz §35®.= S. de 1878 S. 257.)
Ergänzungswahl der Körungs-Kommission für den Amtsgerichtsbezirk Friedewald bezüglich des verzogenen Gutsbesitzers Friedrich Sandrock jun. zu Lautenhausen für die Jahre 1886, 1887 und 1888. (Polizeiverordnung vom 17. Januar 1879 Amtsblatt Seite 40.)
Ergänzungswahl der Pferdemusterungs-Com- mission für den Musterungsbezirk Friedewald, bezüglich des vorerwähnten 2C. Sandrock für die Zeit bis zum 1. Avril 1892. (SS imi des Pferdeaushebungsreglements
vom 12. Juni 1875.
11) Vorlage der revidirten Kreiskassen-Rechnung pro 1885/86.
J. A. Nr. 101. Der Königliche Landrath _____Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 30. August 1886.
Die Bewilligungsperiode der bisher aus der Staatskasse gezahlten jährlichen temporairen Ergänzungszuschüsse zu den Besoldungen der Elementarlehrer und Lehrerinnen, sowie zu den Kosten der laufenden Unterhaltung von Elementarschulen läuft ult. December er. ab. Damit nun eine weitere Bewilligung dieser Beträge höheren Orts erfolgen kann, ist es nothwendig, daß der desbezügliche Antrag auch hinreichend
1)
2)
3)
Schule zu.......
Wieviel sind von den zur Unterhaltung der Schule verpflichteten Gemeinden rc. jetzt jährlich aufzubringen: a) an directen Staatssteuern b) an Communalsteuern . . Wie viel zahlen dieselben an
Mk.
Mk. jährlich
Pf. Pf. wie»
derkehrenden Abgaben
a) zu Kirchenzwecken
b) zu Schulzwecken . . Mk. Pf. Dem seitherigen Anschlag der Competenz- einkünfte gehen infolge Vermehrung resp. Verminderung der Schülerzahl, durch Ablösung 2C.
a) zu....... Mk. Pf.
b) ab....... Mk. Pf.
Die Königlichen Herren Lokalschulinspektoren des hiesigen Kreises ersuche ich deshalb hierdurch ergebenst, mir, nach vorgängiger Benehmung mit den Ortsvorständen der betreffenden Gemeinden und den Lehrern Ihres Lokalschulinspectionsbe- zirks diese Angaben gefälligst machen zu wollen, rwtr-futjr—ich—t,^ n.f.g T^^..*
bis zum 1 5. September er. entgegen.
Bezüglich der Frage 4 a und b wird bemerkt, daß daselbst nur dann Einträge zu machen sind, wenn die inzwischen eingetretenen Zu- resp. Ab-
4)
Mk.
Mk.
Pf.
gange 10 Mk. und darüber betragen, wobei noch außerdem anzugeben bleibt, welcher Art die Zu- und Abgänge sind. Etwaige besondere Umstände, welche die Gewährung eines höheren Zuschusses, als bisher, wünschenswerth erscheinen lassen, bleiben kurz anzugeben.
9494. Der Königliche Landrath
__Freiherr von Schleinitz.
genug begründet wird.
Zu dieser Begründung bedarf ich nun der Be-1 a) Ausfertigungen antwortung folgender Fragen: Mäßigungen pr<
Hersfeld, den 30. August 1886.
Diejenigen Herren Ortsvorstände des Kreises, welchen in diesen Tagen
~ „ l über Klassensteuer - Er
mäßigungen pro 1886/87,
angreist, um Nutzen daraus zu ziehen!"
„Ereifre Dich doch nicht! wenn es Dir um Deinen leichtfertigen Gatten so zu thun ist — kannst Du Dich nach seiner Entlassung ja wieder mit ihm verbinden — nur so viel sage ich Dir, meine Schwelle Übertritt er nie!"
Mit großen, verwunderten Augen schaute Lisbeth die Räthin an — so weit ging der berechnende Egoismus? ein Ausspruch von Einsicht und Erfahrung! es war ein tiefer Einblick in das Herz der alten Frau.
Diese schien nichts zu bemerken und öffnete die Thür zur Vorderstube. Elisabeth folgte und trat bei dem Rath ein; gleich darauf erschien auch die Mutter.
„Ah, da bist Du, Tochter! ich weiß, weshalb Du mich aussuchest. Du willst Dir die trübe Antwort holen, welche ich bisher schuldig blieb. Wir wollen Beide standhaft sein; ich will ruhig berichten, und Du höre gefaßt zu. Es ist eine lange Strafzeit, Deiche man über Hubert verhängt, ein ungerechtes Dtrafmaß; meinst Du es vielleicht errathen zu können?"
Traurig blickte Lisbeth aust ihre Hände und Lippen lebten, mühsam sagte sie: „Ein Jahr!"
.Länger, mein gutes Kind — etwas länger; sprach der alle Mann gedämpft, während helle Thränen in seine Augen traten. „Ein und ein Viertel-Jahr, ohne Anrechnung der langen Untersuchungshaft."
Lautlos hatte die junge Frau die Botschaft vernommen; der Rath schwieg und blickte die
Tochter fragend an. Sie reichte ihm die Hand und preßte heftig die.Seinige. .Wir müssen es ertragen mit Muth und Gottvertrauen und in Liebe zu einem Unglücklichen."
„Segne Dich der Vater im Himmel für Deinen festen Willen, Du edles, treues Weib!"
„Ja, setzte auch die Räthin erleichtert hinzu, .Du hast Dich in diesem Augenblick standhaft betragen, ich hatte etwas Grauen vor einer Scene. Nun habe ich noch eine Bedingung, Elisabeth: daß Du nie an Asta durch Worte oder sonstige Unvorsichtigkeit diesen, für uns so compromitttrenden Vorfall verräthst. Sie darf nie darüber erfahren, es wäre entsetzlich für das arme, brave Kind und für ihre Beziehungen zur vornehmen Welt — zum Glück giebt es ja viele Scherlers in unserer Stadt, und Niemand von der Aristokratie wird in dem Gefallenen den Bruder der beliebten Künstlerin vermuthen. Ich glaube, die Schande würde die gute Asta tödten! es bleibt bet der früheren Ausrede, Hubert habe in I. eine Stellung, welche jedoch nicht ein derartiges Einkommen abwirft, um eine Familie zu ernähren. Das übrige überlasse ich Deiner Klugheit, auf gestellte Fragen passende Antworten zu ertheilen. Willst Du mir Dein Wort darauf geben?"
„Ja," erwiderte Elisabeth peinlich berührt. „Ich gebe mein Wort."
„Jetzt werde ich Euch verlassen, da ich kleine Anordnungen in Betreff der heutigen Visite zu bestellen habe — auf Wiedersehen zu Tisch."
Die Schwiegertochter entfernte sich gleichfalls;