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jeder Soldat in eigens dazu hergerichteten Buden eine vorzügliche Bratwurst mit Semmel und zwei Glas Bier, während die Officiere der Ein­ladung zum Frühstück im Schlosse Folge leisteten.

Caffet, 30. August. Gestern früh gegen 6 Uhr wurden auf dem Mittelperron des hiesigen Bahn­hofes von der GesellschaftFauna" in Elberfeld gegen 500 Brieftauben abgelassen, welche sämmt­lich in nordwestlicher Richtung davonflogen.

Cassel, 29. August. Wie aus Gerstungen mit­getheilt wird, ertrank dort beim Baden in (der Werra ein Soldat der 10. Compagnie des dort einquartirten Füsilier-Bataillons des Hessischen In­fanterie-Regiments Nr. 83, dem Vernehmen nach ein Elsässer Namens Klein.

Hanau, 28. August. Vor einigen Tagen Hta in dem benachbarten Mühlheim ein Vater seinen Sohn erschlagen. Der Sohn, ein Wittwer, wohnte mit zwei Kindern bei dem Vater und war ein dem Trunke vollständig ergebener Mensch, welcher mit seiner Familie dem Vater gänzlich zur Last fiel. In trunkenem Zustande erregte er öfters Zank und Streitigkeiten, bis denn dem schwergeprüften Vater dieser Tage d-e Geduld ~ri& und er mit einem Prügel den ungerathenen Sohn tractirte, der an den erhaltenen Wunden wenige Stunden später verstorben ist.

Wiesbaden, 30. August. Gestern Nachmit­tag gerieth auf Biebrich-Mosbacher Gemarkung die bet der Backsteinbrennerei des Herrn Kaufmann Müller gelegene Arbeiterhütte des Backsteinmachers Förster aus Nierstein in Brand. Während des - Ausräumens der Wohnung rief Förster plötzlich: Meine Kinder sind noch in dem Hastse, sie sind verloren." Aus dem Bodenräume des Häuschens drang dichter Qualm und bald auch Feuer her­vor. Ein Augenzeuge berichtet des Wettern da­rüber:Zu dieser Zeit müssen die Kinder bereits todt gewesen sein. Wenn sie noch am Leben und bei Besinnung gewesen wären, dann hätten sie sicher geschrien und wir sie hören müssen. Es wurde eine Leiter zur Stelle geschafft, einige Ge­fache an der östlichen Giebelseite des Häuschens eingeschlagen, und nun fand man die beiden Kna­ben (der eine war 12, der andere 5 Jahre alt) vollständig verbrannt in dem äußersten Winkel (nach der Schiersteinerstraße zu) unter dem Dache vor. Der obere Raum in dem Häuschen ist wahr­scheinlich mit Stroh belegt gewesen, auf welchem Mdie Arbeiter schlafen, und dieses Stroh hat auf p irgend eine Weise Feuer gefangen und so den

* Kindern, die aus demselben lagen, den Tod ge­

bracht.

Frankfurt, 30. August. Gestern Nachmittag badeten drei Füsiliere der 10. Compagnie des hie­sigen Infanterie-Regiments an den Flößen am Obermain. Als gute Schwimmer wollten sie nach dem jenseitigen User hinüberschwimmen, wobei einen derselben in Mitte des Flusses die Kraft verließ, so daß er in den Wellen verschwand. Die _______Rettungsversuche seiner beiden Kameraden blieben fruchtlos. Der Mrsrhwuirdene«Hchleu nur als Leiche wieder auf der Oberstäche.

Vermischtes.

Im Schwarzwald herrscht eine eigen- thümliche Sitte. Sind die Großeltern im Hause, so trifft man in den Hütten die Vorsorge, sich für den hohen Winter und hohen Schneefall mit zwei Särgen zu versehen. Diese stehen aus dem Speicher und dienen bis zum Erustsall zum Ausbewahren von getrocknetem Obst. Da hat sich einmal zuge­tragen, daß in einem solchen Hause die Großmutter starb, als gerade der tiefe Schnee jegliches Be- gräbniß unmöglich machte. Plan legte sie in den Sarg und wartete auf die Gelegenheit. Und als diese gekommen und der Pfad gangbar geworden war, kamen Pfarrer und Küster und der eine der beiden Särge wurde mit großer Trauer und vielen Segnungen und Gebeten zur letzten Ruhestätte gebracht. Nachdem aber mehrere Wochen ins Land gegangen waren, wehte der Frühlingswnd böse Gerüchte vom Speicher hernieder. Es wurde nach­gesehen und man fand, daß man statt der Groß^ Mutter den Schnitzen die letzte Ehre erwiesen hatte.

Die stärkste Eiche in Deutschland steht auf dem Dominium Bärenklau bei Guben. Sie hat eine Gesammthöhe von 23 Metern, Stammhöhe 2,46, Stammumfang 8,12.

Stuttgart, 30. August. Einer hierher gelangten Nachricht zufolge ist der Sohn des hie­sigen Brauereidirectors Münz bei der Besteigung des S ch r e ck h o r n s mit zwei Führern verun­glückt. tzerr Münz und ein Führer sind an den Verletzungen, die sie erhielten, gestorben.

Augsburg, 29. August. Zum Empfang des deutschen Kronprinzen am 5. September wer­den sämmtliche hiesige Veteranen und Kriegerver­eine, sowie auch die freiwillige Feuerwehr auf Ein­ladung der Stadt ausrücken, außerdem werden die

Bewohner der Halber-, Hall- und Maximiliansstraße u. s. w. illuminiren.

Das Bier fließt wie ein mächtiger Strom durch die neue und alte Welt. Es giebt in beiden Erdtheilen 64,077 Brauereien, die in der jüngsten Campagne 154,085,878 Hectoliler gebraut und dazu 1,453,000 Centner Hopfen gebraucht haben. An Steuern sind dafür mehr als 356 Mill. Mark be­zahlt worden. Obenan steht Großbritannien mit fast 27,000 Brauereien und das deutsche Reich mit 25,000 Bierbrauereien. Im Reich hat sich die Biererzeugung um 1,161,000 Liter erhöht, die Steuer betrug etwas mehr als 66 Millionen Mark.

Metz. Der Raubmörder Ronprich, welcher am helllichten Tage eine Gastwirthin ermordet und beraubt hatte, wurde im Hof des Untersuchungs­gefängnisses mit dem Fallbeil enthauptet. Der Mörder bestieg ruhig und gefaßt die Guillotine, betete mit dem Priester und antwortete auf die Frage, ob er auf Gott vertraue, mit lautemJa." Die Execution dauerte nur wenige Minuten.

Havelberg, 24. August. Eine Familie in dem benachbarten Dorfe Vehlin hielt sich für behext und nahm die Hülfe eines sehr bekannten Hexenmeisters aus S. bei Neustadt a. D. in Anspruch. Der Verlauf derHexenaus- treibung ist von mehreren außerhalb der Gebäude stehenden Personen beobachtet worden und hat sich in folgender Weise zugetragen: Die Frau und die Tochter des Bauern stellten sich, nur mit dem Hemd bekleidet, über ein Gefäß mit glühenden Kohlen, auf welche der Hexenmeister ein Pulver streute. Die Stallungen wurden vom Hexen­meister gleichfalls mittels Feuer ausgeräuchert, wobei derselbe auf einem Besenstiel ritt. Außer­dem wurden Löcher in das Holz gebohrt und an­scheinend wieder zugeschlagen. Kam der Hexen­meister aus einem Stalle, dann trampelte er mit den Füßen und ging mit dem Bauer, dessen Frau und Tochter in der Stube im Kreise herum, die Letzteren dabei auf die Schultern klopfend. Bald war der ganze Ort in Aufregung, theils aus Aerger über den Betrug, theils wegen der Feuers­gefahr bei der Prozedur. Man wollte dieHexen- austreibung bei dem Hexenmeister mittels eines tüchtigen Knüppels versuchen; er hat sich aber nicht abfassen lassen.

Berlin. Im Schaufenster ver Herren Oscar Bräuer und Co., Friedrichstraße 198/99, hier, ist augenblicklich auf kurze Zeit der Hauptgewinn zweiter Ziehung der W e i» mar ' schen Ausstellungs - Lotterie zur Schau gestellt. Derselbe besteht in einer. silbernen Taselgarnitur im Werth von 4 0 00 0 Mark aus der bekannten Kunstwerkstalt von L. Posen Wwe. in Berlin und Frankfurt a. Main. Er ist zusammengesetzt aus einem prächtigen Tafelaufsatz aus Leuchtern, Schalen, Jardinisren, Compotschalen, Flaschen, Salzfässer und Flaschenteller, sowie aus einer completen Theegarnitur, alles in den Formen bester, mo< deiner Renaissance ausgesührt. Die Weimar'sche Aus- stellungs-Lotterie, genehmigt in fast allen Staaten des deutschen Reiches, hat den doppelten Zweck: durch Ankaus guter Werke dem deutschen Kunstgewerbe Absatz zu schaffen, und durch Verbreitung wirklich guter Arbeiten den Sinn für das Schöne und Gediegene im Volke zu heben. Die Ueberschüsse der Lotterie werden zum Ankauf alter und neuer mustergültiger Arbeiten verwendet, die in der, unter dem hohen Protectorate^^Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs von Sachsen stehenden,Ständigen Ausstel­lung für Kunst und Kunstgewerbe in Weimar" dem Kunst­handwerker Vorbilder bieten. In völliger Würdigung dieser Bestrebungen hat die Großherzoglich Sächsische Re- gierung einen Kommissar für die Ausstellung ernannt, unter dessen Aussicht die Gewinne für die Lotterie ange- kauft werden. Dadurch ist dem Publikum Sicherheit ge­boten, daß die Gewinne auch völlig den angesitzten Werth haben, und daß die Basis des ganzen Unternehmens eine solide ist. Die Gewinne iöcOO kommen in diesem Jahr zur Verioosung werden den Gewinnern gänzlich kostenfrei zugesandt.

Ein Eisenbahn zusammen st ob hat, wie aus Wien gemeldet wird, bei Mödling statlge- funden. So weit bis jetzt sestgestellt, sind 7 Per­sonen getödtet und 22 schwer verwundet worden.

Bei Komorn ist am Sonntag früh Val Uhr auf der Donau ein Zusammenstoß zwischen dem großen PostdampfschiffIris", das mit etwa 300 Passagieren von Pest nach Wien unterwegs war, und einem großen, stromabwärts fahrenden Holzstoß erfolgt. Der Zufammenkrach war donner- ähnlich. Das feste Gemge des Floßes löste sich und 23 Flößer stürzten in die Fluthen. Die Reisen­den lagen meist in tiefem Schlaf, furchtbare Dchrekenssceuen ereigneten sich. 22 Flößer wurden, theilweise schwer verletzt, gerettet und auf dieIris" gebracht.

(Hundertjähriges Brot.) Der Ar­chivar des Marmaroser Komitats in Ungarn fand unter alten Papieren ein Packet mit der Aufschrift: Qualität des Marmaroser Brotes in der Hungers- noth von 1786." Dieses Brot besteht nur zu einem Theile aus Hafer, der größere Theil ist Baumrinde. Das Komitat hat dieses Brot als Curiosum aufbewahrt, damit die späten Enkeln in schweren Zeiten im Anblick desselben Trost finden.

Athen, 29. August. Durch das am Frei­tag stattgehabte Erdbeben wurden die Städte Fi-

liatra und Gargaliano in Messenien und die Dörfer Kysarissa und Choremi in Arcadien voll­ständig zerstört, viele andere Städte und Dörfer haben mehr oder weniger schwer gelitten. Gegen 80 Personen haben bei dem Erdbeben den Tod ge­funden, in Filiatra sind 20, in Gargaliano 16 um's Leben gekommen, in Logudista wurde eine große Anzahl Personen verletzt. Ein Kriegsschiff ist mit Aerzten, Arzeneien, Zelten und Lebens­mitteln, sowie mit einer Sappeurabtheilung nach Kalamata abgegangen.

Chicago, 30, August. Gestern Abend schlug der Blitz in das dem Hause Lafflin und Rand gehörige, in der Vorstadt gelegene Dynamit- und Pulvermagazin ein und sprengte dasselbe in die Luft. Die durch das Dynamit verursachte Ex­plosion (das Pulver hatte sich gar nicht entzündet) wurde in der ganzen Stadt gehört; fast alle Fenster in der Stadt wurden zertrümmert; acht andere in der Nachbarschaft gelegene Magazine wurden zer­stört, zwei Menschen wurden getödtet und mehrere andere verletzt.

Der erste Schritt zur Einführung des 24 Stundensystems, wenigstens im Eisenbahn- und Telegraphenbetriebe, wäre gethan, und zwar ge­bührt der kanadischen Pactficbahn, welche beide Oceane auf englischem Gebiet verbindet, der Ruhm der Anbahnung dieser Reform. Bedenkt man, daß diese Bahn sich über 60 Längengrade erstreckt und daß die Personenzüge derselben so ziemlich acht Tage unterwegs bleiben, so wird man die Bedeu­tung dieser Vereinfachung in den Angaben des Fahrplans ermessen können. Es heißt also darin z. L.: Der und der Zug langt in Buffalo um 19 Uhr 45 Minuten an, während die Angabe bis­her lautete: 7 Uhr 45 Minuten Abends. Recht kindisch! Wir möchten wohl wissen, welchen Vor» theil die Cultur von einer solchen Zeitersparniß hat!

(Ein Trost.) Ein Herr, der von einem Hunde gebissen worden ist und die Tollwulh zu bekommen fürchtet, reist nach Paris, um sich vom Pasteur heilen zu lassen. Der berühmte Ge­lehrte untersucht ihn genau und fragt ihn nach allen Umständen; schon greift er zum Spritzchen, um ihn zu impfen, da hält er noch einmal ein und fragt den Patienten, was er für einen Beruf habe.Weinhändler," sagt dieser.Dann reisen Die ruhig nach Hause," tröstet ihn Pasteur,ein Weinhändler bekommt nie die Wasserscheu."

(E i n a n d e r e r F a l l.) Er:Aber ich schwöre Ihnen, Jenny, daß ich Sie aufrichtig krebe!' Sie:Bedauere sehr, mein Herr, aber mein Herz ist nicht mehr frei!" Er:Sie wollen also wirklich nicht meine Frau werden?" Sie:Ihre Frau? O, das ist etwas anderes. Warum haben Sie das nicht gleich gesagt?"

(Ein aufmerksamer Wirth.) Gast:Kellner, sagen Sie augenblicklich dem Herrn Restaurateur, er möge hierherkommen!" Kellner:Bitte, gleich." Wirth:Womit kann ich dienen?" Gast:Dieses Beefsteak ist ungenießbar; es ist so hart, daß man es nicht mit dem Messer durchschneiden kaun. Bitte, sehen Sie selbst!" Wirth:Ja, ja, es ist wirklich so. Nun, das läßt sich noch machen. Bitte nur einen Moment warten zu wollen. Jean!" Kellner:Befehlen?" Wirth: Bringen Sie dem Herrn ein anderes Messer!"

(Modern.) Franz (zu seinem Vater, der ihn durchprügeln will):Aber, Papa, weißt du denn noch nicht, daß die Prügelstrafe schon längst ab- geschafft ist ?"

(Unverbesserlich.) Fräulein A.:Haft du schon gehört, der alte Förster X. ist gestern gestorben. Schade um den Mann. Er log un­übertrefflich!" Frau B.:Da wird er doch nicht am Ende scheintodt sein?"______________

Russische 5 pCt. Prämten-Anleihe von 1866. Die nächste Ziehung findet am 13. «oeptember statt. Gegen den Coursoerlust von ca. 220 Mark pro Stück bei der Ausloosung über­nimmt das Bankhaus Carl Neuburger, Berlin, Französische Straße 13, die Versiche­rung für eine Prämie von 1,40 Mark pro Stück.

Red Star Line.

Die Antwerpener Red Star llino hat ihren Passage­preis auf

60 Mk. für ihre New-Yorker Dampfer,

50 Mk. für ihre Philadelphia Dampfer mnäßigt.___________

Bremen, 31. August. Der Postdampser Elbe, Capt. H. Christoffers, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 21. August von Bremen und am 22. August von Southampton abgegangen war, ist heute 3 Uhr Mor­gens wohlbehalten in New-Iork angekommen.

Fruchtpreise.

Weizen 100 Kilogr. 15 M. 20 Pf. bis 16 M. Pf. Roggen 100 Kilogr. 13 M. 75 Pf. bis 14 M. 40 Pf. Gerste - M. - Pfg- bis - M. Ps. Hafer 100 Kilogr. 11 M. 35 Ps. bis 12 M. 70 Ps.