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Mit wöchentlicher Kratis-Aeitage „Illustrirtes Anterhaktungsölatt".__________
Nr. 101. Sonnabend den 28. August 1886.
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Amtliches.
Hersfeld, den 26. August 1886. k Der Weißbinder Heinrich Gildner dahier, geboren am 13. Dezember 1863, hat um Entlassung aus dem diesseitigen Staatsverbande behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht. 9409. Der Königliche Landrath
Freiherr von S ch l e i n i tz.
Cassel, den 21. August 1886.
Der flüchtige Postassistent Betz ist am 17. August in Marseille festgenommen worden.
Der Kaiserliche Ober-Postdirector.
In Vertretung: von Rumohr.
An das Kgl.Landrathsamt in Hersfeld. Nr. 16447.
Hersfeld,*den 24. August 1886.
Wird mit Bezug auf meine Verfügungen vom 12. und 16. August Nr. 8940 bezw. 9060, Kreisblatt Nr. 95/97, veröffentlicht.
9356. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Politische Nachrichten.
(Deutschland.) Se. Majestät der Kaiser hat dem von seinem Berliner Posten scheidenden
(Nachdruck verboten.)
Aus den Wogen des Lebens.
Novelle von E. Schlegel.
(Fortsetzung.)
Heut liegt doch wahrlich Redestoff genug vor, oder interessirt Dich die eben eingetroffene Neuigkeit nicht?"
„Doch, stiebe Asta," erwiderte Elisabeth, „aber ich kann Euch nicht beistimmen, wenn ihr so ungehalten darüber seid und deshalb schweige ich lieber."
„So, so!" meinte Asta gedehnt und lehnte sich resignirt in die Sophaecke. „Eine andere Denkungs- art konnte man eigentlich von Dir nicht erwarten; aber ich behaupte, daß es die größte Dummheit ist, überhaupt zu heirathen. Elisabeth schlug die Augen nieder, während brennende Röthe ihr Antlitz überzog; die Hände spielten hastig mit dem Messer und klopften dann und wann vorsehendlich auf den Tellerrand.
„Sei bitte, so gnädig und mache mich mit dem Geklapper nicht nervös, bin ohnedies durch das „glückliche Ereigniß" genugsam alterirt."
„Ich ersuche Dich uun dringend, beste Asta , sprach der alte Herr eindringlich, „für heut die Angelegenheit auf sich beruhen zu lassen. Außer- dem aber begreife ich wirklich nicht, wie man sich so grundlos seinen Einbildungen hingeben kann. Gustav hat, wenn auch keine brillante, so doch eine sichere Existenz, welche genügend ausreicht, einen kleinen Hausstand zu erhalten — und er wird ja
I französischen Botschafter Baron von Courcel den höchsten preußischen Orden, den vom Schwarzen Adler verliehen, eine Auszeichnung, welche nur wenigen Vorgängern des Herrn von Courcel zu Theil wurde.
Fürst B i s m a r ck hat Gastein verlassen und befindet sich auf der Rückreise; wie es heißt, würde er zwei Tage in Franzensbad zum Besuch des Herrn von Giers verweilen. Montag oder Dienstag wird der Reichskanzler in Berlin erwartet; von dort aus wird er sich nach kurzem Aufenthalt nach Varzin begeben.
Der Kontreadmiral v. Reibnitz hat seinen Abschied erbeten. Derselbe ist Director der Marine-Akademie in Kiel.
Bei der Reichstags-Ersatzwahl in Lauenburg erhielt Berling (deutschfreis.) 3510, Graf Bernstor ff (kons.) 2909, Molkenbuhr (Socialdem.) 665 Stimmen. Daher Stichwahl zwischen Berling und Bernstorff. — Im Wahlkreise Bromberg erhielt Hahn (kons.) 4822, Komierowski (Pole) 3912, Schröder (deutschfreis.) 2895 Stimmen. Die Stichwahl zwischen Hahn und Komierowski findet am 10. September statt.
Der preußische Minister M a y b a ch hat folgenden Privatbahnen Ankaufsanerbietungen gemacht: Berlin-Dresdener, Nordhausen-Erfurt, Oberlausitzcr, Dortmund - Gronau - Enschede, Aachen-Jülich,Angermünde-Schwedt,Ostpreußische Südbahn, Marienbnrg-Mlawka.
Die Münchener „Neuesten Nachr." melden, daß die Nachricht von der Entsendung eines bayrischen Prinzen nach Pest zur Ofener Jubelfeier völlig aus der Luft gegriffen sei.
(F r a n k r e i ch.) Dem Vernehmen nach wird der Kriegsminister Boulanger einen Kredit von 3 Millionen verlangen, um für jedes Armeekorps das vollständige Material für Luftschiffahrt zu beschaffen. — Marquis Tseng hat eine Einladung des Ministerpräsidenten Freycinet, als Gast
weiterkommen. Ferner kennst Du seine Braut noch nicht einmal gund ergehst Dich bereits über alle möglichen Vermuthungen. Wer weiß, ob es nicht ein liebes Wesen ist, welches er gewählt; man muß doch nicht den Stab über Jemand brechen, ehe mau die Berechtigung dazu hat."
„Diese Klasse hat keine „lieben Wesen!" erlaube doch, daß ich meine eigene Anschauung darüber beibehalte," sagte Asta verletzt.
Der alte Herr erhob sich unwirsch; „Bitte mir sogleich eine Lampe aus, ich werde mich auf mein Zimmer zurückziehen und wünsche Euch Allen „gute Nacht."
Er griff nach der zurechtgesetzten Lampe und reichte seine Hand Elisabeth herüber, welche sie erfaßte und mit thränenden Augen dem Vater „gute Nacht" erwiderte. Ihre Stimme zitterte so heftig, daß Asta betroffen auisah, während die Mutter diese Unvorsichtigkeit mit vorwurfsvollem Blicke strafte.
„Habe wohl schon wieder zu viel gesagt; der Vater ist mir räthselhaft -- widersprechen darf man nie, sonst brennt es lichterloh. Und Du bist wieder sentimental," bemerkte Asta langsam ihrer Schwägerin und gähnte in gewohnheitsmäßig lauter Weise; „geh' zu Bett, schlafe aus; bestelle zuvörderst dem Mädchen, daß sie abräumen und des Herrn Stube in Ordnung bringen soll."
Elisabeth erwiderte keine Silbe; stumm reichte sie den Beiden die Hand und ging.
Das ihr angewiesene Zimmer lag nur wenige Schritte von anderen Gemächern entsernt. Den
Frankreichs nach Paris zu kommen, mit dem Bemerken abgelehnt, daß er von seiner Regierung zu einer solchen Reise nicht ermächtigt sei. Der genannte chinesische Würdenträger ist überhaupt ungemein vorsichtig, irgend etwas zu thun, was nicht ausdrücklich in seinen Instruktionen gesagt ist.
(England.) England hat wieder einmal eine überseeische Annexion gemacht. Es hat die Kermadec-Jnseln Atwa 100 Meilen nordöstlich von Neu-Seeland) in seine weite Colonialtasche gesteckt. — Im Unterhause erklärte der Unter- staatssecretär des Auswärtigen, die der Regierung aus Bulgarien zugegangenen Nachrichten enthielten nichts, was nicht schon durch die Zeitungen bekannt sei. Die Regierung verfolge die Ereignisse in Bulgarien nicht ohne große Besorgniß. Der Unterstaatssekretär theilte ferner mit, die Regierung sei mit Rußland übereingekommen, die Grenzkommission in Centralasten aufzulösen, da die afghanische Grenze nahezu ganz abgesteckt sei. Die Festsetzung des noch nicht regulirten Grenzabschnitts bis zum Oxus würde direct zwischen den beiden Regierungen erfolgen.
(B a l k a n st a a t e n.) König Milan von Serbien ist aus Kragujewatz nach Belgrad geeilt und hielt Ministerrath, zu dem auch die Generale beigezogen wurden. Ein Theil der Armee soll mobilisirt werden. — In einem Pri- vattelegramm an den Grafen Zichy sagt König Milan von Serbien, infolge der bulgarischen Revolution müsse er die beabsichtigte Reise nach Pest aufgeben. — In Serbien soll eine mächtige Bewegung gegen den König Milan im Zuge sein.
Der Umschwung in Bulgarien.
Die bis jetzt eingetroffenen Nachrichten bestätigen den vollständigen Umschwung der Dinge in Bulgarien zu Gunsten des Fürsten Alexander, der, wie man von Petersburg aus sich heute zu ver-
Leuchter aus der Hand setzend, ging Lisbeth nach der.Küche, um den erhaltenen Auftrag zu erledigen, aber das Mädchen war nicht da. Rückkehrend hörte Elisabeth ihren Namen fast schreiend aussprechen. Wie gebannt blieb sie stehen.
„Und ist es nicht eine Schande, daß diese ewig ein Gesicht zieht, als geschähe ihr hier das größte Unrechts" rief Asta empört. „Wie ein Oelgötze sitzt sie da und wenn sie redet, sind es überspannte Phrasen. Solchem Frauenzimmer giebt man nun das tägliche Brod und hört das Geschrei ihres Bengels — ein undankbares Subject ist sie —"
„Aber liebes Herz, bedenke doch, daß Du Dir durch solche Alteration am meisten selbst schadest, beruhigte die alte Frau. „Es hilft nun einmal Alles nichts; wir können Frau und Kind unseres Sohnes doch der Leute wegen nicht dem Elende preisgeben — erinnere Dich, daß wir selbst um des Geredes willen, ihnen Obdach geboten. Daß Elisabeth sich nicht in dem passenden Tone bewegt, darfst Du ihr so übel nicht nehmen. Es ist Mangel an richtigem Taktgefühl eine Folge beschränkter Erziehung. Sie ist ja für's ernste Leben noch zu unreif; der Aufenthalt hier in unserem Hause wird vielleicht veredelnd wirken — wenn diese Eindrücke die Mauer von Trotz und Eigensinn, welche sich gegen Alles aufbäumen, übersteigen können; doch deshalb dürfen wir sie noch nicht zum Hause hinaus weisen."
„Ihr mit Eurer übertriebenen Fürsorge habt Euch eine schöne Ruthe aufgebunden, und am Ende thut es gar Roth, daß ich meinen Platz räume,