Einzelbild herunterladen
 

Erscheint wöchentlich drei Mal, am Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.

Abonnementspreis: vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg. exd.

Postausschlag.

Die JnsertionSgebühren betragen für den Raum einer Spaltzeile

10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Psg. Reklamen die Zeile 20 Psg.

Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.

tradier Kreisdialt.

Mit wöchentlicher Kratis-Aeitage „Illustrirtes Nnterhaktungsölatt".

Nr. 100.

Aöonnements-Kintadung.

Bestellungen auf das

Hersfelder Kreisdlatt

mit der wöchentlichen Gratis - Beilage

„Jllustrirtes Unterhaltungsblatt"

für den Monat September werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Land­briefträgern und von der Expedition angenommen.

# Die Umwälzung in Bulgarien.

Wie ein Blitz aus heiterem Himmel kommt in die politische Augustruhe die Nachricht von der Entthronung des Fürsten von Bulgarien. Nach den hierüber vorliegenden Nachrichten spielten sich die Borgänge wie folgt ab: Das Palais des Fürsten Alexander wurde am Sonnabend früh 2 Uhr von Dem Kavallerieregiment aus Kosten- dil, kommandirt vom Oberst Stoyanoff, einge­schlossen. Darauf begab sich eine Deputation, bestehend aus Zankoff, dem Metropolitan Ele­ment und einigen Anderen, zu dem Fürsten und ersuchte ihn, abzudanken. Der Fürst unterzeich­nete schließlich ein Schriftstück, in dem er erklärte, daß er, um Bulgarien durch sein Verbleiben auf dem Throne nicht zu gefährden, abdanken wolle. Gegen Morgen wurde der Fürst sodann unter militärischer Bedeckung bis Lom-Palanka an der Donau gebracht, einem kleinen befestigten Orte, etwa 9 Meilen unterhalb Widdin. Von dort scheint er nach Turn-Severin, das bereits zu Rumänien gehört, überführt worden zu sein, sich also bereits außerhalb der Landesgrenze und demgemäß auch wohl schon wieder in Freiheit zu befinden. Während dieser Vorgänge proklamirten Karaweloff, der Chef des Ministeriums und Zankoff, der bekannte Russophile und Chef der

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Tom Sawyer's Abenteuer.

Nach dem Englischen des Mark Twain.

(Schluß.)

„Aber lieber Huck, das ist ja jedermanns Lebens­weise."

„Das macht keinen Unterschied, Tom. Ich bin nicht jedermann, ich kanns nicht ertragen. So ge­bunden zu sein ist unerträglich. Alles findet sich so leicht — ich mag nichts essen, wenn's so da steht. Wenn ich fischen oder baden will, muß ich erst sragen — weiß der Himmel ich soll bet allem, was ich thun möchte, erst anjragen. Ich mußte so sein reoen, daß ich gar keinen Spaß davon hatte; wäre ich nicht alle Tage in die Oberstube gegangen und hätte mich auSgeschrieen, um einen anderen Geschmack in den Mund zu kriegen: wahr­haftig Tom, ich wäre gestorben. Die Wittwe ließ mich nicht rauchen, ich durste nicht schreien, nicht gähnen, mich nicht recken oder mich in Gegenwart von Fremden jucken." Und in einem Paroxysmus von Zorn und Wuth fuhr er fort: „Und der Kuckuck soll mich holen, den ganzen Tag betet sie. So ein Frauenzimmer ist mir noch nicht vorge- kömmen. Und nun soll die Schule wieder angehen, und ich soll in die Schule, Tom; das kriege ich nicht sertig. Lieh' mal mit dem reich sein, damit ist gar nichts los. Es ist eitel Plackerei, Schweiß und Mühe; man wünscht, man wäre todt. Diese Kleider hier gefallen mir und dieses Faß, und die gebe ich nie wieder aus. All' das Elend wäre

Donnerstag den 26. August

bisherigen Opposition in Sofia die Absetzung des Fürsten und die Bildung einer provisorischen Regierung. Diese besteht aus dem Metropolitan Element als Präsidenten ohn» Portefeuille, Stayauow-Aeußeres, Zankow-Jnneres, Burmow- Finanzen, Major Nikiforow-Krieg, Radoslavow- Justiz und Velikow - Unterricht. Nach anderen Nachrichten wäre Minister Karaweloff verhaftet, hätte also seinem Fürsten nicht die Treue ge­brochen. Neben dieser Bewegung fanden in Sofia und Rustschuk große Volksversammlungen statt, die ihr Einvernehmen zu dem Geschehenen kund- gaben. Ob es sich dabei um spontane Äußerun­gen des Volkswillens, ob es sich um die nöthige „Mache" gehandelt, läßt sich von hier aus nicht ermessen; letzteres ist jedoch wahrscheinlicher. In der von der provisorischen bulgarischen Re­gierung erlassenen Proklamation wird gesagt, Fürst Alexander habe Bulgarien auf dem Schlachtfelde große Dienste geleistet, habe aber in der Politik zu wenig Rücksicht auf Bulgariens Stellung als slavischer Staat und auf das gute Verhältniß zn Rußland genommen — deshalb sei seine Absetzung nöthig geworden. Ein Cir- cular der Pforte an ihre Vertreter im Auslande macht denselben Mittheilung von dem Ereignisse in Sofia und beauftragt dieselben, die Anschau­ungen der Regierungen, bei denen sie beglaubigt sind, über dies Ereignißin Erfahrung zu bringen. Sämmtliche englischen Blätter besprechen die Er­eignisse in Bulgarien. Die „Times" sagt, wenn der Sturz des Fürsten von Bulgarien ein her­vorragender Triumph der russischen Diplomatie sei, so sei derselbe, wennauch in geringem Grade, eine Schlappe der englischen Diplomatie. Das Blatt spricht weiter die Vermuthung aus, die Absetzung des Fürsten Alexander sei unter Kon- nivenz Deutschlands oder Oesterreichs erfolgt und fügt hinzu, wenn dies der Fall sei, sei anzu- nehmen, daß Rußland sich vorläufig mit dem

niemals über mich gekommen, wenn ich das Geld nicht gekriegt hätte; nimm Du meinen Antheil zu Deinem und gieb mir nur zu Zeiten ein Zehncent­

stück — nicht zu oft, denn ich scheere mich den Teufel um alles, was einem mühelos zufällt — und gehe Da zu Der Wittwe und bitte mich los."

Ach Huck, Du weißt wohl, daß das nicht geht. Das wäre nicht schön von mir, und überdem wirst Du Dich wohl daran gewöhnen und es gern haben, wenn Du's nur ein Bischen länger probirst."

„Gern haben - ja, wie den geheizten Backofen, wenn man nur lange genug drin gesessen hat. Nein, Tom. ich mag nicht reich sein — und in den ver­dammten feinen Häusern wohnen. Die Wälder und den Fluß und meine Fässer, die liebe ich, und bet denen will ich bleiben. Hol' alles der Henker! Jetzt, wo wir Flinten und eine Höhle und alles, was zum Räubern gehört, haben, kommt diese ver­fluchte Narrerei dazwischen und verdirbt uns alles."

Jetzt merkte Tom, wo er einen Haken anschlagen

könne.

„Sieh' mal, mein Huck, glaubst Du, daß ich nicht doch noch Räuber werde, obgleich ich jetzt reich bin?" v t ,

„Nein? sprichst Du gewiß und wahrhastig im Ernst, Tom?" „ a ;

„So gewiß, ganz im Ernst, als ich hier bei Dir sitze. Aber Dich, wenn Du nicht zur besseren Ge­sellschaft gehörst, können wir dann in die Bande nicht aufnehmen." t ,

„Nicht ausnehmen?" fragte Huck in hörbar herab- gestimmtem Tone. ,3$ könnte doch mit Dir

1886.

Sturze des Fürsten begnügen und eine weiter- gehende Aenderung in den Beziehungen zwischen der Türkei und deren Vasallenstaaten nicht ver­suchen werde. Die „Morningpost" äußert, die erzwungene Absetzung des Fürsten Alexander zeuge von der rastlosen Thätigkeit Rußlands, die die ernstliche Beachtung Englands und der übrigen Mächte verdiene, denen an der Erhal­tung des europäischen Friedens gelegen sei. „Pallmall-Gazetta" und „St. James-Gazetta" rathen zu unbedingtem Abwarten.

Fürst Alexander, dessen persönliche Eigenschaf­ten ein besferes Schicksal verdient hätten, stand seit einiger Zeit in der Luft zwischen Rußland, welches ihn in die Stellung gebracht und Eng­land, welches ihn erst gewonnen und dann im Stich gelassen hatte. Seit es feststand, daß England weder für eine Balkanfrage noch selbst für Constantinopel sondern nur für Indien Krieg führen werde, war Fürst Alexanders Stellung eine hoffnungslose. Die Türkei hat die russische Uebermacht genugsam gefühlt, um keinen isolirten Kampf gegen Rußland, namentlich nicht Bulga­riens halber, zu wagen; es ist sogar als sicher anzunehmen, daß man in Constantrnopel Kennt­niß von der geplanten Absetzung des Fürsten Alexander hatte.

.Was Oesterreich betrifft, meint die „Kölnische Zeitung", so bürgen die Rücksprachen in Kissingen und Gastein dafür, daß es die ihm von England zugedachte Rolle, die bulgarischen Kastanien aus dem Feuer zu iholen, nicht übernehmen werde. Wir können vielmehr erwarten, daß nach der Entfernung des Fürsten Alexander, den England als Keil zwischen Oesterreich und Rußland einzu- schieben versucht hatte, eine kürzere oder längere Pause in der ewig wirbelnden Balkanbewegung eintreten wird."

Wie dem auch sei, deutsche Interessen werden | durch das Ereigniß jedenfalls nicht berührt.

Pirat werden?"

„Ja, das ist etwas anderes. Der Räuber ge­hört einer höheren Gesellschaftsklasse an, als der Pirat — immer. In den meisten Ländern gehören sie zum höchsten Adel — Herzöge und so was."

„Aber Tom, wir sind doch immer so gute Freunde gewesen, Du wirst mich doch nicht ausschließen wollen, Tom? Das würdest Du doch nicht thun, Tom? Nicht?"

„Ich würde es nicht gern thun, und will es auch nicht, Huck. Aber was würde man dazu sagen? Was würde man sagen: Pah, Tom Sawyers Bande, da ist schönes Gesindel drin! Damit würden sie Dich meinen, Huck, und das würdest Du eben so wenig mögen, als ich."

Huck kämpfte einen schweren Kampf und schwieg eine Weile. Endlich sagte er:

„Gut, wenn ich zu der Bande gehören soll, Tom, so gehe ich zur Wittwe zurück und probire vier Wochen, ob ich mich daran gewöhnen kann."

„So ist's recht, Huck, das soll ein Wort sein. Komm mit alter Junge; ich werde bei der Wittwe ein gutes Wort einlegen, daß sie es nicht so gar schlimm mit Dir macht".

„Willst Du das Tom, thust Du's wirklich? Das ist nett. Wenn sie in den allerschwersten Sachen ein bischen nachgiebt, so werde ich für mich alleine 'mal rauchen oder fluchen und mich sonst durchquälen oder bersten. Wann tritt denn die Räuberbande zusammen?" ~

„Oh, allernächstens. Ich werde die Jungeus zusammenbringen und vielleicht schon in dieser