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Hersselder Kreisblait.

Nr. 99.

Mit wöchentlicher Kratis-AeitageIssustrirtes Nnterhaktungsölatt".

Dienstag den 24. August 1886.

Abonnements-Ginladung.

Bestellungen auf das

Hersfelder KrelsvLatt mit der wöchentlichen Gratis - Beilage

,,Mustrirtes Unterhaltungsblatt" für den Monat September werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Land­briefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtliches.

Bekanntmachung wegen Ausreichung der Zinsscheine Reihe X. zu den Schuldverschreibungen der Preußischen Staats­anleihen von 1850 und 1852.

Die letzten Zinsscheine zu den Schuldverschrei­bungen der Preußischen Staatsanleihe vom Jahre 1850 Reihe X. Nr. 1 bis 5 und vom Jahre 1852 Reihe X. Nr. 1 bis 7 über die Zinsen für die Zeit vom 1. Oktober 1886 bis 31. März 1889 bezw. bis 31. März 1890 werden vom 13. September d. I. ab von der Kontrolle der Staatspapiere Hierselbst, Oranienstraße 92 unten rechts, Vormittags von 9 bis 1 Uhr, mit Aus­nahme der Sonn- und Festtage und der letzten drei Geschäftstage jeden Monats, ausgereicht werden.

Die Zinsscheine können bei der Kontrolle selbst in Empfang genommen oder durch die Regie- rungs-Hauptkassen, sowie durch die Kreiskasse in Frankfurt a. M. bezogen werden. Wer die Em­pfangnahme bei der Kontrolle selbst wünscht, hat derselben persönlich oder durch einen Beauftrag­ten die zur Abhebung der neuen Reihe berech-

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Hom Sawyer's Abenteuer.

Nach dem Englischen des Mark Twain.

(Fortsetzung.)

Tom eilte hinaus; die Versammelten blickten sich verwundert an und fragend aus Huck; der aber war muckstill.

gib, was hat Tom nur wieder ? fragte Tante Polly.Aus dem Bengel wird man doch nie klug. Ich sollte*

Da trat Tom wieder ein, keuchend unter der Last seiner Säcke, und Tante Polly blieb in ihrer Rede stecken. Tom schüttete das Gold auf dem Tische aus und sagte:

.Da was habe ich Ihnen gesagt s Die eine Hälfte gehört Huck, die andere mir!"

Bei diesem Anblick ging der Gesellschaft der Athem aus. Alle starrten schweigend auf das Gold; dann rief alles durcheinander und forderte Aufklärung. Tom erbot sich, sie zu geben, und förderte eine lange, von aufregenden Einzelnheiten triefende Erzählung zu Tage, der man in athem- loser Spannung sein Ohr lieh. Als er geendet, sprach Mr. Jones:

Ich hatte Ihnen für die heutige Gelegenheit eine kleine Ueberraschung bieten wollen, aber die ist nun völlig vernichtet. Ich gebe gern zu, daß sie gegen diese nichts war.

Man machte sich daran, das Geld zu zählen; es fanden sich etwas über zwölslausend Dollars, mehr als irgend jemand der Anwesenden bis da-

tigenden Zinsscheinanweisungen mit einem Ver­zeichnisse zu übergeben, zu welchem Formulare ebenda und in Hamburg bei dem Kaiserlichen Postamte Nr. 2 unentgeltlich zu haben sind. Genügt dem Einreicher eine numerirte Marke als Empfangsbescheinigung, so ist das Verzeichniß einfach, wünscht er eine ausdrückliche Bescheini­gung, so ist es doppelt vorzulegen. Im letzteren Falle erhalten die Einreicher das eine Exemplar mit einer Empfangsbescheinigung versehen, sofort zurück. Die Marke oder Empfangsbescheinigung ist bei der Ausreichung der neuen Zinsscheine zurückzugeben.

In Schriftwechsel kann die Kontrolle der Staatspapiere sich mit den Inhabern der Zins­scheinanweisungen nicht einlassen. Wer die Zins­scheine durch eine der oben genannten Provinzial- kassen beziehen will, hat derselben die Anweisun­gen mit einem doppelten Verzeichnisse einzureichen.

Das eine Verzeichniß wird mit einer Empfangs­bescheinigung versehen, sogleich zurückgegeben und ist bei Aushändigung der Zinsscheine wieder ab- zuliefern. Formulare zu diesen Verzeichnissen sind bei den gedachten Provinzialkassen und den von den Königlichen Regierungen in den Amts­blättern zu bezeichnenden sonstigen Kassen unent­geltlich zu haben.

Der Einreichung der Schuldverschreibungen be­darf es zur Erlangung der neuen Zinsscheine nur dann, wenn die Zinsscheinanweisungen ab­handen gekommen sind, in diesem Falle sind die Schuldverschreibungen an die Kontrolle der Staatspapiere oder an eine der genannten Provin­zialkassen mittelst besonderer Eingabe einzureichen.

Berlin, den 6. August 1886.

Hauptverwaltung der Staatsschulden.

I. 1780. gez. Merleker.

* . *

Cassel, den 12. August 1886.

Die vorstehende Bekanntmachung wird hierdurch

hin beisammen gesehen hatte, wenn auch verschiedene unter ihnen im Grundbesitz größere Werthe be­saßen.

11. Kapitel.

Daß das Glück, welches Tom und Huck so un­erwartet mit seinen Gaben überschüttet hatte, das bescheidene Städtchen St. Petersburg in die größte Aufregung versetzte, wird der geneigte Leser mir ohne besondere Versicherung glauben. Es grenzte an das Märchenhafte eine solche Summe in baarem Gelde. Man beschwatzte, beneidete, über- trieb es, bis der Verstand vieler braver Menschen darüber iu's Wanken kam. JedesSpukhaus" in St. Petersburg wurde untersucht, Balken für Balken auseinander genommen, in den Fundamen­ten unterwühlt und nach verborgenen Schätzen durchgraben nicht etwa von unreifen Jungen, nein, von ernsten, nichts weniger wie romantisch angelegten Leuten. Wo Tom und Huck sich sehen ließen, da machte man ihnen den Hof, da wurden sie angestarrt und bewundert. Bis dahin hatten sie nicht bemerkt, daß man ihren Worten jemals irgend ein Gewicht beigelegt habe; jetzt wurde jede Bemerkung im Gedächtniß bewahrt und weiter er­zählt ; alles, was sie thaten, erschien in einer oder anderer Weise beachtenswerth; die Fähigkeit, Ge­meinplätze zu sagen oder Alltägliches zu thun, war ihnen offenbar abhanden gekommen; man forschte ihrem früheren Leben nach und entdeckte Züge hervorragender Originalität. Im Blättchen des Ortes erschien eine biographische Skizze von ihnen.

Wittwe Douglas legte Huck's Geld zu sechs

mit dem Bemerken zur öffentlichen Kenntniß ge­bracht, daß die Formulare zu den Verzeichnissen über die zur Empfangnahme der neuen Zins­scheine nebst Zinsscheinanweisungen einzureichen« den derartigen Anweisungen bei der hiesigen Re- gierungs-Hauptkasse und den sämmtlichen Steuer­kassen unseres Bezirksunentgeltlich" zu haben sind.

Königliche Regierung.

J. V.: S ch w a r z e n b e r g.

C. I. K. 3728.

# Religion und Socialdemokratie.

Bei weitem das widerwärtigste Kapitel in der Geschichte der Socialdemokratie ist ihr Verhalten zur Religion. Die socialdemokratischen Führer sind Diener des Materialismus in seiner abschreckendsten Gestalt. In der That können sie auch nur hoffen, den socialistischen Zukunftsstaat er­richtet zu sehen, wenn die Entgötterung der Welt und die Ausrottung des positiven Glaubens aus dem Herzen des Volkes den zum Thier herabgewürdigten Menschen zur Zertrümmerung und zum Umsturz aller bestehenden Ord­nung reis gemacht hat. In den Schriften der Socialde. moiraien wird die Religion, der Glaube an das, waS uns als das Höchste und Heiligste gilt, mit einem geistigen Hochmuth angegriffen, dessen nur die grasseste Un- oder Halbbildung fähig ist und der die Erkenntniß des auf der Höhe der Wisseiischast Stehenden, ebenso wie das natür­liche Empfinden des einfachen und rechtschaffenen Mannes verletzt.

Ein keineswegs conservativer oder gläubiger Schrift­steller, Johannes Scherr, sagt:Von dem, was in der Seele des Volkes vorgeht des wirklichen und wesen- hasten Volkes, welches mit dem in der Sudelküche com» munistisch anarchistischer Hetzerei zurecht gemachten Abstrac- tumVolk" nichts gemein hat ja davon haben die Herren Materialisten nicht die entfernteste Vorstellung. Kümmern sich auch nicht darum. Sie wähnen, dem Fortschritt" zu dienen, wenn sie die Erde entgöttern, d. h. der Menschheit ihre Illusionen nehmen. Aber ohne Götter, Ideale und Illusionen ist der Mensch nur ein zweibeiniges sederloses Stück Vieh." Das ist, aus dieWeisen" der Socialdemokratie angewandt, mit der Einschränkung richtig, daß diese sehr wohl wissen, mit welchem Abscheu

Procent an; auf Tante Polly's Ansuchen besorgte Mr. Thatcher dasselbe für Tom. Danach hatte jeder von ihnen ein geradezu fabelhaftes Einkom­men: für jeden Wochentag und die Hälfte der Sonntage einen Dollar! Gerade soviel wie der Pastor bekam, oder bekommen hätte, wenn ers hätte zusammen kriegen können aber das kam selten vor. Für ein ein Viertel Dollar die Woche konnte man in jenen genügsamen Zeiten einen Jungen ernähren und zur Schule schicken incl. Kleidung und Wäsche.

Bei Richter Thatcher stand Tom hoch in An­sehen. Ein gewöhnlicher Junge, meinte er, hätte seine Tochter nie lebend aus der Höhle gebracht. Als Becky ihrem Vater erzählte, Wie Tom in der Schule für sie eine Tracht Prügel hingenommen hatte, war er sichtlich gerührt, und wie sie darauf gebeichtet, welche colloffale Lüge Tom vorgebracht, um besagte Prügel von ihrem Rücken auf den (einigen hinüber zu leiten, sagte Mr. Thatcher im Uebermaße des Gefühls, es sei eine nebele, groß­herzige edelmüthige Lüge, werth in der Geschichte zusammen mit George Washingtons vielgepriesener Wahrheit" bezüglich des Beils genannt zu werden. Niemals war der Vater ihr so groß und stolz er­schienen, als wie er dabei das Zimmer mit dröh. nendem Tritt auf- und abschritt. Sie ging direct zu Tom und erzählte es ihm wieder.

Richter Thatcher gab sich der Hoffnung hin, Tom werde eines Tages ein berühmter Feldherr oder ein großer Rechtsgelehrter werden. Er ver­sicherte, dafür sorgen zu wollen, daß Tom in die