Ofens, welches 146 Jahre lang in den Händen der Türken gewesen war, zu feiern. — Die ungarische historische Gesellschaft hat der mit der Veranstaltung der Ofener Jubelfeier betrauten städtischen Commission mitgetheilt, daß auch ein Vorfahr des Fürsten BiSmarck an den Kämpfen, die zur Wiedereroberung Ofens führten, theilge- nommen habe. Es war dies ein Major von Bis- marck, welcher im kurfürstlich Brandenburgschen Regiment, Commandant Oberst Belling, diente und am 3. August verwundet wurde. Da der hauptstädtische Municipal-Ausschuß ungeordnet hat, daß alle jene Familien, deren Vorfahren den geschichtlichen Quellen zufolge an den Kämpfen theilge- nommen hatten, zu der bevorstehenden Erinnerungsfeier eingeladen werden sollen, wird nun auch an den Reichskanzler Fürsten Bismark ein Einladungsschreiben gerichtet werden.
— (Ein Schatz aus demMeeresgrunde.) Amsterdam, 12, August. Im Jahre 1799 sank an der niederländischen Küste bei Terschelling ein mit etwa 25 Millionen Gulden baarem Gelde beladenes Schiff, die „Lutine"; von der ganzen Mannschaft rettete sich nur ein Matrose, der die Stelle anwies, wo das Unglück geschehen war, und wo die Goldbarren zu suchen seien. Im Anfang dieses Jahrhunderts gelang es in der That, einige Millionen zu Tage zu fördern; aber seit dieser Zeit sank das Schiff tiefer und tiefer in den Sand, so daß jede Spur desselben verloren schien. Nur wenige, darunter ein Einwohner von Terschelling, 1er Meulen, trugen sich noch mit der Hoffnung, daß es doch noch möglich sein werde, den reichen Schatz zu heben. Letzterer hat eine Schrift darüber veröffentlicht und den vergeblichen Versuch gemacht, eine Altien-Gesellschaft zu gründen, um die Lutine zu heben. Vor wenigen Tagen nun liefen die zwei Boote, welche ter Meulen zu diesem Zwecke mit den nöthigen Geräthschasten hatte bauen lassen, in festlichem Flaggenschmuck in den Hafen ein, da sie nicht nur die Lage des Schiffes deutlich und genau erkundet hatten, sondern außerdem noch zu der Ueberzeugung gekommen waren, daß die Sandschichten welche die Lutine bis jetzt bedeckt hatten, wahrscheinlich infolge der Küstenstürme verschwunden, und das Schiff theil- weise blosgelegt war. Fraglich ist natürlich, aus welche Weise und mit welchen Kosten das Schiff gehoben werden kann, und ob nicht das Meerwasser im Lauf einer so langen Zeit vom Golde so viel weggespült und weggewaschen hat, daß die aufgewandten Kosten gedeckt werden.
— Amsterdam. Einem früheren Unteroffi- cier des niederländisch-indischen Heeres namens Roghair, waren im Kampfe mit Alchinesen beide Augen ausgeschossen. Als die königliche Familie im Mai in Amsterdam weilte, wurde dem König Roghair vorgestellt, der zugleich über unerträgliche Kopfschmerzen klagte. Der König rieth dem Invaliden, den gräßlichen Anblick, den fein Gesicht bot, dadurch zu mildern, daß er sich künstliche Augen einsetzen lasse. Bei der Operation, der sich
Roghair infolge dessen unterzog, fand sich, daß er in der einen Augenhöhle noch die eine Kugel, die ihn getroffen, trug, welche nun entfernt und womit der Aermste auch von seinem Kopfschmerz befreit worden ist.
— (Eifersucht eines Sterbenden.) In einem Dorfe des Moskauer Kreises hatte sich der 50jährige Bauer Mamontow in zweiter Ehe mit einem jungen Mädchen verheirathet und quälte seine Frau entsetzlich mit grundloser Eifersucht, ja, mißhandelte sie sogar häufig ohne Veranlassung. Endlich erkrankte er heftig und, nachdem man ihm die Sterbesakramente gereicht hatte, wünschte er von seiner Frau Abschied zu nehmen. Als diese sich über ihn beugte, um ihn zu küssen, biß er sich so fest in ihre Unterlippe ein, daß man seine krampfhaft zusammengepreßten Zähne mittelst eines Messers aus—einanderbrechen mußte. Wie der Sterbende dann mit letzter Kraft erklärte, hatte er die Absicht gehabt, seiner Frau die Unterlippe abzubeißen und sie dadurch zu verunstalten, damit sie nach seinem Tode kein Anderer heirathe.
— Florenz. Ein seltsames Attentat verübte am Sonntag hier ein noch Unbekannter. Derselbe warf ein brennendes Zündholz in den großen Brief- und Zeitungseinwurf der Hauptpost mit der Absicht, die darin enthaltenen Postsachen zu vernichten. Und in der That wurden mehr als 100 Poststücke verbrannt.
— New-Iork. Ein grelles Streiflicht auf amerikanische Sittenzustände wirft eine Notiz, die sich in einem hiesigen Blatte findet: Die New-Uorker Polizei hat im verflossenen Jahre wegen Trunkenheit nicht weniger als 2248 Knaben und 1056 Mädchen, alle unter 14 Jahren, arretirt.
— (Unschuldig h in ge r ich tet.) Ein Bewohner der Insel Jersey, wo bekanntlich Viktor Hugo längere Zeit seiner Verbannung zubrachte, hat sich auf dem Todtenbette als den Urheber eines vor zwölf Jahren begangenen Mordes bekannt, wegen dessen ein anderer verurtheilt und hingerichtet worden ist. Im December 1874 fand der Pächter Laurens, als er nach Hause kam, seine Frau Nancy Laurenz todt aus einem Kanapee liegen. Der Kopf war mit einem Tuche zugedeckt und die Füße steckten in einem Kübel. In dem Momente, wo der Pächter die Thür öffnete, krachte ein Schutz gegen ihn, ohne daß er die Person des Thäters zu sehen Gelegenheit hatte. Da sich jedoch der Bruder der ermordeten Frau um die kritische Zeit allein im Hause befunden zu haben schien, so fiel der Verdacht auf diesen Bruder, welcher verhaftet, des Mordes an seiner eigenen Schwester angeklagt und trotz aller Unschuldsbe- lheuerungen verurtheilt und mit der Guillotine hingerichtet wurde. Jetzt, nach zwölf Jahren erst, ist die Unschuld des armen Mannes aus Tageslicht gekommen.
— (DerKampf um diebesteCervelat- wur st.) Die „Allgemeine Fleischerztg." schreibt: Die von uns ausgeschriebene Conkurrenz um das
beste Recept für Dauer-Cervelatwurst hat in den verschiedensten Theilen Deutschlands und darüber hinaus lebhaftes Interesse erregt. Die Zahl der Einsendungen ist eine große und die Preisjury wird seine leichte Arbeit haben, drei Recepte, die ihrer Bereitung und Zusammensetzung nach ein gutes Resultat versprechen, zur Probebereitung auszu- wählcn.
— (Geld oder Leben!) Frau Milscherlich aus Aschaffenburg war ihrem Sohne nach New- Aork gefolgt. Lei einem Brande im Zimmer wollte sie ihr Geld, 10 Banknoten zu je 1000 Dollars, die sie in ihrem Bette versteckt hatte, um jeden Preis retten, verspätete sich und verbrannte.
— (Lieber zu Fuß!) Kürzlich kam ein junger Mann, anscheinend ein Knecht, an die Billetausgabe des Bahnhofes in Elze und verlangte, 50 Pfg. auf das Brett legend: „En Billet na Hannover verter Classe." — „Das kostet aber 70 Pfennig." — Dat is utverschämt, dann gock ick leider tau Faute!" Sprach's, nahm seine 50 Pfg und verschwand.
— (Z w e i C r e d i t l o s e.) Der Schauspieler B. benöthigte einst Geld und ging deshalb zu einem Bankier, um die nöthige Summe zu borgen. „Ich schicke Ihnen morgen zwei Creditlose als Pfand", sprach er und steckte das geliehene Geld ein. Am andern Morgen erschienen bei dem Bankier zwei elende Vagabunden und erklärten, sie seien vom Schauspieler B. hierher geschickt worden. Der Bankier jagte sie fort, erkundigte sich aber bei dem Genannten, was das zu bedeuten habe, „Run," lachte dieser, „habe ich gestern nicht versprochen, ich werde Ihnen zwei «Creditlose" schickend"
(Ein besorgter Schwiegersohn.) Arzt: Der Zustand Ihrer Frau Schwiegermutter ist nicht mehr bedenklich, aber — es wird manches gelähmt bleiben. — Schwiegersohn: Die Zunge auch?
(I mExame n.) Professor der Anatomie: Sagen Sie, Herr Canoidat, wohin gelangt man, wenn man mit einem Messer Jemanden tief zwischen die zweite und dritte Rippe flößt? — Jn's Kriminal, Herr Professor.
Preußische 31/2 pCt. 1 00 Tahler-Loos; von 1855, Die nächste Ziehung findet am 15. September statt. Gegen den Coursverlust von ca. 85 Mk pro Stück bei der Ausloosung übernimmt das Bankhaus Carl Reuburger, Berlin, Französische Straße 13, die Versicherung für eine Prämie von 12 Mark pro Stück.
Kirchliche Nachrichten.
Gottesdienst, Sonntag den 22. August. Vormittags: Herr Jnspector Dr. Vial. Nachmittags: Herr Pfarrer Hosbach.
Frachtpreise.
Weizen 100 Kilogr. - M. - Pf. bis - M. — Pf. Roggen 100 Kilogr. 13 M. 35 Ps. bis 14 M. - Pf. Gerste - M. - Pfg. bis - M. — Pf. Hafer 100 Kilogr. 13 M. 25 Pf. bis 13 M. 35 Pf.
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