Einzelbild herunterladen
 

Erscheint wöchentlich drei Mal, am Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.

Abonnementspreis: vierteljährlich 1 Mark 40 P.fg. exci. Postausschlag.

Die Jnsertionsgebühren

betragen für den Raum einer Spaltzeile

10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg.

Reklamen die Zeile 20 Psg.

Bei größeren Austrägen entsprechenderRabatt.

Hersstl-er ImsHitt

Mit wöchentlicher Kratis-AeikageIllustrirtes Nnterhaktungsölatt".

Nr. 98. Sonnabend den 21. August 1886.

Amtliches.

Hersfeld, den 18. August 1886.

Im Hinblick auf den Umstand daß die Gefahr eines Brandunglückes um so größer ist, je mehr Nahrung dem ausgebrochenen Feuer sich bieten, veranlasse ich die Herren Ortsvorstände des Kreises, thunlichst darauf hinzuwirken, daß jetzt, wo nach beendeter Ernte die Scheuern mit brennbaren Stoffen angefüllt sind, soweit möglich ein Jeder seine Vorräthe gegen Feuersgefahr versichert, damit im Falle eines Unglücks eine thunlichst erreichbare Ausgleichung des erlittenen Schadens stattfindcn möge.

Ich mache hierbei ausdrücklich darauf auf­merksam, daß nach dem Erlaß des Herrn Ober- Präsidenten vom 28. Februar 1878 (cfr. Kreis­blatt Nr. 20) die Abhaltung von Hauskollec- ten aus Anlaß von Beschädigungen durch Brand, ebensowenig, wie bei Hagelschlag, genehmigt werden wird.

Gleichzeitig richte ich an die Kreisbewohner die dringende Mahnung, ein besonderes Augenmerk auf die sichere Aufbewahrung der Streichzündhölzer zu richten, damit nament­lich unverständige Kinder nicht in deren Besitz gelangen und durch Spielen damit, wie schon so oft geschehen, Feuerschaden verursachen. Die Herren Ortsvorstände wollen für thunlichste Be- kanntwerdung des Gesagten Sorge tragen, und auch die Herren Lehrer hieraus Anlaß nehmen, in entsprechender Weise auf die Schulkinder ein- zuwirken.

9137. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 19. August 1886.

Die am 10. Oktober 1864 zu Obergeis geborene Anna Margaretha S t u ck h a r d t hat um Er-

> welches ihn erst mit dem letzten Lebensodem verließ, was er that, er that es nicht um Glanz und Ruhmes willen, sondern in dem Stre­ben, den Staat, den er, wie es in seinem ewig denk­würdigen Testamente beißt, zu regieren die Ehre hatte, groß und glücklich zu machen.Hätte ich mehr als ein Leben, würde ich es dem Vater­lande opfern." Diese Auffassung seiner Pflicht, die den Regenten zum ersten treuesten und größten Diener des Staates machte, ist das Erbtheil der nachfolgenden Geschlechter der Hohenzollern ge­worden.Was Du ererbt von Deinen Vätern hast, Erwirb es, um es zu besitzen," heißt es bei Göthe. Wir können nicht an den großen Friedrich denken, ohne daß uns auch das Bild Kaiser Wilhelms vor Augen schwebt.Ein Mensch, er sei groß oder klein", sagte der todte König, dem am Dienstag unser Kaiser ein stilles Opfer der Dank­barkeit und Verehrung darbrachte,muß als ein Mann angesehen werden, dessen Aufgabe es ist, mit allen seinen Kräften dem menschlichen Elende abzuhelfen." Möchte dieser Größe der Auffassung des fürstlichen Berufes auch die Achtung weitester Volkskreise vor Zucht und Ordnung im Staate, ihre dankbare Verehrung für das Bedeutende, ihr Mitleid mit den Schwachen und Bedrückten, ihr Sinn für das allgemeine Beste entsprechen. Daran soll uns der Todestag Friedrichs mahnen, dann wird sein Andenken nach Verdienst geseg­net sein.

theilung eines Reisepasses behufs Auswanderung i nach Amerika nachgesucht.

9199. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

# Zur hundertjährigen Gedächtnißseier des Todes Friedrichs des Großen

fand an dessen Ruhestätte, im Grabgewölbe unter der Kanzel in der Garnisonkirche zu Potsdam, auf Befehl des Kaisers eine erhebende Feier statt, an welcher der gefammte Hof, der Kaiser, die Kaiserin, das Kronprinzenpaar mit seinen Töch­tern, Prinzessin Friedrich Karl, Prinz Heinrich, der Prinzen Friedrich Leopold, Alexander, Erb­prinz von Meiningen, die Prinzen von Hohen- zollern, Prinz Ludwig von Baden, die Generalität, Deputationen der Truppen von Potsdam, Ge­meine und Unterofficiere theilnahmen.

Der Kaiser hatte die Anordnung getroffen, daß keine allgemeine öffentliche Feier stattfinden solle. Wer das Wirken des großen Todten kennt, wer die Gefühle unseres erhabenen Kaisers ver­steht, wer endlich auch die tiefsten Empfindungen des preußischen Volkes und der sich mit ihm ver­bunden fühlenden deutschen Volksstämme recht würdigt, der wird es auch dankbar anerkennen, daß der Kaiser die officielle Feier auf einen Act von weihevoller Pietät in der Garnisonkirche zu Potsdam beschränkt hat. Was Friedrich der Große für Preußen und Deutschland war und ist, das können keine öffentlichen Veranstaltungen zum vollen Ausdruck bringen. Die wahrste und würdigste Feier ist es, wenn das Volk dem Bei­spiele des Kaisers folgt und sich in stiller Dank­barkeit in das Gedächtniß des großen Todten versenkt. Die Schlachten, die er geschlagen, die Fundamente, die er für den preußischen Staat gelegt hat, das rastlose Sinnen und Wirken,!

Uotttische Nachrichten.

(Deutschland.) Se.Majestät der Kaiser erledigte am Donnerstag auf Schloß Babelsberg die laufenden Regierungsangelegenheiten, nahm mehrere Vorträge entgegen und arbeitete mit dem Chef des Militärcabinets v. Albedyll.

Se. Kaiserliche und Königliche Hoheit der I Kronprinz wird in der ersten Woche des

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Horn Sawyer's Abenteuer.

Nach dem Englischen des Mark Twain.

(Fortsetzung.)

Behutsam auslugend, krochen die beiden Knaben in das dichte Sumachgebüsch. Die Luft war rein und so gaben sie sich denn den Genüssen des Rauchens aus einem gemüthlichen Pfeifchen hin. Als die Sonne sich dem Untergang näherte, be­stiegen sie das Boot und machten sich auf den Rückweg; in heiterem Gespräch mit Huck lieb Tom das Boot am Ufer hingleilen und landete bald nach Eintritt der Dunkelheit.

Wir werden jetzt das Geld auf dem Boden über dem Holzstalle der Wittwe verstecken, Huck", sagte nun Tom.Morgen früh komme ich wieder, dann zählen und theilen wir, und dann werden wir im Walde ein sicheres Versteck dafür aus- püren. Warte Du hier und hüte den Schatz; ch werde Benny Tylors kleinen Karren inzwischen )olen. Ich bleibe kaum eine Minute fort."

Damit verschwand er, kehrte auch bald mit dem Karren zurück, lud die zwei Säcke ein, bedeckte sie mit einigen Lumpen und zog mit der Ladung in tzucks Begleitung ab. Vor des Wallisers Hause hielten sie eine Rast; gerade als es wieder vorwärts gehen sollte, trat der alle Mann vor die Thür und rief:

Halloh, wer ist da?"

Huck und Tom Sawyer."

Schön. Kommt mit mir, Jungen; man er­

wartet euch schon. Nur schnell voran; den Karren werde ich schon ziehen. Tausend, der ist ja nicht so leicht, wie ich dachte. Habt ihr Mauersteine dadraus oder altes Metall s"

Altes Metall," erwiderte Tom.

Das dachte ich mir. Um für sechs Cent altes Eisen zum Verkauf an die Schmelzerei zu bringen, verschwenden die Jungen hier mehr Zeit als nöthig wäre, um bei ordentlicher Arbeit das Doppelte zu verdienen. Vorwärts, rasch vorwärts."

Die Beiden wollten nun gern erfahren, wozu die große Eile.

Darüber beunruhigt euch nicht; das werdet ihr erfahren, sobald wir erst bei Wittwe Douglas sind."

Huck wurde angst; es war ihm schon zu oft vor­gekommen, daß er fälschlich beschuldigt war; er sagte schüchtern:

Mr. Jones, ich habe nichts Unrechtes gethan."

Der Alte lachte:Ja, mein Junge, davon weiß ich nichts, gar nichts. Ich denke, Du und die Wittwe, ihr seid gute Freunde?"

Ja wohl. Sie war mir immer gut."

Na, denn ist's ja in der Ordnung. Warum fürchtest Du Dich denn?"

Ehe Huck's etwas langsam arbeitende Fähig­keiten sich über den Sinn der Sache klar werden konnten, war er schon in Tom'S Gesellschaft in die Wohnstube geschoben; derWalliser ließ den Karren vor der Thür stehen und folgte.

Das Zimmer war hell erleuchtet und alle Ho- norationen des Städtchens darin versammelt:

Thatcher's, Harper's, Roger's Tante Polly, Sidney, Mary, der Pastor und noch viele andere in sonn­täglichem Gewände. Die Frau Douglas empfing die beiden so herzlich, wie man überhaupt zwei menschliche Wesen, die so aussahen, wie diese beiden empfangen konnte. Sie waren in eine Kruste von Lehm und Lichtertalg eingehüllt; Tante Polly wurde dunkelroth, runzelte die Stirn und schüttelte mit dem Kopf, litt aber doch nicht halb so sehr als die beiden Jungen. Endlich sagte Mr. Jones:

Tom war nicht zu Hause, und ich mußte es deshalb ausgeben ihn zu finden; da traf ich ihn zufällig mit Huck zusammen an meiner Hausthür, und so brächte ich sie denn beide schleunigst hierher."

Und damit thaten Sie Recht," erwiderte Frau Douglas.Kommt mit mir, Jungen."

Sie brächte sie in ihre Schlafstube und sagte: Nun wascht Euch und zieht Euch um. Hier sind zwei neue Anzüge, Hemden, Strümpfe, alles complet. Sie sind für Huck bestimmt bedanke Dich nicht, mein Junge Mr. Jones hat den einen und ich den andern gekauft. Aber sie werden Euch beiden passen, also ziehet sie an. Wir warten unten also kommt, sobald ihr wieder menschlich aussehet."

Damit ließ sie sie allein.

10. Kapitel.

Tom," sagte Huck,wenn wir einen Strick er­wischen können, können wir ausreiben. Das Fenster ist nicht eben hoch über der Erde."

Ausreißen? wozu?"