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Hcrsskliitl fircisblntt

Mit wöchentlicher Kratis-IeilageIllustrirtes Mnterhaktungsölatt".

Nr. 96.

Dienstag den 17. August

1886.

Amtliches.

Hersfeld, den 13. August 1886.

Nach einer Mittheilung des Königlichen Land­rathsamtes zu Ziegenhain ist unter den Schafen zu Hatterode die Räudekrankheit ausgebrochen. 8995. Der Königliche Landrath

I. B.:

Heeg, Kreissecretair.

- Polizei-Verordnung.

Auf Grund des §. 5 der Verordnung vom 20. September 1867 über die Polizei-Verwaltung in den neuerworbenen Landestheilen wird mit Zu­stimmung der Gemeindevertretung folgende, für den Bereich der Gemeinde H a r n r o d e gültige ortspolizeiliche Vorschrift erlassen:

Nachdem die von der hiesigen Gemarkung aus über die Werra nach Heimboldshausen führende Brücke defekt geworden und ein so schweres Befahren derselben wie bisher nicht mehr möglich ist, so wird hierdurch an­geordnet, daß dieselbe in Zukunft nur mit einer Schwere bis zu 25 Centnern befahren werden darf. Zuwiderhandlungen gegen dieses Verbot unterliegen einer Geldstrafe bis zu 9 Mark, eventuell entsprechender Haftstrafe.

Harurode, den 13. August 1886.

Die Ortspolizeibehörde W i e g a n d.

# Die Tariszustande in Oesterreich- Ungarn.

In einemDie Tarifkartelle der Eisenbahn" überschriebenen Artikel beleuchtet derPester Lloyd" die Verkehrsverhältnisse, insbesondere die Taritzu-

(Unbefugter Nachdruck verboten.) Tom Sawyer's Akenteuer.

Nach dem Englischen des Mark Twain.

, (Fortsetzung.)

^ Neben der Leiche des Jnjun Joe lag das zer­brochene Bowiemeffer. Die starke hölzerne Thür­schwelle war mühsam zerhackt und in Splitter zer­schnitten. Vergebliche Arbeit; denn vor der hölzernen lag der massive Fels als zweite Schwelle, an der das Messer fruchtlos sich versucht hatte und dabei zerbrochen war. Aber selbst, wäre der Stein nicht im Wege gewesen^ so würde doch alle Mühe um­sonst gewesen sein; denn gesetzten Falls, es wäre Jnjun Joe gelungen, den Schwellbalken völlig hin­weg zu räumen, so wäre es ihm dennoch unmöglich gewesen, seinen Körper durch die so gewonnene Oeffnung hindurch zu zwängen. So hatte er denn wohl, nur um die träge dahin schleichenden Stunden hinzubringen, um das Bewußtsein zu haben, irgend etwas zu thun, immer weiter an dem Holz ge­schnitzelt. In der Regel konnte man Dutzende von Lichtstümpfchen, die die Besucher der Höhle zurück­gelassen, in den Felsspalten dieser Vorhalle finden; jetzt war kein einziges vorhanden. Der Gefangene hatte sie alle aufgegessen. Einige Fledermäuse, die er zu greifen so glücklich gewesen, hatten gleichfalls zur Stillung des Hungers dienen müssen; man fand nur die Klauen. Der Unglückliche war ver­hungert: das war klar. Ganz in der Nähe hatte sich aus dem Boden, von dem stets abtropfenden Wasser eine Stalaktitsäule gebildet; von dieser

stände auf den österreichisch-ungarischen Eisenbahnen. Durch diein der Sturm- und Drangperiode der forcirten Eisenbahnbauten" erfolgte Anlage zahl­reicher überflüssiger Bahnen, welche nunmehr als Hauptbahnen betrieben würden, so heißt es daselbst u. A., sei der Verkehr erheblich vertheuert worden. Ueberdies sei dadurch eine wilde Tarifconcurrenz entfesselt, welche in den vielfach abgeschlossenen Tarifkartcllen ganz absonderliche Früchte gezeitigt habe. Diese Kartelle seien lediglich vom Stand­punkte der Interessen der Eisenbahnen abgeschlossen, ohne jegliche Rücksichtnahme auf die Bedürfnisse des Verkehrs und des Publikums, und doch hätten die Kartelle auch vom Standpunkte der Eisenbahn­verwaltungen aus erhebliche Mängel. Sie seien die Quelle vielfacher Streitigkeiten, verzögerten die Aufstellung der Rechnungen, und es lasse sich schließlich doch nicht immer verhindern, daß das Publikum, ohne die Abmachungen der Bahnen zu beachten, die ihm vortheilhaftesten Wege wähle. Sein Urtheil über diese Zustände faßt der fester Lloyd* dahin zusammen:daß die Tariskartelle in ihrer jetzigen Form der freien Entwickelung des Verkehrswesens sowie der Erfüllung des commer- ziellen Berufs der Eisenbahn hinderlich seien, und eine Mitursache des Verfalls gerade der bestver­walteten Bahnen bildeten."

Auch mit den Tarifen soll es auf den öster­reichisch-ungarischen Bahnen nach der mehrgedachten Quelle recht übel aussehen. Nach einer kürzlich auf amtliche Veranlassung ausgestellten Uebersicht, welche einen stattlichen Band ausfülle, gäbe es aus den Lahnen der Monarchie für den söinneuuerfrfjs 415 Tarife mit 447 Nachträgen, süx den directen Verkehr mit demAuslande weitere 319Tarife mit 606 Nachträgen, alss-im ^Ganzen 734 Tarife mit 1053 Nachträgen. Außerdem beständen noch rund 5000 sog. Kartirungssätze und allein rund 3000 veröffentlichte Refaetien. Eine Beseitigung dieses Chaos" sei bisher noch nicht gelungen.

hatte der Gefangene das Odertheil abgeschlagen und auf den Stumpf einen flach ausgehöhlten Stein gestellt, um den kostbaren, in Pausen von etwa zwanzig Minuten mit der Regelmäßigkeit einer Uhr herabfallenden Tropfen aufzufangen ein Theelöffel voll das Ergebniß von vierund,zwanzig Stunden! Dieser Tropfen fiel, als die Pyramiden eben vollendete Bauwerke waren, als Troja zer­stört und Rom gegründet, als der Herr Christus an's Kreuz geschlagen wurde; als Wilhelm der Eroberer das britische Reich gründete; als Colum- bus seine Welten verwandelnde Reise antrat, als der vierte Juli die Staaten von Amerika frei machte. Er fällt noch und wird weiter fallen, wenn allesJetzt" zur historischen Vergangenheit und diese wieder zur Tradition geworden und die Tradition von der Vergessenheit verschlungen sein wird. Hat jedes Ding seinen Zweck und seine Mission? Mußte dieser Tropfen fünftausend Jahre lang geduldig und regelmäßig fallen, um einem vorüberflatternden menschlichen Insekt den Durst zu löschen, und was liegt ihm nach weiteren zehn­tausend Jahren zu erfüllen ob? Weiß ich's! Viele, viele Jahre sind vergangen, seitdem der dem Verderben geweihte Mischling den Stein aushöhlte, um die unschätzbaren Tropfen aufzufangen, aber noch heutigen Tags betrachtet der Reisende, der die Wunder der Mac-Dougals-Höhle zu sehen be­kommt, diesen beredten Stein am längsten. Er ist die größte Merkwürdigkeit, unübertroffen selbst durchAlladin's Palast."

Man bestattete Jnjun Joe's Leiche dicht vor dem

Politische Nachrichten.

(Deutschland.) Am Sonnabend Vormittag hörte Se. Majestät der Kaiser auf Schloß Babelsberg den Vortrag des Grafen Perponcher, arbeitete mit dem Chef des Militär-Cabinets v. Albedyll und empfing einige Militärs.

Fürst Bismarck bleibt bis Ende August in Gastein, geht dann auf kurze Zeit nach Berlin und nimmt sodann seinen Aufenthalt vorläufig in Friedrichsruhe.

Die Zuckerausfuhr, welche längere Zeit hin­durch erheblich gestockt hatte, ist neuerdings wieder im Steigen begriffen. Im Juni d. I. ist mehr als dreimal so viel Zucker zur Ausfuhr gekommen, wie im gleichen Zeitraum des Bor­jahres.

Der Bau des Nordostseekanals kann erst nach längerer Zeit thatsächlich in Angriff genommen werden. Als Sitz der Kanalkommission kommen Rendsburg und Kiel in Frage. Diese Kommission wird zunächst die Einzelausarbeitung der Pläne vorzunehmen haben. Alsdann erst wird an den Grunderwerb gegangen. Besondere Schwierig­keiten bietet der Bau des Kanals auf denjenigen Strecken, in welchen er durch Moorboden geführt werden muß.

Die Vieheinfuhr aus Holland M^st^Grund des Viehseuchengefetzesvw^EkT"'

Der Münchmxz>OrMmderath hat eine Einla­dung M^Sstefknahme an der zweihundertjährigen ^udWler der Rückeroberung der Hauptstadt Ungarns unter Hinweis auf die Behandlung von Deutschen in Ungarn, insbesondere in Sie­benbürgen, abgelehnt.

(Frankreich.) Dem armen Boulanger geht es wirklich übel. Nun drohen auch die Bona­partisten mit der Veröffentlichung eines Briefes, den Boulanger 1877 an den kaiserlichen Prinzen (Lulu) geschrieben haben soll und der gewaltiges

Ausgange der Höhle. Die ganze Bevölkerung von St. Petersburg und aller Dörfer und Weiler auf sieben Meilen in der Runde kam dazu in Booten und Wagen angefahren; man brächte die Kinder und reichlichen Vorrath von Eßwaaren mit und war darüber einig, daß das Begräbniß wohl eben den Genuß gewährt hätte, als die Exkution des Delinquenten am Galgen.

Ein gutes hatte das Begräbniß. Die in's Werk gesetzte Petition an den Gouverneur um Jnjun Joe's Begnadigung unterblieb. Sie hatte schon viele Unterzeichner gefunden, viele Versammlungen hatten Reden voller Edelmuth und Beredtsamkett darüber entgegengenommen, ein Comitv zarter Frauen war bereits erwählt, um in Trauer und Thränen vor dem Gouverneur zu erscheinen und ihn anzuflehen, er möge doch ein barmherziger Thor sein und seine Pflichten unter die Füße treten. Jnjun Joe hatte aller Wahrscheinlichkeit nach fünf Morde begangen, aber was schadete das? Wäre er der Gottseibeiuns in Person gewesen, es hätte sich immer eine große Anzahl weichmüthiger Seelen gesunden, die bereit gewesen wären, ihre Namen unter eine Gnadenpetition zu kritzeln und eine Thräne aus ihren stets leckenden und repara­turbedürftigen Wasserleitungen fließen zu lassen.

Am Morgen nach dem Begräbniß holte Tom Huck zu einer wichtigen Besprechung nach einem stillen Plätzchen ab. Tom's Abenteuer war letzte­rem nun aus den Erzählungen des Wallisers und der Frau Douglas inzwischen zwar vollständig zur Kenntniß gelangt, Tom meinte aber, etwas würden