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Hersskilitl ümsllitt.
Wit wöchentlicher Kratis-Aeilage „Illustrirtes Anterhaltungsölatt".
Nr. 95. Sonnabend den 14 August 1886.
Amtliches.
Am 29. September d. I. tritt die Com- niiHion zur Abhaltung der Prüfung über die Be- fähignng zum Betriebe des Hufbeschlaggewerbes zusammen.
Diejenigen, welche sich dieser Prüfung unterziehen wollen, haben ihre Meldung bis zum 2. September d. I. unter Beifügung des Geburtsscheines und etwaiger Zeugnisse über die erlangte technische Ausbildung, sowie unter Einsendung der 10 Mark betragenden Prüfungsgebühren an den Unterzeichneten (SpohrwegNr. 111 r.) zu richten, woraus denselben das Nähere zugehen wird.
Gaffel den 1. August 1886.
Der Königliche Departcmentsthierarzt.
__________________& o 1 ye n b o r f L___
Hersfeld, den 10. August 1886.
Nach den seitens des ständischen Bauamtes dahier mitgetheilten Restantenlisten sind die Gemeinden 2C.
Allmershausen, Aua, Biedebach, Friedlos, Gittersdorf, Kohlhausen, Mecklar, Meisebach, Neilos, Noßbach, Sorga, Tann, Untergeis, Heringen, Lengers, Motzfeld, Philippsthal und Wölfershausen noch mit Erledigung von Landwegebau-Arbeiten im Rückstände.
Die Herren Ortsvorstände der betreffenden Ortschaften haben dafür Sorge zu tragen, daß die rückständigen Arbeiten nunmehr bis späte- st e n s z u m 10. O c t o b e r d. I. vollständig erledigt sind, bei Permeidung des ä Conto-Verfahrens.
8877—8894. Der Königliche Landrath.
Heeg, Kreissecretair.
Hersfeld, den HVÄugust 1886. Die Witwe des Bierbrauergehülfen Johann
jUnbefugter Nachdruck verboten.) Horn Sawyer's Abenteuer.
Nach dem Englischen des Mark Twain. (Fortsetzung.)
Tom wollte einen anderen Seitengang untersuchen, die Gefahr, Jujun Joe, oder irgend einem anderen Schreckgeist zu begegnen, erschien ihm jetzt bedeutungslos. Aber Becky war sehr schwach ge- worden, sie war in vollständige Apathie, aus der nichts sie zu erwecken vermochte, versunken. Sie wollte bleiben, wo sie war und sterben — es werde nicht mehr lange dauern. Sie sagte Tom, er möge, wenn er wolle, mit der Leine an der Hand, seine Nachforschungen sortsetzen, bat ihn aber, er möge ab und zu wiederkommen und sie ansprechen, und nahm ihm das Versprechen ab, daß, wenn es mit ihr zu Ende ginge, er bet ihr bleiben und ihre Hand halten wolle, bis alles vorüber sei. Tom gab ihr einen Kuß, er war dem Ersticken nahe, doch zeigte er Vertrauen und versicherte, daß er die Leute, die sie suchten, oder einen Ausgang aus der Höhle finden werde. Muthig ergriff er die Leine und kroch, mit nagendem Hunger und unter dem Druck des nahenden Verhängnisses, auf Händen und Füßen einen Seitengang entlang.
8. Kapitel.
Trauer deckte das Städtchen St. Petersburg, als der Nachmittag des Dienstags in Dämmerung überging; denn noch immer wurden die beiden Kinder vermißt. ES waren öffentliche Betstunden für sie abgehalten und viele viele inbrünstige Ge
Peter Heinz, Anna Catharina geb. Müller dahier, gebürtig von Rotensee, hat für sich, ihre sechsjährige Tochter Elisabeth und für ihre Mutter um Ertheilung eines Reisepasses behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht.
8934. Der Königliche Landrath.
Heeg, Kreissecretair.
Hersfeld, den 13. August 1886.
Der am 7. Mai 1861 zu Sieglos geborene Kaufmann jetzt Predigtamts-Candidat Johannes Heinrich Karpenstein hat um Entlassung aus dem diesseitigen Staatsverbande behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht.
8955. Der Königliche Landrath.
I. V.: Heeg, Kreissecretair.
Cassel, den 10. August 1886.
Der Postassistent Johann Georg Betz in Auerbach (Vogtl.) ist am 8. August Abends unter Mitnahme von Kassengeldern und Werthsendun- gen im Gesammtbetrage von M. 7139 flüchtig geworden.
Auf die Ergreifung des Betz und die Wiedererlangung des entwendeten Geldes hat die Kaiserliche Ober-Postdirection in Leipzig eine Belohnung von 300 Mark ausgesetzt.
Das Königliche Landrathsamt setze ich hiervon mit dem Ersuchen ergebenst in Kenntniß, auf Betz fahnden und ihn im Betretungsfalle verhaften zu lassen, sowie von seiner Festnahme die Kaiserliche Ober-Postdirection in Leipzig benachrichtigen zu wollen.
Beschreibung des Betz. Vor- und Zuname: Johann Georg Betz. Geburtsort: Weinheim (Baden). Alter: Geboren 30. August 1864. Größe: 1 Meter 62 Centimeter. Haare: dunkelbraun, kurz geschoren. Nase: stark, etwas gekrümmt. Bart: wenig Schnurrbart. Gesichtsbildung : länglich. Gesichtsfarbe: gesund. Sprache: deutsch, badischen Dialekt. Bekleidung: vermuth
bete stiegen im Geheimen zum Himmel empor; doch die erflehte frohe Botschaft blieb aus. Die Mehrzahl der Suchenden hatte das fruchtlose Bemühen aufgegeben und war zu den Berufsgeschäf- ten zurückgekehrt. Mrs. Thatcher lag schwer krank und rief in ihren Fieberphantasien in herzzerreißenden Tönen nach ihrem Kinde, erhob von Zeit zu Zeit wie horchend das müde Haupt und legte es stöhnend wieder auf das Kissen. Tante Polly war in tiefe Melancholie verfallen; die wenigen Tage hatten ihr Haar völlig gebleicht. Traurig und gebeugt begaben sich die Städter am Dienstag Abend zur Ruhe.
Da erscholl um Mitternacht ein Sturmgeläut vom Kirchthurm: in wenigen Augenblicken füllten sich die Straßen mit halbbekleideten Menschen, die wie närrisch schrieen: „Heraus, heraus, sie sind gefunden, sie kommen* den Lärm mit Blechpsannen und Hörnern vermehrten und die ganze Bevölkerung auf die Beine brachten. Alles strömte dem Flusse zu. Von Hurrah rufenden Bürgern gezogen hielten die Verlorengeglaubten ihren Einzug in einem offenen Wagen; die Menge umringte sie jubelnd. So bewegte sich der Zug unter fortwährenden Hochrufen durch die Hauptstraße.
Alle Fenster erhellten sich, niemand dachte an Schlafengehen; es war die aufregendste Nacht, welche das Städtchen je gesehen. Während der ersten halben Stunde durchzogen die Leute in Pro- cession Thatchers Haus; sie ergriffen die Kinder und küßten sie, drückten Mrs. Thatcher sprachlos die Hand und überschwemmten Hans und Straße
lich mit langem dunklen Ueberzieher und dunklem Hut.
Der Kaiserliche Ober-Postdirector.
In Vertretung: v. Rumohr.
An das Kgl. Landrathsamt in Hersfeld. 15766.
* *
Hersfeld, *den 12. August 1886.
Wird den Ortspolizeiverwaltungen und der Königlichen Gendarmerie des Kreises behufs Fahndung nach dem Flüchtigen mitgetheilt.
8940. Der Königliche Landrath.
Heeg, Kreissecretair.
Politische Nachrichten.
(Deutschland.) Se.Majestät der Kaiser ist am Donnerstag Mittag auf Schloß Babelsberg bei Potsdam eingetroffen, wo Allerhöchst- derselbe für die nächsten Wochen residiren wird.
Der König von Portugal wird am 26. d. zum Besuche in Berlin eintreffen.
General Werder, bisher Militärbevollmächtigter in St. Petersburg, ist zum Gouverneur von Berlin ernannt worden.
In den deutschen Münzstätten sind im Monat Juli dieses Jahres 5 053 980 Mk. Reichsgold- münzen ausgeprägt worden. Unter Hinzurechnung des vorher ausgeprägten Betrages und nach Abzug der wieder eingezogenen nicht mehr um- laufsfähigen Stücke stellt sich der Gesammtbe- trag an ausgeprägten Reichsgoldmünzen auf 1949 043184 Mk.
Am 19. September d. I. findet in Berlin eine Ausschußsitzung des Centralverbandes deutscher Industrieller statt, in welcher unter anderem nachstehende Gegenstände zur Verhandlung kommen werden: Bericht der vom Ausschuß des Centralverbandes eingesetzten Commission über den Antrag des Elsässischen Jndustriellensyndikats, be-
mit Thränen. Tante Pollys Glückseligkeit war vollkommen; Mrs. Thatcher konnte noch nicht ganz glückselig sein; sie mußte erst wissen, daß der zur Höhle gesendete Eilbote ihren Gatten gefunden und diesem die frohe Kunde mitgetheilt habe.
Tom lag umringt von einem immer gespannt horchenden Zuhörerkretse auf einem Sofa. Er lieferte eine bis ins Kleinste gehende Darstellung des Abenteuers, konnte es jedoch nicht unterlassen zu dessen größerer Ausschmückung einige markige Pinselstriche hinzuzufügen. Er schloß seine Beschreibung mit der Darstellung, wie er Becky zurückgelassen und sich zu neuen Nachforschungen aufgemacht habe, wie er zwei Gänge, soweit als seine Leine gereicht, durchkrochen habe; wie er sich dann noch in einen dritten unter äußerster Anspannung des Fadens begeben und plötzlich, als er gerade im Begriff gewesen umzukehren, in weiter Ferne einen Hellen Fleck gesehen, der ihm wie Tageslicht erschienen sei. Er ließ die Leine fallen und kroch dem Scheine zu, gelangte an ein kleines Loch, zwängte Kopf und Schultern durch und sah den breiten Mississippi zu seinen Füßen fließen. Wäre es nun zufällig dunkel gewesen, so hätte er jenen Tagesschein nicht sehen können und wäre also jenem Gange nicht gefolgt! Er erzählte weiter, wie er zu Becky zurückkehrte, ihr die glückliche Entdeckung mitzutheilen; sie wollte nichts hören, sagte, er möge sie mit solchem Unsinn verschonen, sie sei müde, wisse, daß sie dem Tode verfallen sei, wie es ihm endlich gelungen sei, wie sie beinahe vor Freude gestorben sei, als sie nach mühsamen Kriechen durch