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Die gerichtliche Untersuchung wird ergeben, seit welcher Zeit Weniger Staatsgelder zu seinem persön­lichen Vortheil verwendet hat.

— (Ein ganzes Gestüt ertrunken.) Am Freitag vergangener Woche ist die bei Heviz in Ungarn errichtete Staatsbrücke unter dem Ugraer Gestüte eingestürzt. Fünfundvierzig Pferde sind in dem Küköllö ertrunken, die übrigen sind schwer verletzt worden. Der Schaden wird auf 16000 Gulden beziffert.

— Paris, 4. August. Paris ist wieder unter dem Eindrücke eines gräßlichen Verbrechens, das ungeheures Aufsehen erregt: In der heutigen Nacht wurden an mehreren Orten des Viertels Montrange verschiedene Stücke einer Frauenleiche aufgefunden. Die sofort angestellte Untersuchung seitens der Aerzte ergab, daß die Leiche die einer 20- bis 25jährigen Frauensperson ist, die anschei­nend den besseren Ständen angehört.

6— London. Vor drei Monaten kam ein junger hocheleganter Mann in Birmingham an, welcher das ganze erste Stockwerk im „Langham- Hotel" bewohnte, Equipage hielt und sich im Frem­denbuche als „Dr. Vivian" einschrieb. Er erzählte, daß er in San Francisco Güter besitze, welche eine halbe Million jährlich tragen. Aus der Promenade lernte er Miß Ellen Wilkes, eines der reichsten und schönsten Mädchen, kennen und bewarb sich um dessen Hand. Jeden Tag brächte der glückliche Bräutigam seiner Erwählten eine kostbaren Schmuckgegenstand zum Geschenke. Am 18. Juli fand die Trauung statt und die Neuvermählten reisten nach dem Hochzeitstage nach London; hier aber veränderte sich plötzlich das Benehmen des | jungen Ehemannes, er ließ seine Frau stets allein, sie wendete sich in ihrer Verzweiflung an den Hotel­besitzer und als sich „Dr. Vivian" drei Tage und drei Nächte vom Hause fernhielt, versorgte der Wirth die Neuvermählte mit Geld, damit sie zu ihrer Familie heimreisen konnte. In der Stunde, die sie zur Heimkehr festgesetzt, erschien jedoch ein Polizist im Hotel, um die Sachen des „Dr. Vivian", ihres Gatten, der einer der bekanntesten Hoteldiebe ist, mit Beschlag zu belegen.

— Madras. Eine surchtbare Feuersbrunst fand während einer Vorstellung in dem indischen Theater der Stadt Tinneoelley letzten Montag Abend statt. Das Gebäude, in welchem sich 4—500 Zuschauer befanden, fing Feuer und da die Thüren nach innen gingen, so konnten sie bei dem An­drang nicht geöffnet werden. 70 Personen büßten ihr Leben ein und 60 andere wurden verwundet, viele unter ihnen schwer. Es heißt, daß Brand­stiftung vorliegt.

— In Adelaide ist in dortigen deutschen Kreisen angeregt worden, den ersten deutschen Lloyddampfer, der am 31, August hier fällig ist, wahrscheinlich aber schon etwas früher eintreffen wird, bei seiner Ankunft feierlich zu empfangen. Es hat sich zu dem Zweck ein vorläufiger Aus­schuß gebildet.

— (Zusammenstoß mit einem Walfisch) Der am letzten Donnerstag in New-Iork aus Antwerpen eingetroffene Dampfer „WaeSland* fuhr im Atlandischen Ocean in der Nähe des englischen Canals am 14. Juli gegen einen augenscheinlich schlafenden 70 Fuß langen Walfisch an. Der scharfe Bug des Dampfers schnitt das Thier in . zwei Hälften.

verweigerten, bis der Vater klagbar wurde und das Gericht seine Forderung unterstützte. Kürzlich erschien nun, da trotz Gerichtsbeschluß die Heraus­gabe des Kindes verweigert wurde, der Gerichts­vollzieher bei den Großeltern des Kindes und pfän­dete auf Grund des Exekutionsbefehls einfach das Kind ab.

— Dort mund,5. August. (FalscherPfeffer.) In eine recht unangenehme Lage werden demnächst zwei Hanauer Gewürzfirmen kommen, welche Pfeffer nach hier an den Großhändler M. Weymann ge­liefert haben. Dieser Pfeffer hat sich nämlich, nach dem Gutachten des Gerichtschemikers, als gefälscht erwiesen und zwar in grober Weise ge­fälscht, da demselben mindestens 23 pCt. ge­mahlenes Holz beigesügt war. Der Pfeffer war gelegentlich einer Revision der Läden durch Ge­würzchemiker beschlagnahmt worden, worauf, nach­dem die Fälschung durch die Untersuchung konstatirt war, gegen den Verkäufer Anklage wegen Feil- Haltens gefälschter Genußmittel erhoben wurde. Das Gericht hat den Verkäufer jedoch freigesprochen, weil derselbe bewies, daß er bei der Firma Weh- mann reinen Pfeffer bestellt und ihn so verkauft habe, wie er ihm geliefert worden sei. Die Firma W. hier hat, wie sie klar bewiesen, auch keine Fäl­schung vorgenommen, so daß der Pfeffer bereits in Hanau gefälscht worden Jetn muß. Das Ge­richt beschloß die Ueberweisung der Acten an die Slaatsanwaltschast in Hanau, damit diese die Fäl­scher zur Bestrafung ziehe.

— Ems, 2. August. Die junge, 18jährige Rumänierin, welche, wie erwähnt, in Ems mehrere Diebstähle ausgeführt hatte und in Folge dessen verhaftet und nach Limburg in's Kreisgesängnitz | abgeführt wurde, wird demnächst gegen eine Kaution von 10,000 Mk. entlassen, da dieselbe an der Kleptomanie leiden soll.

— Die er ste deutsche Schule im Ka­merungebiete soll nach Aufforderung und mit Unterstützung des Kultusministeriums von einem Hannoveraner, Herrn Dr. Salge, z. Z. Lehrer am Progymnasium zu Nienburg, er­richtet werden.

— Siegen, 5. August. In dem in unserem Kreise gelegenen Oertchen Trupvach warf am Sonn­tag Abend ein verheiratheter 28jähriger Bergmann Namens Schuß mit einem Steine seinen Vater todt. Die Beiden bewohnten zwei nicht wett von einander liegende Häuser, und vor den Thüren ge- riethen sie in einen überaus heftigen Wortwechsel, >is schließlich der Sohn einen Stein ergriff und einen Vater so damit an den Kopf traf, daß er ofort umsank und gleich daraus seinen Geist auf- ,ab. Auch nach dem Geschehenen legte der Thäter noch ein rohes Wesen an den Tag, indem er über den Todten sümpfte; Schutz kam der unge­ordneten Verhastung dadurch zuvor, daß er sich der Polizeibehörde zu Siegen noch um 11 Uhr Nachts freiwillig stellte.

— Carls ruhe, 3. August. Die Unterschlag­ungsaffaire Weniger klärt sich dahin auf, daß Weniger große Summen von den ihm anvertrau­ten Geldern zu hohen Zinsen auslieh. Dem Ver­nehmen des „Bad. Beob." zufolge, ist die fehlende Summe von über 200,000 Mark wieder beigebracht, so daß also der grobherzoglichen StaatScasse kein Nachtheil erwachsen dürfte. Weniger ist ledig und im Besitze eines bedeutenden Privatvermögens.

— (Eisenbahnschienen aus Glas.) Eine für die Glas-Industrie sehr bedeutsame Er­findung hat Friedrich Siemens, der bekannte Be­sitzer der Siemensschen Glashütten in Dresden, gemacht. Es ist ihm gelungen, Glas wie Metall zu gießen. Solches gegossene Glas ist überaus hart, nicht theurer als Gußeisen und hat vor diesem den Vorzug der Durchsichtigkeit, so daß „brüchige* Stellen, die schon oft, besonders bei Eisenbahn­schienen, die Ursache zu schweren Unglückställen ge­wesen sind, sosort erkannt werden können, ehe das Glas zur Verwendung gelangt. Dazu hat sich gegossenes Glas ungleich widerstandssähiger gegen die Einwirkung der Lust als das Gußeisen erwiesen. Das Verfahren selbst ist überaus einfach und beruht in der Hauptsache auf rascher Abkühlung.

— (Die Ursachen der Liebe.) „Aber Emma, wie kannst Du den häßlichen und nachlässig geklei­deten Julius meinem eleganten und schönen Bruder vorziehen?" — „Das ist ganz einfach: Dein Bruder liebt sich, Julius mich."__

Oesterreichische 100 fl. Credit-Loose von 1858. Die nächste Ziehung findet am 1. September statt. Gegen den Coursverlust von ca. 10 M k. p r o S t ü ck bei der Ausloosung über- nimmt das Bankhaus Carl Neuburger, Berlin, Französische Straße 13, die Versicherung für eine Prämie von 30 Pf. pro Stück.

Standesamtsbezirk Hersfeld.

Vom 16. bis incl. 31. Juli 1886. Eheschließungen.

Am 24. Friedrich August Constantin Serfling, Kunst- und Handelsgärtner mit der Haushälterin Anna Margrethe Ringler dahier. — 31. Heinrich Wilhelm Schröder, Kauf­mann mit Beata Bertha Steinweg dahier, Geburtsanzeigen.

Am 17. Ein Sohn des Kaufmanns David Rothfels. — 23. Catharina Elisabeth Emma, T. des Buchhändlers Heinrich Wilhelm Bächstädt. — 24. Heinrich, S.der Witwe des Zimmermanns Johannes Most. — 26. Elise, T. des Fabrikarbeiters Johannes Andreas Hirth. Anna Mar- gretha, T. des Kürschnergehülsen Georg Heinrich Carl Schacht. — 28. Johann Georg, S. des Herrenkleidermachers Melchior Friedrich Conrad Vogel. — 29. Catharine Wil- helmine, T. des Schuhmachers Christian Engel.

S t e r b e f ä l l e.

Am 17. Christian Otto junior, Oeconom und Metzger­meister, 72 Jahre 11 Monate alt. — 19, Martin Psau, Schäfer aus Gerterode, 63 Jahre alt. — 20. Sabine, Ehefrau des Johannes GieS aus Obergeis, 45 Jahre alt. — 22. Caspar Schaub, Tagelöhner, 66 Jahre alt. — 24. Marie, Wittwe des Medicinalrathes Doctor Carl Schreiber, 73 Jahre alt. — 25. Ludwig Heinrich Gebhardt, Schlosser, 27 Jahre alt. — 26. Margretha Wille Wittwe, geborene Otto, 65 Jahre alt. — 31. Ein Sohn des Büreauge- Hülsen Johannes Brandau, todtgeboren.

Schiffsbericht der Red Star Line.

Philadelphia, 28. Juli. Der Postdampfer Switzerland, Capt. Buschmann, ist nach Antwerpen abgegangen.

New-York, 31 Juli. Der Postdampfer Waesland, Capt. Ueberweg, ist nach Antwerpen abgegangen.

Antwerpen, 31. Juli. Der Postdampfer Rhynland, Capt. Jamison, ist nach New-York abgegangen.

Antwerpen, 4. August. Der Postdampfer Nederland, Capt. Griffin, ist nach Philadelphia abgegangen.

Antwerpen, 5. August. Der Postdampfer Belgenland, Capt. Beynon, ist von New-York angekommen.

New-York, S. August. Der Pestdampfer Pennland, Capt. Weyer, ist von Antwerpen angekommen.

"Weizen 100 Kilogr. 15 M. 80 Pf. bis 16 M.

25 Pf. Roggen 100 Kilogr. 14 M. 15 Pf. bis - M.

1 - Pf. Gerste - M. - Pfg. bis - M, — Pf. Hafer 100 Kilogr. 12 M. 50 Ps. bis 13 M. — Pf.

wird sich machen*, aber es lastete eine solche Be­klemmung aus seiner Brust, daß die Worte tonlos hervorkamen, und wie „alles ist verloren" klangen. Becky klammerte sich in zitternder Furcht an ihn und lämpste vergeblich mit den Thränen, die sich gewaltsam hervordrängten. Endlich bat sie:

„Ach Tom, kehren wir uns doch nicht an die Fledermäuse, laß uns dahin zurücklehren. Ich glaube, daß wir uns immer mehr verirren."

Tom blieb stehen.

„Horch aus!" „

Tiefes Schweigen; die Stille war so lautlos, daß sie deutlich ihren eigenen Athem hörten. Tom stieß einen lauten Ruf aus: in hundertfachem Echo gaben die Hallen und Gänge ihn zurück, bis er in der Ferne in leisem Gemurmel, das wie Hohngelächter klang, erstarb.

„Thue das nicht wieder Tom, bitte" rief Becky „das klingt zu entsetzlich." , r

„Es ist entsetzlich, Becky, doch es muß geschehen; sie kön nt en uns doch hören." Und wieder ließ er einen Ruf erschallen. ,

Könnten! Es war ein schreckliches Wort, noch schrecklicher als das geisterhafte Lachen; die erloschene Hoffnung sprach aus ihm. Tom trat nun sosort den Rückweg an und beflügelte die Schritte. Bald jedoch wurde aus der merkbaren Unsicherheit, mit der er vordrang, der armen Becky furchtbar klar: er konnte den Rückweg nicht finden.

„Ach Tom, Du hast den Weg nicht bezeichnet." --------------- . .

Ich war ein Thor, war sinnlos Becky. Ich Der Grund wurde ihr sofort klar; es bedurfte habe nicht daran gedacht, daß ich mir den Rück- keiner Worte, Das Fünklein Hoffnung erlosch

weg merken müßte! Nein, ich finde ihn nicht. Es ist alles verworren!"

„Tom, Tom, wir sind verirrt, verloren! Niemals, finden wir aus dieser Schreckniß heraus. Oh warum trennte ich mich von den Andern?"

Sie sank zur Erde und brach in eine solche Thränenfluth aus, daß Tom die Furcht überkam, sie könne sterben oder den Verstand verlieren. Er setzte sich zu ihr nieder und umschlang sie mit seinen Armen; sie lehnte an seiner Brust und schüttelte ihre Angst, ihr Entsetzen, die nutzlose Reue aus und das Echo verwandelte die Worte in höhnendes Gelächter. Tom flehte sie an, nicht alle Hoffnung aufzugeben; aber sie wollte davon nichts hören. Doch seine Selbstanklagen und die bitteren Vorwürse, daß er sie in diese schreckliche Lage gebracht habe, brachten sie wieder zu sich. Sie versprach, wieder Hoffnung schöpfen zu wollen, versprach ihm zu folgen, wohin er sie führe, wenn er nur niemals so etwas wieder sagen wolle; denn sie trage den gleichen Theil der Schuld. —

So machten sie sich den wieder auf und wander­ten — ziellos — aul’y Gerathewohl — was sollten sie anders machen, als wandern, andere Stellen suchen? Für kurze Zeit belebten sich ihre Hoffnungen wieder: nicht daß sie sich auf etwas hätten gründen können — Hoffnung sprießt von selbst, wenn nicht Alter oder stete Enttäuschungen den Keim ertödtet haben.

Tom nahm Becky's Licht und löschte es aus.

wieder. Sie wußte, daß Tom noch ein ganzes Licht und drei oder vier Enden in der Tasche hatte: dennoch mußte gespart werden.

Nach und nach stellte sich auch Ermattung bet ihnen ein; sie wollten es sich nicht eingestehen, denn der Gedanke still zu sitzen, wo jeder Augen­blick so kostbar war, flößte ihnen Entsetzen ein. Das sich fortbewegen wenn auch ziellos und ohne Richtung, war doch Fortschritt und konnte zu etwas führen. Ruhen hieß den Tod herausforbern und seine Annäherung erleichtern. Endlich versagten Becky's zarte Glieder den Dienst; sie mußte sich setzen. Tom setzte sich neben sie; er sprach zu ihr von der Heimath, ihren Freunden, wie sie jetzt so schön im Bette liegen könnten, vor allem von Tageslicht. Becky weinte; Tom versuchte sie zu trösten; aber alle Trostgründe waren ja so inhalts­los und vage, daß sie wie Hohn klangen. Die Ermattung lastete so schwer auf ihr, daß sie bald einschlief.

Dankerfüllt nahm Tom es wahr; still saß er neben ihr und blickte ihr verzerrtes Gesichtchen, wie es sich unter dem Einfluß süßer Traumbilder wieder glättete und seinen natürlichen Ausdruck bekam, wie endlich ein Lächeln um ihre Lippen spielte und dort haften blieb. Von dem Frieden, der auf ihrem Antlitz ruhte, zog auch etwas in seine wunde Seele ein; seine Gedanken wendeten sich traumhaft den Erinnerungen der Vergangen­heit zu. Während er so in tiefem Sinnen dasaß, erwachte Becky mit einem heitern Lachen, doch es erlosch rasch aus ihren Lippen, (F. f«)