Caffel, 4. August. Gestern verstarb hierselbst Herr iS cha m b e ck, der ehemalige langjährige Hotelier im „König von Preußen", eine sehr be. kannte und beliebte Persönlichkeit.
Homberg, 30. Juli. Kaum hat hier die Kornernte begonnen, so ist auch schon ein Unglücksfall vorgekommen. Heute stürzte der hochbeladene Kornwagen eines hiesigen Gutsbesitzers plötzlich um und begrub einen neben hergehenden Knaben vollständig. Das so plötzliche Verschwinden des Knaben ließ den Fuhrmann ahnen, was geschehen war. Mit mehreren anderen Leuten, welche herbeigeeilt waren, schaffte er die Korngarben bei Seite, und nach einigen Minuten zog man den Knaben hervor, jedoch bewußtlos und das Gesicht von Blut überströmt, das aus Nase und Mund hervorgedrungen war. Einige Minuten später und man hätte ihn todt hervorziehen können. Der Knabe bekam nach kurzer Zeit das Bewußtsein wieder; er hat keinen weiteren Schaden gelitten. Dieser Fall ist wiederum eine Mahnung, Kinder nicht neben beladenen Erntewagen hergehen zu lassen.
Keffelfta-t, 4. August. Gestern Abend starb dahier plötzlich ein 12jähriges Mädchen in Folge von Blutzersetzung. Die Verstorbene wurde vor etwa 3 Wochen von einer giftigen Fliege gestochen und zeigten sich kurz nachher mehrere schwarze Flecken an dem Körper des Kindes. Gestern Abend ging dasselbe noch zu Verwandten, verrichtete überhaupt bis zur letzten Stunde noch ihre gewohnten Beschäftigungen. Der Fall erregte hier allgemeine Theilnahme und versetzte die Eltern, die ihre ganze Hoffnungen auf das brave Kind gesetzt, in tiefe Trauer.
Vermischtes.
— Aus der Zeit der Anwesenheit des Reichskanzlers in München, berichten die „N. N." eine recht interessante Episode. Danach wurde derselbe am Samstag Abend durch eine eigenartige Deputation überrascht: in einer hiesigen Künstlergesellschast war man auf die Idee gekommen, dem eisernen Kanzler einen iwprovistrten »Willkommen" zu senden. Flugs wurde dieRiesenpitsche aus Zinn, ein uralter Zunftpokal, der gut seine zehn Liter saßt, mit Gerstensaft gefüllt und an den Henkel ein mit Tannenreis bekränzter Zettel gehängt des Inhalts: „Da unser Kanzler jüngst erklärt, daß auch sein Metier in denselben Kreis gehört als wie Frau Mustka, Maleret und Poesie, denn „Kunst, nicht Wissenschaft sei Diplomatie", — so haben wir alle, die sich der Kunst befleißen, den großen Eollegen willkommen zu heißen." Der also geschmückte „Riesentrunl" wurde sofort in kleiner Deputation (ohne Cylinder und Gtacöl- nach dem preußischen Gesandtfchaftshotel verbracht. Der Portier war nicht wenig verwundert über den seltsamen Aufzug und das wunderliche Gefäß, um solche Zeit (es war 10 Uhr des Abends), aber nach pflichtschuldiger Meldung wurden die Herren zum Kanzler geführt, der sich sammt seiner Gesellschaft über den guten Einsall und die schlichte von Herzen kommende Ehrung lebhaft freute. Nur Eines bedauerte er sehr: „daß ihm sein Arzt nicht erlaube, auch seinerseits dem Willkommen volle Ehre anzuthun und die ganze Kanne auszu- trinken." Er trank aber daraus wiederholt und die Anderen halfen ihm und als die Ehrenbolen zu ihren erwartungsvoll harrenden Zechgenossen in die Kneipe zurückgekehrt waren, da wurde selbige Nacht selbige Pirsche noch des öfteren gefüllt und geleert aus daSWoht des „eisernen Kanzlers", dessen Namen sie nun sür immer führen wird. Wenn das der alte deutsche Zinngießermeister, der vor dreihundert Jahren den Krug gegossen, geahnt hätte I
— Hannover, 2. August. Am vergangenen Sonnabend wurde ein junger Engländer ins Stadtkrankenhaus ausgenommen, welcher ein Mo- nocle verschluckt hatte. Das Augenglas hatte sich in der Speiseröhre fest eingeklemmt und verursachte große Beschwerden. Nachdem wiederholte, aber vergebliche Versuche gemacht waren, das Glas vom Munde aus zu entfernen, wurde vom Oberarzt Dr. Fischer die Speiseröhre am Halse ausgeschnitten und das Glas herausgezogen. Das Glas war thalergroß und hing ganz locker in einem Ringe von Hartgummi. Der Kranke fühlt sich wohl, und es ist Hoffnung auf Heilung vorhanden.
— Sorau (Schles.). Ein hiesiger Kaufmann empfing von einem Schuhmacher ein Paar Stiefel. Als er dieselben zum erstenmal anzog, verletzte er sich an der Fußsohle durch einen hervorstehenden Stift. Die anfangs geringfügige Wunde verschlimmerte sich nach und nach derart, daß dem Kaus- mann der Fuß abgenommen werden mußte. Der Verletzte verklagte nun den Schuhmacher auf Entschädigung. Letzterer wurde auch verurtheilt, dem Kaufmann eine Rente von jährlich 900 Mk. sowie die Kur- und Gerichtskosten zu tragen. Der Ein- wand des Beklagten, daß die meisten Schuhmacher die Gewohnheit hätten, die Stifte „zu lassen, wie sie sind", d. h. also die hervorstehenden Spitzen nicht gehörig zu beseitigen, ist (wie das Urtheil aus- führt) ein so ungebührlicher, daß er die gehörige Zurückweisung verdiene; am allerwenigsten sönne man die Straffälligkeit einer „Gewohnheit" auf. heben, welche, wie im vorliegenden Falle erwiesen, geeignet sei, die menschliche Gesundheit zu gefährden.
— Neidenburg, 1. August. (Von Bienen getödtet.) In vergangener Woche ließ der Besitzer Erwin in dem 1V2 Meilen von hier entfernten Dorfe Wientzkowen seine beiden Pferde gefesselt auf einem unweit seines Bienenstandes belegenen Kleefelde ohne Aufsicht weiden. Als er nach einiger Zeit nach denselben sah, fand er dieselben von einigen Bienenschwärmen befallen und arg zugerichtet; das eine Thier verendete schon nach drei Stunden, das andere am Tage darauf.
— Manchen, 4. August. Die beiden Raubmörder Stich und Fischer wurden heute Morgen um 6'/^ und bezw. 6^ Uhr hingerichtet. Der Act vollzog sich ohne jeden Zwischenfall. Der über 60 Jahre alte Stich mußte zum Schaffot förmlich geschleppt werden.
— Cottbus. Einen nach Sagan zum Schützenfest reisenden Schützenbruder erreichte am Sonntag Vormittag hier auf dem Bahnhof ein tragisches Geschick. Er wurde von dem Besitzer eines hiesigen Mehlgeschäfles in Begleitung des Gerichtsvollziehers auf dem Bahnhofsperron empfangen und ihm der mitgeführte Koffer, in welchem sich 200 Mark befanden, wegen einer ausgektagten und bisher nicht beizutreibenden Schuld abgepfändet, ja sogar der Säbel blieb in des Gerichtsvollziehers Händen. Die Kameraden des Schützenbruders sorgten dafür, daß ihm die Freuden des Schützenfestes nicht versagt blieben, und ermöglichten es, daß er mit ihnen die Reise weiter fortsetzen konnte. Ob er in die richtige Feststimmung gekommen, wird nicht berichtet.
— Großes Aussehen macht in Carlsruhe die Verhaftung des Cassirers Weniger von der Generaldirection der grobherzoglichen Staatseisenbahnen. Weniger soll ganz bedeutende Unterschlagungen begangen haben, die veruntreute Summe soll 200,000 Mark betragen.
— Thorn, 2. August. Unter dem Verdacht der Spionage ist dieser Tage hier ein junger Mann verhaftet worden. Gestern Abend gegen 6 Uhr beobachteten Füsiliere der hiesigen Garnison
in der Nähe Lünette 6 einen gut gekleideten, jungen Mann, der augenscheinlich Festungswerke abzeich- nete. Die Soldaten machten sofort von ihrer Beobachtung einigen in der Nähe lustwandelnden Artillerie -Officieren Mittheilung und diese veranlaßten die Verhaftung des Zeichners. Im Besttz desselben wurde ein auf den Träger eines Hochan- gesehenen polnisch-russischen Grafentitels lauten- der Paß, aber auch ein Schlagring gefährlicher Sorte vorgefunden. Der Verhaftete blieb bis heute Mittag im Militärgewahrsam, Mittags wurde der- selbe der hiesigen Polizei zugeführt.
— Köslin. Im Dorfe Neitzkow hatte sich ein Feldarbeiter mit einem Schmiedegesellen geringfügiger Ursachen wegen erzürnt. Am Sonntag Morgen nun war der Arbeiter auf einer Wiese mit Mähen beschäftigt, als der Schmied vorüber- ging. Beide geriethen in Streit und der erstere schnitt dem Schmied in der Wuth beide Beine mit der Sense im Kniegelenk ab. Der Tod des Verstümmelten trat nach einer Stunde infolge von Verblutung ein. Der Mörder ist flüchtig geworden.
— Jserlohn, 1. August. Gestern wurden hier sieben „Rabauen" verhaftet, die sich in vergangener Nacht einen so rohen Scherz erlaubt hatten, wie solcher wohl vereinzelt dastehen dürste. In der Nacht gegen */212 Uhr fanden dieselben auf der Straße einen betrunkenen Menschen, in der Nähe der Wohnung unseres Bürgermeisters Bonstedt, machten ihn wehrlos und knüpften ihn dann an die Hausglocke des nächstgelegenen Hauses, nämlich desjenigen des Bürgermeisters, aus. Durch das heftige Leuten des an dem Klingelzuge Zappelnden aufgeschreckt, lief der Bürgermeister nach unten und kam noch zeitig genug, um ihn noch lebend abschneiden zu können. Unzweifelhast wäre der Aermste, der sich nicht auf den Beinen zu halten vermochte, wirklich erhängt worden, wenn die Hilfe etwas später gekommen wäre. Nach einiger Zeit vermochte er den Hergang der Geschichte zu erzählen. Eine exemplarische Strafe wird die Uebelthäter noch lange Zeit an diesen elenden Scherz erinnern.
— Den größten Luftballon, welcher jemals dagewesen, hat kürzlich ein Herr P. van Tassel in San Francisco erbaut. Derselbe faßt 150,000 Cubicfuß Gas und ist eigens zu dem Zwecke construirt worden, um mit ihm über den nordamerikanischen Continentvon Ocean zu Ocean zu fahren. Die Höhe beträgt vom Boden des Bootes bis zur Spitze des Gasbehälters 119 Fuß; der Ballon hat, gefüllt, einen Durchmesser von 68 Fuß. Die Umhüllung des Ballons besteht aus seinem, extra zu dem Zweck gewobenem Tuche, welches wie gewöhnlich, um es luftdicht zu machen, gefirnißt ist In dem Boote, welches 21 Fuß im Um- fang mißt und dessen Seitenwände 34 Zoll hoch sind, haben 15 Personen Platz. Zur Füllung wird Wasserstoff verwandt werden. Die Kosten des Ballons stellen sich auf etwa 6000 Dollar.
Christiania IViPßL Stadt-Anleihe von 1877. Die nächste Ziehung findet am 1. September statt. Gegen den Coursverlust von ca. 3pCt. bei der Ausloosung übernimmt das Bank- hausCarlNeuburger, Berlin, Französische Straße 13, die Versicherung sür eine Prämie von 12 Pf. pro 100 Mark.
Kirchliche Nachrichten.
Sonnabend Nachmittag 2 Uhr, Vorbereitung zum heiligen Abendmahl.
Gottesdienst, Sonntag den 8. August.
Vormittags: Herr Pfarrer Schaub.
Nachmittags: Herr Pfarrer H o s b a ch.
ANZK1UK1,
Unwiderruflich
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