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Mit wöchentlicher Hratis-Aeikage „Mustrirtes Anterhaltungsölatt".
Nr. 92.
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Amtliches.
Cassel, den 29. Juli 1886.
In der ministeriellen „Anweisung zur Verhütung der Uebertragung ansteckender Krankheiten durch Schulen" vom 14. Juli 1884 (Amtsblatt S. 162) ist unter atr. 9 angeordnet: „Ueber die Schließung von Schulen oder einzelner Klassen derselben wegen ansteckender Krankheiten hat der Landrath unter Zuziehung des Kreisphystkus zu entscheiden. Ist Gefahr im Verzüge, so können der Schulvorstand und die Orlspolizei- behörde auf Grund ärztlichen Gutachtens Die Schließung anordnen." Aus Anlaß eines Specialfalles machen wir darauf aufmerksam, daß in dem zweiten der vorstehend angeführten Sätze bei der im diesseitigen Bezirke bestehenden Einrichtung in denjenigen Orten, in welchen ein Ortsschulvorstand nicht vorhanden ist, unter „Schulvorstand" nur der Lokalschulinspector verstanden werden kann, welchem in Gemeinschaft mit der Ortspolizeibehörde in Eilfällen (die jedoch voraussichtlich sehr selten eintreten werden) Die Befugniß zur Schließung einer Schule auf Grund eines ärztlichen Gutachtens beigelegt ist.
Bon der getroffenen Maßregel ist dann jedes-
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Horn Sawper's Aöenteuer.
Nach Dem Englischen deS Mark Twain.
(Fortsetzung.)
Geräth hatten die Kerls nicht mehr und wozu sollten wir Sie wecken und zu Tode ängstigen? sagte Walliser. Ich ließ Ihr Haus den Rest der Nacht durch meine drei Neger bewachen. Das genügte. Eben kommen sie zurück."
Noch mehr Besucher kamen; alle wollten die Geschichte hören und so wurde sie stundenlang erzählt und wieder erzählt.
In den regelmäßigen Schulferien fiel auch die Sonntagsschule aus; somit konnte jedermann früh zur Kirche gehen. Das große Eretgniß wurde genügend erörtert; doch mußte niemand etwas davon, ob man den Uebelthätern aus der Spur sei. Nach Beendigung des Gottesdienstes trat Frau Richter Thatcher an Mrs. Harper heran, während Die Menge sich in dem Hauptgang hinausbewegte und sagte:
„Meine Becky schläft wohl den Tag durch? Ich konnte mir wohl denken, daß sie sich bis zum Tode müde gemacht haben würde!"
„Ihre Becky?"
Mrs. Thatcher erschrak: „Gewiß Becky. War sie denn nicht Die letzte Nacht bei Ihnen?"
„Bei mir — nein."
Mrs. Thatcher erblaßte und ließ sich auf einen Stuhl nieder, als gerade Tante Polly in eifrigem Gespräch mit einer Freundin vorbei kam. Tante
Sonnabend den 7. Angnst
mal dem Landrath alsbald Anzeige zu machen, welcher unter Zuziehung des Kreisphystkus über deren Aufrechterhaltung zu entscheiden hat.
Königliche Regierung,
Abtheilung für Kirchen- und Schulsachen.
I. B. 8365. O p i tz.
An die Herrn Landräthe des Regierungsbezirks.
Hersfeld* den 4. August 1886.
Wird im Anschlüsse an die in Nr. 105 des Kreisblattes de 1884 veröffentlichte Anweisung zur Verhütung der Uebertragung ansteckender Krankheiten durch die Schulen den Herren Lo- kalschulinspectoren und Ortsvorständen hierdurch mitgetheilt.
8659. Der Königliche Landrath.
J. V.:
Heeg, Kreissecretair.
# Die Kaufkraft -er ländlichen Bevölkerung.
Noch mehr als in Ansehung politischer Angelegenheiten hat man sich bei der Beurtheilung wirthschastlicher Verhältnisse vor zu ausgiebigem und kritiklosem Gebrauch von Schlagworten zu hüten. Bei der Vieigestaltigleit des wirth- schastlichen Lebens ist es außerordentlich schwierig, von den äußeren Erscheinungen aus in die Tiefe der bewegenden Ulsachen zu dringen und für jene eine völlig erschöpfende Formel zu finden. Viele Ursachen wirken oft zusammen und es ist dann falsch, eine allein verantwortlich zu machen. Ebenso muß man sich davor hüten, ein besonders in die Augen fallendes Symptom, wie es dem Laien so oft bei Beurlheilung körperlicher Zustände passirt, für das Uebel selbst zu halten, während dieses vielleicht ganz wo anders seinen Sitz hat.
Allen Handelskrisen auf dem Weltmarkt sind gewisse Erscheinungen gemeinsam. Sie kündigen sich an durch Herabgehen des Zinsfußes, durch Zusammenströmen deS nach nutzbringender Anlage suchenden Geldkapitals in den großen Geldbassins; plötzlich sängt der Absatz an zu stocken, während die Produktion sich in der besten Entwicklung befindet und neue Erfindungen in ihren Dienst gestellt sind; die
Polly redete sie an:
„Guten Morgen, Mrs. Thatcher; guten Morgen, MrS. Harper. Wein Tom ist mir abhanden gekommen. Wahrscheinlich hat er die Nacht bei Ihnen zugebrachl - bei einer von Ihnen. Nun hat er Angst zur Kirche zu kommen, weil er weiß, Daß es was giebt."
Mrs. Thatcher schüttelte leise den Kopf und erblaßte noch mehr.
„Bei uns war er nicht," sagte Mrs. Harper, die nun auch ängstlich wurde. Tante PoUys Gesicht verrieth Unbehagen.
„Joe Harper, hast Du Tom heute Morgen schon gesehen?"
„Nein, Madame."
„Wann denn zuletzt?"
Darauf konnte Joe sich nicht besinnen. In- zwischen blieben die Kirchgänger, soweit sie sich noch nicht entfernt hatten, stehen. Alan flüsterte unter einander und besorgüche Spannung zeigte iich auf allen Gesichtern. Eifrig fragte man die Kinder und die jungen Lehrer aus. Memanb hatte darauf Acht gegeben, ob Tom und Becky bei der Rückfahrt sich auf dem Fährboot befunden hatten oder nicht; zudem war's finster, niemand hatte daran gedacht nachzusragen, ob alle wieder beisammen seien. Endlich sprach ein junger Wann die Befürchtung aus, Daß sie in der Höhle zurückgeblieben feien 1 Mrs. Thatcher fiel in Ohnmacht; Tante Polly brach in lautes Weinen aus und rang die Hände.
Von Mund zu Mund, von Gruppe zu Gruppe, von Straße zu Straße ging die erschreckende Kunde;
1886.
। Krankheit, die erst einzelne Zweige ergriff, dehnt sich weiter aus. Jetzt ist auf einmal die Sachlage klar: es ist zu viel producirt worden, die Production hat sich überstürzt, der Verbrauch konnte ihr nicht folgen und nun liegt das Zuviel an Waaren da, drückt aus den Preis, vermindert Lohn und Verdienst und die Krisis wird somit durch Verminderung der Kaufkraft erst recht acut. Fragt man, wer trägt die Schuld, so heißt es: die Ueberproduction. In der That ist dieses Sammelwort ganz gut, um die vor- handene Lage aus dem Weltmarkt kurz zu beschreiben, erschöpfend erklärt wird der Zusammenhang der Dinge damit noch nicht, insbesondere nicht in Rücksicht der einzelnen Produetionsländer, wo sehr verschiedene Ursachen an dem Niedergänge Mitwirken können, weshalb wir auch gewahren, daß die Krisis hier früher eintritt als dort, in einem Lande stärker wirkt als in dem andern, bald diese Zweige mehr ergreift, bald jene. Ueberhaupt aber wird bei Anwendung der Zauberformel Ueberproduction, die alles erklären soll, zu leicht übersehen, daß die verminderte Kaufkrast keineswegs nothwendig eine Folge der beginnenden WelthandelS- krisis zu sein braucht, sondern aus besonderen Gründen beruhen kann, welche die Verbrauchssähigkeit eines Landes schwächen und den Absatz der Jndustrieproducte beeinträchtigen.
Eine solche Ursache der verminderten Kaufkrast, welche früher da war als Beginn der Einschränkung der Production, der Verminderung der Arbeiterzahl und des Sinkens der Löhne in der Industrie haben wir in Leutschland. Das deutsche Reich würde in viel reicherem Maße Industrie- erzeugnisse verbrauchen, wenn nicht die Hälfte der L-p?l- kerung unter dem Niedergang der Landwirthschaft zu leiden hätte, welcher noch hinter den Aufschwung der deutschen Industrie in den Jahren 1879 bis 1883 zurückdadirt und mit der industriellen Ueberproduction auf dem Weltmärkte nichts zu thun hat. Die Gewerbetreibenden der kleinen Landstädte haben längst begreifen gelernt, wie sehr die Blüthe ihrer Geschäfte von dem Gedeihen der Landwirth- schaft ab' rngig ist. Die Handelskammern scheinen sich jedoch dessen noch nicht voll bewußt zu sein, wie sehr die Lage der Ackerbauer aus Großindustrie und Handel zurück- wirkt; denn nur vereinzelt findet sich in ihren Berichten der Hinweis daraus, wie wenig bei der nothwendigen Einschränkung aller Bedürfnisse der Landmann dem Waaren- verkäufer zu verdienen giebt.
Ueber dem Schlagwort Ueberproduction vergesse man also nicht, daß der Jnlandsverbrauch von Jndustrieartikeln in einem Staate, dessen Bewohner in so hohem Grade auf
binnen fünf Minuten läuteten die Glocken und das ganze Städtchen war allarmirt. Niemand dachte mehr an das Ereign^ der Nacht auf dem Cardiff- hügel; die Diebe waren vergessen. Pferde wurden gesattelt, Schiffe bemannt, die Dampffähre beordert und bevor die entsetzliche Gewißheit, daß die Kinder fort seien, eine halbe Stunde alt war, befanden sich zweihundert Menschen auf der Landstraße und dem Fluß auf dem Wege nach der Höhle.
Den ganzen langen Nachmittag war das Städtchen wie ausgestorben. Die Frauen besuchten Tante Polly und Mrs. Thatcher und versuchten sie zu trösten und meinten mit ihnen, was sie mehr tröstete als Worte.
Alles wartete die ganze lange Nacht auf Nachricht; mit dem ersten Frühroth kam nur die Botschaft: „mehr Lichte und Speise". Die beiden Frauen waren dem Wahnsinn nahe; wenn auch Mr. Thatcher den ©einigen aus der Höhle hoffnungsreiche und ermuthigende Worte zukommen ließ, so vermochten sie doch nicht, die tiefe Muth- losigkeit zu bannen.
Der alte Walliser kam bei Tagesanbruch mit Lehm und Lichtertalg beschmutzt, völlig erschöpft nach Hause. Huck lag in rasendem Fieber in dem Bette, welches man für ihn bereitet hatte; da alle Aerzte sich den Suchern in die Höhle angeschlossen hatten, so hatte Frau Douglas die Pflege des Kranken übernommen. Sie wollte ihr Bestes thun, sagte sie, denn möge er nun gut oder schlecht oder keins von beiden sein, er sei immer ein Geschöpf Gottes und derer dürfe man keines vernachlässigen