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KtrsMiitr Kreislilitt
Nr. 90
Mit wöchentlicher Kratis-Aeikage „Mufirirtes Anterhattungsötatt
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Dienstag den 3. August
Aöonnements-Kinkadunq. I in den General- und Arrondiffementsräthen
Bestellungen auf das
Hrrsfridrr Kursblatt
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für die Monate August und September werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriesträgern und von der Expedition angenommen.
# Zur Lage in Frankreich.
Am 1. August müssen die General- und Arron- dissementsräthe in Frankreich erneuert werden. Dieselben sind etwa unseren Kreistagen und Pro- vinziallandtagen zu vergleichen und bilden die communalen Vertretungen kleinerer und größerer Verwaltungsbezirke. An sich hat die Neuwahl dieser Versammlungen kein bestimmtes politisches Interesse. Aber die General- und Arrondiffe- mentsräthe haben insofern auch eine politische Bedeutung, als von ihnen eine große Zahl der Mitglieder des französischen Senats gewählt wird. Liegt auch schließlich der Schwerpunkt der Volksvertretung in der aus Listenwahlen hervorgehenden Deputirtenkammer, so haben doch die Parteien ein lebhaftes Interesse, den Senat ihren Wünschen gemäß zu gestalten. Dies läßt sich nur dadurch bewirken, daß die Parteien schon bei der Wahl der General- und Arrondiffementsräthe ihren Einfluß zur Geltung bringen. Diese Wahlen haben also ein hervorragendes politisches Interesse, aber nicht nur insofern, als von ihrem Ergebniß die zukünftige Gestaltung des Senats abhängt, sondern auch insofern, als sie in die politische Stimmung des Landes einen Einblick gewähren. Bis jetzt hatte der Republikanismus
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Tom Samyer's Abenteuer.
Nach dem Englischen des Mark Twain. (Fortsetzung.)
Jnjun Joe erwiderte dem Fremden: Soll ich Dir wiederholen, was ich Dir schon oft gesagt, an ihrem Gelde liegt mir nichts — das kannst Du Dir nehmen. Aber ihr Mann hat mich schändlich behandelt — mehr als einmal. Als Friedensrichter hat er mich tückischer Weise wie einen Va- gabonden trakttrt. Doch war das noch nicht das schlimmste, nicht der Millionste Theil von dem, was er mir angethan. Er hat mich auspeitschen lassen — auspeitschen lassen vor dem Thore des Gefängnisses, als ob ich ein Negersklave wäre — vor den Augen der ganzen Stadt'S Ausgepeitscht, begreifst Du, was das heißt. Nun kam er mir zuvor und starb. Deshalb soll sie's nun entgelten 1*
„Ermorde sie nicht, nur das nicht l"
.Ermorden? Wer spricht von .Ermorden?' Ihn würde ich kalt machen, wäre er zur Stelle; aber sie nicht. Wenn man sich an einem Weibe rächen will, so erschlägt man es nicht — Unsinn — man verdirbt ihr das Frätzchen, schlitzt ihr die Nasenflügel aus, kerbt ihr, wie einer Sau, die Ohren ein !N
.Bei Gott, das ist -*
.Behalte Deine Ansichten für Dich, zu Deinem eigenen Besten. Ich binde sie an ihrem Bette fest. Wenn sie sich dann zu Tode blutet, wer kann dafür? Ich werde ihr keine Thräne nachweinen.
entschiedenes Ü-b-Mwichi.'...............""^ “"
, Die Parteien in Frankreich haben es in den letzten Wochen nicht an Anstrengungen fehlen lassen, sich den Sieg zu sichern. Ganz besonders ruhng sollen die Monarchisten gewesen sein: die pelt, große Getdfpenden sind zum Zweae oer Bearbeitung der Massen verwandt worden, überall, selbst dort wo die Aussichten geringer sind, wurden monarchistische Candidaten ausgestellt. Als solche sind namentlich frühere Präfecten, Unter- präfecten und sonstige Beamte aufgestellt worden, weil man hofft, daß die Erinnerung an ihre frühere Amtsthätigkeit das Ansehen derselben in den Augen der Provinzialwähler erhöhen werde. Es scheint in der That so, als ob die Monarchisten die Zeit für gekommen erachten, auf die Republik einen ernsten Angriff zu wagen, nachdem schon die letzten Wahlen zur Deputirtenkammer im Herbst vorigen Jahres ein bedeutendes Anschwellen der monarchistischen Strömung im Lande und somit ein Anwachsen der Unzufriedenheit mit den republikanischen Zuständen hatten erkennen lassen. Bei den Hauptwahlen am 4. Oktober wurden 177 monarchisch-conser-
vative und nur 127 republikanische Abgeordnete gewählt, während 270 Stichwahlen erforderlich waren. Bei den Stichwahlen änderte sich freilich das Verhältniß, weil nunmehr die verschiedenen republikanischen Gruppen sich zum Kampfe gegen die Monarchisten vereinigten: gleichwohl wurden insgesammt 204 monarchistische Abgeordnete in die Kammer gewählt, welche früher nur deren 91 hatte; die Zahl der gemäßigten Republikaner in der jetzigen Kammer beträgt 265, die der radi- calen 115. Was seit dem Herbst sich ereignet, hat vielleicht nur noch mehr zur Stärkung der monarchistischen Anschauungen im Lande beigetragen: die schon erwähnte Ausweisung der
Du wirst mir dabei helfen, mein Guter — mir zu Liebe — dazu bist Du hier — allein bring ich's vielleicht nicht fertig. Zögerst Du, zeigst Du Wankelmuth, so ermorde ich Dich! Verstanden? Und wenn ich Dich ermordet habe, so passirt ihr das Gleiche — und dann wird wohl keine Menschenseele je erfahren, wer die That verübt."
„Nun, denn an's Werk, wenn es einmal sein soll. Je rascher desto besser — mir graut's —*
„Gleich — und da drinnen Besuch? Weißt Du — Du kommst mir verdächtig vor. Nein — erst müssen die Lichter verloschen sein — so eilig haben wir's nicht."
Dem Lauscher Huck wurde es nun klar, daß ein längeres Schweigen folgen werde — Stille schien ihm noch fürchterlicher, als die entsetzlichen Gespräche von Mord und Todtschlag. So trat er denn mit verhaltenem Athem behutsam den Rückzug an. Indem er auf einem Bein unsicher und in Gefahr, das Gleichgewicht zu verlieren, balan- cirte, setzte er das andere vorsichtig aber fest nach rückwärts. In gleich kunstvoller Weise wurde der nächste Schritt ausgeführt, dann ein dritter und vierter. Da knackte ein Zweig unter seinem Fuß! Ihm verging der Athem — er horchte. Nichts rührte sich — alles war vollkommen still. Sein Dankgefühl war grenzenlos. Nun wendete sich sein Pfad in die dichten Sumachbüsche hinein — er machte die Wendung so vorsichtig, als ob er im Schiff wäre — und dann schritt er noch immer behutsam, aber eilig vorwärts. Nachdem er den Steinbruch erreicht hatte, fühlte er sich verhältniß-
Prinzen, der größere Einfluß des Radicalismus im Parlament, welcher die gemäßigten Republikaner sich unterwürfig zu machen weiß, die Ueber- Zagung von Ministerportefeuilles an radicale Politiker, das Anwachsen der socialistischen Ge- Wk.^o" der die monatelanaen Arbeitseinstel-
Jn republikanischen Kreisen begreift man die Gefahr, die aus einem Siege der Monarchisten bei den Generalrathswahlen ihnen erstehen muß. Zwar würde weniger ins Gewicht fallen, wenn der Senat in Zukunft eine größere Zahl monarchistischer Mitglieder zählte; sehr viel wichtiger aber würde die Thatsache an sich sein, daß der Monarchismus im Lande abermals anÄoden gewonnen hätte. Das würde vermuthlich leicht zu Actionen führen können, welche später auch den Republikanismus in der Deputirtenkammer untergraben und der Republik selbst gefährlich werden könnten. Die Republikaner haben es denn in letzter Stunde auch nicht an Anstrengungen fehlen lassen, und neuerdings haben sie geglaubt, ihrer Sache dadurch aufhelfen Au können, daß sie das Land an die Nothwendigkeit erinnerten, eine würdige hundertjährige Gedenkfeier von 1789 zu feiern. Man muß abwarten, ob das Land durch diesen Hinweis mehr abgestoßen als angelockt wird.
Politische Nachrichten.
(Deutschland.) Die Rückkehr Sr. Majestät des Kaisers von den Badereisen wird ungefähr am 12. August erfolgen. Um diese Zeit dürfte die Kaiserliche Familie in Berlin versammelt sein. Der Kaiser gedenkt zunächst Aufenthalt in Babelsberg zu nehmen.
In Berliner Hofkreisen erwartet man die Anwesenheit der bayrischen Prinzen bei den am 2.
mäßig sicher und nun nahm er seine flinken Glieder zusammen und flog wie ein Pfeil davon, hinab, immer hinunter, bis er das Haus des Walisers erreichte. Heftig pochte er an die Thür; alsbald steckten der alte Mann, sowie seine beiden riesigen Söhne die Köpfe zum Fenster hinaus.
„Wer macht da Lärm? Wer pocht? Was ist da los?"
„Schnell, rasch, laßt mich ein, da sollt ihr alles erfahren."
„Was — wer bist Du denn?"
„Huckleberry Finn, schnell doch, macht auf."
„So, Huckleberry Finn. Für den Namen öffnen sich nicht viele Thüren, sollt ich denken. Aber laßt ihn nur herein Jungens, wir wollen doch sehen, was die Störung bedeutet."
„Bitte, bitte verrathet mich nicht, daß ich's erzählt habe," waren die ersten Worte, die der Junge hervorstieß, als er drinn war, „bitte, thut's nicht — sie schlagen mich todt — aber die Wittwe war immer freundlich gegen mich — und so muß ich's sagen — ich sage es euch, wenn ihr mir versprecht, niemals weiter zu erzählen, daß ich's war."
„Bet Gott, hätte er nicht etwas besonderes, würde er nicht so sein," rief der Alte. „Heraus damit; wir werden Dich nicht verrathen."
Drei Minuten später hatten die drei Männer, wohl bewaffnet, den Hügel erstiegen und schlugen sich mit gespanntem Hahn in die Sumachbüsche; Huck folgte ihnen nicht weiter, sondern versteckte sich hinter einem großen Stein und horchte. Eine träge, beklommene Stille folgte, dann fielen Schüsse