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Wit wöchentlicher Hratis-Aeilage „Illustrirtes UnterhakLungsölali".
Nr. 82. Donnerstag den 15. Juli 1886.
3X5"' Bestellungen auf das „Kreisülatt" werden noch fortwährend von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition ent- gegengenommen,
Amtliches.
Cassel, den 11. Juli 1886.
Es ist bisher nicht gelungen, eine Spur des flüchtigen Postagenten Elbighausen ausWilhelms- burg (Elbe) zu ermitteln.
Das Königliche Landrathsamt setze ich hiervon unter Bezugnahme aus meine Schreiben vom 1. December 1884 Nr. 24766 und vom 4. März 1885 Nr. 4124 mit dem Ersuchen ergebenst in Kenntniß, auf Elbinghausen weiter fahnden, ihn im Betre- tungssalle verhaften zu lassen und von seiner etwaigen Festnahme der Kaiserlichen Ober-Postdirec- lton in Hamburg Mittheilung zu machen.
Der Kaiserliche Ober-Postdirector: zur Linde.
An das Kgl. Landrathsamt in tzersfeld. Nr. 13789.
*
Hersfetd, den 13. Juli 1886.
Wird den Ortspolizeiverwaltungen und der Königlichen Gendarmerie des Kreises zur Kennt- ntßnahme unter Bezugnahme aus meine Verfügung vom 7. März v. I. Nr. 2619 (Kreisblatt Nr. 30) mitgetheilt.
7861. Der Königliche Landrath Freiherr von S ch l e i n i tz.
# Ausflüge von Schülern höherer Lehranstalten
können, gut geleitet und ins Werk gesetzt, von hervorragend erziehlicher Wirkung sein. Unser Cultusminister hat auch dieser Seite der Jugenderziehung in höheren Schulen schon längst seine Aufmerksamkeit zugewendet und neuerdings
(Unbefugter Nachdruck verboten.) Tom Sawyer's Aöenteuer.
Nach dem Englischen des Mark Twain. Einleitung.
Die auf den nachfolgenden Blättern erzählten Abenteuer beruhen auf Wahrheit.
Tom, ein früh verwaister Knabe, lebte bei einer frommen, biedern Tante, in der Erzählung kurz mit ihrem Vornamen Polly bezeichnet, vor vierzig bis fünfzig Jahren in dem kleinen Städtchen oder Flecken mit dem hochtönenden Namen St. Petersburg in einem der an dem rechten Ufer des oberen Mississippi belegenen Staaten der nordamerika- nischen Union. Sein jüngerer ihm in allem unähnlicher Bruder Sidney und eine Cousine Mary Austin, hatten dort gleichfalls liebevolle Aufnahme gesunden und theilten mit ihm das gastliche Haus, sowie die Ermahnungen, Püffe, Strafpredigten, Liebkosungen und Küsse der alten Dame, welche je nach Laune und Verdienst unter die drei ausgetheilt wurden. Doch müssen wir zur Steuer der Wahrheit berichten, daß unserm Tom von ersteren der Löwenantheil zufiel, da sein lebhafter, von einer glühenden Phantasie und dem mannigfaltigsten, in jenen Zeiten unter den Kindern und Negersklaven allgemein verbreiteten Aberglauben beherrschter Geist, ein ausgebildeter Unabhängigkeitssinn, verbunden mit der au^gesprochendsten Abneigung gegen jede ernsthafte Beschäftigung ihn stets die Schranken der Civilisation, mochten sie auch noch so weit gezogen sein, durchbrechen ließ und die sich
eine Zusammenstellung der in den eingesandten Berichten niedergelegten Wahrnehmungen und Fingerzeige machen lassen, in welcher besonders die folgenden Bemerkungen von allgemeinerem Interesse sind.
Die einfachste Art der in Frage kommenden Schüleraus- flüge sind Spaziergänge, welche ein Lehrer mit der Classe, deren Ordinarius er ist oder welche ihm sonst genau bekannt ist, auch wohl nach Umständen ein paar Lehrer zusammen mit Classen, die einander nahestehen, an schulfreien Nachmittagen unternehmen. Selbst für die Spaziergänge dieser mäßigsten Ausdehnung ist, wenn sie ihrem Zwecke gemäß gelingen sollen, eine möglichst genaue vor- herige Feststellung des Planes zu empfehlen, nämlich Bestimmung des Maßes der Wanderung nach dem Maße der Kräfte der Schüler, Ausfüllung der Zeit in einer Weise, welche die Theilnehmer an dem Spaziergange zusammen- hält unter thunlicher Beschränkung der Dauer einer etwa nothwendigen Erfrischung, Festsetzung der Zeit, zu welcher die Eltern die Rückkehr ihrer Söhne zu erwarten haben — Forderungen, welche selbstverständlich für Ausflüge von größerem Umfange dieselbe Geltung behalten und noch höhere Bedeutung gewinnen. Richt in der Weite der zu überwindenden Enlsernungen ist der Werth solcher Ausflüge zu suchen oder in einer bis zur Abspannung führenden Anstrengung der Körperkräfte; die Bedeutung derselben liegt überhaupt, zumal an kleineren Orten, weniger in der Richtung der Gesundheitspflege, als auf dem Gebiete der Erziehung. Für einen großen Theil der Schüler ist es von hohem Werthe, daß sie bei der im Vergleiche zu dem Aufenthalt in den Schulräumen ihnen gestatteten Freiheit in ihrem kameradschaftlichen Verkehr, in den Aeußerungen ihrer Heilerkeit und des jugendlichen Muthes und Ueber» muthes sich unter dem Auge des Lehrers an die Grenzen guter Sitte gewöhnen; und nicht minderen Werth hat es für den Lehrer, öfters an Schülern, welche in den Lehr- stunden ihm fast unzugänglich geblieben waren, in ihrer Theilnahme an den Spielen und in ihrem sonstigen Verkehr Charakterzüge zu entdecken, welche ihm dieselben dauernd näher bringen.
Ungleich schwieriger ist die Leitung von Ausflügen einer oder mehrerer Klassen, welche einen ganzen Tag in Anspruch nehmen. Hier kommt nicht allein in Frage, für gute, zweckmäßige und billige Verpflegung zu sorgen, sondern es handelt sich vor Allem darum, in richtiger Abwechselung die Zeit so auszufüllen, daß die körperliche und geistige Frische bis zum Schluß andauert.
Ausflüge ganzer Schulen sind im Allgemeinen nicht
in dem Gemüthe der Tante sammelnden Ungewitter auf sein niemals unschuldiges Haupt zur Entladung brachten.
Früh sproßten die ersten Keime der Hinneigung zu dem zarteren Geschlecht in seinem empfänglichen Herzen. Nachdem er zuerst seine Gefühle der anziehenden Amy Lawrence huldigend zu Füßen gelegt und ihnen in der Gestalt von Blumen, stibizten Pfirsichen, dito Lakrizenstücken und ähnlichen Näschereien beredten Ausdruck geliehen, entbrannte sein Herz in heißer Liebe zu Lecky Thatcher, der blondköpfigen Tochter des Ortsrichters, die ihre frühsten Jugendjahre bei entfernt lebenden Verwandten zugebracht hatte und nun als leuchtendes Meteor am Himmel von L>t. Petersburg gelegentlich einer Sonntagsschulprüfung aufging. Zwar wollte die junge capriciöse Schöne anfänglich von Toms Huldigungen nichts wissen und wandle sich mehr dem sanften Alfred Temple zu, doch Tom setzte mit Beharrlichkeit seine Werbungen fort, und besiegte endlich das spröde Herz der Angebeteten, indem er für einen in der gemeinsamen Schule von Seiten Beckys begangenen argen Verstoß sich als Thäter angab und mit stoischem Muth, ohne nur einen Laut von sich zu geben, die fürchterlichste Tracht Prügel, die seit Menschengedenken in der Schule ausgetheilt war, hinnahm.
Längst Held und geborner Häuptling aller Jungen von 6 Jahren an aufwärts, hatte er zur Zeit des Beginns unserer Erzählung sich auch schon unter der erwachsenen Bevölkerung des Städtchens einen Ruf erworben. Das. hing so zusammen.
zweckmäßig, die große Zahl der Theilnehmer, die Verschiedenheit der Körperkräfte und der Interessen zwischen Sextaner und Primaner hindert die erziehliche Wirkung, Die Vereinigung der ganzen Schule zu einem Ausfluge von halb- oder selbst ganztägiger Dauer erscheint kaum in einem anderen Falle begründet, als wenn dieser Ausflug den Charakter eines Schulfestes annimmt, in welchem die Schule ihre eigene Zusammengehörigkeit als Ein Ganzes feiert, vielleicht selbst unter Theilnahme der Eltern einiger Schüler. An mehreren Lehranstalten besteht eine derartige Einrichtung, als alte, in fester Ueberlieferung bewahrte Sitte. Wo dies der Fall, geziemt es sich, eine für die Erinnerung der Schüler und für den Zusammenhalt der Anstalt werthvolle Sitte durch zweckmäßige Entwicklung und durch die entschiedene Abwehr von Ausschreitungen zu -erhalten.
Ueber die Dauer eines Tages hinaus ausgedehnte Ausflüge geben zu erheblichen Bedenken Anlaß. Hier ist die Verantwortlichkeit der Lehrer eine besonders gesteigerte. Durch die einem solchen Ausflüge unter Aussetzung des Unterrichtes zugewendete Zeitdauer wird weit über die Aufgabe der Schule in den Bereich übergegrissen, welcher dem Elternhause für die Ferienzeit überlassen ist; zugleich wird auf die Zustimmung der Eltern zu den erheblichen Kosten, ungeachtet der ihnen formal zustehenden Freiheit der Entscheidung, dadurch ein bedenklicher Druck ausgeübt, daß die Veranstaltung von der Schule ausgeht. Als Unterbrechung des Unterrichts und der Arbeit der Schüler sind nicht blos die aus den Ausflug selbst verwendeten Tage, sondern in gewissem Maße einige Tage vorher und nachher in Rechnung zu bringen; und noch mißlicher ist die Lage derjenigen Schüler der betreffenden Klassen, die während der Zeit am Schulorte zurückbleiben. Zur Theilnahme an solchen Ausflügen werden jedenfalls nur Schüler der oberen Klassen zuzulassen sein.
Allen den vorgenannten Spaziergängen und Wanderungen ist der Charakter der Freiwilligkeit in jeder Hinsicht zu wahren. Bei Klaffenspaziergängen von der bloßen Dauer eines Nachmittags, namentlich wenn sie zu einem Kostenauswand leinen Anlaß geben, ist die Theilnahme aller Schüler gewiß wünschenswerth; aber dennoch hat die Schule, sofern nicht der Spaziergang durch seine Zweckbestimmung als ein Theil des Unterrichts, z. B. des botanischen, zu betrachten ist, von einer Verpflichtung der Schüler zur Theilnahme, etwa gegen den erklärten Willen der Eltern, Abstand zu nehmen. Die Schule kann einzelne Schüler aus disciplinaren Gründen von der Theilnahme aus-
Um eine nach der Meinung aller Knaben unfehlbar wirkende Beschwörung gegen Warzen mittelst einer todten Katze auf einem vor der Stadt be- legenen verlassenen Kirchhof vorzunehmen, hatte Tom sich in einer Nacht von der Seite seines den Schlaf des stets Gerechten schlummernden Bruders Sidney fortgestohlen und sich in Gesellschaft von Huckleberry Finn, eines den n ederen Gesellschaftskreisen entstammenden Freundes und Schildknappen, von dem später noch mehr die Rede sein wird, nach dem bezeichneten Orte begeben, als sie dort, zwar in großer Angst vor den die Kirchhöfe besuchenoen Gespenstern, aber dennoch fest entschlossen, die Kraft des Zaubers zu erproben, den dazu nothwendigen Aufgang des Mondes erwarteten, erschienen noch drei andere Gestalten unerwartet auf der Scene.
Voller Angst, und Schrecken flüchteten sie hinter ein dichtes Gebüsch und erkannten in den Hinzugekommenen einen jungen Arzt, der sich erst kürzlich in dem Städtchen angesiedelt hatte, ferner einen notorischen Trunkenbold Namens Potter und endlich einen höchst übelberüchtigten Menschen, Jnjun Joe, der Indianer Joe genannt, weil er von einer eingeborenen Mutter stammend, den zu jener Zeit noch unauslöschlichen Makel des MtschlingsbluteS an sich trug.
Das Gespräch der drei belehrte sie bald, daß es sich um die Exhumirung der Leiche eines dort kürzlich verscharrten Selbstmörders handele, deren sich Dr. Robinson zu wissenschaftlichen Zwecken bedienen wollte und wozu er die beiden gedungen. Nachdem das Geschäft beendet, entstand ein Streit über die