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(Kiüftlhcr Kreisblatt.

Mit wöchentlicher Kratis-AeilageIllustrirtes Anterlsattungsblatt".

Nr. 81. Dienstag den 13. Juli 1888.

^I^^ Bestellungen auf dasKreisblatt" werden noch fortwährend von allen Kaiserlichen Postanstal- tcn, Landbriefträgern und von der Expedition ent- gegengenommen.

Amtliches

Hersfeld, den 9. Juli 1886.

Die Herren Standesbeamten des hiesigen Kreises werden gemäß Verfügung der Königlichen Regierung zn Cassel vom 5. d. Mts. I. A. 1. Nr. 6710 hierdurch benachrichtigt, daß die Ent­schädigungen für die Ausfüllung der dem König­lichen statistischen Büreau in Berlin in der Zeit vom 1. April 1885 bis 31. März d. I. einge­reichten Zählkarten über Geburten, Eheschließun­gen und Sterbefälle zur Auszahlung durch die betreffende Steuerkaffe angewiesen worden sind und bei Letzterer binnen Monatsfrist in Empfang genommen werden können. Wird die gedachte Frist überschritten, so erfolgt die Zustellung des zur Anweisung gelangten Betrags durch die Post. 7725. Der Königliche Landrath

_________________Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 10. Juli 1886s

Diejenigen Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises, welche noch mit der Erledigung meiner Verfügung vom 28. Juni 1886 I. A. Nr. 43 im Kreisblatt Nr. 77, die Bestellung der Text­ausgabe der Neuen Preußischen Verwaltungsge- etze für die Provinz Heffen-Naffau betreffend, in Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 20. d. Mts. erinnert.

I. A. Nr. 43. Der Königliche Landrath ___Freiherr von Schleinitz.

Gefunden: ein Fernrohr. Meldung des Eigen- thümers bei dem Ortsvorstand zu Wüstfeld.

(Unbefußter Nachdruck verboten).

Auf dem Kranmethsf.

Eine Geschichte aus den Alpen. Von Robert Schwetchel.

(Slchnß.)

Es galt mir außer Dir nichts mehr, nichts die ewige Seligkeit, und da hat er sterben müssen! sagte Cenzi."

Sie hatte den Kopf auf die Brust sinken lassen. Die letzten Worte waren nur wie ein Hauch über ihre Lippen gekommen. Franz war entsetzt aufge­schnellt. Mit wett geöffneten Augen starrte er aus die Unglückliche, die wie gebrochen dasaß. Aber war ja undenkbar, daß dieses junge, so schöne Geschöpf eines so furchtbaren Verbrechens sich schuldig gemacht haben sollte.

Es ist unmöglich," keuchte er endlich, sie aber nickte dreimal langsam mit dem Kopfe.

Ich mußte ihm ein Glas Wein holen und das Fläschchen," sprach sie leise vor sich hin und die Augen starr auf den Boden gerichtet.Das Fläschchen mit dem Todtenkopf. Zehn Tropfen, sagte er. Ich reichte ihm das Glas. Das Fläschchen war leer. Trink' nicht, wollte ich rufen und konnte nicht. Ich wollte ihm das Glas vom Mund' reißen und konnte kein Glied rühren, konnte die Augen nicht abwenden, wie er trank. Und er trank und trank.*

Ein Schauder überlief sie und sie schlug die Hände vor das Gesicht.

Franz fühlte, wie sich ihm das Haar empor-

sträubte, Entsetzen lähmte seine Zunge.

Barmherziger Gott, Cenzi", ächzte er endlich.

Set Du barmherzig", rief sie, zu seinen Füßen gleitend und umschlang seine Kniee und hob die Augen in tödtlicher Angst zu ihm auf.Kein Priester kann mich lossprechen, aber Du kannst es, wenn Du mich liebst, Franz, Franz!"

Er selbst blickte wie ein Verzweifelnder gen Himmel. Was konnte er ihr antworten?

O, Cenzi, Cenzi, welch' ein Elend hast Du über uns beide gebracht!" preßte sich endlich aus seinem zerrissenen Herzen hervor, und voll des schmerzlichsten Mitleids beugte er sich über sie und hob sie auf. Ihr ganzer Körper bebte in seinen Armen.'

Es ist furchtbar, daß Du das thun konntest", stöhnte er.Und ich bin Dein Mitschuldiger! Mag uns beiden Gott vergeben. Aber es ist jetzt nicht Zeit zu klagen. Wir müssen überlegen, was zu thun ist."

Er nöthigte sie, sich wieder hinzusetzen, aber ihm selbst fehlte die Ruhe zu überlegen. Er warf den Hut fort und griff sich mit den Fingern in's Haar.

Daß ich doch nimmer wieder heimgekehrt wäre", rief er.Um Deinetwillen wünsch' ich es, Du Unselige. Was soll jetzt werden?"

Du hast keinen Theil an meiner Schuld", entgegnete sie leise.Ich habe Dich allzu sehr geliebt, Franz, ach, so sehr, so sehr, und darum wird Gott barmherzig mit mir sein, wie Du es bist." Innig fügte sie hinzu:Ich bitte Dich,

Gefunden: ein Shawltuch. Meldung des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zu Mengs- hausen.

# Warnung für das deutsche Kapital.

Unsere kleinen Kapitalisten sind bei der be­kannten Vorliebe der Deutschen für alles Fremde nur zu oft geneigt, ihre Ersparnisse in Hoffnung auf recht hohe Dividenden in exotischen Unter­nehmungen anzulegen. Der Zinsfuß sicherer ein­heimischer Papiere ist allmälig sehr niedrig ge­worden und bietet nichts Verlockendes mehr; dafür glaubt man desto besser bei äußerlich recht glänzend erscheinenden ausländischen Finanzope­rationen sich betheiligen zu können. Ein Jeder mag thun, was er nicht lassen kann. Aber ein Jeder sollte sich doch wenigstens einen Einblick in die Natur der Unternehmungen verschaffen, in die er sein Kapital steckt. Unsere großen Bankiers wissen genug Bescheid: für die liegt die Gefahr nicht nahe, ihr Geld in unsicheren Papieren anzulegen. Die kleinen Kapitalisten aber lassen es nur zu oft an der nöthigen Prüfung fehlen und laufen somit Gefahr, nicht nur die versprochenen Dividenden nicht zu er­halten, sondern auch ihr Kapital zu verlieren.

Demnächst wird eine neue Versuchung an die kleinen Kapitalisten in Gestalt einer Anleihe von 600 Millionen Franks für den Bau des Panama- Canals herantreten. Da wird es gut sein, ihnen wenigstens Kenntniß von den thatsächlichen Ver­hältnissen zu verschaffen und sie auf den Bericht aufmerksam zu machen, den der von der fran­zösischen Regierung nach Panama entsandte Sach­verständige Rousseau über das Unternehmen so­eben seiner Regierung erstattet hat. Der Bericht, welcher in Frankreich großes Aufsehen gemacht hat, tritt zwar sehr entschieden für die Fortsetzung und Durchführung des Unternehmens ein, welches

fallen zu lassen er nicht nur als ein Unglück für die bisherigen Actionäre, sondern auch für ganz Frankreich und den französischen Einfluß in ganz Amerika bezeichnet, womit er die Pflicht der Re­gierung begründet, dem Unternehmen ihre Hilfe angedeihen zu lassen. Dennoch ist er offen genug, vor der Uebernahme einer zu weit gehenden Ver­antwortlichkeit des Staates zu warnen: derselbe dürfe der Kanalgesellschaft weder Rathschläge noch Bürgschaften ertheilen, da er mit dem Bau­projekt und der Ausführung der Arbeiten nichts zu thun habe und das Gelingen doch immerhin zweifelhaft ist. Was der Staat thun kann, soll sich darauf beschränken, daß er sich dessen verge­wissert, daß die Gesellschaft ihr Werk ernst in Angriff nimmt, die ihm entgegenstehenden Schwierigkeiten zu beseitigen sucht und sich mit gewissenhaften, erleuchteten, sachverständigen Män­nern umgiebt. Dies sei um so nothwendiger, als der Berichterstatter der Ueberzeugung ist, daß die Vollendung des Werkes mit den vorherge­sehenen Mitteln und in den angekündigten- Fristen sehr fraglich ist, wenn die 'Gesellschaft sich nicht dazu entschließt, sehr wesentliche Ver­einfachungen an ihren ursprünglichen Plänen vor- zunehmen. Die Regierung soll sich von dem Aufsichtsrath gründliche Gewißheit darüber ver­schaffen, ob nicht das ursprüngliche Bauprogramm fast unüberwindliche Schwierigkeiten enthält, ob es überhaupt möglich sei, dieses Programm unter den Bedingungen, welche man dem Publi­kum bei der Ausschreibung der Anleihe bietet, zu verwirklichen, und ob nicht wesentliche Ver­einfachungen in dem Bauprogramm vorgenommen werden müssen.

Man braucht nicht einmal zwischen den Zeilen lesen zu können, um zu merken, daß der Sach­verständige der französischen Regierung seinerseits eher von der Unrealisirbarkeit des Projekts in technischer Beziehung überzeugt ist als vom Gegen-

sei ruhig! Gehören können wir einander in diesem Leben nicht; aber Du wirst mich nicht aus Deinem Herzen verstoßen." Ihre Augen füllten sich wieder mit Thränen.Nacht war es bisher in mir, und wenn ich an Dich denken wollte, stand der Todte höhnisch vor mir. Jetzt ist es ganz still in mir worden, nachdem ich Dir alles gesagt habe. Jetzt seh' ich halt wieder, daß die Sonne scheint."

Sie schaute zum Himmel auf und um sich mit einem langen Blicke. Plötzlich schnellte sie mit einem Schrei empor und warf sich an Franzens Brust. Ein Schuß knallte. Cenzi zuckte zusam­men. Franz sah zwischen den Tannen am Rande des Waldes ein Rauchwölkchen schweben, eine männliche Gestalt hinter den Stämmen verschwin­den. Er wollte ihr nacheilen, allein Cenzi hielt ihn krampfhaft umschlungen.

Das galt Dir. Der Tuifelebauer!" rief sie und mit den Worten zugleich quoll Blut über ihre Lippen.

Jesus, Maria, er hat Dich geschossen", rief Franz im höchsten Schrecken.

Cenzi hing schwer und schwerer an seinem Halse. Eine fahle Bläffe überzog ihre Wangen, aber ihre blutigen Lippen lächelten. Er nahm sie auf seine Arme und trug sie so rasch er vermochte dem Hause zu. Sie erschien ihm leicht wie ein Kind. Rothe Blutstropfen fielen auf den Schnee.

Stirb nicht, stirb nicht," rief er mit fliegendem Athem.Cenzi, Cenzi, stirb nicht!"

Da öffnete sie die Augen, schaute ihn mit ihrer ganzen Seele an und flüsterte;