die Anstalt in neuerer Zeit mit den Rechten einer juristischen Person ausgestattet ist, und als solche unter der Aufsicht des Grobherzoglich Sächsischen Staats-Ministeriums steht, ist dem spielenden Publikum Sicherheit geboten, daß die Gewinne, welche unter der besonderen Aufsicht eines Großherzoglichen Commissars angeschafft werden, gut und den angesetzten Werthen entsprechend sind; dieselben werden übrigens den Gewinnern kostenlos und portofrei durch die Ausstellung übersandt. Die Ausführung der Lotterie ist keinem Unternehmer übertragen, sondern wird von der Ständigen Ausstellung selbst bewirkt, sodaß der Reingewinn nur den Spielern und der Anstalt, durch letztere aber wiederum dem Kunstgewerbe zu Gute kommt. Unter diesen Umständen ist der Ankauf der „Wetmarischen Aus- stellungs-Loose" ebenso zu empfehlen, wie dem cm- porstrebenden Kunstinstitut ein recht guter Erfolg zu wünschen.
Hersfeld, 30 Juni. Es sind ernannt worden: für den Bezirksausschuß in Cassel der Oberregierungsrath Schwarzenberg zum Stellvertreter des Regierungspräsidenten, der Regierungsrath Goebell zum zweiten Mitgliede, der Regierungsrath von.K i tz i n g zum Stellvertreter des ersten Mitgliedes und der Regierungs-Assessor B e ck h a u s zum Stellvertreter des zweiten Mitgliedes
* Hersfeld, 30. Juni. Morgen früh unternehmen die Schüler der mittleren und oberen Klaffen des hiesigen Gymnasiums und Realpro- gymnasiums in Begleitung ihrer Lehrer eine Türnfahrt nach dem Niederwalddenkmal.
* Der Amtsrichter Bernerin Steinbach-Hallen- berg ist an das Amtsgericht in Köpenick versetzt worden.
Cassel, 28. Juni. Durch die Verdoppelung der Anzahl der Preußischen Elassen-Lotterie-Loose ist auch an hiesigem Platze eine zweite Collecte errichtet und zwar ist dieselbe Herrn Kaufmann Herm. Mende übertragen.
Cassel, 28. Juni. Se. Majestät der Kaiser nahm am 26. d. Mts. die Meldung des in Ems MMwffenenCommandeurs der 11.Gendarmerie- DuaäWlMrnrw»»«,^ aiaf hp n b ü di er entgegen und wurde derselbe zum Diner Nil stfflnngc^,,,».
Cassel, 28. Juni. Casseler Wollmarkt. Zufuhr bei Erstattung dieses Berichts etwa 600 Centner. Geschäft anscheinend belebt. Erzielte Preise nach den deshalbigen Mittheilungen von Betheiligten: bei guter Wäsche die vorjährigen, auch wohl etwas mehr, sonst geringere. Sehr schöne Wäsche hatten zugeführt: die Herrn Jnspector Eimer von Höhnscheid, Dr. Wißmann von Wißmannshof, und die Landwirthe Hellmuth und R u d o I p h von Großenritte und H a m p e von Hombressen. Zu bedauern ist, daß der hiesige Wollmarkt von Jahr zu Jahr immer mehr zurück und seiner gänzlichen Auflösung entgegen geht; es hat dies seine Ursache darin, daß fast sämmtliche Wolle vor Beginn des Marktes von den Wollhand- lungen aufgekauft und dadurch allermeist dem Markte entzogen wird. Auch die vorliegend zum Malkl gebrachte Wolle befand sich größtentheils in zweiter Hand.
Cassel, 28. Juni. Am Sonnabend machte ein hiesiger Einwohner einen Selb st Mordversuch, indem er eine Pistole auf sich abschoß. Die Kugel drang ihm durch das Auge in den Kopf und blieb
(I tal i en.) Ueber die Umtriebe in Norditalien hört man, daß die behördlicherseits vorgenommenen Hausdurchsuchungen ein belastendes Material ergeben hätten, u. a., daß für den Herbst von 150 mit dem Mailänder socialistischen Arbeiterbunde verbundenen Vereinen Unruhen geplant waren. Die Agitatoren sind verhaftet. Es soll ihnen der Proceß wegen Hochverraths gemacht werden.
(Balkanstaaten.) Bulgarien will eine Anleihe von etwa 100 Mill. Frank ausnehmen; die Summe soll meistens zu Hafen- und Eisenbahnbauten verwendet werden. — Aus Belgrad wird offiziös gemeldet, die Nachrichten über die angeblich zunehmende Unsicherheit durch Uebersälle räuberischer Banden seien übertrieben; nur in den südlichen Kreisen seien solche vorgekommen. Die Behörden hätten deshalb energische Maßregeln ergriffen.______________
Aus Hessen Nassau.
Hersfeld, 30. Juni. Betreffs des Heiraths- consenses der Officiere ist folgende Allerhöchste Cabinetsordre, vom 20. Mai, ergangen. „Die Verordnung vom 14. März 1850, betreffend den von den Hauptleuten und Rmmeislern zweiter Classe und von den SubaUern-Officieren betNach- suchung des Heiraths-Consenses zu führenden Ver- mögens-Nachweis, erhält vom 1. April 1887 ab im Paragraphen 1 Absatz 2 folgende Fassung: Dieses Einkommen muß, mindestens bei einem Hauptmann oder Rittmeister zweiter Klasse 1500 Mark und bei einem Suballern-Officier 2500 Mk. jährlich betragen. Zugleich wird im Anschluß an die Cabinets-Ordre vom 14. März 1850 das Kriegsministerium ermächtigt, zur Ausführung der gedachten Verordnung allgemeine Bestimmungen über die Voraussetzungen zu erlassen, unter welchen das nachgewiesene Einkommen als sicher, beziehungsweise sichergestellt tm Sinne des Paragraphen 1 Absatz 1 und des Paragraphen 5 Absatz 1 dieser "SUmuuns ö mniWbmen ist "
t^f*1 - " ....... '....... "- der Lohnzahlung der ganze Lohnbetrag auf den Dlicy baar aufgezählt, von dieser ausgezählten Summe aber sodann der Betrag für die von Restaurateuren gegen Vorschußzettel den Arbeitern credittrten Lebensmittel abgezogen und der Restbetrag den Arbeitern überlassen, so macht sich nach einem Urtheil des Reichsgerichts, II. Straff., vom 20. April 1886 der Arbeitgeber dadurch der Verletzung des Gebots der Lohn-Laarzahlung (§§ 115,119,146/ Reichsgewerbe-Ordnung) schuldig.
Hersfel-, 30. Juni. Die, unter dem Pro- tectorale Seiner Königlichen Hoheit des Großher- zogs von Sachsen stehende, Ständige Ausstellung für Kunst und Kunstgewerbe in Weimar tritt in diesem Jahr mit einem ganz neuen, ebenso groß wie vorzüglich angelegten Lotterie-Unternehmen an die Oeffentlichkeit. — Es kommen in drei Classen, deren Ziehungen im Juli, September und December dieses Jahres stallfinden, 15 000 Gewinne im Gesammtwerthe von 750,000 Mark zur Verloosung, der Einzelwerth derselben steigert sich von dem niedrigsten von 10 Mark an bis zu 30,000; 40,000 und 60,000 Mark. Dagegen be- trägt der Preis der Loose nur eine Mark für die erste und fünf Mark für alle drei Classen. Da
da stecken. Der Bedauernswerthe, welcher noch zwischen Tod und Leben schwebt, scheint die That in einem Anfall von Geistesstörung begangen zu haben.
Wiesbaden. Die Wittwe Giacomo Meyer- beers ist am Montag in Wiesbaden gestorben. Sie hat ein Alter von 82 Jahren erreicht und ihrelt Mann um 22 Jahre überlebt.
Vevmis ch t e s.
— Dem Reichskanzler Fürsten Bismarck wurden bei seinem jeweiligen Aufenthalte in Kis- singen, während derselbe zum Curgebrauche in Kissingen selbst oder auf der oberen Saline verweilte, von König Ludwig H. Hofequipagen, Pferde und entsprechende Bedienung zur Verfügung gestellt. Da der Reichskanzler sich auch in diesem Sommer, und zwar in den nächsten Tagen schon, auf der oberen Saline zum Curgebrauche einstellen wird, so hat Prinz-Regent Luitpold gleichfalls dem Reichs- kanzler die nämliche Anzahl Hofequipagen, Pferde und Bedienung wie in den Vorjahren zur Verfügung stellen lassen.
— B e r l t n. Vor einigen Tagen hatte die Ehefrau eines hiesigen Rentners an der Coupon- casse der Reichsbank in der Jägerstraße einen Betrag von 450 Mark erhoben. Sie hatte das Bankgebäude nach der Jägerstraße zu verlassen, als ein etwa 30 Jahre alter Mann ohne Kopfbedeckung aus dem Bankgebäude schnell heraustrat und ihr die Mittheilung machte, daß ihr beim Aufzählen des Geldes durch ein Versehen des Cassirers zu wenig ausgezahlt worden sei. Der Fremde, welchen die Frau für einen Bankdiener hielt, forderte sie auf, nach dem Bankgebäude zum Empfang des zu wenig gezahlten Betrages zurückzukehren. Auf dem Vorflur nahm er ihr den ganzen soeben empfangenen Geldbetrag aus der Hand, versprach den fehlenden Betrag an der Casse zulegen zu lassen, und forderte die Frau auf, im Vorflur seine Rückkehr ab- zuwarten. Nachdem eine geraume Zeit verstrichen war, ohne daß der Fremde mit dem Gelde zurück- kehrte, begab sich die Frau selbst nach der Zahlstelle, um nun zu erfahren, daß sie das Opfer -^"°ä Gönners aewnru-n war.
— Berti st. In oe» Frage: was mag wohl Berlin an Eiern verbrauchen? entnehmen wir dem Berichte des Aeltesten-Collegiums der Kaufmannschaft Folgendes: Im vergangenen Jahre sind — abgesehen von der Production am hiesigen Orte selbst — auf den in Berlin mündenden Bahnen 13,269,466 Kg. Eier eingegangen. Hiervon gingen zumeist nach Provinzialplätzen wieder 1,325,204 Kg. aus, so daß 11,944,242 Kg. Eier oder 3,185,132 Schock Eier im Werthe von 9,459,842 Mark hier verzehrt sind. Es ergiebt dies pro Kopf und Jahr einen Verbrauch von 145,3 Stück, pro Tag einen solchen von 0,398 Stück. Da das, was per Achse zur Stadt gebracht wird, zu gering ist, um die hier angeführten Zahlen wesentlich verändern zu können, so ergiebt sich, daß jeder Berliner erst in etwa drei Tagen ein Ei verzehrt.
— Trier, 26. Juni. Der jugendliche Kronprinz Victor Emanuel von Italien bereist augenblicklich unsere Westmark undtraf gestern unter dem Namen eines Grafen von Sollenzo, von Metz kommend, hier ein.
— Breslau. Am Freitag Abend gab ein
£ । ■ lich an dessen Herzen zu fressen begann. Welch ein Triumphgelächter würde Paul, der nicht nur den rechten Fuß, sondern auch den Oberschenkel gebrochen hatte, auf seinem Schmerzenslager aufgeschlagen haben! Er war ein schrecklicher Kranker, und seine Mutter, die ihn mit hingebendster Geduld und Selbstvergessenheit pflegte, hatte schwer von ihm zu leiden. Ihre stille Hoffnung, daß das Unglück ihn zur Einkehr in sich bringen würde, erfüllte sich nicht. Je mehr sein Krankenlager sich in die Länge zog, je rückhaltloser brach selbst bei der geringsten Veranlassung die Verwilderung hervor, die sich seines Gemüthes ganz bemächtigt, seitdem Cenzi die Frau Marlinger's geworden war. Er verschonte niemand, am wenigsten die eigene Mutter. Es schien, als ob ihre Liebe, Schonung und Pflege seine Wüstheit herausforderte, vielleicht weil er sich jener unwerth fühlte. Jedenfalls verstärkte es seinen Haß gegen Franz, daß er just ihm seine Rettung zu verdanken hatte. Auch moralisch fühlte er sich diesem unterlegen, denn er würde an seinem Nebenbuhler nicht den barmherzigen Samariter gemacht haben. Er war in jedem Stücke der Besiegte, und wenn er sich vorstellte, daß sein Unfall Franz ein Verdienst in Cenzi's Augen geben mußte, dann verwandelte sich das Bett in einen glühenden Rost. Die Warnung des Doktors Röber, daß er durch seine Ungeberdigkeit nur seine Wiederherstellung verzögere und eine glückliche Heilung geführte, verschlug nichts.
Inzwischen hatte das neue Jahr reichen Schnee- fall gebracht. Alle Wege und Stege wurden all-
mählig verweht und während zwischen den Ortschaften in den Thälern ein viel lebhafterer Verkehr als im Sommer sich herstellte, häuften sich um den Kranwethof die Schneemassen höher und höher und schloffen ihn von der Welt ab. Es konnte niemand mehr zu Thal oder herauf. Das Gehöft lag in dem Schnee wie in einem weichen, warmen Reste. Sonst war es auch Marlinger als ein solches erschienen, jetzt ließ ihn die heimliche Eifersucht zu keinem Behagen gelangen und nahm ihm selbst die Lust an feinen Büchern. Der Spitzen-Schelli, den er für seine Bücherkäufe verwendete, hatte ihm auf seinem letzten Hausirgange Ratzel's populäre „Vorgeschichte des europäischen Menschen," in Innsbruck kaufen müssen und war damit in der Neujahrswoche herauf gekommen. Marlinger hatte das Werk kaum erwarten können und jetzt schielte er fortwährend über dessen Text und Abbildungen aus Cenzi und suchte aus ihren Mienen zu errathen, ob sie an Franz dächte. Ja, sie dachte an ihn und malte es sich aus, wie köstlich es sein müßte, mit ihm in dieser Weltabgeschiedenheit vergraben zu sein. Ihre Pulse klopften ungestüm, ihre Wangen glühten und um so schöner erschien sie ihrem Staune, dessen Sinnlichkeit von der Eifersucht angefacht wurde.
Eines Sonntags, als sie nach dem Mittagessen am Fenster stand und die Sonnenstrahlen ihren schönen blonden Kopf und ihre schlanke Gestalt umspielten, erhob Marlinger sich von der Ofenbank, aus der ausgestreckt er sie betrachtete, schlang seinen Arm um ihre Husten und küßte sie, ehe sie
sich dessen versah. Sie stieß ihn heftig zurück. Er lachte. AIs er aber sah, daß ihre Augen wie ein blaues Feuer auf ihn gerichtet waren und die Flügel ihrer 'feinen Rase vor Zorn bebten, rief er giftig:
„Möchtest wohl, daß ich der Franz wäre, wie?"
Ihre Brauen zuckten kaum merklich; er aber gewahrte es dennoch und fuhr fort:
„Er ist's, der Dir immer im Sinn liegt. Mir machst Du nichts weiß. Sag' nein, wenn Du den Muth dazu hast!"
Aber sie schwieg. Das Blut stieg ihr brausend zu Kops und ihre Augen, die sie unverwandt auf ihn gerichtet hatte, öffneten sich weiter und weiter.
„Die Schuld macht Dich stumm, Du liebst ihn," zischte er.
„Wenn Du es weißt, warum fragst Du mich noch?" entgegnete sie mit einem fast klagenden Ton, indem alle Farbe aus ihrem Gesichte entwich.
Marlinger schlug ein Hohngelächter auf.
„Es geschieht mir Recht," ergrimmte er gegen sich selbst. „Hab's ja immer gewußt, daß die Weiber nichts taugen, und die seinen am wenigsten. Trotzdem muß mich der Teixl reiten, daß ich just die da mir aufhalse!" Wieder lachte er höhnisch auf und dann wandte er sich mit funkelnden Augen gegen Cenzi und knirschte: „Hast Du denn ganz vergessen, daß Du mein Weib bist und mir Treue geschworen hast?"
„Gott sei's geklagt, daß ich es that," stöhnte sie. „Das ist meine Straff dafür, daß ich den Franz lieben muß. (F. f.)