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Htlsseldtl Kreisdilltt.

Mit wöchentlicher Hratis-AeikageIllustrirtes Ilnterhaltungsßtatt".

Nr. 76.

Donnerstag den 1. Juli

1886.

2MS* Bestellungen auf dasKreisblatt" werden noch fortwährend von allen Kaiserlichen Postanstal­ten, Landbriefträgern und von der Expedition ent- gcgeugenoiumen,

Aus dem Landtage.

Berlin, 28. Juni. Das Abgeordnetenhaus beschäftigte sich zunächst mit dem vom Herrenhause in abgeänderter Fassung zurückgelangten Entwurf einer Kreis- und Pro- Vinzialordnung für die Provinz Westfalen. Die Debatte drehte sich nur um den abgeänderten §. 27, welcher von den Amtmännern handelt. Nach den Beschlüssen des Herrenhauses soll die Ernennung des Amtmannes aus Grund der Vorschläge des Kreisausschusses, gemäß den früheren Beschlüssen des Abgeordnetenhauses nach den Vorschlägen der Amtsversammlung durch den Oberpräsi­denten erfolgen, nalbdeur der KreisauSschub sich über die. siide» gellUßert hüt. Nach längerer Diskussion, in welcher von verschiedenen Seiten die Wiederherstellung der früheren Beschlüsse befürwortet wurde, während der Herr Minister des Innern von Puttkamer mit Rücksicht aus das Zu­standekommen des Gesetzes sür die Ausrechthaltung der Beschlüsse des Herrenhauses eintrat, wurde ein Antrag des Abg. Fryrn. vBtzeeremann aus Wiederherstellung des § 27 nach den ersten Beschlüssen des Abgeordnetenhauses in namentlicher Abstimmung mit 141 gegen 189 Stimmen abgelehnt und der Gesetzentwurf unverändert definitiv ge. nehmigt. Eine Interpellation des Abg. von Strombeck (Centr.) und Genossen, betressend die Ueberschwemmungen in den Kreisen Duverstadt, Einbeck tc., wurde von dem Herrn Minister des Innern von Puttkamer dahin beant­wortet, daß die Regierung ohne Weiteres auch nicht die moralische Verpflichtung übernehmen iönne, sür alle durch die Wilterungbverhältnifie herbeigeführten wirthschastlichen Schäden mit den Milieu, des Staates einzutreten, daß aber in Fällen, wo Besitzer in ihrem Nahrungsstande be­sonders schwer geschädigt worden, aus dem Dispositions­fonds Beihülfen geleistet werden würden. Schließlich ge­langte noch eine Reihe von Wahlprüfungen, sowie eine Peunon lokalen Inhalts zur Erledigung. Nächste Sitzung Mittwoch 1 Uhr (Interpellation des Abg. Eberly-Haiber- stadt; Petitionen.)

(Unbefugter Nachdruck verboten.) Auf dem Kranmethof.

Eine Geschichte aus den Alpen. Von Robert Schweichet- (Fortsetzung)

Marlinger glaubte den Schlüssel im Schnee ver­loren zu haben, und da er unter altem Eisen einen ungefähr passenden Schlüssel fand, so feilte er diesen sich zurecht Auf einem so einsam ge­legenen Hofe, wie es der Kranwelhof war, mußte man sich auf allerlei Künste verstehen, und Mar­linger war in manchem Sattel gerecht.

Während der verloren geglaubte Schlüssel überall eifrig gesucht wurde, hielt Cenzi diesen in ihrer Tasche fest umklammert. Er gab ihr die Macht, zu jeder Stunde die Thür zu öffnen, die in das dunkle Jenseits führte, wo es keine Schmerzen gab. Indessen mischte sich in die Süßigkeit geliebt zu werden, das bittere Gefühl, noch einmal den Frieden der Seele erkämpfen zu müssen, mildem sie bereits die finstere Schwelle überschreiten wollte. Die Liebe hatte ihr im letzten Augenblick gezeigt, wie schön das Leben sein könnte, aber sie sagte ihr auch, daß sie es jetzt noch nicht wegwerfen dürfte, wenn sie Franz nicht den tiefsten Schmerz bereiten wollte. Als sie sich seinen Schmerz über ihren Tod vorstellte, netzten wollüstige Thränen ihre Augen. Allein sie gehörte nicht zu den schwächlichen Seelen, die beklagt sein wollen. Ach, wenn sie zusammen hätten sterben können! Aber das durste nicht sein. Für sie war ein liebeleeres

Komische Nachrichten.

(Deutschland.) Das Befinden Sr. Majestät des Kaisers ist, nach Berichten aus Ems, ein vorzügliches.

Fürst Bis marck wird sich in den nächsten Tagen nach Kissingen und nach Beendigung der dortigen Kur nach Gastein begeben.

Am Montag Mittag hat der bayrische Prinz- Regent den Berfassungseid geschworen. Nach der Eidesleistung hielt Freiherr v. Franckenstein als Präsident des Reichsraths eine Ansprache, in welcher er der schmerzlichen Vorgänge gedachte und dem Vertrauen aus die Regentschaft dahin Ausdruck gab, daß dieselbe -bestrebt sein werde, ebenso an den Verträgen mit den anderen deutschen Stämmen festzuhalten wie Bayerns Rechte voll und ganz zu wahren.

Auffallender Weise hat die Commission der bayrischen Kammer die vom Ministerium vorge­schlagene dringliche Verfassungsänderung (betr. definitiver Anstellung von Beamten während der Regentschaft) abgelehnt.

Die Verlängerung des kleinen Belagerungszu­standes für Leipzig auf die Dauer eines Jahres wird durch Bekanntmachung imReichsanzeiger" ausgesprochen.

Am Mittwoch sollte unter großen Feierlichkeiten in Bremen die Eröffnung der ostasiatischen Post- dampferlinie mit dem DampferOder" stattfinden.

Die Einschiffung d-r AblösuugSiMnnschaften für die in Ostasien weilenden SchiffeBismarck" undNautilus" auf dem DampferRoma", Capitän Schultz, ist am Sonnabend früh erfolgt, und noch am selben Abend zwischen 5 und 6 Uhr hat der Dampfer von Wilhelmshaven aus die Reise nach Hongkong angetreten. Es verlassen mit diesem, der Hamburger Dampfschifffahrts- Rhederei gehörenden Dampfer, der eine Besatzung von 39 Mann hat, 475 Officiere und Mannschaf-

Dasein völlig werthlos; ihm dem Manne bot das Leben tausendfältigen Ersatz für die Entsagung. Nein, sie durfte ihn nicht mit sich ziehen!

Da brächte das Ingesinde vom nächsten Kirch­gänge die Nachricht von dem unglücklichen Sturz des Tuifelebauers heim und daß Franz Oppen- rieder ihn gerettet und auf seinem Schlitten nach Täufers gefahren habe. Cenzi's blaue Augen leuchteten bei der Erzählung aut Marlinger, der es bemerkte, krümmte höhnisch die Lippen und als Beide allein waren, sagte er:

Jetzt möcht' ich wissen, ob die Welt nicht ein TollhauS ist? Erst wollen sie einander die Hälse brechen und nachher geht der Franz hin und rettet seinem Todfeind das Leben. ES ist zu dumm

Der Franz hätte ihn wohl umkommen lassen sollen?" fragte Cenzi mit erglühenden Wangen. Für Dich ist freilich eine Gutthat nur zum Spotten, Du lachst halt über alles, Dir ist nichts heilig.

Ihr Mann sah sie mit seinen großen Augen durchdringend an und sagte:

Es giebt Sachen in der Welt, über die Einer blos lachen kann, oder"

Er brach ab und zuckte die Achselu.

Oder?" fragte Cenzi, seinen Blick ruhig auS- haltend.

Oder man ist selbst ein Narr!"

Mit diesen scharf hervorgestoßenen Worten wendete er sich zu dem nächsten Fenster und trommelte mit den Knöcheln auf die in Blei gefaßten Scheiben.

Er kam sich vor, als ob er selbst aus dem Wege

ten unserer Marine den heimathlichen Boden, ' um 2 Jahre lang auf der ostasiatischen Station zu verweilen. Das Eintreffen der abzulösenden Mannschaften, welche dieRoma" nach Wilhelms­haven zurückbringen wird, ist gegen Mitte Octo- ber zu erwarten.

(Oesterreich-Ungarn) Nach Informa­tionen, welche demFremdenblatt" von zuständiger Seite zugehen, ist von einer Zusammenkunft des Kaisers von Rußland mit dem Kaiser von Oester­reich, welche im Herbst in Warschau stattfinden sollte, in Wien nichts bekannt. Dagegen wird in etwa drei Wochen in Gastei» (>h? Q«s«w»tu= kunft der halfst aouijeim und F r a n z I o - f ep h stattfinden.

(Frankreich.) Der Kriegsminister Boulanger stößt mit seiner Armee-Reorganisation aus größeren Widerstand, als er zu finden wohl vorausgesetzt hatte. In den Pariser Blättern findet man fast täglich Einsendungen, welche den einen oder anderen Theil des Reorganisationsplaues heftig angreifen. Auffallend ist es, daß überall da, wo Boulanger sich an das preußisch-deutsche Muster anlehnt, die Gegnerschaft verstummt. Das Manifest des Grafen von Paris wird fortwährend an vielen Orten angehestet und den ländlichen Wählern unter Kreuzband in Millionen Exemplaren zuge­schickt. Der General Pri n z Murat und sein Sohn sind, da sie einer ehemaligen Herrscherfamilie (Bonaparte) angehören, aus den Armeelisten gestrichen worden. Der Herzog von Ne­mours (Orleans) hat die Präsidentschaft der Gesellschaft zur Hülfeleistung für Verwundete niedergelegt. m ,

(England.) Das neu zu wählende Parla­ment ist durch eine Ordre der Königin bereits zum 5. August einberufen worden. Der Wahl­kamp i hat inzwischen den höchsten Grad der Hef­tigkeit erreicht. Der Ausfall der Wahlen ist dies­mal unberechenbar.

wäre, ein Narr zu werden. Seltsam, daß er das Wort nicht vergessen konnte, das ihm Hellrigel in seiner Wuth vom Sattel zugcrufen hatte! Welch ein Unsinn! Daß seine Frau dem jungen Oppen- rieder gefiel, das wollte er gelten lassen. Wem gefiel sie nicht? Wer beneidete ihn nicht um das schöne Weib? Franz war freilief} ein anderer Bursche als Paul. Aber er hatte ihn und Cenzi ja immer beisammen gesehen und erinnerte sich nicht, etwas Verdächtiges bemerkt zu haben. Immer? Hatte er denn nicht seine Frau in Täufers zurückgelassen? Waren sie nicht beide aus der Rückfahrt von dort allein gewesen? Ihr Erschrecken fiel ihm wieder ein, als er geäußert, daß der Bursche sich jetzt vor dem Tuiselebauer tu Acht nehmen könnte, und wie freudig stolz ihre Augen vorher darüber aufgeleuchtet, daß Franz seinen Nebenbuhler gerettet hätte! Wer kennt sich in den Weibern aus? Und Cenzi war jung, und sein Haar bereits ergraut. Er stellte Franz im

sein Haar bereits ergraut. Er stellte Fi Geiste neben sich und verhöhnte sich selbst ... rang er mit seiner eifersüchtigen Regung und wollte sie sich nicht eingestehen, aber heimlich beobachtete er jeden Blick Cenzi's, belauerte er ihre Worte und stellte ihr Fallen, um sie zu Aeußerungen über Franz zu veranlassen. .

Es würde Paul Hellrigel, der mit fest eilige« schiente« Beine ruhig im Bette liegen bleiben mußte, die Qual seines Zustandes erträglicher ge­macht haben, wenn er gewußt hatte, daß der Pfeil, den er im Davonreiten abgeschossen, den Kranwet- Dauer getroffen und das Gift der Eifersucht heim-

Zwar