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Hersstliler Krcisblätt.

Mit wöchentlicher Kratis-WeilageIlluflrirtcs Interhaktungsökalt".

Nr. 74.

Sonnabend den 26. Juni

1886.

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Die Expedition.

Amtliches.

Hersfeld, den 23. Juni 1886.

Die Ehefrau des Maurermeisters Ruh n zu Heddersdorf, Anna Elisabeth geb. Gast, hat um Ertheilung eines Reisepasses behufs Auswande­rung nach Amerika nachgesucht.

7241. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Auf dem Kranmethof.

Eine Geschichte aus den Alpen. Von Robert Schw eichet.

(Fortsetzung)

Aus Liebe zu mir hat sie uns Beide unglück­lich gemacht," rief Franz bitter.Und so bin ich mit Schuld an Deinem Elend, o, du gekreuzigter Heiland. Aber ich lasse Dich nicht fahren, gieb auch Du die Hoffnung nicht auf. Wir sind ja Beide noch so jung und wer weiß, was die Zeit bringt. Ist die Noth am höchsten, ist die Hilf' am nächsten. Der Marlinger ist alt, ich wünsche seinen Tod nicht, aber er kann sterben."

Ja der Tod kann uns alle erlösen," sagte ste leise, indem sie Franz tief in die Augen blickte.

Still gingen sie weiter, Jedes seinen schmerz­lichen Gedanken nachhängend, und kamen in den Wald, der schon zum Kranwethof gehörte. Bei einer Wettertanne, von deren breiten Gezweige lange, graue Moosbärte herabhingen, blieb Cenzi stehen und sagte:

Laß' uns hier Abschied nehmen, oben könnten wir es ja nicht von Herzen. Es ist jetzt gut, daß Du in Täufers nicht bleiben magst. Geh' bald! Und eines bitt ich Dich, Herzliebster, komm vor­her nicht wieder herauf. Gönne mir's, daß ich es in mir allein verwinde. Ob meine Lieb' zu Dir eine Sünd' ist, heilige Mutter Gottes, ich kann nicht anders. Mit dem Schwert im Herzen lieb ich Dich! O, Franz! Franz!"

Gefunden: eine Mütze. Meldung des Eigen-I wieder zusammengetretene) Reichstag werde schon thümers bei dem Ortsvorstand zu Nohrbach. am Montag seine Session schließen.

Aus dem Landtage.

Berlin, 23, Juni. Das Abgeordnetenhaus beschäftigte sich heute mit der Nothstandsvorlage für die durch die Hochfluthen dieses Frühjahres beschädigten Weichsetdistrikte in zweiter Berathung, die noch einmal zur Erörterung der Frage sührte, was geschehen solle, um derartigen Kalami­täten für die Zukunft vorzubeugen. Von anderer Seite wurde die Beschuldigung wiederholt, daß durch die Maß­nahmen bezw. Unterlassungen der StaatSregierung die Ka­tastrophe zum Theil herbeigeführt worden sei. Der Herr Minister für die landwirthschaftlichen Angelegenheiten Dr. Lucius nahm deshalb Veranlassung, nochmals daraus hin­zuweisen, daß die Arbeiten an der Weichsel seit 30 Jahren unausgesetzt daraus gerichtet gewesen, für den Abfluß des Wassers und Eises nach Möglichkeit zu sorgen. Was die in Aussicht genommenen Arbeiten an der Mündung an- lange, so befinde sich diese Frage zur Zeit noch im Sta­dium der Erörterung, so daß er nicht in der Lage sei, schon jetzt eine bestimmte Erklärung abzugeben. Der Ge­setzentwurf wurde daraus unverändert genehmigt. Es folgte die Berathung von Petitionen, bei welcher sich indeß die Beschlußunfähigkeit des Hauses es wurde die Anwesen­heit von nur 156 Mitgliedern konstatirt herausstellte, so daß die Verhandlungen abgebrochen werden mußten. Nächste Sitzung Freitag 11 Uhr (Dritte Lesung der Nothstandsvorlage (kleinere Gesetzentwürfe.)

Politische Nachrichten.

(Deutschland.) Se. Majestät der Kaiser empfing am 23. d., Mittags 1 Uhr, den einstün- digen Besuch Ihrer Majestät der Kaiserin, welche mit Separatzug von Coblenz in Eins ein­getroffen war. Am Donnerstag machte der Kaiser eine Kurpromenade und nahm später die Borträge des Hofmarschalls Grafen Perponcher und des Generallieutenants von Albedyll entgegen.

Fürst B i s m a r ck hat sich am 23. d. Mts. für einige Tage nach Barzin begeben.

DieKreuzztg." will wissen, der (am Freitag

Fast ausschreiend vor Weh stürzte sie dem tief Erschütterten an die Brust. Sie hatte einen stillen Abschied für die Ewigkeit von ihm nehmen wollen; daß er sich fo gestalten würde, hatte sie nicht geahnt in der Christnacht. Das Bewußtsein, geliebt zu werden, machte den Schmerz nicht zu einem Schwerte, das durch ihr Herz ging, sondern zu hundert Dornen, die es zerrissen. Ihre Um­armung, ihre Küsse und Thränen waren von einer verzehrenden Gluth und Heftigkeit.

Latz' mir noch Zeit, über alles nachzudenken." sagte er endlich und küßte ihr die Thränen von den Wimpern.Ich habe mir ja nimmer vor- stellen können, daß Du mich liebst. Es muß einen Ausweg für uns geben, und ich werd' ihn finden.

Sie schüttelte den Kopf; er aber fuhr fort, ihr Muth einzusprechen, und sie versuchte zu lächeln, um ihre völlige Hoffnungslosigkeit zu verbergen. Von den Tannenzweigen puderte Schnee auf sie herab. Nun riß sich Cenzi mit innerer Gewalt­samkeit los und Franz blickte ihr nach, bis sie in der Krümmung des Weges um den aussteigenden Waldboden verschwand. Dann setzte er sich mit einem schweren Seufzer auf einem Felsblock und stützte das Gesicht in die Hände. Er wollte über ein Auskunftsmittel Nachdenken; allein er sah immer nur Cenzi's blasses Gesicht mit den schmerz­lich zuckenden Lippen vor sich und vermochte nichts zu denken.

Cenzi verlangsamte ihre Schritte, sobald sie wußte, daß Franz sie nicht mehr erblicken konnte.

Mit der Einführung des Repetirgewehres bei der deutschen Armee ist nunmehr der Anfang gemacht. Das sächsische Schützenregiment Prinz Georg und das sächsische Infanterie-Regiment Nr. 106 sind mit dieser Waffe ausgestattet worden; dieselbe wird mit 10 Patronen geladen, kann aber auch als Einzellader verwendet werden.

Nachdem die Regentschaft in Bayern durch die Zustimmung beider Kammern zu vollem Recht besteht, tritt die Frage einer Verfassungs­änderung in den Vordergrund, nach welcher die Rechte des Regenten erweitert werden sollen. Prinz Luitpold soll sich jeder Aenderung abgeneigt zeigen. Eine zweite Frage ist der Fortbestand des Mini­steriums Lutz, gegen welches die Landtagsmehrheit Front macht. Zunächst dürften die Minister von Feilitzsch und v. Crailsheim zurücktreten, denen man wenigstens indicect vorwirft, das Entmündi- gungsverfahren gegen König Ludwig nicht in passender Art eingeieitet zu haben. Münchener Gerüchte behaupten, Prinz-Regent Luitpold werde demnächst den Kaiser Wilhelm in Ems oder Gastein besuchen.

Im Widersprüche mit anderen Angaben ver­lautet, daß die Unterhandlungen deutscher Unter­nehmer mit der chinesischen Regierung wegen Uebertragung der beabsichtigten umfangreichen Eisenbahnbauten im Innern Chinas einen guten Verlauf nehmen und daß eine Vereinbarung in kurzer Zeit wahrscheinlich ist.

(Belgien.) Die Regierung wird ihre Social- Politik mit Gesetzvorlagen, betreffend die Maß­regeln gegen die Trunksucht und die Einschränkung der Kinder- und Frauenarbeit in Bergwerken, einleiten.

(Spanien.) In Angedenken an die Folgen, welche ein im vorigen sommer drohender Krieg mit Deutschland für Spanien gehabt haben würde,

Die Wucht des Schmerzes drückte sie zu Boden. Ein Reiter kam ihr entgegen. Da sie den Kopf gesenkt hatte und der Schnee den Hufschlag dämpfte, gewahrte sie ihn nicht eher, als bis er ziemlich nahe herangekommen war und sie bet ihrem Namen anrtef. Es war der Tuitelebauer, der von dem Kranwethof kam, und Cenzi erkannte ihn ohne Neberraschung noch Verdruß. Es gab für sie nichts mehr, was sie noch hätte erregen können.

Paul Hellriegel hatte seine Schuld, in der er noch bei Marlinger stand, benutzt, um den Zutritt zu dem Kranwethof, den er sich im Rausche ver­scherzt, wieder zu gewinnen. Die Schuld war zwar erst am Dreikönigstage fällig, allein seine Leiden­schaft für Cenzi hatte ihn nicht den Tag erwarten lassen, und so war er am zweiten Feiertage auf den Kranwethof gekommen. Welche Enttäuschung für ihn, als er Cenzi nicht fand! Wie brannte ihn die Eifersucht, als Marlinger, indem er das zuvor aufmerksam gezählte Geld wegschloß, ihm mittheilte, daß sie bet Oppenrieders in Täufers sei. Seine Entschuldigungen wegen seines Beneh­mens hatte Marlinger mit einem stummen Achsel­zucken ausgenommen und war wortkarg geblieben. Wann Cenzi wiederkommen würde, wüßte er nicht und er hatte Paul weder zurückzuhalten versucht, noch zum Wiederkommen eingeladen, als diesen nun die Eifersucht nicht länger Ruhe auf dem Hofe gelassen hatte. n z u

Er hätte ein lautes Trmmphgeschrei erheben mögen, als er jetzt Cenzi im Walde und allein sich entgegenkommen sah.Grüß Gott, Kranwet«