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Nr. 73.

Doimerstag tat 24. Juni

1886.

Abonnements-Einladung.

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©ie Expedition.

Amtliches.

Hersfeld, den 22. Juni 1886.

Die Herren Lehrer des Kreises werden davon in Kenntniß gesetzt, daß in der ersten Hälfte des Monats August d. Js. wiederum im pomolo- gischen Garten zu Cassel ein Lehrkursus im Obst­bau für Bolksschullehrer abgehalten werden soll, und wollen Diejenigen, welche an dem fraglichen

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Auf dem Krunluethof.

Eine Geschichte aus den Alpen.

Von Robert Schwetchel.

(Fortsetzung)

Cenzt widerstrebte es, in ihrer Stimmung ihren Bekannten und Freundinnen zu begegnen und die Muhme drang nicht auf ihre Begleitung, ja, es war ihr erwünscht, daß sie zu Hau e bleiben wollte, hatte Cenzi doch jetzt die beste Ge egenheit, Franz über den Grund feiner Lieblosigkeit auszuforschen. Frau Oppenrieder mahnte sie noch mit einem letzten, bedeutungsvollen Blicke baran^ Franz hatte unterdessen sein noch unfertiges Schifflein geholt, dessen Einrichtungen er Eenzi erklären wollte.

Du willst also wirklich wieder auf die See gehen?" fragte Eenzi, das zierliche Modell be­trachtend.

Aber, wenn Du dazu entschlossen bist, warum machst Du Deiner Mutter das Herz noch schwerer, indem daß Du so herb zu ihr bist? An nichts als an Dir allein hängt ihr Herz.

Franz machte eine verlegene Miene.

Ich habe sie ja auch lieb," sagte er ausweichend. Eenzi schüttelte den Kopf.

Nicht wie Du sollten, Franz. Du hast was gegen sie. Was tftS ?*

Sie hob die Augen fragend zu ihm auf. Er sah finster zur Seite.

Nein, sag's mir, Franz," bat sie.

Cursus Theil zu nehmen wünschen, bis spä­testens zum 5. Juli er. mir darüber schrift­liche Anzeige erstatten, gleichzeitig auch, nachvor- gängiger Rücksprache mit dem betreffenden Herrn Lokalschulinspector, angeben, in welcher Weise Ihre Vertretung im Schul- und resp. Kirchen- dienste zu bewirken sein würde, und ob die be­treffenden Gemeinden gewillt sind, Ihnen zu dem in Rede stehenden Zwecke eine eventuell näher zu bezeichnende Unterstützung zu gewähren. Bemerkt wird, daß den an dem Cursus theilnehmenden Lehrern eine Unterstützung aus Staatsmitteln be­willigt werden kann. Bezüglich des Kostgeldes verweise ich auf die diesseitige Verfügung vom 14. Februar 1879 Nr. 1924 im Kreisblatt Nr. 14.

* * *

Die Herren Bürgermeister des Kreises werden angewiesen, Vorstehendes den Herren Lehrern Ihrer Gemeinden sofort mitzutheilen, auch wegen Bewilligung einer Beihülfe zu den in Rede stehenden Kosten die Gemeindebehörden als­bald zur Beschlußfassung zu veranlassen und von deren Ergebniß die Herren Lehrer ungesäumt zu benachrichtigen.

7176. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

ff Die Eifenhahnverchältniste in Frankreich

sind vom 1. Januar 1884 ab durch eine Anzahl Verträge, welche die Regierung unter Genehmigung der Landesvertretung mit den sechs großen Eisen­bahngesellschaften abgeschlossen hatte, auf eine neue Grundlage gestellt. Während die Regierung u. Ä. früher an die Mehrzahl der Gesellschaften recht erhebliche Zuschüsse zur Zahlung der Zinsen für ihre Prioritäts-Obligationen geleistet hatte, wurden diese Zinsbürgschaften in den neuen Ver­trägen beseitigt, die Rückstände nebst Zinsen den

Dir, Dir soll ich es sagen?" rief er mit wogen­der Brust. Und Du redest meiner Mutter das Wort, die Dich Nu ja, ich kann es ihr nimmer vergessen, daß sie Dir den MarUnger aufge­drungen hat."

Nein, nein, Franz!" rief sie erschrocken. Er aber fuhr, unfähig, sich länger zu beherrschen, fort:

So sehr hängt ihr Herz an mir, daß Du aus dem Hause mußtest um meinetwillen, und ich, ich mußte erst heimkommen, als es zu spät war, an Deinem Hochzeitstag I"

Sie war bleich geworden und zitterte an allen Gliedern. Ihr Herz klopfte so stark, daß es ihr den Athem benahm. Er war aufgesprungen. Keines Wortes mächtig stand er vor ihr. Auch ihm pochte das Herz zum Zerspringen.

Eenzi! Eenzi!' rief er mit einem unbeschreib­lichen Ton.

Wie in einem Nebel sah sie ihn zu ihren Füßen und dann hielt sie seinen Kopf gegen ihren Busen gedrückt. Wie konnte sie es begreifen, daß er sie liebte!

Allmächtiger Gott, Eenzi, ist es denn wirklich wahr, daß Du mich liebst?" stammelte er.

Beide vergaßen, daß es außer ihnen noch eine Welt gab.

Als Oppenrieder mit seiner Frau aus der Kirche kam, saß Eenzi in dem Herrgottswinkel, wo von bunten hölzernen Figürchen ein Golgatha aufge­baut war, hatte den blonden Kopf gegen das dunkle Holzgetäsel gelehnt und ein glückseliges Lächeln umspielte den jugendrothen Mund,

Gesellschaften theils erlassen, theils zum Bau neuer Strecken überwiesen. Wenn dagegen in den neuen Verträgen den Gesellschaften regierungs­seitig eine Mindestdividende für ihre Actien in Höhe von 7/.2 bis 13»/2 Procent gewährleistet wurde, so ging man sowohl bei der Regierung, als auch in den beiden Häusern des Parlaments von der Voraussetzung aus, daß diese Bürgschaft ohne alle thatsächliche Bedeutung sei; die Mindestdividende werde unter allen Umständen von den Bahnen allein herausgewirthschaftet wer­den. Schon das erste Jahr der neuen Verträge hat die Unrichtigkeit dieser Rechnung ergeben. Nur Eine Bahn, die Nordbahn, die auch früher die Zinsbürgschaft der Regierung nicht in An­spruch genommen hatte, hat aus ihren eigenen Erträgen den Actionären die zugesicherte Divi­dende bezahlt. Den übrigen Gesellschaften hat die Staatsregierung Zuschüsse im Gesammtbe- trage von nicht weniger als Fr. 42 949 830 zah­len müssen, um sie in den Stand zu setzen, den Actionären für 1884 die zugesicherten Dividenden auszuzahlen.

Für das Jahr 1885 wird sich diese Summe vermuthlich nicht unerheblich erhöhen, da, nach den amtlichen Mittheilungen, die großen Gesell­schaften in diesem Jahre Fr. 38 310 907 weniger, als im Jahre 1884 eingenommen haben.

Diese Zuschüsse werden natürlich aus den Taschen der Steuerzahler geleistet obgleich in Frankreich das Privatbahnsystem herrscht. Daß die Gesellschaften sie der Regierung jemals zurück­vergüten, ist nach den Erfahrungen mit den früheren Zinsgarantie-Zuschüssen, welche im Jahre 1883, wie bemerkt, den Gesellschaften ein­fach erlassen werden mußten, höchst unwahr- scheinlich._______

Aus dem Landtage»

Berlin, 22. Juni. Das Abgeordnetenhaus hielt heute nach den Ferien wiederum eine Sitzung. In derselben

Frau Oppenrieder brannte vor Begierde, von Cenzt zu erfahren, ob sie, Franz ausgeforscht hätte. Eine günstige Gelegenheit hierzu bot sich jedoch erst, als sie Cenzt Abends in das Stübchen führte, das diese während ihrer Mädchenjahre bewohnt hatte, und jetzt brauchte sie nicht mehr zu fragen. Wie sie alle plaudernd und scherzend um den Tisch gesessen hatten, Nüsse knackten und Zinn gössen, war ihr das Herzensgeheimniß Franzens offenbar geworden. Die Lustigkeit, in welche seine gedrückte düstere Stimmung am Vormittage umgeschlagen; die leuchtenden Blicke, mit denen er immer Cenzt angeschaut, ihr jedes Wort gleichsam von den Lippen genascht; sein Bemühen, sie zu unterhalten, ihr in jeder Weise gefällig und dienstbar zu sein, das alles hatte eine Sprache geredet, die sie nicht mißverstehen konnte. Er liebte Cenzi! Es war für sie eine schreckliche Entdeckung. Jetzt begriff sie, warum sein Herz gegen sie kühl geworden war, warum er nicht in der Heimath bleiben wollte und auch nicht konnte. Sie selbst hatte das Verhäng- nib Herbetgeführt und Franz in das Unglück ge­stürzt, während sie ihn auf ihre Weise glücklich machen wollte. Ihr Mann sprach noch im Bette davon, wie schön der Abend gewesen wäre.

Und so gut hätten wir es jetzt auf unsere alten Tage immer haben können, wenn Du nicht den Brei versalzen hättest," so schloß er, indem er sich der Wand zudrehte, und war bald eingeschlafen, während die bittersten Selbstvorwürse seine Frau wach erhielten.

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