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Hersfeld, 16. Juni. Die diesjährige Haupt­versammlung des Heffen-Caffelschen Hauptvereins der evangelischen Gustav-Adolph-Stiftung findet am 21. Juli d. J. in Gudensberg statt.

Hersfeld, 16. Juni. Als strafbare Nach­bildung von Photographien ist nach einem Urtheil des Reichsgericht. III. Strafsenats, vom 29. März d. J., die Zusammenfügung mehrerer Pholo- graphischer Bilder zu einem Gruppenbild und die Photographische Vervielfältigung dieses Gruppen­bildes zu betrachten, wenn diese Zusammenfügung auf rein mechanischem Wege ohne Zuhülfenahme der mahlenden, zeichnenden oder plastischen Kunst- mitlel erfolgt ist.

t Hersfeld, 16. Juni. Am vergangenen Montag erhängte sich in ihrer Wohnung die Ehefrau des Weißgerbers Gölte. Die Motive, welche sie zu der That getrieben haben, sind un­bekannt.

Cafsel, 16. Juni. Die zweite diesjährige Schwurgerichlsperiode unter Borsitz des Herrn Landgerichtsrath Bolz, beginnt am Montag den 21. d. M.

Casiel, 11. Juni. Heute früh kurz nach 7 Uhr erregte folgender Unfall einen großen Menschen­auflauf aus dem Kratzenberge. Ein mit 3 Pferden bespannter großer Bierwagen gerieth durch einen Deichselbruch an der abschüssigen Stelle der Köl­nischen Allee unweit derQuerallee in's Rollen und rannte mit solcher Gewalt gegen das daselbst be­findliche SteuerhäuSchen, daß dasselbe theilweise zerstört und ein Stück fortgerückt wurde. Hieraus schlug das daraus befindliche Faß um und zersprang und der ganze Inhalt, ca. 3600 Liter, über­schwemmte zum großen Bedauern der Zuschauer die Straße.

Caffel> 15. Juni. Ein Metzgergeselle hatte kürzlich in der Schäfergasse beim Ausladen eines KalbeS aus einen Wagen das Unglück, auszugleiten und bei dem Falle drang ihm der an seiner Seite hängende Wetzstahl tief in den Leib, so daß er schwerverletzt fortgebracht werden mußte.

Aus dem Kreise Ziegenhain. In dem Dorfe Setgertshausen verübte der 25jährige Maurer Braun an dem Ortsdiener Raumann einen, wie es scheint, lang ausgeschobenen Act der Rache. Braun hatte von Raumann einmal als Knabe eine gehörige Ohrfeige bekommen, und bei einem oder wahrscheinlich mehreren Gläschen Schnaps wachte die Erinnerung daran plötzlich in ihm mit solcher .Stärke aus, daß er dem nichts ahneuten Ortsdiener in auswallendem Rachegefühl mit einer Senfe einen Schlag über den Kopf versetzte. Glücklicherweise hatte der Betrunkene nicht mit der Schärfe der Sense gehauen, sonst hätte er Raumann den Schädel gespalten. Letzterer ist nichtsdestoweniger schwer am Kopse verletzt. (E. A. Z.)

Fulda, 11. Juni. Der 14jährige Sohn einer in der unteren Schulstraße daheer wohnenden Familie mußte gestern, in später Abendstunde, seine Unvorsichtigkeit, die er unberufener Weise in Be- handlnng eines ExplosionSstoffeS beging, mit dem Leben büßen. Derselbe stand im Begriffe, eine Patrone oder etwas Aehnliches an der Lampe zu entzünden, als ihm der tödtliche Stoff nach er- folgter Erhitzung den oberen Rand des Unken Ohres streifend in den Kopf drang. Der schleunigst her- beigerufene Arzt konnte nur mehr den Tod con-

statiren. Eine gerichtliche Commission, welche sich gegen 10 Uhr des Abends an den Thatort begab, verhaftete den Spielkameraden des Verunglückten, dessen Eltern im selbigen Hause wohnen, um durch ihn Näheres über den Erwerb des betreffenden Explosionsstoffes zu ermitteln.

Rotenburg, 10. Juni. Der hiesige Turnver­ein hat vor kurzer Zeit ein Grundstück erworben, auf welchem eine Turnhalle erbaut werden soll. Heute wurde in Gegenwart des Herrn Bürgermeister Wetzest, der Baubehörde und des gesummten Turn­vereins unter den üblichen Formalitäten der Grund­stein gelegt.

Sachsenhagen, 11. Juni. Ein recht bedauerns- werlher Fall hat sich vorgestern hier ereignet. Als Nachmittags ein Junge mit den Kühen, die er zur Weide getrieben hatte, nach Hause kam, waren die Eltern des betr. Knaben nicht anwesend, und eine Nachbarsfrau wollte^ nun deshalb beim Ein­lässen der Kühe in den Stall behilflich sein, dabei wurde aber eine von den Kühen wild und stieß mit ihren Hörnern die Frau in den Leib. Es war zwar ärztliche Hülfe zur Stelle, jedoch muß an einem Aufkommen gezweifelt werden.

Bad Wildungen, 14. Juni. Soeben durch­eilt unsern Ort die Trauerkunde, daß Herr von S a l d e r n zu Arolsen, Landes-Director der Fürsten- thümer Waldeck und Pyrmont, in vergangener Nacht nach längerem Leiden an den Folgen eines Geschwürs in der Luftröhre, nachdem eine noth­wendige Operation erst vor Kurzem glücklich voll­zogen war, verschieden ist.

Vermischtes.

Nord Hausen, 10. Juni. Nach ange­stellten Erhebungen beträgt der durch die letzten großen Gewitter verursachte Schaden auf dem Eichsfelde 4 Menschen, 600 Schafe, 30 Schweine, 20 Ziegen, 2 Kälber und nicht bestimmbares Ge­flügel und Bienenstöcke. Der Flurschaden wird auf 900,000 Mark geschätzt. Noch täglich laufen trübselige Berichte ein.

Gr one, 9 Juni. Wie gefährlich es ist, kleinere Kinder unbeaufsichtigt sich selbst zu über-1 lassen, zeigt wieder ein Unglücksfall, der sich am Montag hier ereignet hat. Ein dortiger Ackers­mann war mit seiner Frau zur Arbeit auf das Feld gegangen und hatte seine Kinder allein zu Hause gelassen. Dem größeren von diesen fällt ein Beil in die Hände. Es hantirt mit demselben umher und hat dabei das Unglück, einer kleinen etwa fünfjährigen Schwester die rechte Hand ab- zuhauen. Das Kind ist freilich sofort nach dem Ernst-August-Hospitale geschafft, und dort ist ihm die Hand an den Arm wieder angenäht worden. Die Aerzte haben aber dabei selbst bezweifelt, daß dem unglücklichen Kinde die Hand gerettet werden wird.

Hildesheim, 20. Juni. Heute ist hier die Nachricht eingetroffen, daß der Studiosus Stolle aus Sarstcdt, der vom letzten hiesigen Schwurgericht wegen Ermordung seines Stiefvaters zum Tode verurtheilt worden war, vom Kaiser dahin begna­digt ist, daß die Todesstrafe in lebenslängliche Ge- fängnitzstrafe umgewandelt worden.

Gera, 8. Juni. Von dem hiesigen Land­gericht ist der 15jährige Knabe Lamprecht aus Sch> llroda zu vier Wochen Ge'ängniß und Zahlung

von 2000 Mark Geldbuße verurtheilt worden, weil er in der letzten Sylvesternacht dem Dienstmädchen Großner mit einem blind geladenen Terzerol das rechte Ange ausgeschossen hat.

Bamberg, 7. Juni. Zwei Soldaten des hiesigen Ulanen-Regiments wurden gestern Nacht 12 Uhr von einer Infanterie-Patrouille angehalten. Sie versuchten zu entlaufen und nachdem dieselben den dreimaligen Haltrufen nicht Folge leisteten, wurde auf sie geschossen, wobei einer derselben so­fort getödtet wurde.

-Berlin, 11. Juni. Der Magistrat be­schloß heute, den Anträgen des provisorischen Comites für eine deutschnationale Ausstellung im Jahre 1888 entsprechend, bei der Stadtverordneten­versammlung zu beantragen, den Treptower Park als Ausstellungsplatz zu genehmigen, sowie aus städtischen Mitteln zwei Millionen als fonds perdu zur Beihülfe zu gewähren, vorausgesetzt, daß das Reich die bereits bei dem Reichskanzler beantragten 3 Millionen beiträgt.

Ein frecher Postdiebstahl ist gestern in Zürich verübt worden. Auf offener Straße wurdm aus dem Postwagen mittelst Nachschlüssels 30,000 Frcs. entwendet. Einer der Thäter wurde verhaftet, der andere, welcher das gestohlene Geld mit sich führte, ist flüchtig.

Chicago. Eine verheerende Feuersbrunst brach am Montag Morgen in der Kanalstraße, im westlichen Stadttheil, aus. Die Flammen ver­breiteten sich schnell, und ehe die Feuerwehr Herr derselben wurde, waren mehrere Wohngebäude voll­kommen eingeäschert. Alan fürchtet, daß viele Menschenleben zu beklagen sind, indem der District sehr dicht bevölkert ist. Acht Personen sind, so weit man weiß, in den Flammen umgekommen.

Catania, 10. Juni. Der Aetna ist voll­ständig ruhig; die Einwohner kehren nach Rico- lost zurück.

Rom, 11. Juni. Zwischen Naro und Campobella, in der Provinz Girgenti, ist eine Schweselmine e'ngestürzt; 80 Arbeiter wurden ver­schüttet. Bisher ist nur ein Todter herausgezogen. Ein in der Schweselgrube ausgebrochener Brand mit starker Rauchentwickelung erschwert die Ret­tungsarbeiten.

E in s ch wab i scher B au er blieb oft zum großen Aerger seiner Frau lange im Wirthshause sitzen. Die Frau beschloß einst, ihn durch Schrecken auf bessere Wege zu bringen. Sie trat, als der Bauer wieder einmal spät heimging, phantastisch aufgeputzt hinter einem Baume vor. »Wer ischt des?" fragt der Mann etwas stutzig. »Ich bin der Böse!" brummt die Bäuerin. »Komm her und gib mir die Pfot," sagt der Bauer, »ich han Doi Schweschter zur Frau."

Meininger 7 Gulden-Loose. Die nächste Ziehung findet am 1. Juli statt. Gegen den Coursverlust von ca. Mk. 15 pro Stück bei der Ausloosung übernimmt das Bankhaus Carl R e u b u r g e r, Berlin, Französische Straße 13, die Versicherung für eine Prämie von Mk. 0,50 pro Stück.

Weizen 100 Kilogr. 15 M. 80 Pf. bis 16 M. 35 Pf. Roggen 100 Kilogr. 13 M. 75 Ps. bis 14M. 30 Pf. Gerste - M. - Pfg. bis - M. Pf. Hafer 100 Kilogr. 13 M. -M. bis 13 M. 60 Ps.

blieb sie stehen. Der Fels brach steil vor ihren Füßen ab. Schwere eisgraue Wollen zogen am Himmel und warsen ihren Schatten auf die Tannen in der Tiefe, aus deren Düster das Brausen des Wildbaches dumpf herausscholl. Cenzi erinnerte sich, daß sie in ihrer Hochzeitsnacht hier hinabgeschaul hatte, und wünschte, daß sie mit dem Wagen da­mals in die Tiefe gestürzt wäre. Mit einem bittern Lächeln ging sie weiter. Sie gedachte der damaligen Worte ihres Mannes, daß man mit allem fertig werde, wenn man ihm herzhaft in das Gesicht blicke. Wehrte sie sich nicht mit aller Krast, und was half es ihr? Freilich, das selig unselige Gefühl, in welchem der Mensch Himmel und Hölle aus Erden durchkostet, hatte sie ungeahnt über- schlichen und hielt jetzt ihr Herz umklammert, so daß sie es ebenso wenig hätte entwurzeln können wie die Wettertanne dort, von der ein Rabe krächzend aufflog.

Es lag ihr wie Blei in den Süßen und ihr Gang wurde immer schwerer und zögernder, je näher sie dem Hofe kam. Marlinger, der in Hemd­ärmeln in der überheizten Stube bei alten Zei­tungen saß, deren ihm der Großknecht von dem Gastwirth in Mühlwald ein Pack mitgebracht hatte, merkte ihr nichts an. Er sah auch nur flüchtig von seinen »Tiroler Stimmen" auf, deren Ultramoutanismus ihm die Galle erregte; eben darum las er sie. Cenzi selbst verwunderte sich, als sie vor dem Spiegel ihr reiches bernsteingelbes Haar glättete, nachdem sie den Mantel und den flachen schwarzen Hut abgelegt, daß sich in ihrem Gesichte nichts von dem verrieth, was ihr Herz

durchwühlte. Darin irrte sie; ihre blauen Augen hatten einen tieferen, schwermüthigeren Blick be­kommen, sie war überhaupt schöner geworden. Wenn sie noch dieselbe Freude wie ehedem an ihrer Erscheinung gehabt hätte, so würde es ihr nicht entgangen sein. Nur am Morgen noch, als sie sich zur Kirche angekleidet, hatte sie es wieder denken müssen, daß es diese Schönheit war, die sie zur Frau Marlinger's gemacht hatte. Was lag ihr jetzt daran, daß sie reich war? Jauchzend hätte sie alles wieder hingegeben, um nur dem Zuge ihres Herzens frei folgen zu dürfen.

Aber sie durfte es nicht und sie hatte einen starken Willen. Vergebens! Das erwachte Herz ließ sich nicht bändigen und sie erfuhr erst jetzt, wie heiß es war.

Nach ein paar klaren Tagen begann es zu schneien. Es war windstill und die Flocken senkten sich sanft auf die Erde und so dicht, als ob ein Federbett ausgeschüttet würde. Schon am nächsten Morgen lag der Schnee so hoch, daß man nach dem Brunnen, den Ställen, der Käserei Gänge ausschauseln mußte, und es schneite weiter.

Für Cenzi lag in dem Gedanken eine Erleichterung, daß jetzt aus den Thälern Niemand auf den Kran- wethos gelangen könnte, auch er nicht. Sie näherte sich ihrem Manne mehr als früher; allein er ver­stand sie nicht. Die Frauen galten in seinen Augen nur als eine Art von höherem Hausthier und nichts lag ihm ferner, als daß Cenzi bei ihm Schutz vor ihrer Liebe suchte. Nur seine Sinne vernahmen das Anpochen, das seinem Herzen galt,

und seine Zärtlichkeit erfüllte sie mit zunehmenden Widerwillen. Ihre Widerstandskraft erlahmte. Die Zukunft erfüllte sie mit Grauen. So lange Jahre hinleben zu sollen an der Seite dieses Mannes, schuldbewußt und dennoch nach dem süßen Glück verlangend, das ihr für immer ver­sagt war! Nun die Liebe ihr Herz durchbrannte, empfand sie es erst, wie tief sie sich selbst erniedrigt halte, indem sie Marlinger um seines Geldes willen geheirathet hatte. Und mußte Franz nicht ebenso von ihr denken und sie verachten? Sie arbeitete über ihre Kräfte, um sich zu betäuben; wenn dann Abends Marlinger bei seinem Buche und sie bei ihrem Spinnrade saß, dann brach das Bewußtsein ihres Elends um so gewaltiger über sie herein. Und warum sollte sie dieses Elend weiter schleppen? Wann sie sich Abends niederlegte, geschah es mit dem Wunsche, nicht wieder auszuwachen. Ewiger Schlaf! Da dachte sie an das Fläschchen mit dem Todtenkopfe in dem Schranke ihres Mannes. Mar­linger hatte ihr erzählt, daß sein Inhalt genüge, um den Schlaf, den einige Tropfen gewährten, zu einem ewigen zu machen. Das Bewußtsein, daß es jeden Augenblick in ihrer Macht stand, still und schmerzlos aus dem Leben zu schlüpfen, wirkte be­schwichtigend. Sie wehrte ihrer Seele nicht mehr, an Franz zu denken; es war ja ein Abschied.

Franz war von seinem letzten Besuche auf dem Kranwethofe ein Anderer zurückgekommen, als er hinauf gegangen. Er hatte sich, ohne zu grübeln, dem Eindrücke überlassen, den Cenzi's Schönheit und ihr Wesen auf ihn gemacht. (F. f.)