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„Mustrirtes IlnterhattungsölatL".
Nr. 68. - Donnerstag den 10. Juni
1886.
Amtliches.
Der Herr Ober-Präfident hat dem Vorstände des landwirthschasttichen Kreisvereins in Kirchhain die Genehmigung ertheilt, bei Gelegenheit der im Monat Juli d. Js. daselbst stattfindenden Wander- versammlung des landwirthschasttichen Central- vereins eine Verloosung von mustermäßigem Vieh und landwirthschasttichen Maschinen und Geräth- schaften abzuhalten.
Die Zulassung dieser Verloosung ist unter der Bedingung erfolgt, daß nicht mehr als 15 000 Loose ä 1 Mark ausgegeben werden und daß deren Vertrieb aus den Umfang des Regierungsbezirks Casset beschränkt bleibt.
Casset den 25. Mai 1886.
Königliche Regierung, Abtheilung des Innern.
Hersfeld, den 31. Man 1886.
Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß in der Sitzung der Kreisstandschaft des hiesigen Kreises vom 3. d. Mts. gemäß § 2 der Polizei-Verordnung Königlicher Regierung zu Cassel vom 17. Januar 1879 (Amtsblatt Seite 40) die nachstehenden Personen als Mitglieder der Körungs-Kommission bezw. zu deren Stellvertretern für den hiesigen Kreis pro 1886, 1887 und 1888 gewählt worden sind:
a) für den Amtsgerichtsbezirk Hersfeld.
I. Zu Mitgliedern der Körungs-Commission:
1) Gutsbesitzer Franz Roll zu Meisebach,
2) Oeconom und Gastwirth Peter Heil hier,
3) Gutsbesitzer Schwarz zu Unterhaun.
11. Zu deren Stellvertretern:
1) Oeconom und Gastwirth B. Knauff hier,
2) Müller Johannes Claus zu Mecklar,
3) Oeconom Ferdinand Roll zu Obergeis.
b) für den Amtsgerichtsbezirk Nicdcranla.
I. Zu Mitgliedern der Körungs-Commission:
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Auf dem Kranmethof.
Eine Geschichte aus den Alpen. Von Robert Schweichel.
(Fortsetzung.)
„Die Buben sind eben einen ganz andern Kours gesegelt wie ich, seitdem wir mitsammen gespielt und gerauft haben. Un im Haus —*
„NuS" fragte Cenzi, die sich ihm gegenüber gesetzt und den Kopf auf den runden weißen Arm gestützt hatte, gespannt.
„Nu, mein Alter ist verdrießlich, daß mir die Landwirthschaft keinen Spaß macht. Als ob ich deshalb heimgekommen wäre! Eben so gut, als das Vieh abwarten und Dung fahren, hätt' ich auch geistlich werden können. Und die Mutter will mir durchaus die Christi aufschwätzen. Sie ist hartnäckig wie schlecht Wetter. Reiche Mädchen wären nicht häßlich, meint sie, und just ich wäre der Mann, die Christi dahin zu bringen, daß sie ihre Hoffahrtsseget refft. Na, ich dank' bafür!"
„Sie möchte Dich eben in Täufers sesthatten,* sagte Cenzi mit einem tiefen Athemzuge.
«Ja, ja, es ist steifer Gegenwind und ich muß in einem fort laviren," versetzte er. „Ich wollte, Du wärst noch im Haus! Mich wundert's, daß mir die Mutter nicht geschrieben hat, daß Du Braut bist.
„Ich war es dazumalen noch nicht*, antwortete Cenzi, der das Blut durch den schlanken Hals in das Gesicht stieg.
1) Gutsbesitzer Baron von Lepel zu Hattenbach,
2) Oeconom Eschstruth I. zu Frielingen,
3) Oeconom Jacob Grenzebach zu Niederaula.
11. Zu deren Stellvertretern:
1) Bürgermeister Groskurth zu Hattenbach,
2) Oeconom Bezzenberger zu Kirchheim,
3) Oeconom Conrad Schüler zu Reckerode.
c) für den Amtsgerichtsbezirk Friedewald.
I. Zu Mitgliedern der Körungs-Commission:
1) Gutsbesitzer Gliemeroth zu Wölfershausen,
2) Gutsbesitzer Sandrock jun. zu Lautenhausen,
3) Oeconom Bippart zu Hermannshof.
II. Zu deren Stellvertretern:
1) Ackermann Johann Georg Waitz zuHarnrode,
2) Ackermann Heinrich Saam zu Friedewald,
3) Wirth Ruch zu Widdershaufen.
d) für den Amtsgerichtsbezirk Schenkleugsfeld.
I. Zu Mitgliedern der Körungs-Commission:
1) Oeconom Reinhardt jun. zu Unterweisenborn,
2) Oeconom Licht zu Oberlengsfeld,
3) Müller Jacob Schüler zu Schenklengsfeld.
11. Zu deren Stellvertretern:
1) Gutspächter Otto zu Oberlengsfeld,
2) Gutsbesitzer Reinhardt zu Landershausen,
3) vorh. Bürgermeister Ehmer zu Heimboldshausen.
20. Der Königliche Landrath
Freiherr von L> ch l e i n i tz.
Hersseld, den 8. Juni 1886.
Die am 21. August 1864 geborene Anna Catha- rina Wittekind von hier hat um Ertheilung eines Reisepasses behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht.
6588. Der Königliche Landrath
Freiherr von S ch l e i n i tz.
Gefunden: eine Zugkette. Meldung des Eigen- thümers bei dem Ortsvorstand zu Reckerode.
„So schnell hat sich das gemacht?* rief Franz überrascht.
Er wollte noch etwas hinzusetzen, wurde aber durch den Eintritt Marlingers unterbrochen. Diesem stand eine üble Laune deutlich in dem hagern Gesicht; sein Rheumatismus schien sich in Folge der schlechten Witterung wieder melden zu wollen.
In seiner verdrießlichen Stimmung nahm er aus allem, was Cenzi sagte und that oder nicht that, Veranlassung zu krittlichen Bemerkungen. Cenzi schwieg dazu, aber es kränkte sie, vor Franz wie ein Kind behandelt zu werden; und dieser fühlte sich .wiederholt versucht, für sie Partei zu ergreifen. Nur einmal ließ er sich zu der Aeuße- rung hinreißen:
„Es ist verwunderlich, was sich Einem zwischen den Bergen für Spinnengewebe in's Gehirn hängen! Du solltest Dir auch einmal eine frische Brise um die Nase wehen lassen.*
Er zog aus der Brusttasche ein Päckchen photo- graphischer Ansichten von den Orten und Gegenden, die er aus seinen Fahrten berührt hatte. Cenzi rückte dicht an seine Seite und es gewährte ihm wahrlich kein geringeres Vergnügen, die Bilder auszudeuten, als ihr, sie zu betrachten. Auch Marlinger nahm an ihrer Betrachtung ein lebhaftes Interesse. Die Stirnen der beiden jungen Leute berührten sich fast. Franz fühlte die Wärme ihrer Wangen an der seinigen und sie den Hauch seines Mundes über ihr Haar streifen und wann sie ausschaute, senkte sich Blick in Blick. Lebhafter färbten sich die jugendlichen Gesichter und ihr
Aus dem Landtage.
Berlin, 7. Juni. Das Herrenhaus hielt heute nach längerer Pause eine Sitzung, in welcher fast debattelos die Gesetzentwürfe, betreffend Abänderungen der Kirchengemeinde- und Synobalordnung vom 10. September 1873, betreffend den Staatsbeitrag zu den Kosten des Altonaer Zollanschlusses, sowie der zwischen Preußen, Oldenburg und Bremen unterm 20. März d. I. abgeschlossene Vertrag bezüglich der Unterhaltung der Schifffahrtszeichen auf der unteren Weser und endlich der Gesetzentwurf über die Errichtung letztwilliger Verfügungen in dem Bezirke des Ober-Landesgerichls zu Frankfurt a/M. zur Annahme gelangten. — Morgen: Lehreranstellungsgesetz ; Militär-Kom- munalsteuergesetz; Verhandlungen des Landeseisenbahnraths.
Berlin, 8. Juni. Das Herrenhaus erledigte heute zunächst das Lehreranstellungsgesetz für die östlichen Provinzen nach längerer Debatte, in welcher die polnifchen Mitglieder Namens ihrer polnischen Landsleute gegen diese Aus- Nahmegesetzgebung, die nicht blos für die beiden Provinzen, sondern für die gesammte Monarchie schädlich wirken müsse, Verwahrung einlegten, durch unveränderte Annahme, nachdem der Herr Kultusminister Dr. von Goßler eingehend die Zwecke desselben, sowie die Gründe, welche zu deffen Erlasse geführt, erörtert hatte. Der Gesetzentwurf, betreffend die Heranziehung von Militärpersonen zu Abgaben für Gemeindezwecke, wurde en blue angenommen, Morgen: Kreis- und Provinzialordnung für Westsalen und Gesetzentwurf, betreffend das Diensteinkommen der Lehrer an den nichtstaatlichen höheren Lehranstalten.
Politische Nachrichten.
(Deutschland.) Se. Majestät der K a t s e r wohnte am Sonntag in Potsdam dem Stiftungsfest des Lehr-Jnfanterie-Bataillons (dem sogen. „Schrippenfest") bei. — Am Montag, dem Sterbetage seines Vaters, besuchte der Kaiser das Mausoleum in Charlottenburg, in welchem Friedrich Wilhelm III. und Königin Luise ruhen.
Der Reichstag hält seine nächste Sitzung am 25. d. ab. Die zweite Lesung der Branntweinsteuer-Vorlage soll am 26. staltfinden.
Die Frage der A n z e i g e p f l i ch t in Preußen ist nunmehr auch geregelt. Der päpstliche Stuhl
Augen leuchteten von einem erhöhten Glänze.
Franz blieb die Nacht auf dem Hofe und Cenzi selbst traf zu diesem Zwecke die nöthigen Vorkehrungen im Fremdenstübl. Dasselbe lag über der großen Stube und empfing aus dieser die Wärme durch einen viereckigen Einschnitt in der Decke über dem Ofen. Marlinger philosophirte unterdessen über das Reisen. Der ganze Gewinn desselben sei zuletzt doch nur die Erkenntniß, daß die Menschen überall gleich wären. Ueberall sührten sie dieselbe Komödie auf, und um das zu wissen, brauchte er nicht aus der Stube zu gehen.
Franz hörte mehr aus den leichten Schritt Cenzi's über seinem Haupte als auf Marlinger, der die Gelegenheit wahrnahm, seine Menschenverachtung so recht voll auszusprechen.
Als Franz sich dann später in dem sauber bezogenen Bette streckte, fühlte er sich glücklicher als selbst in jener ersten Nacht nach seiner Heimkehr unter dem väterlichen Dache. Der Abend war ihm wunderbar schnell verstrichen und auch Marlinger hatte ihm ohne Einsprache und Bemerkungen zugehört, als er zu dem Schnurren der Spinnräder von dem fliegenden Holländer und dem Kla- bautermännchen erzählte. Die Mägde hatten oft vor Spannung und Grausen den Athem zurückgehalten; doch auch manch lustig Stückiein hatte er zum Besten gegeben. Das Brausen des Wildbaches wiegte ihn ein und in alle seine Träume mischte sich Cenzi. Zuletzt sah er sie reizend geschmückt wie an ihrem Hochzeitstage; statt der Brautkrone trug sie jedoch rothe Rosen im Haar, das wie ein